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IT for Health 01/2016

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DoSSier

DoSSier Health Connect E-Health: Alle im Boot im Kanton Zürich E-Health bringt Vorteile für Patienten und Leistungserbringer. Der Kanton Zürich arbeitet mit Swisscom an einem Projekt für eine flächendeckende Kommunikationsinfrastruktur und das elektronische Patientendossier – mit cloudbasierten Services und ungewöhnlichem Finanzierungsmodell. Das Bundesgesetz über das elektronische Patientendossier (EP- DG) tritt 2017 in Kraft und schreibt allen Spitälern, Pflegeheimen und Spitexorganisationen vor, die Patientendaten spätestens ab 2020 elektronisch zu halten und am standardisierten Datenaustausch im Gesundheitswesen teilzunehmen. Für Arztpraxen ist die Teilnahme freiwillig. Sie können, müssen aber kein elektronisches Patientendossier (EPD) führen. Auch jeder Patient kann frei entscheiden, ob er ein EPD will oder nicht. Über das EPDG hat er jederzeit Zugang zu seinen Gesundheitsdaten – und er kann genau bestimmen, wer welche Daten zu sehen bekommt. Damit kann der Patient zum ersten Mal in der Geschichte sein bereits bisher bestehendes Recht auf die eigenen Gesundheitsdaten wirklich ausüben. Das grösste E-Health-Projekt Im föderalistischen Gesundheitswesen der Schweiz steht es den Kantonen frei, wie sie das EPDG implementieren wollen. Einige Kantone starten beschränkte Pilotprojekte für Patienten mit bestimmten Krankheitsbildern und überlassen die weitere Umsetzung der Selbstorganisation der Akteure. Für die Kommunikation zwischen den leistungserbringern und der Plattform setzt Swisscom die neuesten Verschlüsselungsund Authentifizierungsmethoden ein. Zürich dagegen hat sich entschieden, im bisher grössten E- Health-Projekt der Schweiz eine kantonsweite, einheitliche Kommunikationsplattform bereitzustellen. Der Verband Zürcher Krankenhäuser, die kantonale Ärztegesellschaft, der Pflegeheimverband Curaviva sowie fünf weitere Verbände fast aller Leistungserbringergruppen haben sich unter Federführung der Gesundheitsdirektion zum Trägerverein Zurich Affinity Domain (ZAD) zusammengeschlossen. Er soll eine kantonsweite Stammgemeinschaft gemäss der E-Health-Strategie des Bundes aufbauen. Für die Umsetzung und den Betrieb der Plattform benötigt die ZAD einen Partner. Im Sommer 2015 erfolgte dazu eine öffentliche WTO-Ausschreibung. Die ZAD evaluierte sorgfältig und gab den Zuschlag an die Swisscom Health AG. Als Erstes sollen nun ab Sommer 2016 ausgewählte Leistungserbringer in einem Einführungsprojekt vernetzt und so Erfahrungen gesammelt werden. Weitere Leistungserbringer können voraussichtlich ab Anfang 2017 teilnehmen. Der Autor Thomas Bähler, Head of Solutions, Swisscom Health Bewährte Technik, interessante Finanzierung Als technische Basis dient die Plattform Swisscom Health Connect, die sich in anderen Kantonen bereits bei über 200 Spitälern und 2000 Ärzten bewährt hat. Es handelt sich um ein Serviceangebot, das alle gängigen Prozesse von der Spitalanmeldung über die Dossiereinsicht bis zum E-Rezept unterstützt. Die Plattform entspricht der Standardarchitektur des Koordinationsorgans von Bund und Kantonen E-Health Suisse und setzt auf den internationalen Standard IHE (Integrating the Healthcare Enterprise), angepasst auf die Besonderheiten des Schweizer Gesundheitssystems. Die Services laufen redundant in vier hochsicheren Schweizer Rechenzentren. Die eigentlichen Patientendaten sind nicht zentralisiert abgelegt. Sie bleiben in den Systemen der Leistungserbringer. Das EPDG ist ein virtuelles Dossier: Die Daten werden bei jeder Abfrage in Echtzeit aus den unterschiedlichen Quellen aggregiert. Für die Kommunikation zwischen den Leistungserbringern und der Plattform setzt Swisscom die neuesten Verschlüsselungsund Authentifizierungsmethoden ein. Die Technik wird laufend den aktuellsten Sicherheitsanforderungen angepasst. Patienten können über das bekannte Swisscom Gesundheitsportal Evita auf ihre Daten zugreifen und die Berechtigungen für die Dossiereinsicht festlegen. Die ZAD geht auch in der Finanzierung neue Wege: Nach einer Anschubfinanzierung, für die der kantonale Lotteriefonds sorgt, soll der Betrieb der Zürcher E-Health-Plattform ohne staatliche Subventionen auskommen. Zur Finanzierung wird die ZAD den verschiedenen Leistungserbringern massgeschneiderte Dienstleistungspakete im Abonnement anbieten. InfoRMATIon Ende März lesen Sie mehr darüber, wie Swisscom gemeinsam mit den Leitungserbringern am vernetzten Gesundheitswesen der Zukunft arbeitet. Abonnieren Sie jetzt das Kundenmagazin dialogue: www.swisscom.ch/abonnieren-magazin 16

«Der sichere Datenaustausch wird einfacher und schneller» Zürich will im bisher grössten E-Health-Projekt der Schweiz eine kantonsweite, einheitliche Kommunikationsplattform bereitstellen. Für die Umsetzung und den Betrieb der Plattform wurde Swisscom Health beauftragt. Interview: George Sarpong DoSSier Health Connect Wie kam es zum kantonsweiten E-Health-Projekt? Dr. Samuel Eglin: Die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich veranstaltete im November 2011 ein E-Health-Forum – das war die Initialzündung. Darauf folgten in einer Kerngruppe zwei Jahre intensive Gespräche mit allen Leistungserbringern. Das war ein relativ langwieriger Prozess, aber wir haben dafür heute eine stabile Trägerschaft mit hoher Akzeptanz. Wie unterscheidet sich das Zürcher Vorgehen von dem anderer Kantone? Einige gehen eher hoheitlich an die Sache und befinden sich bereits mitten in der Umsetzung. Andere gehen «Bottom-up» vor und lancieren zunächst ein kleines Pilotprojekt. Diesen Weg gehen wir bewusst nicht – dass E-Health technisch funktioniert, wurde in anderen Ländern schon vielfach bewiesen. Wir wollten von Anfang an alle Leistungserbringer im Boot haben. Unsere Plattform soll flächendeckend zur Verfügung stehen. Wir wollen als Zürcher Gesundheitswesen bereit sein, die elektronische Kommunikation und das EPDG auch wirklich anbieten zu können. Wie wird der Betrieb der Zürcher E-Health- Plattform finanziert? Im Gegensatz zu anderen Kantonen muss der Betrieb bei uns über ein eigenes Geschäftsmodell vollständig ohne staatliche Subventionen finanziert werden. Das ist schweizweit einzigartig und meines Erachtens auch das einzige Betriebsmodell, das langfristig funktioniert. Wie wollen Sie das konkret erreichen? Wir möchten auch den Leistungserbringern etwas anbieten, die nicht zwingend teilnehmen müssen, etwa Ärzten, Spitex und Apotheken. Wir planen abonnierbare, auf die verschiedenen Leistungserbringer zugeschnittene Dienstleistungspakete, mit denen Prozesse effizienter gestaltet werden können und die einen echten Nutzen bringen. Das setzt natürlich voraus, dass die Services so attraktiv sind, dass wir sie tatsächlich verkaufen können – nur so lassen sich der ganze Betrieb der Kommunikationsinfrastruktur und das EPDG wie geplant finanzieren. Was bringt E-Health den Leistungserbringern und Patienten? Der sichere Datenaustausch wird einfacher und schneller. Man kann über die gesamte Behandlungskette einfacher zusammenarbeiten. Die integrierte Patientenversorgung wird erleichtert. Wir Dr. Samuel Eglin, stv. Generalsekretär der Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich. gehen davon aus, dass damit auch die Qualität steigt. Davon profitiert der Patient direkt; in besonderem Mass gilt dies für chronisch Kranke. Und bei Notfällen hat man rascher Zugriff auf die wichtigsten Patientendaten. In Zukunft wird es für Patienten auch Zusatzdienste wie Online-Terminreservationen oder elektronische Rezepte geben. Ist der Patient denn bereit für das digitale Zeitalter? Die Patienten sind wohl oft aufgeschlossener als die Ärzte. Ich sehe es an meiner Tochter im Teenageralter: Sie hat einen extrem entspannten und pragmatischen Umgang mit den neuen Technologien. Sie weiss genau, was sie will, und der einfachste Weg, der zum Ziel führt, ist der beste. Das wird auch im Gesundheitswesen immer mehr kommen. Irgendwann wird man sich wundern, dass es einmal eine Zeit gab, in der die Gesundheitsdaten nicht elektronisch verfügbar waren. Wie steht die Schweiz in puncto E-Health im internationalen Vergleich da? Andere Länder sind zum Teil weiter. Dahinter steht aber meist eine sehr zentralistische Organisation. So etwas lässt sich in der föderalistischen Schweiz nicht durchsetzen – wir arbeiten gewissermassen auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner. Eines ist dabei wichtig: Der Staat sollte E-Health zulassen und nicht mit restriktiven Gesetzgebungen Hindernisse aufbauen. Die Industrie wäre nämlich soweit, und Partner wie Swisscom bieten die nötigen Technologien und Lösungen. 17

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