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Finance Online Algorithmus stösst Bankberater vom Thron Illustration: iStock 8 IT for Finance

Die Digitalisierung stellt die Finanzbranche auf den Kopf. Nun geht es an das Filetstück, die Vermögensverwaltung. Besonders für die traditionellen Bankberater wird es eng. Im Februar 2011 fanden drei einzigartige Ausgaben der amerikanischen Quizsendung Jeopardy statt. Der IBM- Computer Watson trat gegen zwei menschliche Mitspieler an – und schlug sie. Wer dies nur als schönes Beispiel für den Fortschritt der Algorithmen sah, hat weit gefehlt. Algorithmen gewinnen nicht nur Quizduelle gegen Menschen, seit neuestem verwalten sie auch deren Gelder. Was früher der Bankberater bei einem persönlichen Treffen machte, übernehmen heute sogenannte Robo Advisors. Mittels Online-Fragebögen eruieren diese Algorithmen die persönliche Risikoneigung des Kunden, wobei auch Aspekte aus der Verhaltensökonomie berücksichtigt werden. Anhand des entstandenen Anlegerprofils berechnet der Algorithmus innert Sekunden eine passende Vermögensallokation. Für die Umsetzung der Strategien werden hauptsächlich börsenkotierte Indexfonds, Exchange Traded Funds (ETF), eingesetzt. Gegenüber der traditionellen Vermögensverwaltung unterscheiden sich die digitalen Berater in drei Aspekten: Sie arbeiten mit einer automatisierten Software, die auf den Erkenntnissen der Finanzwissenschaft basiert wie etwa der Portfoliotheorie von Harry Markowitz. Zudem sind sie günstiger, und der Kunde kann sein Portfolio selbst verwalten, und zwar jederzeit – via PC, Tablet oder Smartphone. Der Autor Rino Borini, Herausgeber des «PUNKTmagazin» und Experte Finance 2.0/Fintech. Mündige Selbstentscheider Dank der Automatisierung und des Einsatzes von ETF sind die Verwaltungskosten der Robo-Advisor-Plattformen sehr tief, sie betragen zwischen 0,25 und 0,75 Prozent. Bei herkömmlichen Banken und unabhängigen Vermögensverwaltern fallen sie mit 1 bis 1,50 Prozent doppelt so hoch aus. «Robo Advisors sind für die gesamte Vermögensverwaltung in der Schweiz, in Europa und wahrscheinlich auch global ein Game Changer», sagt Sven Württemberger, der beim ETF-Anbieter iShares den Deutschschweizer Markt verantwortet. ETF machen in den USA bereits den Grossteil der privaten Anlagevermögen aus, in der Schweiz dagegen haben sie einen schweren Stand. Robo Advisors könnten der Branche zu einem Schub verhelfen, ist Württemberger überzeugt: «ETF können in der Online-Vermögensverwaltung, bei Model-Portfolios und Vermögensverwaltungs-Mandaten einfach eingesetzt werden. Für die ETF-Branche sind Robo Advisors ein zentraler und wichtiger Wachstumsmarkt.» Doch solche Veränderungen werden nicht nur durch den technologischen Fortschritt vorangetrieben, sondern auch durch die Bedürfnisse der Kunden. Massgebend ist hier die Generation Y. Die Millennials, aufgewachsen mit Computer, Internet und Handy, fordern von ihrer Bank eine Anpassung des Angebots. Ein zentrales Element dabei ist Kommunikation, sie soll online erfolgen. Den Gang in die Bankfiliale oder ein persönliches Beratungsgespräch mit ihrem Banker erachten sie als überflüssig. Schliesslich können sie sich die nötigen Informationen auch auf anderem Weg beschaffen. Jeder Dritte der technologieaffinen Generation Y geht davon aus, in fünf Jahren keine herkömmliche Bankfiliale mehr zu benötigen, wie die Goldman-Sachs-Studie «Future of Finance» schreibt. Diesen Trend bestätigt auch Marco Abele, Head Digital Private Banking bei der Credit Suisse: «Dieser neuen Kundschaft der jungen Vermögenden dauert der persönliche Beratungsprozess zu lange und die Eintrittshürden sind zu hoch.» Gemäss einer Studie von Wells Fargo setzen nur 16 Prozent der Millennials auf einen Bankberater. Doch auch wenn die Kunden mit ihren geringen Vermögen für Millennials (Jahrgänge 1980 - 2000) Weniger als die Hälfte besitzt keine Kreditkarte. dass sie in fünf Jahren keine Bank mehr benötigen. 14% dass nutzergenerierter Con tent 84% und < 1/2 Bewertung 33% glauben, der Kleinunternehmer nutzen alternative Finanzierungen. ihre Entscheide beeinflussen. 50% 1/2 geht davon aus, sagen, der Kleinunternehmer nutzen alternative Finanzierungen. im Jahr 2020 auf wöchentlicher Basis Bargeld zu gebrauchen. Finance Online IT for Finance 9

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