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IT for Gov 2018

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STRATEGIE « Mobilität

STRATEGIE « Mobilität ist eine Grundvoraussetzung für die ‹Smart Society› » Das Bundesamt für Verkehr (BAV) befasst sich auch intensiv mit den Auswirkungen der Digitalisierung auf die Mobilität. Im Gespräch mit BAV-Direktor Peter Füglistaler beleuchtet die AWK Group die aktuellen Herausforderungen des BAV und dessen künftige Rolle in einer «Smart Society». Das Interview wurde von André Arrigoni und Peter Geissbühler, AWK Group, geführt und erscheint in der Fachpublikation «AWK Fokus». Die vollständige Ausgabe zum Thema «Smart Society» kann unter www.awk.ch > Wissen > AWK Fokus heruntergeladen werden. Mit welchen Herausforderungen setzt sich das BAV aktuell auseinander? Peter Füglistaler: Die grösste Herausforderung ist das Verkehrswachstum. Wir prognostizieren, dass der öffentliche Verkehr bis 2040 verglichen mit 2010 um 50 Prozent wächst und sich das Verkehrsaufkommen auf gewissen Linien verdoppelt. Um diesen Verkehr zu bewältigen, müssen wir weiter massiv ausbauen und in Infrastruktur, Rollmaterial und Arbeitsplätze investieren. Das führt in unserem hochausgelasteten Netz zwischenzeitlich zu operativen Problemen und zu Einschränkungen für die Kundinnen und Kunden. Eine zweite grosse Herausforderung ist die Digitalisierung. Den Qualitätsstandard unserer Systeme beizubehalten und gleichzeitig erheblich mehr Personen zu befördern, wird uns intensiv beschäftigen. Darüber hinaus soll der ÖV je länger desto mehr bedarfsorientiert statt fahrplangetrieben sein und wir sehen uns mit immer neuen Ideen und Mitbewerbern konfrontiert. Wie sehen Sie die Rolle des BAV? Das BAV plant den gesamten Ausbau im ÖV und muss als Regulator einen gesetzlichen Rahmen setzen, der Entwicklung ermöglicht. Zurzeit passen etwa Kleinbusse und Rufangebote noch nicht in unsere Gesetzgebung, denn ÖV wird im geltenden Gesetz als Transport ab acht Personen definiert. Gleichermas sen ist es unsere Aufgabe, innovationshemmende Strukturen innerhalb der Branche zu hinterfragen und Möglichkeiten aufzuzeigen, sie zu öffnen. Letztlich müssen wir dafür sorgen, dass das Pflänzchen der Digitalisierung wachsen kann und nicht ausgerissen wird. Welche Chancen bringt und welche Risiken birgt die Digitalisierung für den ÖV? Mit der Digitalisierung lässt sich die Kundenschnittstelle stark ÜBER DAS BAV Das Bundesamt für Verkehr (BAV) ist die Aufsichtsbehörde für den öffentlichen Verkehr und für wichtige Bereiche des Güterverkehrs. Seine Hauptaufgaben sind die Sicherheitsaufsicht, die Finanzierung, die Planung und das Controlling von Ausbauten, die Definition der politischen Rahmenbedingungen und die internationale Koordination. Die Organisation des Amtes lehnt sich eng an diese Aufgaben an. Das BAV befindet sich in Ittigen bei Bern und beschäftigt rund 310 Mitarbeitende. verbessern. Wir können eine ganz andere Informationsqualität, etwa im Störungsfall, und viel mehr Möglichkeiten bieten – von der Suche, über den Kauf bis zur Nutzung des ÖV und anderer Verkehrsmittel. Das Ganze ist im Aufbau und muss rasch vorangetrieben werden, denn die Kundinnen und Kunden wollen schon heute alles über ihr Mobiltelefon erledigen können. Ausserdem lässt sich die Effizienz in den Transportunternehmen steigern, sei es bei der Steuerung von Zügen, Analysen oder dem Betrieb und Unterhalt. Da diese Bereiche aber primär evolutionär weiterentwickelt werden, sind keine grossen Effizienzsprünge zu erwarten. Mit der Digitalisierung beleben aber auch neue Mitbewerber einen immer dynamischeren Markt und gewachsene Strukturen werden infrage gestellt. Plötzlich lanciert ein kleiner Privater eine umfassende Fahrplan-App, oder PubliBike, das Bike-Sharing- System von Postauto, konkurriert mit einem chinesischen System. Was würden Sie morgen an der Mobilitätslandschaft der Schweiz verändern? Für die beste ÖV-Landschaft reicht die beste schweizerische Lösung nicht mehr aus. Ich würde darum die sehr engen Grenzen unseres hochreglementierten ÖV mit seinen geschlossenen Vertriebssystemen für andere Anbieter öffnen. Unser System ist sehr stabil; wir können uns daher eine gewisse Risikobereitschaft und Offenheit durchaus leisten, etwa auch gegenüber Fernbussen, die einem Bedürfnis junger Kundinnen und Kunden entsprechen. Welche Rolle spielt die Mobilität in einer «Smart Society»? Mit welchem Stellenwert? Mobilität ist eine Grundvoraussetzung für die «Smart Society». Man muss sich jederzeit von A nach B bewegen, jemanden besuchen oder kontaktieren können. Man muss physisch ebenso mobil sein wie elektronisch. Mit den technologischen Möglichkeiten steigen aber auch die Ansprüche: Eine Reise soll sich noch einfacher, vielfältiger und schneller planen lassen und die jeweilige Transportkette soll innerhalb von Minuten organisiert sein. Wo werden die verschiedenen Smart-Themen die Mobilität am stärksten beeinflussen und verändern? Am stärksten verändern wird sich die Kundenschnittstelle. Die Kundenbeziehung wird vorwiegend über das Mobiltelefon lau­ 16

« Obwohl es keine gesetzliche Pflicht gibt, sind wir auf dem eingeschlagenen Weg bereits weit vorangekommen. » STRATEGIE Peter Füglistaler, Direktor des Bundesamts für Verkehr fen, folglich müssen alle Dienstleistungen auf einer App verfügbar sein. Das führt zu einer enormen Bündelung und zu einem grossen Veränderungsdruck auf die Branche. Ausserdem wird das Eigentum an Verkehrsmitteln abnehmen: Statt ein Fahrrad oder Auto zu besitzen, möchte man es einfach nutzen. Die jeweils beste Lösung soll rasch und unkompliziert genutzt werden können. Der Begriff «smart» ist omnipräsent. Wie schätzen Sie diesen Hype ein? Digitalisiert wird bereits seit den 1970er-Jahren, doch die Entwicklung und Dynamik der letzten Jahre – die unendlich vielen Möglichkeiten der mobilen Geräte, die Qualität der Datenverarbeitung, die Datenmengen, die übermittelt werden können – übersteigen das bisher Dagewesene. Solche extremen Entwicklungen unter Sammelbegriffe wie Digitalisierung oder «Smart Society» zu fassen, ist nachvollziehbar. Trotzdem sollte nicht gleich jeder Release-Wechsel als «smart» bezeichnet werden. Vor allem auf Projektebene wünschte ich mir herkömmliche Begriffe. Vieles aus dem Smart-Hype würde wieder als normale Technologieentwicklung, als Ablösung und Release-Management verstanden werden. Welche drei Wünsche hegen Sie persönlich für eine «smarte» Zukunft der Schweiz? Erstens wünsche ich mir im in- und ausländischen ÖV eine Lösung, durch die der vorgängige Ticketkauf entfällt und eine Reise nachträglich und nach tatsächlich befahrenen Strecken beziehungsweise Zonen berechnet wird. Zweitens wäre eine noch multimodalere und vollständig behindertengerechte Transportkette wünschenswert, die insofern durchgängig ist, als dass eine kombinierte Reise – zum Beispiel mit Taxi und Zug – mit einem Billett, einer App beziehungsweise einem Zahlungsvorgang bezahlt werden kann. Drittens würde ich es begrüssen, als Kunde wieder mehr wertgeschätzt und betreut zu werden und wie früher einen Kaffee am Platz serviert zu bekommen. Sind «Mobility as a Service», «Tür-zu-Tür»-Mobilität und intermodale Reiseketten ein echtes Kundenbedürfnis? Wir wissen es nicht genau. Der Markt wird entscheiden, ob etwas ein Bedürfnis vieler oder nur ein Nischenangebot für wenige ist. Gegenüber Infrastrukturinvestitionen bringt die Digitalisierung den Vorteil, dass es nicht sehr viel kostet, eine Idee 17

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