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IT for Health 01/2016

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Gesellschaft & Politik

Gesellschaft & Politik Das EPD ist da – und nun? Das elektronische Patientendossier (EPD) ist beschlossene Sache. Während Spitäler verpflichtet sind, mit dem EPD zu arbeiten, will das Bundesamt für Gesundheit andere, sogenannte freiwillige Leistungserbringer von einer Mitarbeit überzeugen. Was spricht dafür, was dagegen? Im Podium erklären Vertreter von Verbänden der Rettungskräfte, Ärzte, der Spitex und Apotheken, welche Vorteile sie im EPD sehen und was man daran noch verbessern könnte. Und die Patienten? Erika Ziltener, Präsidentin des Dachverbands Schweizerischer Patientenstellen, erläutert, was es noch braucht, um Patienten von den Vorteilen des EPDs zu überzeugen. Interviews: George Sarpong Martin Gappisch Direktor, Interverband für Rettungswesen «AUS SICHT des RETTUNGSWESENS IST das EPDG ausreichend» Welche Möglichkeiten der Mitgestaltung haben die Rettungsdienste bei der Umsetzung des EPD? Martin Gappisch: Das Rettungswesen hat sich in der Vergangenheit wenig mit dem EPD beschäftigt. Seit Mitte 2015 sind jedoch auch im Rettungswesen die entsprechenden Anstrengungen deutlich erhöht worden. Es wurde eine Arbeitsgruppe «Rettungswesen» innerhalb der Fachgruppe E-Health im Verein E-Government Schweiz (eCH) gegründet, in der alle im Rettungswesen relevanten Organisationen vertreten sind. Ziel dieser Arbeitsgruppe ist es, einen eCH-Standard zu schaffen, der den heute nicht einheitlich geregelten Datenfluss im Rettungswesen standardisiert. Dieser Standard wird eng mit E-Health Suisse abgestimmt. Damit wird der Zugang zum EPD technisch erst möglich. Im Weiteren sind Aktivitäten angelaufen, um das Rettungswesen auch organisatorisch fit für das EPD zu machen. Wir müssen sicherstellen, dass Rettungssanitäter als Berufspersonen im Gesundheitswesen akkreditiert werden, damit die notwendigen Berechtigungen für die Zugriffe auf das EPD erteilt werden können. Die Möglichkeiten zur Einflussnahme auf die weiteren Entwicklungen sind über den Interverband für das Rettungswesen genügend. Welche Vorteile sehen Sie im EPD? Das Rettungswesen ist im Notfall auch ohne Zugriff auf ein EPD in der Lage, Patienten schnell und fachgerecht zu versorgen. Die Qualität und Sicherheit der Behandlung kann aber durch den Zugriff auf individuelle Daten von Patienten erhöht werden. Da auch die Behandlung durch einen Rettungsdienst eine medizinische Handlung am Patienten darstellt, ist auch das Einsatzprotokoll des Rettungsdienstes ein Baustein im elektronischen Patientendossier und vervollständigt die Informationen für und über den Patienten. Was müsste am EPDG verbessert werden? Aus Sicht des Rettungswesens ist das Bundesgesetz ausreichend und deckt unsere Bedürfnisse ab. 18

Dr. med. Urs Stoffel Mitglied des Zentralvorstandes der FMH, Departementsverantwortlicher E-Health – Sicherheitsinfrastruktur und Datenerhebung Cornelis Kooijman Leiter Qualität/E-Health, Mitglied der Geschäftsleitung, Spitex Verband Schweiz Gesellschaft & Politik «DIE BEHANDLUNG von PATIENTEN HÄLT sich nicht an KANToNSGRENZEN» «WIR unterstüTZEN das EPD, weil es DEN DATENAUSTAUSCH verbessert» Welche Möglichkeiten der Mitgestaltung haben die Schweizer Ärzte bei der Umsetzung des EPDG? Urs Stoffel: Die FMH hat zusammen mit den anderen nationalen Berufsverbänden die Interprofessionelle Arbeitsgruppe elektronisches Patientendossier (IPAG EPD) gegründet. Dies mit dem Ziel, das EPD gemeinsam auszugestalten. Die IPAG EPD ging die E-Medikation sowie den E-Austrittsbericht prioritär an. Am 30. Juni 2015 wurde der erste Bericht der IPAG dem Bundesamt für Gesundheit, der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren und E-Health Suisse übergeben. Nun ist die Frage, inwieweit die Arbeiten der IPAG berücksichtigt werden und wie die Verordnungen zum EPDG ausgestaltet werden: Lassen diese noch genügend Freiraum, um die Instrumente den Bedürfnissen der Anwender anzupassen und die Prozesse der Patientenbehandlung abzubilden? Welche Vorteile sehen Sie im EPD? Das EPD kann ein wichtiges Instrument zur Kommunikation zwischen verschiedenen an der Behandlung Beteiligter werden. Es kann damit auch dazu beitragen, die Patientensicherheit zu erhöhen und mögliche Doppeluntersuchungen zu vermeiden. Dafür sind jedoch einige Voraussetzungen zu erfüllen: Beispielsweise sollen nur behandlungsrelevante Informationen im EPD abgelegt werden und nicht alle Daten zu einem Patienten. Was müsste am Bundesgesetz zum EPD Ihrer Meinung nach verbessert werden? Das Gesetz definiert einen Rahmen für das EPD auf gesamtschweizerischer Ebene, und das ist gut so, denn die Behandlung von Patienten hält sich nicht an Kantonsgrenzen. Die Umsetzung hängt jedoch stark von den Verordnungen zu diesem Gesetz ab: Beschränken sich diese auf die Definition von «gedeihlichen» Rahmenbedingungen und folgen den Behandlungsprozessen, oder wird versucht, den Berufsleuten detaillierte Vorschriften zu machen? Welche Möglichkeiten der Mitgestaltung haben die ambulanten Pflegedienste bei der Umsetzung des EPDG? Cornelis Kooijman: Als Dachverband der Non-Profit-Spitex arbeitet der Spitex Verband Schweiz in zahlreichen Gremien und Teilprojekten von E-Health Suisse und dem Bund mit. Hauptaufgabe ist es, immer wieder auf die Wichtigkeit der ambulanten Pflege im Behandlungsprozess hinzuweisen. Wir werden uns auch aktiv an der Vernehmlassung der Verordnung zum EPDG einbringen, deren Entwurf zurzeit ausgearbeitet wird. Welche Vorteile sehen Sie im EPD? Wir unterstützen das EPD, weil es den Datenaustausch unter Gesundheitsfachleuten und zwischen den involvierten Leistungserbringern verbessern wird. Das EPD vereinfacht unsere Prozesse bei Ein-, Aus- und Übertritten, und wir können die für uns relevanten, gebündelten Informationen direkt in unser Primärsystem übertragen, respektive daraus exportieren. So profitieren unsere Patienten von einer optimalen, gut koordinierten Versorgung. Zudem begrüssen wir, dass sich das EPDG am Selbstbestimmungsrecht der Patienten orientiert. Was müsste am Bundesgesetz zum EPD Ihrer Meinung nach verbessert werden? Das EPD erreicht seinen maximalen Nutzen nur, wenn sich alle Leistungserbringer daran beteiligen und ihre Patientendaten ins Dossier einfügen. Dem Datenschutz ist dabei höchste Priorität beizumessen. Die Botschaft zum EPDG erwähnt eine Anpassung der Tarife. Die Spitex hat aber keine Tarife, sondern Beiträge gemäss der Krankenpflege-Leistungsverordnung. Es ist zwingend, dass eine Anpassung der Beiträge vorgesehen ist, um den Aufwand für die Bearbeitung von Daten im elektronischen Patientendossier zu entschädigen. Dieser Anreiz ist nötig, um die Einführung des EPD zu beschleunigen und den Spitex-Organisationen den Anschluss an (Stamm-) Gemeinschaften zu ermöglichen. 19

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