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IT for Gov 2018

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STRATEGIE

STRATEGIE E-Government: Wachstumsmarkt für die SwissID Die Umsetzung der elektronischen Identität in der Schweiz nimmt Fahrt auf. Mit der SwissID etabliert sich eine E-ID-Lösung mit hohem Tempo. Neben vielen Partnern aus der Wirtschaft investieren insbesondere auch Bund, Kantone und Gemeinden substanziell in die Ausweitung ihrer Dienstleistungspakete für das E-Government. Bis Ende 2021 dürften 3,5 Millionen Personen über ihre eigene SwissID verfügen und eine grosse Anzahl an privaten und staatlichen Onlinedienstleistungen sicher und einfach nutzen. Lisa M. ist Mitte 30, zweifache Mutter und Leiterin Hotellerie eines grösseren Alterszentrums. Es ist 7.15 Uhr. Sie ist in der S-Bahn unterwegs zur Arbeit nach Stäfa. Lisa nutzt die Zeit, um ein paar Pendenzen zu erledigen. Zunächst: Zweittägiges Dispensationsgesuch ihrer Tochter Valentina an der Kantonsschule Hohe Promenade. Dazu besucht sie das Portal des Gymnasiums und loggt sich mit Benutzername und Passwort schnell, einfach und sicher mit ihrer SwissID ein. Mit der Nutzung eines sogenannten zweiten Faktors kann Lisa auf Wunsch den Log-in-Prozess noch sicherer machen. Als Nächstes wählt Lisa online einen passenden Vorführtermin beim Strassenverkehrsamt; ebenfalls über die SwissID. Damit entfällt auch das lästige Notieren von unterschiedlichen Benutzernamen und Passwörtern. Die Schweiz setzt auf Freiwilligkeit Im Moment ist Lisas effiziente Nutzung von E-Government-Services mit der SwissID noch Zukunftsmusik. Zwar ist der Aufholbedarf der Schweiz bei der Digitalisierung noch hoch. Mit dem gegenwärtigen Platz 67 im E-Government-Ranking glänzt die Eidgenossenschaft im internationalen Vergleich nicht. Dass ein sonst innovatives Land ins Hintertreffen geraten konnte, hat mehrere Gründe. Der Staat hat in anderen Ländern erheblich mehr Druck aufgesetzt. So verpflichteten die dänischen Behörden bereits 2005 alle Lieferanten nach einer kurzen Übergangsfrist nur noch mit E-Billing statt Papierrechnungen zu arbeiten. Viele europäische Länder setzen zudem auf eine rein staatliche Lösung. Diese verpflichtet die Bürger dazu, eine kostenpflich tige E-ID zu lösen. Der Autor Urs Fischer, Chief Development Officer (CDO), SwissSign Es gehört zu den Vorzügen der Schweiz, dass der Staat die Freiwilligkeit dem Zwang vorzieht. Vielleicht braucht es dann etwas mehr Zeit, bis sich eine Innovation wie E-Government etabliert hat. Doch ist die Akzeptanz in der Bevölkerung dadurch gerade in Kombination mit einer nutzerfreundlichen Lösung wie der SwissID entsprechend hoch. Die Anwendungsbereiche werden in Zukunft sehr vielfältig sein – vom Auszug aus dem Betreibungsregister über das medienbruchfreie Einreichen der Steuererklärung bis zum Zivilschutzaufgebot. Kürzlich haben E-Commerce Versicherung Sicheres Einloggen Informationsfreigabe Willensbekundung E-Government Quelle: SwissSign 8

vier Kantone Verträge zur Einführung der SwissID unterzeichnet. Weitere Gemeinden und Kantone stehen in teilweise fortgeschrittenen Verhandlungen. Der E-Government-Zug nimmt zurzeit erheblich an Fahrt auf und Rang 67 dürfte bald der Vergangenheit angehören. Grosser Sprung nach vorn SwissSign plant bis 2021, die gegenwärtige Zahl der SwissID- Nutzer auf 3,5 Millionen zu versiebenfachen. Dieser grosse Sprung nach vorn mag ambitioniert klingen. Doch er ist durchaus realistisch. Einerseits gehen Bund, Kantone und Gemeinden mit Blick auf Onlinedienste und E-Government in die Offensive. Sie folgen der Vision, dass physische Behördengänge künftig mehr und mehr durch intelligente E-Government-Lösungen ersetzt werden. Andererseits will auch die Wirtschaft in faktisch allen Branchen ihren bestehenden und neuen Kunden die ganze Palette ihrer Produkte und Dienstleistungen komplett frei von Medienbrüchen und mit maximal möglichem Datenschutz digital zur Verfügung stellen: Autokauf, Abschluss einer Versicherung, Mieten einer Ferienwohnung, Anpassung des Handy-Abos – Derartiges können Nutzer mit einer SwissID in Zukunft bequem übers Handy, Tablet oder PC abwickeln. Um das zu veranschaulichen, werfen wir nochmals einen Blick in die S-Bahn und über Lisas Schultern. Es ist mittlerweile 7.22 Uhr. Lisa recherchiert, wo der Cityroller, den sich Sohn Maxime zum Geburtstag wünscht, am günstigsten zu haben ist. Gesucht, gefunden. Bei diesem Anbieter kauft sie erstmals ein. Während des Log-in-Prozesses gibt Lisa deshalb explizit das Einverständnis, dass der Verkäufer Angaben zu ihrer Bonität erhält. Denn sie will auf Rechnung zahlen. Zuerst der Cityroller, dann das Geld. Um 7.28 Uhr hat Lisa das Cityroller-Geschäft mit dem neuen SwissID-Signatur-Service und einer Zwei-Faktor- Authentifizierung über die SwissID-App besiegelt. Nun bleiben ihr sogar noch 9 Minuten, um «20 Minuten» zu lesen – in Papierform. Bei SwissID stehen Datensicherheit und Datensparsamkeit an oberster Stelle. Qualitätsoptimierung und Ausweitung Bei SwissID stehen Datensicherheit und Datensparsamkeit in jeder Einsatzform an oberster Stelle. Als «eIDAS Trust Service Provider» erfüllt SwissSign seit vielen Jahren höchste Vorgaben der Datensicherheit. Zudem verpflichtet sich SwissSign, keinen Handel mit den Daten der SwissID-Nutzer zu betreiben. Ebenso wichtig; SwissID erlaubt es den Nutzern, jederzeit die volle Kontrolle über ihre Daten zu behalten. Sie können bei Log-in-Prozessen immer die explizite Zustimmung für die Übermittlung von Attributen wie etwa Altersangaben oder Bonität erteilen oder eben auch ablehnen. Datensicherheit und die Datenhoheit der Nutzer stehen bei SwissID in jeder Hinsicht im Zentrum. Mehrere Millionen SwissID-Besitzer, die Umsetzung des E-ID- Konzepts des Bundes und das Vorantreiben von E-Government- Lösungen sind die Basis, um das Vertrauen in die SwissID und die Vielfalt der Anwendungen nun Schritt für Schritt zu vergrössern. Parallel dazu weitet SwissSign das Servicespektrum der nationalen digitalen Identität gezielt aus. Neu können sich Kunden auch identifizieren lassen. Dies wird den Zugang zu Dienstleistungen, die eine verifizierte Identität voraussetzen, erlauben. In Zukunft sollen auch ergänzende Identitätsattribute wie Adressbestätigung, Versicherungsnachweis oder Führerausweismerkmale über die SwissID verfügbar sein. Auch die digitale Signatur zur medienbruchfreien Einreichung der Steuererklärung wird in Zukunft Teil der SwissID. Lisa freut sich, auf all das, was kommt. « SWISSID SCHAFFT EINEN WILLKOMMENEN STANDARD » Schon früh hat der Kanton Aargau auf E-Government gesetzt und viel Know-how aufgebaut. Der Digitalisierungswille moderner Behörden beflügelt die Etablierung der SwissID. Marco Bürli, Leiter Projektmanagement Informatik Aargau, Kanton Aargau Warum messen Sie der Lancierung der SwissID hohe Priorität bei? Marco Bürli: Das E-Government im Kanton Aargau ist bereits auf erfreulichem Niveau. Doch es gibt aus rechtlichen und technischen Gründen noch Medienbrüche. Diese lassen sich technisch dank elektronischer Identitäten wie der SwissID sukzessive eliminieren. Wenn es um sensible Dokumente wie etwa Steuererklärung, Strafregisterauszug oder Leumund geht, rückt das erforderliche Level of Assurances in Griffnähe. Warum grassiert der Kantönligeist nicht? Es geht um eine Beschaffungsfrage: Gibt es etwas Sinnvolles auf dem Markt? Erarbeitet man selbst eine Lösung, was kostspielig ist? Oder springt man auf einen fahrenden Zug auf? Wir haben uns für das Dritte entschieden. Das Konsortium hinter der SwissID und das geplante Ökosystem sind sehr breit abgestützt. Es verfügt über beachtliche Ressourcen und Kompetenzen. Faktisch schafft die neue SwissID einen willkommenen Standard. Dieser dürfte sich bald flächendeckend etablieren, zumal die SwissID für die Nutzer, das heisst für Herr und Frau Schweizer, kostenlos ist. Welche digitalen Services sind als Nächstes in Ihrer Pipeline? Ein Beispiel ist eine von A bis Z medienbruchfreie Baugesucheingabe. Generell wollen wir möglichst bald eine digitale Unterschrift einführen. Wir arbeiten bereits daran, die Ampeln auf technischer Seite wie auch auf Seite der kantonalen Gesetze und Verordnungen auf Grün zu stellen. STRATEGIE 9

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