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Podium «Die Probleme

Podium «Die Probleme stecken oft im Detail» Thomas Meier Leiter Service Center, SRG SSR Bitte beschreiben Sie kurz Ihr Projekt. Thomas Meier: Weltweit haben die Telekomprovider angekündigt, ISDN als Service abzuschalten. In der Schweiz tut Swisscom dies 2017. Das zwingt die Broadcaster dazu, neue Technologien einzuführen. Audio over IP (AoIP) ist gesetzt. Es gibt keine Alternativen. Basierend auf dem Sip-Standard, der ebenfalls von den Telekomprovidern genutzt wird, baut die SRG SSR einen nationalen neuen AoIP-Service auf. Dieser ermöglicht die Zuführung von Live-Kommentaren oder allgemeinen Kommunikationsverbindungen in bester Broadcast-Qualität. Welche Möglichkeiten erhoffen Sie sich vom Wechsel auf All-IP? Seit einiger Zeit lässt die Servicequalität von ISDN zu wünschen übrig. Das hängt mutmasslich mit der veralteten Technik und, mangels eines grossen Deckungsbeitrags, mit dem geringen Interesse der Provider zusammen. Mit AoIP wird demnach eine verbesserte Servicequalität und eine verbesserte Audioqualität erreicht. Die Zeiten, in denen Skirennen in Übersee in Telefonqualität (3.4 kHz) kommentiert wurden, sollten damit endgültig vorbei sein. Welche Probleme mussten oder müssen Sie noch lösen? Der Markt bietet zwar den Standard und die dazugehörenden Protokolle (Sip, RTP). Der Markt würde auch genügend Sip-Provider bieten. Leider fokussieren sich diese auf die reine IP-Telefonie. Die Tonqualität reiner Telefonverbindungen ist für Live-Übertragungen zu schlecht. Mangels Sip-Provider für Broadcast ist auch die SRG SSR gezwungen, das entsprechende Know-how und den Service aufzubauen – also faktisch ein Service-Insourcing zu machen. Die Hürden, die dazu zu nehmen waren – und immer noch sind –, sind vielfältig: • Das Know-how über Sip fehlte anfangs gänzlich. Es mussten Partner gesucht werden, die konzeptionell mithelfen konnten, einen professionellen und broadcast-tauglichen Service aufzubauen. Die Skills der Betriebsmitarbeiter, Techniker und Journalisten mussten stufengerecht angepasst werden. Das braucht Zeit und kostet Geld. • Das interne Netz (LAN) ist für den Transport von AoIP zu konzipieren und, wo notwendig, zu dimensionieren. Das Netzwerk der SRG SSR hat keinen QoS für AoIP definiert. Aufgrund der sehr hohen verfügbaren Bandbreiten und der hochperformanten Netzwerkgeräte ist es trotzdem absolut broadcast-tauglich. Alle Unternehmenseinheiten der SRG SSR sind über das WAN miteinander verbunden. Das Netz wird zentral betrieben. Somit können die benötigten Protokolle an jedem Standort über einen freigeschalteten Switch-Port zur Verfügung gestellt werden. • AoIP wird oft über das Internet zugeführt. Das stellt ein Sicherheitsrisiko dar. Entsprechend müssen umfangreiche Konzeptarbeiten für eine praktikable IT-Security-Lösung gemacht werden. Es braucht eine Balance zwischen IT-Security und Usability von AoIP. • Ausfälle infolge überlasteter Netzabschnitte sind jederzeit möglich. Das fordert das Betriebskonzept: Journalisten und Kommentatoren müssen über geeignete Back-up-Konzepte und Geräte verfügen. Diese sind technologisch vom Internet zu trennen. • Der Markt bietet wenig wirklich ausgereifte Sip-fähige Geräte (Codecs). Trotz gut definierter Standards sind Kompatibilitätsprobleme zu Sip und zu den Codecs an der Tagesordnung. Dies führt zu einem unschönen Dé jà-vu. Schon mit der Einführung von ISDN hatten die Broadcaster mit denselben Problemen zu kämpfen. Die Anbieter von Codes sind vor allem auf der Audio-Seite stark. Bei einigen ist das IT-Know-how schlicht und einfach mangelhaft. • Wahrscheinlich ist das Verkaufsvolumen noch zu klein. Was beschafft werden konnte, wurde oft zusammen mit den Lieferanten funktional optimiert. Was raten Sie anderen Unternehmen, die noch vor der Umstellung stehen? Auch wenn in ihrem Umfeld ISDN möglicherweise noch länger in Betrieb ist, lohnt es sich, frühzeitig auf AoIP umzustellen. Ob das Sip ist oder nicht, möchte ich offen lassen, obwohl es betrieblich eigentlich die einzig richtige Alternative zu einer vermittelten ISDN­ Verbindung ist. Die Probleme stecken oft im Detail und vor allem im eigenen Haus. Produktionsnetze sind oft sicherheitstechnisch vom Büronetz abgeschottet. Möglicherweise erzeugt das Routing von Sip und RTP konzeptionell und technisch viel Aufwand. Das braucht Zeit und kostet eventuell auch einiges an Geld. Wer sich also nicht auf dem linken Fuss überraschen lassen will, der steigt frühzeitig ein. Sich auf ganz wenige Codec-Typen und Hersteller zu beschränken, ist wichtig. Standardisieren Sie! Schon mit wenigen Geräten werden sie einiges zu tun haben. Gut bedient ist man, wenn nicht auf das neueste Gerät gesetzt wird. Early Follower, statt Early Adaptor ist immer eine gute Strategie. Vergessen Sie den Aufwand für das Change-Management nicht! Sie führen nicht einfach ein neues Gerät ein. Die Technologie ist neu. Die Fehlerbilder, die sich manifestieren, sind ganz anders – in Teilen der Anwendung zumindest. 18 All IP

Bild: Fotolia Podium «Der Umstieg gestaltete sich relativ einfach» Matthias Schmid Geschäftsführer, Schmid-Fehr Bitte beschreiben Sie kurz Ihr Projekt. Matthias Schmid: Die Schmid-Fehr AG bietet aussen den herkömmlichen Druckdiensten auch vermehrt Webapplikationen für automatisierte und bequemere Bestellprozesse, Publishing-Tools und an individuelle Kundenbedürfnisse angepasste Prozesslösungen an. Eine zentrale Rolle übernimmt deshalb die IT-Infrastruktur, die bei Schmid- Fehr im Backbone-Bereich komplett virtualisiert ist. Wir betreiben einen internen VoIP-Server, den wir aufgrund der ISDN- Schnittstelle bisher physisch betrieben haben. Mit dem Wechsel auf All-IP konnten wir nun auch den VoIP-Server virtualisieren, ohne vor einer möglichen Inkompatibilität zur Hardware (ISDN-Karte) zu stehen. Welche Möglichkeiten erhoffen Sie sich vom Wechsel auf All-IP? • Massiv mehr Möglichkeiten in der Zukunft, wenn die analoge Telefonie komplett durch die digitale abgelöst ist, etwa Videoanrufe oder Konferenzen über das Festnetz. • Eine einfachere und garantiert stabile Anbindung an virtuelle Umgebungen. • Eine bessere Sprachqualität bei Telefongesprächen. • Ein dynamischeres Routing der VoIP-Anbindung. Etwa eine hochverfügbare VoIP-Anbindung über eine Back-up-Leitung. • Kostenseinsparungen im hohen zweistelligen Prozentbereich. • Problemlose Skalierbarkeit. • Integration von Tochterunternehmen. • Verbesserte Arbeitsmöglichkeiten im Homeoffice. Welche Probleme mussten oder müssen Sie noch lösen? Fallback über Back-up-Leitung zum VoIP-PBX-Server, um VoIP-Telefonie ebenfalls hochverfügbar zu betreiben. Durch das automatisierte Monitoring und Failover durch UPC Cablecom haben wir bei der Internetanbindung massive Vorteile gegenüber früher. Diese wollen wir nun auch im VoIP-Bereich nutzen. Was raten Sie anderen Unternehmen, die noch vor der Umstellung stehen? Im Vorfeld Bedürfnisse und Möglichkeiten evaluieren, die sich mit der Umstellung auf All-IP anbieten. Natürlich sollte man den IST- Stand des Netzwerks prüfen und über mögliche Hardwarebeschaffungen nachdenken. Da Schmid-Fehr intern bereits vor der Umstellung auf All-IP überall IP-Telefone/DECT-Stationen über einen internen VoIP-Server betrieben hatte, gestaltete sich der Umstieg relativ einfach und ohne grössere Probleme. Aus Erfahrung empfehlen wir jedem Unternehmen, das vor der Umstellung steht, eine strikte Trennung von Firmen­ und VoIP-Netzwerk, um Performance-Probleme oder Unterbrechungen während Telefonaten zu verhindern. All IP 19

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