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IT for Health 01/2016

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Gesellschaft & Politik

Gesellschaft & Politik «Die Einführung des elektronischen Ppatientendossiers wird die Digitalisierung im Gesundheitswesen beschleunigen» Das elektronische Patientendossier kommt. Pascal Strupler, Direktor, Bundesamt für Gesundheit (BAG), spricht über die Schwierigkeiten, die von Leistungserbringern noch unterschätzt werden. Ausserdem erklärt Strupler, wie ein Wildwuchs an Insellösungen verhindert werden kann. Interview: George Sarpong Im Sommer 2015 wurde das Bundesgesetz über das elektronische Patientendossier (EPDG) verabschiedet. Wie bewerten Sie den aktuellen Entwicklungstand? Pascal Strupler: Unsere jährlich durchgeführte Umfrage über die Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien in Arztpraxen und Spitälern zeigt, dass die Digitalisierung im Gesundheitswesen stetig voranschreitet. Die Einführung und Verbreitung des elektronischen Patientendossiers wird diesen Trend nutzen und verstärken. Im Moment erarbeiten wir die Verordnungen zum Bundesgesetz über das elektronische Patientendossier, das 2017 in Kraft treten soll. In welcher Rolle sieht sich das BAG bei der Umsetzung des EPDG? Das EPDG ist ein Rahmengesetz. Die Kantone sind für die Gesundheitsversorgung zuständig, und damit auch für die Einführung und Verbreitung des elektronischen Patientendossiers. Der Bund aber unterstützt den Aufbau von Gemeinschaften und Stammgemeinschaften mit Finanzhilfen in der Höhe von insgesamt 30 Millionen Franken in den ersten drei Jahren nach Inkrafttreten des Gesetzes. Damit soll rasch eine gute Abdeckung in der ganzen Schweiz erreicht werden. Das Gesetz sieht zudem vor, dass der Bund die zentralen Abfragedienste aufbauen und betreiben wird – etwa das Register von Gesundheitseinrichtungen und Gesundheitsfachpersonen. Und der Bund beteiligt sich zusammen mit den Kantonen an der Finanzierung des Koordinationsorgans E-Health Suisse. Dieses ist für die Umsetzung der E-Health- Strategie verantwortlich und unterstützt insbesondere den Wissenstransfer zwischen den Umsetzungsprojekten. ZUR PERSon Pascal Strupler Der lizensierte Jurist Pascal Strupler ist seit 2010 Direktor des Bundesamts für Gesundheit (BAG). Vor dieser Zeit arbeitete Strupler als Generalsekretär beim EDI, nachdem er während fünf Jahren persönlicher Mitarbeiter des damaligen Bundesrats Pascal Cochepin war. Seine Karriere begann der Diplom-Absolvent der Hochschule für öffentliche Verwaltung bei der eidgenössischen Steuerverwaltung. Die Spitäler müssen das EPDG umsetzen. Andere Leistungserbringer nicht. Wie wollen Sie die anderen Leistungserbringer zur Teilnahme bewegen? Indem wir ihnen den Nutzen des elektronischen Patientendossiers aufzeigen. Dieses wird einen wichtigen Beitrag zur koordinierten Versorgung leisten: Die am Behandlungsprozess beteiligten Gesundheitsfachpersonen können Informationen, die für eine Behandlung wichtig sind, schneller und gezielter untereinander austauschen. Zudem gestalten wir die Nutzung des elektronischen Patientendossiers für Gesundheitsfachpersonen so einfach wie möglich. Einerseits ist ein Einstieg über ein Zugangsportal und damit mit jedem handelsüblichen PC möglich. Andererseits unterstützt E-Health Suisse ein Projekt, das den Softwareanbietern eine Komponente anbietet, die direkt in bestehende Praxisinformationssysteme integriert werden kann und so den direkten Anschluss ans EPD ermöglicht. « Es ist enorm wichtig, dass die Industrie einheitliche Standards einsetzt.» Pascal Strupler, Direktor, BAG Welche Schwierigkeiten werden von den Leistungserbringern aus Ihrer Sicht am meisten unterschätzt? Es braucht einen Kulturwandel hin zu koordinierter Versorgung und engerer Zusammenarbeit zwischen den an der Behandlung beteiligten Gesundheitsfachpersonen. Dabei wird der Patient stärker im Zentrum stehen und eine aktivere Rolle in seiner Behandlung wahrnehmen. Die technologischen Veränderungen sind das eine, doch entscheidend ist die Offenheit der Beteiligten, die Chance zu nutzen, die das EPD bietet. Die Umsetzung kann dauern. Inwieweit fürchten Sie alternative Lösungen aus der Wirtschaft, welche die staatlich regulierten Systeme unterlaufen? Mit der Strategie E-Health Suisse wollen der Bund, die Kantone und die in die Umsetzung einbezogenen Akteure vermeiden, dass Insellösungen aufgebaut werden. Es ist enorm wichtig, dass die Industrie einheitliche Standards einsetzt. Interopera- 14

Pascal Strupler, Direktor, Bundesamt für Gesundheit (BAG) Gesellschaft & Politik ble, auf internationalen Normen und Standards basierende Produkte schaffen Investitionssicherheit. Das erleichtert es den Gesundheitsfachpersonen, sich für eine Lösung zu entscheiden. Für das elektronische Patientendossier wird es neue IT-Systeme brauchen. Wie sind die IT-Anbieter und -Dienstleister in die E-Health- Strategie eingebunden? Die Anbieter sind in den Gremien von E-Health Suisse vertreten und sie konnten sich zu den Empfehlungen von E-Health Suisse äussern. Zudem wurden die entsprechenden Verbände auch an Informationsveranstaltungen des Bundesamtes für Gesundheit über das EPDG und das Ausführungsrecht informiert. Sie werden auch die Möglichkeit haben, den Entwurf des Ausführungsrechts zum EPDG im Rahmen einer Anhörung zu kommentieren. Der ganze Prozess ist also auf die grösstmögliche Mitwirkung aller Akteure ausgerichtet. Wir nehmen den Dialog als konstruktiv und lösungsorientiert wahr. Die Umsetzung des EPDG ist aufgrund der Regulierungen und Standards kompliziert. Welche Formen der Unterstützung werden den IT-Verantwortlichen der Leistungserbringer geboten? E-Health Suisse wird Umsetzungshilfen erarbeiten, um den Aufbau von Gemeinschaften und Stammgemeinschaften zu unterstützen und zu vereinfachen. Wir gehen davon aus, dass die einheitliche Verwendung von Normen, Standards und Integrationsprofilen langfristig Kosten spart und die Komplexität verringert. Inwieweit kann das EPD dazu beitragen, die Kosten im Gesundheitswesen zu senken? Mit dem elektronischen Patientendossier sollen die Patientensicherheit erhöht, die Qualität der Behandlung gestärkt und die Zusammenarbeit zwischen den Gesundheitsfachpersonen verbessert werden. Wenn wir diese Ziele erreichen, wird das EPD auch einen wesentlichen Beitrag zur Dämpfung der Gesundheitskosten leisten, weil es weniger unnötige Behandlungen und Komplikationen geben wird. Wie schätzen Sie die Akzeptanz der Bürger ein? Hier sind wir gespannt auf die Ergebnisse des E-Health-Barometers 2016, der im März vorliegen wird. Die Ergebnisse der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass die Bevölkerung offen ist für das EPD. Im Kanton Genf verwenden bereits mehr als 10 000 Patienten ein solches. «Mon Dossier Médical» erlaubt den Austausch von medizinischen Daten zwischen allen an die Plattform angeschlossenen Gesundheitsfachpersonen. Das Universitätsspital, mehrere hundert Hausärzte, Apotheken, Spitex sowie Alters- und Pflegeheime sind bereits dabei. Die bisherigen Erfahrungen sind durchaus positiv. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode 6793 15

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