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Rubrik Schweizer Spitäler rüsten sich für VoIP Swisscom zieht bis Ende 2017 allen Analog- und ISDN-Telefonen den Stecker. Was bedeutet das für die Schweizer Spitäler? Wie gut sind sie auf die Abschaltung vorbereitet? Autor: Christian Tschümperlin 12 All IP

Illustration: iStock Die Tage der analogen Telefonie sind gezählt. Im März 2014 kündigte Swisscom an, sämtliche Telefone seiner Privat- und Geschäftskunden bis Ende 2017 auf Voice over IP (VoIP) zu migrieren. Davon sind auch Schweizer Spitäler betroffen. Die Frist läuft bald ab. Wie sieht die Umstellung bei den verschiedenen Spitälern aus? Auf welche Schwierigkeiten stossen sie, und was erwarten sie von der neuen Technologie? Thorsten Summer leitet das Projekt «Telefonie 2016» am Universitätsspital Zürich. Zum Universitätsspital kam er überhaupt erst wegen der anstehenden Umstellung, wie er im Gespräch sagt. Von der Technologie erhofft er sich viel: «Unsere derzeitige Telekommunikationsinfrastruktur ist veraltet und muss ersetzt werden. VoIP bot uns die Gelegenheit, eine innovative Gesamtlösung zu schaffen.» VoIP ist mehr als ein Telefon Hinter dem Begriff «Gesamtlösung» steckt mehr als nur ein Telefon, das statt an der traditionellen Telefonleitung ans Internet angeschlossen ist. Die Möglichkeiten seien vielfältig, heisst es etwa beim Stadtspital Triemli. Über VoIP lassen sich demnach etwa Aufträge an Personengruppen verschicken. Quittiert ein Mitglied einen Auftrag, ist dies für die Gruppe sichtbar. Aufträge, die nicht quittiert werden, können nach einer definierten Zeitperiode an einen Supervisor weitergeleitet werden. Am Triemli- Spital will man sich künftig gar mit der Ortung mobiler Geräte zur Unterstützung der Logistik beziehungsweise zur Überwachung dementer Patienten beschäftigen. Das Universitätsspital Zürich wechselt demnächst von der Planphase in den Pilotbetrieb. Es entschied sich für eine Lösung von Unify. Dessen «offene Schnittstellen sowie die grosse Flexibilität des Systems kommen uns sehr entgegen», sagt Summer. Bei der Lösung lassen sich das Handy und das Telefon zuhause nahtlos einbinden, wie Bernhard Rust von Unify ergänzt. Die zugehörige Smartphone-App läuft unter iOS, Android, Blackberry OS und Windows Phone. Sie zeigt an, ob eine Person gerade erreichbar oder besetzt ist. Einmal angewählt, verbindet der «One Number Service» automatisch mit dem richtigen Endgerät. Egal ob Mobilgerät oder Tischapparat. Unternehmen wie Unify bündeln derlei Features unter dem Begriff Unified Communication (UC). All-IP stellt besondere Anforderungen an die IT-Security Die Krux daran: UC benötigt mehr Schnittstellen, als dies bei der herkömmlichen Telefonie der Fall ist. Je mehr Schnittstellen vorhanden sind, desto mehr Schnittstellen können ausfallen. Gegen deren Ausfall sichern sich die Spitäler ganz unterschiedlich ab. Das Kantonsspital Glarus etwa machte damit schon Erfahrungen: «VoIP-Systeme können eher ausfallen als die analogen herkömmlichen Telefongeräte», sagt Bernhard Zünd, dortiger Informatikleiter. Im Kantonsspital sei das für 1 bis 2 Minuten schon mal passiert, als ein Switch ausfiel. Die betroffenen Mitarbeiter hätten dies aber sofort bemerkt und die Nottelefone aus den Ladestationen genommen, sagt Zünd. Als Nottelefone verwendet das Kantonsspital Glarus herkömmliche Mobiltelefone. Beim Universitätsspital Zürich sind die Router und Switches mit einer USV-Anlage (unterbrechungsfreie Stromversorgung) vor Stromausfällen geschützt. Das Kantonsspital Aarau betreibt nach eigenen Angaben als eines von ganz wenigen ein flächendeckendes UMTS- Netz, das als Rückfallebene dient. Neben den Schnittstellen stellt auch der Frequenzbereich von VoIP-Telefonen die Spitäler vor Herausforderungen. VoIP-Telefone nutzen nämlich in erster Linie WLAN zur Kommunikation. Das Frequenzspektrum von WLAN ist aber teilweise überladen. Am Stadtspital Triemli war genau dies einer der Hauptgründe, weshalb man sich für VoIP Dect statt für VoIP-WLAN-Telefone entschied. Bei VoIP Dect liegt die Frequenz unterhalb des WLAN-Frequenzbandes, wie das Stadtspital erklärt. Die vielen Features, die VoIP bietet, laufen in der Regel über einen Server. Die Hirslanden-Kliniken betreiben zwei virtuelle Server an unterschiedlichen Standorten. Über sie läuft die ICT-Infrastruktur für 16 Krankenhäuser. Das Kantonsspital Glarus unterhält ein eigenes Rechenzentrum. Während das Telefon- und Alarmierungssystem über einen physischen Server abgewickelt werden, sind die Vermittler- und Abrechnungsserver virtuell. Das Universitätsspital Zürich betreibt seine Kernsysteme in zwei redundanten Rechenzentren. Die Zeitersparnis macht die Mehrkosten wett All das kostet die Spitäler eine Menge Geld. Das Universitätsspital Zürich etwa investiert in die Umstellung rund 7 Millionen Franken. Summer erhofft sich von der Investition «erhebliche Effizienzsteigerungen». Bernard Zünd vom Kantonsspital Glarus nennt keine genauen Zahlen. Aber: «Die Investitionen sind enorm.» Es handle sich vor allem um Hardware- und Soft- Markt All IP 13

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