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Netzwoche 01/2016

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28 Rubrik Unterrubrik

28 Rubrik Unterrubrik Bild: Fotolia FOCUS COLLABO- RATIVE ECONOMY Teile und verdiene gsa. Kindern bringt man bei, zu teilen. Erwachsene, die alles teilen wollen, werden hingegen oft als Sozialisten und Kommunisten bezeichnet. Das Gegenmodell ist der Kapitalismus, der auf dem Wunsch nach Besitz aufbaut. Mit der Sharing Economy scheint sich ein Mittelweg aufzutun. Ein Weg, der traditionelle Geschäftsprozesse stört und verändert. Was ist die Sharing Economy konkret? Gemäss Wikipedia ist sie ein sozio-ökonomisches System, das auf dem Teilen von menschlichen und physischen Ressourcen basiert. Kurz: Es geht um Kooperation. Das Prinzip «teilen und verdienen» wird zum Riesengeschäft. Unternehmen wie Airbnb oder Uber sind heute Milliarden US-Dollar wert. Obwohl Airbnb kein Bett und Uber kein eigenes Taxi besitzt. Beide Unternehmen stehen auch in der Kritik. Sie teilen nicht einfach den Verdienst, sondern nutzen Subdienstleister aus, monieren Kritiker. Besonders Uber muss sich immer wieder vor Gericht für seine Interpretation von Sharing Economy rechtfertigen. Wie es besser geht, zeigt Swisscom, die mit Swissfriends einen neuen Weg der Kundenbetreuung geht. «Kunden helfen Kunden», lautet das Motto. Auch in traditionellen Märkten wie dem Bankwesen kooperieren Unternehmen, um mit neuen Services bestehende Geschäftsmodelle zu verändern. Am Zürcher Impact Hub wird die gemeinsame Arbeit an neuen Geschäftsmodellen gezielt gefördert. Welche Chancen sich daraus ergeben, erklären die Expertinnen des Collaboration-Hub. Eine wissenschaftliche Perspektive eröffnet abschliessend Professor Leimeister von der Universität St. Gallen. 01 / 2016 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Focus Collaborative Economy 29 Collaborative Economy: Bedrohung oder Chance? Ein innovativer Trend verändert die Wirtschaft: die Collaborative Economy. Vor allem Menschen unter 30, die sogenannte Generation Y, will Dinge nicht mehr unbedingt besitzen, sondern an ihnen teilhaben, beziehungsweise sie teilen. Auch im Schweizer Markt ist die Bewegung inzwischen angekommen, und einzelne Unternehmen wissen sie bereits für sich zu nutzen. DER AUTOR Christian Viatte CEO, Mila AG Das Prinzip ist einfach: Die Collaborative oder Sharing Economy baut auf dem Konzept der gemeinsamen Ressourcen auf. Dank der Möglichkeit zu teilen, was zur Verfügung steht, können Kunden auf Produkte/Dienstleistungen zugreifen, wenn sie tatsächlich benötigt werden – anstatt sie «auf Vorrat» zu erwerben. Zu Beginn standen die gemeinsame Nutzung von Ressourcen, Kosteneinsparungen und der Community-Gedanke im Vordergrund. Inzwischen hat sich diese «klassische» Vorstellung verändert. Bei den sogenannten Crowd Based Services steht heute nicht mehr nur der soziale Gedanke des Teilens im Fokus, sondern auch die Wirtschaftlichkeit solcher Modelle. Und mit der Wirtschaftlichkeit wächst dementsprechend auch das Interesse. Der Erfolg von Airbnb und Uber hat gezeigt, dass sich Kunden weltweit immer mehr mit der Idee anfreunden, für Services von semiprofessionellen/privaten Anbietern zu bezahlen. Das gilt auch in der Schweiz: Einer repräsentativen Studie des Beratungsunternehmens Deloitte zufolge waren im Jahr 2015 fast ein Fünftel der Befragten (18 Prozent) Teil der Collaborative Economy. 55 Prozent möchten es auch in den nächsten zwölf Monaten werden, indem sie Produkte oder Dienstleistungen über Onlineportale erwerben, respektive anbieten. Entsprechend gross ist das Potenzial für Schweizer Unternehmen. Umdenken und umstrukturieren Viele alteingesessene, etablierte Unternehmen fühlen sich durch die neuen Geschäftsmodelle der Collaborative Economy bedroht. Laut Jeremiah Owyang, Gründer von Crowd Companies, gibt es zwei Optionen: Entweder das Unternehmen sucht sich gute Anwälte oder es passt sich der Situation an und erfindet sich neu. Dafür stehen Unternehmen drei mögliche Businessmodelle zur Verfügung: 1. Die Marke als Service anbieten: Statt ein Produkt tausendmal zu verkaufen, können hundert nachhaltige Produkte tausendmal vermietet werden. 2. Das Marktplatz-Modell: Den Wiederverkauf eigener Produkte/Dienstleistungen auf einer Plattform ermöglichen. 3. Die Bereitstellung von Plattformen: Das Wissen und die Talente der Crowd für die Herstellung der eigenen Produkte nutzen. «Das Kundenerlebnis hat sich durch die Digitalisierung stark verändert.» Christian Viatte, CEO, Mila Es wird deutlich, dass Unternehmen vernetzt, nachhaltig und nutzbringend sein müssen, um in der partizipativen Wirtschaft erfolgreich sein zu können. Dass dies nicht einfach ist und zum Teil grösserer Umstrukturierungen bedarf, liegt auf der Hand. Alte Geschäftsmodelle werden obsolet und neue profitieren. Damit verbunden ist ein Prozess der «schöpferischen Zerstörung» – anders ausgedrückt: Firmen nehmen unter Umständen sogar eine gewisse Kannibalisierung in Kauf. Das ist aber immer noch besser, als später unerwartet von einem neuen, agileren Konkurrenten überrascht zu werden. Kunden schätzen die Vorteile von Crowdsourcing-Services Auch in der Schweiz gibt es erste Erfolgsgeschichten zu vermelden: So können etwa dank Parku.ch freie, private Parkplätze einfach über das Smartphone gefunden und gebucht werden. Ebenso erfreut sich die vor zwei Jahren zusammen mit dem Start-up Mila lancierte Nachbarschaftshilfe «Swiss com Friends» wachsender Beliebtheit. Inzwischen bieten dort bereits über 1700 Privatpersonen ihre Dienste bei technischen Fragen rund um Mobile, Computer, TV, Internet und Netzwerk an. So steht den Swisscom-Kunden ausser den klassischen Servicedienstleistungen ein weiterer, deutlich flexiblerer Support- Kanal zur Verfügung. Ähnliche Modelle haben auch IWB, Brack.ch und die Elektrizitätswerke Zürich bereits umgesetzt. Fest steht, dass sich das Kundenerlebnis durch die Digitalisierung stark verändert hat, die Kunden wollen alles möglichst schnell und günstig. Der Trend geht dahin, eine Dienstleistung möglichst zeitnah und flexibel anbieten zu können, jedoch ohne auf die gewohnten Qualitätsstandards zu verzichten. Die erwähnten drei Businessmodelle zeigen die Chancen auf, die in der Collaborative Economy liegen. Nun liegt es an den Unternehmen, diese zu erkennen und sich kundenorientiert auszurichten. www.netzwoche.ch © netzmedien ag 01 / 2016

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