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IT for Health 01/2016

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E-hEalth konkret Renato

E-hEalth konkret Renato Gunc Leiter Geschäftsbereich E-Health, Die Schweizerische Post Jürgen Graalfs Account Manager Healthcare, T-Systems Schweiz «Der AnbIEtermarkt wird zu EInEM NachfraGErmarkt» Weshalb unterstützen Sie das Swiss E-Health Forum 2016? Renato Gunc: Das Swiss E-Health Forum ist für uns eine wichtige Plattform, um uns im E-Health zu vernetzen und Wissen aus zutauschen. Wir treffen bei diesem Anlass potenzielle und bestehende Kunden, Geschäftspartner, Meinungsbildner und Wissensträger. Das Marktfeld E-Health ist in der Schweiz noch immer jung. Dieses Neuland kann nur im Sinne von Coopetition entwickelt werden – also gleichzeitiges Zusammenarbeiten und Konkurrieren mit Mitbewerbern zum Wohle der ganzen Bevölkerung. Welche Trends sehen Sie im Schweizer E-Health- Markt? Die Vernehmlassung des elektronischen Patientendossiers, EPDG, im letzten Jahr und die anstehende Publikation des entsprechenden Ausführungsgesetzes in diesem Jahr brachten neuen Schwung, nachdem der Markt sich mit unterschiedlichsten Kunden, Anbietern und Leistungsangeboten jahrelang unkoordiniert entwickelt hatte. Die Kantone und deren Leistungserbringer sind nun gefordert, sich zu positionieren, Strategien zu entwickeln, die organisatorischen Grundlagen zu schaffen und Softwarelösungen zu suchen. Der Anbietermarkt wird zu einem Nachfragermarkt. Mit welchen Entwicklungen im Gesundheitswesen sollten sich IT-Verantwortliche auseinandersetzen? Primär sollte das Thema nicht technologisch, sondern politisch, rechtlich und organisatorisch getrieben werden. E-Health-Lösungen mit dem elektronischen Patienten dossier als Nukleus sind schon länger im Markt verfügbar. Diese nachhaltig zu etablieren, ist der wahre kritische Erfolgsfaktor. Dazu muss ein funktionierendes Geschäftsmodell für den Betrieb und die Nutzung von E-Health-Lösungen gefunden werden. Die Industrie wird die Lösungen nicht kostenlos liefern. Hinzu kommt, dass E-Health in der Schweiz beziehungsweise das elektronische Patienten dossier scheitern wird, wenn es weder die ambulanten und stationären Leistungserbringer noch die Bürger nutzen. Es braucht also parallel zum Rollout einer E-Health-Lösung ein viel komplexeres Change Management, als dies aus herkömmlichen ICT- Projekten bekannt ist. «SPItZEnMEDIZIn ans Bett der PatIEnten brinGEn» Weshalb unterstützen Sie das Swiss E-Health Forum 2016? Jürgen Graalfs: Wir nehmen erneut am Swiss E-Health Forum teil, da der Event eine hervorragende Plattform zur Diskussion von E-Health-Trends in der Schweiz bietet. Für uns steht dabei sowohl das Präsentieren von innovativen Lösungen als auch das Networking mit bedeutenden Vertretern der Branche – von Industrie bis Leistungserbringern – im Fokus. Welche Trends sehen Sie im Schweizer E-Health- Markt? Wir merken, dass die Mobilisierung der Leistungserbringungsprozesse zunehmend an Bedeutung im Gesundheitswesen gewinnt. Im Rahmen der Telemedizin soll die ärzt liche Versorgung der Patienten gesichert werden, dies als Folge der demografischen Veränderungen und der Sicherstellung von ländlichen Versorgungsstrukturen. Der Trend geht also dahin, die Spitzenmedizin bis ans Bett des Patienten bringen zu können. Weitere Trendthemen sehen wir im Bereich «Individualized Health» sowie in neuen Kooperationsmodellen zwischen den Leistungserbringern. Mit welchen Entwicklungen im Gesundheitswesen sollten sich IT-Verantwortliche auseinandersetzen? Hier sehen wir besonders Handlungsbedarf im Bereich der Patientenbindung durch innovative Angebote für den Patienten (Zusatzservices für Patienten), in der Ermöglichung der Mobilität und im Bereich «Conferencing/ Boards». Zudem ist das Thema Cloud-Services im heutigen Zeitalter auch im Gesundheitswesen kaum zu umgehen und fester Bestandteil der IT. Hierbei sollten sich die IT-Verantwortlichen im Bereich Security über Cloud-Services informieren, bei denen die sensiblen Daten in Schweizer Rechenzentren betrieben werden können. 10

Alexander Colombi Gründer, Partner und Verwaltungsratspräsident, CSP Winfried Post General Manager DACH und VR-Präsident, Agfa Healthcare (Dübendorf) E-hEalth konkret «DIE digitale Revolution stellt BehandlunGSMEthoDEn auf den KoPF» Weshalb unterstützen Sie das Swiss E-Health Forum 2016? Alexander Colombi: Die 25 CSP-Profis realisieren erfolgreich Strategien, Kooperationen, Applikationseinführungen, etwa KIS oder ERP, und Bauplanungen. Wir treffen am Swiss E-Health Forum jedes Jahr langjährige Kunden und Partnerfirmen. Eine wunderbare Gelegenheit für ungezwungene Gespräche, für das Lernen und die Vernetzung. Welche Trends sehen Sie im Schweizer E-Health- Markt? E-Health ermöglicht einen unaufhaltsamen Umbruch der Gesundheitsbranche. Der Umbruch ist nötig, da sich die Rahmenbedingungen verändern. Ich denke da etwa an Politik, Gesetze, Anforderungen und Budgetknappheit. Das zwingt die Akteure im Gesundheitswesen zum Handeln. Die digitale Revolution, also all die Veränderungen in Bereichen wie Informatik, Robotik und E-Health, stellt altbewährte Behandlungsmethoden auf den Kopf. Unternehmerische Handlungsfreiheit schafft innovative Optimierungen, etwa neue Kooperationen und Prozessoptimierungen. Jede Institution muss jetzt neue Wege zu Patienten und Leistungserbringern finden. Mit welchen Entwicklungen im Gesundheitswesen sollten sich IT-Verantwortliche auseinandersetzen? CIOs sollten priorisierende Strategien zur Ressourcenentlastung bilden und die Zusammenarbeit mit internen Fachbereichen und externen Partnerinstitutionen fördern. Die Standardisierung sollte zudem forciert werden, etwa bei den Themen ITSM, Kommunikationsintegration und Med-Systeme. IT-Verantwortliche sollten zudem Kernsysteme optimieren und sich Gedanken darüber machen, gewisse Services einzukaufen. Es ist ausserdem sinnvoll, ein Zuweiser- und Patientenmarketing aufzubauen und die Mobilität zu fördern, etwa mit Wearables oder Bring-yourown-Device-Modellen. «Der Trend geht in Richtung StandardSoftware» Weshalb unterstützen Sie das Swiss E-Health Forum 2016? Winfried Post: Wegen des fachlichen Austauschs mit Kliniken, ambulanten Einrichtungen, Krankenversicherungen, Beratungsunternehmen, Medien, der Pharmabranche, ICT- Systemanbietern und der Politik. Sowie im Speziellen das Zusammenbringen der Akteure bezüglich E-Health-Themen in der Schweiz und die Mitgliederversammlungen von IHE Suisse und der HL7-Benutzergruppe Schweiz. Der Erfahrungsaustausch mit anderen Ländern, wie diese E-Health organisatorisch und technisch umsetzen, ist sehr wertvoll. Welche Trends sehen Sie im Schweizer E-Health- Markt? Bei der Auswahl von ICT-Lösungen im Klinikumfeld geht der Trend sicher in Richtung Standardsoftware, die in der Schweiz und auch im Ausland bereits in grösserer Anzahl implementiert ist. Die Konsolidierung der Anbieter wird weitergehen, da kleinere nicht die Möglichkeiten haben, die komplexen und aufwändigen Entwicklungen zu stemmen. Es werden zukünftig von Kliniken nur noch ICT-Systemanbieter gewählt werden, die sich an internationale Standards halten und nach IHE-Profilen ausrichten. Und die zudem ihre Interoperabilität überprüfen lassen, wie das im jährlichen Connectathon geschieht. In den nächsten Jahren wird die Anbindung der Primärsysteme, wie etwa die Klinischen Informationssysteme (KIS), an das nationale EPD eine sehr grosse Rolle spielen. Mit welchen Entwicklungen im Gesundheitswesen sollten sich IT-Verantwortliche auseinandersetzen? Mit der Anbindung an das EPD, vor allem der Primärsysteme wie KIS oder Praxisinformationssysteme. Auch der Datenschutz spielt eine immer grössere Rolle, vor allem im Zuge von E-Health und der Einbindung der Patienteninformationen (M-Health). Der Umgang mit mobilen Anwendungen und die entsprechenden mobilen Geräte müssen besser geregelt werden. Interessant sind auch die Auswirkungen des europäischen Medizinproduktegesetzes (Teil des Schweizerischen Heilmittelgesetzes) auf klinische Applikationen und Klinikprozesse. Heisse Themen sind zudem die Implementierung von Expertensystemen wie bei der Arzneimitteltherapiesicherheit (Clinical Decision Support) und die Verwendung von bereits vorhandenen klinischen Daten für die Behandlung (Big Data). 11

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