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IT for Health 2 / 2019

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FORSCHUNG & LEHRE

FORSCHUNG & LEHRE Kontinuierliches Glukosemonitoring: Höhere Lebensqualität für Diabetiker Kontinuierliches Glukosemonitoring in Echtzeit ist für Patienten mit Diabetes Typ 1 ein Paradigmenwechsel – weg von der punktuellen Blutzuckermessung an der Fingerbeere als Grundlage für Behandlungsentscheidungen. Werte kommen in Echtzeit auf das Smartphone und können geteilt werden. Continuous Glucose Monitoring (CGM) ist ein Diabetes-Management-Tool, das den Zuckerspiegel 24 Stunden am Tag mit einem kleinen Sensor direkt unter der Haut misst. Mit dem Sensor ist ein Transmitter verbunden, der die Glukosemesswerte automatisch über Bluetooth an ein kompatibles Smartphone (Android oder iOS) oder via dieses auch an eine Smartwatch überträgt. Der Typ-1-Diabetiker muss also keine blutige Messung an der Fingerbeere durchführen oder einen Sensor scannen, um seine Werte und den Trend zum Glukosegehalt zu erhalten. Er kann jederzeit auf seinem Smartphone beobachten, ob der Zucker fällt oder steigt, wenn der Wert zu hoch ansteigt oder zu niedrig sinkt. Das System kann ihn so dabei unterstützen, seinen Diabetes entsprechend besser einzustellen. Alarme warnen frühzeitig Zusätzlich ist eine weitere Sicherheitsstufe eingebaut: Eine Alarmfunktion mit individuell einstellbaren Grenzwerten warnt automatisch bereits vor Erreichen vor zu hohen beziehungsweise zu niedrigen Glukosewerten, sodass Diabetiker durch Nahrungsaufnahme oder Insulingabe rechtzeitig gegensteuern und gefährliche Unter- oder Überzuckerungen vermeiden können. Somit gewähren innovative CGM-Systeme mit ihren automatischen, individuell einstellbaren Warnungen für niedrige oder hohe Glukosewerte sowie den Trendpfeilen beziehungsweise den Trendalarmen für schnell ansteigende oder abfallende Zuckerwerte Menschen mit insulinpflichtigem Diabetes die Sicherheit, die sie im Alltag – und insbesondere in der Nacht – benötigen. Das hilft Nutzern aktiv, sich weniger Sorgen machen zu müssen und verbessert die Lebensqualität. Der Autor Axel Giesenregen, Country Manager, Dexcom Schweiz Datentransparenz und Analysemöglichkeiten Fachpersonen erhalten relevante Einblicke in kontinuierliche Daten und Glukosewerte, der Nutzer damit mehr Transparenz und Analysemöglichkeiten. Eine cloudbasierte Lösung vereinfacht das Management der kontinuierlichen Glukosemessung – Patienten und Ärzte können automatisch Berichte und Grafiken der gesammelten Daten generieren und erhalten einen schnellen Einblick etwa in HbA1c Schätzungen, den durchschnittlichen Glukosewert, die Zeitabschnitte in und ausserhalb des Zielbereichs sowie Standardabweichungen und können darauf basierend fundierte Behandlungsentscheidungen treffen. So kann das Fachpersonal den Gesundheitszustand der Patienten detaillierter und schneller erfassen und anpassen. Dies erhöht die Qualität der Behandlung und damit auch die Lebensqualität des Diabetikers markant. Werte mit Followern teilen Ein wegweisendes CGM-System erlaubt es, die Werte, Alarme und Hinweise mit bis zu fünf Followern auf deren Smartphones zu teilen. So können beispielsweise Eltern daheim die Werte ihres Kindes im Kindergarten sehen, bei älteren Patienten Angehörige den Verlauf mitverfolgen oder bei Menschen mit beeinträchtigter Hypoglykämie-Wahrnehmung das Fachpersonal. So werden auch die Follower auf gefährliche Gewebeglukosewerte aufmerksam gemacht und können den Diabetiker unterstützen. Die Follower sind so gelassener und beruhigt – auch wenn sie nicht in unmittelbarer Nähe des Patienten sind. Die klassische Blutzuckermessung ist Geschichte – ein kleiner Sensor misst den Glukosespiegel laufend direkt unter der Haut. 50

Wenn Software ärztliche Eingriffe überflüssig macht Die Wissenschaft beisst sich an der Früherkennung und Diagnose von Krebs noch immer die Zähne aus. Start-ups packen diese Herausforderung nun mit Software an. Eine davon stammt von 4D Path. Das Unternehmen hat eine Lösung entwickelt, die Roche gerade testet. 4D Path will mit Software und Cloud Computing die Krebsforschung revolutionieren. Autor: Marcel Urech FORSCHUNG & LEHRE Bild: praetorianphoto / iStock.com Die Diagnose und Behandlung von Krebs ist eine grosse Herausforderung. In vielen Ländern gibt es zu wenige Pathologen, und rund einer von fünf Fällen wird falsch diagnostiziert. Das Unternehmen 4D Path will das ändern. Es hat eine Technologie entwickelt, welche die Diagnose von Krebs stark vereinfachen könnte. Die Firma aus den USA arbeitet mit Roche, der Zürcher Crypto Consulting und der University of Leeds in Grossbritannien zusammen. Schnellere Behandlung, tiefere Kosten Zeigen die bildgebenden Verfahren also eine Auffälligkeit, braucht es operative Massnahmen, um festzulegen, ob es sich um eine bösartige oder gutartige Veränderung der Brust handelt. Der Arzt spricht sich laut dem Universitätsspital Zürich auch mit Spezialisten aus der bildgebenden Diagnostik, der Pathologie, der Radiotherapie, der gynäkologischen Onkologie und der medizinischen Informatik ab. Die Cloud-Lösung von 4D Path soll den gesamten Diagnoseprozess, der mehrere Tage dauert und kostenintensiv ist, erheblich verkürzen können. Die Zeit, die zwischen der Diagnose und der Behandlung verstreicht, sinkt so laut dem Unternehmen massiv. 4D Path verspricht eine Zeitreduktion von rund 8 bis 29 Tagen. Diagnose ohne Deep Learning Laut der University of Leeds basiert der Algorithmus von 4D Path nicht auf Deep Learning. Dieses Teilgebiet der künstlichen Intelligenz habe bis jetzt in diesem Feld nur beschränkt Erfolge erzielt, so die Universität. Es sei zudem denkbar, dass man die Technologie auch in der Dermatopathologie einsetzen könne. Die ersten Zielmärkte sind Grossbritannien und Brasilien, Deutschland und die USA sollen folgen. Um die Technologie zu verbessern, braucht es Biopsie-Bilder. Auf diese hat 4D Path dank einer Kooperation mit der University of Leeds und dem St. James's Hospital Zugriff. Rund 3500 Bilder sammelte das Start-up so bereits. Software statt operative Eingriffe Das Vorzeigeprodukt von 4D Path richtet sich an Pathologen und hilft bei der Diagnose von Brustkrebs. Bei einer Biopsie entnimmt der Arzt eine Gewebeprobe und analysiert diese im Labor auf Krebszellen. So kann er den Hormonrezeptorstatus und den ER-/PR-/HER2-Status bestimmen. Dafür ist nicht selten eine Immunhistochemie oder eine Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung nötig, was Kosten und Zeitaufwand verursacht. Die Lösung von 4D Path soll diese Operationen überflüssig machen. Sie wertet digitalisierte Biopsie-Bilder aus, erstellt automatisierte Diagnose-Reports und nutzt dafür Microsofts Azure-Cloud. Die Technologie analysiert die gesammelten gewebemorphologische Daten und erstellt Indikatoren für die Diagnostik, sogenannte Biomarker. Die Cloud skaliert weltweit Da die Cloud-Plattform sehr gut skaliert und die Analyse eines Biopsie-Bilds nur 1 bis 2 Minuten dauert, geht 4D Path davon aus, in zwei bis drei Jahren «cash positive» zu sein. Nun gilt es für das Unternehmen, regulatorische Hürden zu überwinden. 4D Path arbeitet dafür mit der Zürcher Crypto Consulting zusammen. In einem Schreiben betont die Universität die Bedeutung der Cloud. Die Lösung von 4D Path und die Remote-Fähigkeit der Plattform würden weltweit den Zugang zu hochqualitativen Krebsdiagnosen ermöglichen. Das sei ein Segen für kleine und Den vollständigen Artikel finden Sie online keine Histopathologie-Abtei- abgelegene Spitäler, die oft www.netzwoche.ch lung hätten. 51

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