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IT for Health 01/2017

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FOKUS: TECHNOLOGIETRENDS

FOKUS: TECHNOLOGIETRENDS Mit Full-Outsourcing den Eid des Hippokrates erfüllen Schon die alten Griechen stellten Informationen über Patienten unter besonderen Schutz. Im Gesundheitswesen des 21. Jahrhunderts sehen sich durch die wachsende Komplexität der IT Gesundheitsversorger aller Art vor der Herausforderung, straf- und datenschutzrechtliche Bestimmungen einzuhalten. «Was ich bei der Behandlung sehe oder höre oder auch ausserhalb der Behandlung im Leben der Menschen, werde ich, soweit man es nicht ausplaudern darf, verschweigen und solches als ein Geheimnis betrachten.» Diese dem griechischen Arzt Hippokrates von Kos (460 bis 370 v. Chr.) zugeschriebenen Worte sind Teil einer Formulierung der ärztlichen Ethik und dürften eine der ältesten datenschutzrechtlichen Bestimmungen darstellen. Auch wenn der Hippokratische Eid heute nicht mehr geleistet wird, beeinflusst er noch immer gesetzliche Regelungen zum Umgang und Schutz sensibler Patientendaten. Über die Jahre gewachsene, dezentrale Infrastrukturen, zunehmende Komplexität der IT, fehlendes Know-how und anhaltender Kostendruck stellen Dienstleister des Gesundheitswesens vor die Herausforderung, die strengen gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen. Verstärkt wird der Effekt nicht zuletzt im Zuge der veränderten Nutzeranforderungen wie dem Trend zu Mobilität oder Heimarbeit. Cloud-Schnittstellen zu Röntgenmaschinen und Laborgeräten Diese Tatsache führte in den vergangenen Jahren bei vielen Organisationen zu einem Paradigmenwechsel in der IT-Bereitstellung. War es unlängst etwa für viele Spitäler undenkbar, ihre Informatik einem Dritten anzuvertrauen, wird dies zunehmend zum Normalfall. Dazu beigetragen haben nicht zuletzt veränderte Geschäftsmodelle. So setzen neue Anbieter wie etwa Tageskliniken oder ambulanten Operationszentren auf Full-Outsourcing. Auch der infolge der Überalterung unserer Gesellschaft schnell wachsende Markt der privaten Altersresidenzen, Pflegeheime und Spitex- Dienstleister treibt diesen Trend voran. Die Unternehmen fokussieren sich aus strategischen Überlegungen auf ihr Kerngeschäft und überlassen die IT-Services von Anfang an externen, mit der Branche vertrauten Profis. Denn selbst der Betrieb komplexer medizinischer Fachapplikationen, deren Integration in die Arbeitsumgebung und die hochperformante Anbindung von Röntgenmaschinen, EKG- oder Laborgeräten an die Cloud, ist längst keine Hexerei mehr. Wie sich in der Praxis Schnell wachsende Personalbestände und hohe Personalfluktuationen, wie sie im Gesundheitswesen Realität sind, erschweren der hausinternen IT mehr denn je die effiziente Verwaltung von Nutzerrechten oder E-Mail-Verschlüsselung. Der Autor Peter Meier, Geschäftsführer, Axians GNS gezeigt hat, lassen sich damit oftmals sogar Kosten für den Support einsparen. Den Eid nicht verletzen Damit ist für den Gesundheitsversorger auch das Problem mit der Einhaltung der strengen gesetzlichen Vorschriften vom Tisch. Artikel 7 und 9 des Datenschutzgesetzes (DSG) und Art. 8 und 9 der Verordnung zum DSG (VDSG) regeln genau, welche Massnahmen zum Schutz der Personendaten getroffen werden müssen. Die Systeme sind gegen unbefugte oder zufällige Vernichtung, technische Fehler, Fälschung, Diebstahl oder widerrechtliche Verwendung zu schützen. Das Gesetz beschreibt dazu detailliert die Kontroll- und Schutzvorschriften bezüglich Zugang, Zugriff, Transport oder Speicherung. Schnell wachsende Personalbestände und hohe Personalfluktuationen, wie sie im Gesundheitswesen Realität sind, erschweren der hausinternen IT aber mehr denn je die effiziente Verwaltung von Nutzerrechten oder E-Mail-Verschlüsselung. Die technischen Neuerungen der jüngsten Vergangenheit dürften indes bei der aktuell in Arbeit befindlichen Revision des DSG die Vorschriften weiter verschärfen und den Trend beschleunigen, deren Einhaltung spezialisierten Diensteistern zu überlassen. Auch deshalb verlagert sich die Motivation für Outsourcing im Gesundheitswesen von einer reinen Kosten- zu einer Qualitätsorientierung. Oder um es mit den Worten des Hippokrates zu sagen: «Wenn ich diesen Eid erfülle und nicht verletze, möge mir im Leben und in der Kunst Erfolg zuteil werden und Ruhm bei allen Menschen bis in ewige Zeiten. Wenn ich ihn übertrete und meineidig werde, das Gegenteil.» 30

Neue Software macht die Arztabrechnung für Patienten verständlich Eine neue Software übersetzt Tarmed-Abrechnungen in eine verständliche Sprache und ermöglicht so der einzigen Person, die dazu wirklich in der Lage ist, Arztrechnungen zu kontrollieren: dem Patienten. Das spart Kosten, bietet den Patienten aber mit den Möglichkeiten der Digitalisierung auch eine neue, aktivere Rolle. FOKUS: TECHNOLOGIETRENDS Das Gesundheitswesen sollte seine Patienten verstärkt auch als Kunden wahrnehmen und diese mehr in den Mittelpunkt rücken. Damit lassen sich auch Kosten senken. Etwa indem die Patienten/Kunden in den Abrechnungsprozess eingebunden werden und als Kontrollinstanz fungieren. Denn fehlende Rechnungskontrollen sind einer der wichtigsten Kostenreiber im rund 70 Milliarden schweren Gesundheitswesen. Und nur der Patient selbst kann die erbrachten und abgerechneten medizinischen Leistungen korrekt überprüfen: Stimmt die Dauer der Untersuchung, wurde das Knie tatsächlich geröntgt, wurde das verrechnete Medikament ausgegeben? Es braucht allerdings eine Befähigung der Patienten, damit sie diese Kontrolle auch ausüben können: 1. Der Patient muss in der Lage sein, die Rechnung gemäss der Tarmed-Tarifstruktur zu verstehen. 2. Es müssen die entsprechenden Prozesse geschaffen werden, sodass der Patient die Möglichkeit hat, die Abrechnungen zu prüfen und Auffälligkeiten unkompliziert zu melden. Ein Projekt der Suva setzt genau da an: Ihre Vision ist, die Abrechnungsprozesse im Schweizer Gesundheitswesen komplett zu digitalisieren und die Patienten aktiv in diese Prozesse einzubinden und damit auch als Kontrollinstanz zu etablieren. Der Autor Michael Marthy, Head of Division, Elca Informatik Übersetzungshilfe für den Patienten Ein Ansatz für die Umsetzung dieser Vision ist eine neue Software, die Elca im Auftrag der Suva entwickelte: Mit einem Klick übersetzt die Software die komplizierten Abrechnungen gemäss der Tarifstruktur Tarmed in eine einfache, verständliche Sprache (siehe Bild). Gleichzeitig werden zum schnelleren Verständnis die Abrechnungspositionen nach Kategorien wie «Untersuchungsgespräche», «Pauschalen» oder «Medikamente» zusammengefasst und strukturiert. Da die Medikamente und deren Wirkung den Patienten häufig nicht geläufig sind, werden diese mit einer zusätzlichen Erklärung wie «entzündungshemmende Salbe» ergänzt, um die Transparenz und damit das Verständnis der Patienten/Kunden zu erhöhen. Die Software greift dafür auf eine Datenbank mit all diesen Informationen zurück. Ausser der Suva ist Atupri der erste Krankenversicherer, der die Software nutzt, und seinen Kunden den Übersetzungsservice per Onlineportal anbietet. So können die Patienten die abgerechneten Leistungen ihres letzten Arzt- oder Spitalbesuchs umfänglich verstehen. Des Weiteren können die Patienten nicht nur die Rechnung auf ihre Richtigkeit überprüfen, sondern sie erhalten auch selbst mehr Transparenz und entsprechend mehr Wissen über die medizinischen Leistungen und ihren Gesundheitszustand. Mit einem Klick übersetzt die Software die komplizierten Abrechnungen gemäss der Tarifstruktur Tarmed in eine einfache, verständliche Sprache Software steht auch als App zur Verfügung Als Software-as-a-Service-Lösung lässt sich die Lösung technisch einfach liveschalten. Gleichzeitig ist die Architektur gemäss dem Continuous-Integration- und Continuous-Delivery- Konzept so gestaltet, dass die Software stetig ausgebaut und neue Funktionen schnell integriert werden können. Künftig wird die Software auch als praktische App zur Verfügung stehen. In einem nächsten Entwicklungsschritt soll dann die digitale Kommunikation zur Rechnungsprüfung und -freigabe zwischen Patient und Versicherer ausgebaut und verbessert werden. 31

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