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IT for Gov 2018

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TECHNOLOGIE So testete

TECHNOLOGIE So testete Zug E-Voting auf Basis von Blockchain Der Zuger Stadtpräsident Dolfi Müller hat im Sommer als erster Bürger der Stadt an einer blockchainbasierten Abstimmung teilgenommen. Der Test soll das Potenzial der Blockchain als E-Voting-Lösung ausloten. Das System soll eine Alternative zu zentralisierten Ansätzen werden. Autor: Oliver Schneider Bild: Patrick Nouhailler Die Stadt Zug hat ein virtuelles Abstimmungslokal für den ersten Urnengang auf Blockchain-Basis geöffnet. Alle Bürger, die über eine digitale Identität (E-ID) der Stadt verfügen, konnten bis zum 1. Juli 2018 um 23.59 Uhr ihre Stimmen zu drei Fragen online abgeben. Die Antworten waren für die Zuger Behörden nicht bindend, aber ein wichtiger Gradmesser für die Akzeptanz der Blockchain als E-Voting-Lösung, wie Stadtpräsident Dolfi Müller zum Start der Abstimmung sagte. Müller gab als erster Zuger seine Stimme per Blockchain ab. Dies sei eine Premiere in der Schweiz und gerade in einer Zeit bedeutsam, in der E-Voting immer stärker unter Beschuss gerate. Verschiedene Politiker forderten aktuell, E-Voting zu verbieten, bis die entsprechenden Systeme sicher und einfach zu bedienen seien, sagte Müller. Dabei sei es doch gerade entscheidend, mit Experimenten Erfahrungen zu sammeln. Hyperledger Fabric als Unterbau Die Zuger Abstimmung sei eines dieser Experimente. Im Unterschied zu den Projekten anderer Kantone setzt sie auf eine dezentrale Lösung. Diese basiert auf der Blockchain Hyperledger Fabric, wie Alexander Denzler, Chef des Blockchain Labs an der Hochschule Luzern (HSLU), sagte. Die Stadt Zug habe die Lösung zusammen mit der HSLU und dem IT-Dienstleister Luxoft entwickelt. Zug verfolgt laut Stadtpräsident Müller zwei Ziele mit der Abstimmung. Zum einen gehe es darum, eine konkrete Anwendung für die digitale Identität der Stadt zu lancieren, die ebenfalls auf Blockchain-Technologie basiere. 240 Zuger hätten sich seit dem Start im November 2017 für diese E-ID bei der Einwohnerkontrolle registriert. Noch fehle allerdings der Nutzen im Alltag. Die Abstimmung sei nun das erste Projekt, bei dem die E-ID zum Einsatz komme. Weiter geplant seien ein Veloverleih, ein System fürs automatische Bezahlen von Parktickets und die Erfassung ausgeliehener Bücher in der städtischen Bibliothek. Zum anderen wolle Zug eine Alternative zu den anderen E- Voting-Projekten der Schweiz ausloten. Im Vergleich zu den zentralisierten Systemen an anderen Orten biete die Blockchain-Lösung verschiedene Vorteile, sagte Müller. E-Voting müsse einfach, verständlich und effizient sein. Der Zuger Vorschlag erfülle diese Voraussetzungen. Die Abstimmung sei online möglich, für die Verwaltung mit weniger Aufwand verbunden und für den Bürger transparent. Wie bei allen E-Voting-Projekten ist auch in Zug die Sicherheit der Knackpunkt, wie Müller sagte. Manipulationen der Abstimmung, die bei zentralisierten Systemen ein Problem darstellten, fielen bei einer Blockchain-Lösung dank Verschlüsselung und dezentraler Dokumentierung schwerer. Zudem liessen sich Stimmen nicht fälschen. Zug will erste Erfahrungen sammeln Alles in allem ist die Blockchain nach Müllers Ansicht die bestmögliche Lösung fürs digitale Abstimmen und eine «echte Alternative zu allem, was es im E-Voting gibt». Ausserdem sei das System auch vor Manipulationen durch den Staat geschützt. Gegen eine Gefahr in der Politik biete allerdings auch die Blockchain kein Rezept, sagte Müller zum Abschluss der Pressekonferenz. Am meisten Sorgen bereite ihm derzeit die Manipulation von Wählern bereits vor der Abstimmung, etwa durch Einflussnahme in den sozialen Medien. Mit der blockchainbasierten Testabstimmung wolle die Stadt Zug mit ihren Partnern herausfinden, was im Bereich E-Voting und Blockchain bereits funktioniere und wo noch nachgebessert werden müsse. Vorab wolle man sicherheitsrelevante Aspekte überprüfen. Im Vordergrund stünden der Persönlichkeitsschutz, das Abstimmungsgeheimnis, die Unveränderbarkeit der Abstimmung sowie die Prüf- und Nachvollziehbarkeit der Ergebnisse. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_98416 36

Zuger finden E-Voting gut Die Stadt Zug hat eine Konsultativabstimmung über E-Voting abgehalten. Inhaber der digitalen ID der Stadt Zug konnten daran teilnehmen. Das Ergebnis zeigt eine hohe Akzeptanz für E-Voting. Autorin: Barbara Camenzind TECHNOLOGIE Vom 25. Juni bis 1. Juli hat die Stadt Zug eine Konsultativabstimmung durchgeführt. Lediglich 72 der rund 220 Zuger, die über eine digitale ID verfügen, nahmen daran teil. An der im Anschluss durchgeführten Onlinebefragung nahmen 95 Personen teil. In einer ersten Auswertung zeigte sich eine hohe Akzeptanz für E-Voting. In den nächsten Monaten soll in Zusammenarbeit mit der Hochschule Luzern und der Firma Luxoft ein detaillierter Bericht erarbeitet werden. Die Onlineumfrage zeigt ein klares Ergebnis: Mehr als drei Viertel der Befragten begrüssen die Einführung des E-Votings. Doch trotz der grundsätzlich grossen Zustimmung sind einige Befragten noch skeptisch, was die Sicherheit von E-Voting anbelangt. So sind denn auch 21 Prozent der Meinung, dass die Blockchain-Technologie elektronische Abstimmungen sicherer machen könne. Nur 2 Prozent der Umfrageteilnehmer sind gegen die Einführung von E-Voting. Viele Umfrageteilnehmer sind der Meinung, dass die Zuger Bevölkerung ausser der Möglichkeit des E-Votings auch die Wahl haben sollte, weiterhin brieflich an Abstimmungen teilzunehmen. Mehr als drei Viertel aller Abstimmungsteilnehmer hatte bereits im Vorfeld eine digitale ID, rund ein Viertel hatte sich eine digitale ID für die Testabstimmung zugelegt. Die von den Umfrageteilnehmern genannten Gründe, die für E-Voting sprechen, sind vielfältig. Dass eine digitale Abstimmung gegenüber einer brieflichen viel schneller und einfacher WIE STEHEN SIE GENERELL DEM THEMA E-VOTING GEGENÜBER? Es wird endlich Zeit, dass E-Voting eingeführt wird Ich begrüsse E-Voting, bin aber noch skeptisch bezüglich Sicherheit Ich bin der Meinung, die Blockchain-Technologie kann E-Voting sicherer machen Ich bin ein Gegner von E-Voting Andere Keine Antwort 16 % 3 % 2 % 21 % 16 % 42 % Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_104212 durchgeführt werden kann, war für 52 Prozent der Befragten der Hauptgrund, weshalb sie die Einführung von E-Voting befürworteten. Ökologische und ökonomische Argumente wurden ebenfalls mehrfach genannt. Raum für Verbesserungen Auch wenn die meisten Teilnehmer mit dem Ablauf der Testabstimmung sehr zufrieden waren, lief es nicht für alle reibungslos. Einige Personen hatten technische Probleme mit ihrer digitalen ID, die es ihnen unmöglicht machten, an der Abstimmung teilzunehmen. Die einzelnen Schritte im Abstimmungsprozess bewerteten die Teilnehmenden sehr positiv. Der Ablauf wurde dabei als besonders einfach und verständlich taxiert. Verbesserungspotenzial nannten die Befragten bei der Handhabung des privaten Schlüssels sowie bei den Erklärungen der einzelnen Schritte. Positives Feedback für die Stadt Zug Die Möglichkeit für Anmerkungen am Schluss der Befragung wurde rege genutzt. Bemängelt wurde etwa, dass über die Durchführung der Abstimmung in den Medien nicht ausreichend berichtet worden sei. Viele Umfrageteilnehmer beklagten sich darüber, nichts von der Abstimmung gewusst oder erst im letzten Moment davon erfahren zu haben. Einige hätten sogar erst nach der Abstimmung davon erfahren. Die Stadt Zug erklärte hierzu, dass es aus technischen Gründen über die verwendete «uPort»-App nicht möglich gewesen sei, Inhaberinnen und Inhaber einer digitalen ID der Stadt Zug im Hinblick auf die bevorstehende Abstimmung zu benachrichtigen. Über die «uPort»-App laufen weltweit noch andere Anwendungen. Für die Pilotphase hatte die Stadt Zug aus Kostengründen keine eigene App-Variante entwickeln lassen, wie es in einer Mitteilung heisst. Stadtpräsident Dolfi Müller ist gleichwohl zufrieden: «Für uns ist es schön, zu sehen, dass sich trotz einiger kleiner Schwierigkeiten viele Zugerinnen und Zuger darüber freuen, in einer so innovativen Gemeinde zu leben und gespannt sind auf die weiteren Forschungen und Entwicklungen im Bereich digital ID und Blockchaintechnologie.» Zukunft der digitalen ID Die digitale ID der Stadt Zug wurde am 15. November 2017 eingeführt und befindet sich in einer Pilotphase. Ausser der E- Voting-Lösung sind für die Inhaber einer digitalen ID verschiedene andere Anwendungen in der Evaluation, darunter das Ausleihen von Stadtvelos an verschiedenen Orten oder von Büchern in der Bibliothek ohne Bücherausweis. 37

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