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Netzwoche 01/2016

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30 Focus Collaborative

30 Focus Collaborative Economy Innovation kommt selten allein Unternehmen suchen vermehrt Partner im Start-up-Umfeld und stellen in der Schweiz jährlich etwa eine halbe Milliarde Franken als Venture Capital zur Verfügung (Startupticker.ch) und diverse branchenspezifische Acceleration- Programme. Innovation ist der Treiber für die Kooperation zwischen grossen Playern und kleinen Startern. DIE AUTORINNEN Sarah Seyr Human Centered Design, Swisscom Schweiz Céline Tykve Chief Storyteller, Impact Hub Zürich Innovation ist einer der wesentlichen Erfolgsfaktoren, um nachhaltig wirtschaftlich relevant zu bleiben. Besonders im Bereich der Customer Interaction und der Customer Experience stehen traditionelle Unternehmen vor Herausforderungen. Technologischer Fortschritt bedingt andere Formen der Interaktion mit Kunden und Nutzern – wir sind anspruchsvoller geworden. Open Innovation ermöglicht das Testen neuer Businessmodelle und schnellere Kundeninteraktionen und damit den Erhalt der Innovationsfähigkeit sowie insgesamt einen Effizienzgewinn. Vorteile für Start-ups Grosse Unternehmen sind auf den ersten Blick aufgrund ihrer wirtschaftlichen Power für Start-ups interessant. Sie können grössere Investitionen tätigen und Zugang zu einem etablierten Kundenstamm und professioneller Infrastruktur bieten. Viel wichtiger jedoch ist das Know-how in der Skalierung und Standardisierung. Eine Lösung kann noch so gut sein: Wenn sie nicht genügend Menschen erreicht und professionell bedienen kann, gibt es keinen positiven Business Case. Vorteile für grosse Unternehmen Start-ups bieten demgegenüber neue Lösungsansätze und flexible Herangehensweisen. Treiber für Start-ups sind oft «Pain Points» einzelner Zielgruppen und Geschäftsmöglichkeiten, die Grosskonzerne nicht im Blick haben. Firmen suchen nach neuen Wegen, ihre Kunden zu begeistern. Lösungen von Start-ups zielen darauf ab, neue Geschäftsfelder zu erschliessen. «Während Firmen häufig damit beschäftigt sind, Fehler zu vermeiden, bleibt Start-ups keine andere Wahl, als agil voranzuschreiten und über ‹fail early – fail fast› zu lernen. Für Unternehmen bringt die Kooperation mit Start-ups somit einen Know-how-Gewinn in ihrem Tätigkeitsfeld, aber auch in der Arbeitsweise», sagt Roger Wüthrich-Hasenböhler, Leiter Digital Business bei Swisscom. Herausforderungen Eine Kooperation ist dann erfolgreich, wenn sie ein gemeinsames Ziel verfolgt und sich die Kooperationspartner auf Augenhöhe gegenübertreten. Ein Machtungleichgewicht ist alles andere als Innovationsförderlich. Viele etablierte Unternehmen in der Schweiz haben das Potenzial von Kooperationen mit Start-ups erkannt und betreiben aktiv Ökosystem-Pflege und Start-up-Förderung Start-up-Lösungen zielen auf die Erschliessung neuer Geschäftsfelder. bei Acceleration und Venturing. Intern schaffen sie für Mitarbeitende flexible Rahmenbedingungen und erweitern Kompetenzen, um eine effektive Organisation mit externen Playern zu gestalten – letztlich um gemeinsam näher am Kunden zu sein. Start-ups und Förderer-Communitys leisten hier einen wichtigen Beitrag sowohl als Coach für Startups als auch als Berater für Unternehmen. Coworking Spaces als Moderator Auch physisch benötigen Kooperationen einen Raum, wo Grossfirmen und Start-ups aufeinandertreffen können. So ein Ort ist der Impact Hub Zürich. Als Partner haben Grossfirmen wie Swisscom, die Six Group, Credit Suisse, Engagement Migros und Axa Winterthur im Coworking-Space die Möglichkeit, sich als Team einzurichten und sich so unter die Unternehmer zu mischen. Der Austausch passiert hier durch zufällige Gespräche am Kaffeeautomaten und auch durch moderierte Formate wie Workshops und Events, an denen Start-ups und Mitarbeiter der Grossfirmen zusammenkommen und Synergien für ihre Vorhaben nutzen. Beispiele aus dem Impact Hub Der Kultur- und Wirtschaftsförderer Migros Engagement startete gleich zwei Kooperationsprojekte mit Start-ups aus dem Impact-Hub-Ökosystem. Gemeinsam mit dem CO2-Rechner des Zürcher Start-ups Eaternity soll in Zukunft der ökologische Fussabdruck von über 5000 Schweizer Menüs in Restaurants bestimmt werden können. Und mit Farm Scout von Urban Farmers soll jeder Stadtbewohner selbst das Farming-Potenzial von brachliegenden Dachflächen abklären können und Optionen für eine nachhaltige Dachnutzung erhalten. 01 / 2016 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Focus Collaborative Economy 31 Gemeinsam disruptiv im Bankenumfeld Die Digitalisierung greift weiter um sich. Als Nächstes wird die Finanzbranche umgestaltet. Start-ups fordern traditionelle Geschäftsprozesse heraus. Kooperationen bieten Finanzdienstleistern eine Möglichkeit, sich nicht nur gegen neue Player erfolgreich zu wehren, sondern auch nachhaltig ihr Geschäftsmodell zu transformieren. DIE AUTORINNEN Matthias Bitzer Senior Consultant, Namics Will Kölbener Consultant/ Project Manager, Namics Start-ups wie True Wealth versuchen, im Wealth Management Fuss zu fassen. Parallel bauen Banken Innovation Labs auf und investieren hunderte Millionen in Venture Capital Funds sowie Inkubatoren. Das Bankenumfeld ist in Bewegung, kündigt sich eine Disruption an? Was hinter einer Disruption steckt Eine disruptive Innovation fordert bestehende Geschäftsmodelle heraus und lässt neue Märkte oder Wertschöpfungsnetzwerke entstehen. Diese Innovationen zeichnen sich dadurch aus, dass mehrere Elemente des Geschäftsmodells aktiv verändert oder neu kombiniert werden. Die konsequente Ausrichtung auf Kundenbedürfnisse steht dabei oft im Zentrum. Die Digitalisierung nimmt dabei eine zentrale Rolle ein, indem sie als Basis für neue Geschäftsmodelle dient und zentrale Treiber der Disruption adressieren kann. Zu den Treibern zählen: ·· zu hohe Komplexität für den Kunden; ·· limitierter Zugang zum Produkt; ·· Vertrauensverlust in Unternehmen; ·· Redundanzen durch komplexe Organisationen oder Prozesse; ·· Ressourcenverschwendung durch fehlende Effizienz oder Unternutzung. Die fünf Treiber spielen in der Finanzbranche eine grosse Rolle. Bei der Analyse von erfolgreichen Fintech-Unternehmen fällt auf, dass häufig mehrere der genannten Aspekte aufgegriffen werden. Sie fordern nicht nur den Status quo im Retailbereich heraus, sondern auch das Firmenkundengeschäft und Wealth Management. Banken tun sich (noch) schwer mit den Veränderungen Wie aus einer Studie von «The Economist» hervorgeht, tun sich Banken bei dieser Veränderung schwer. Hauptschwächen sind danach: ·· Fehlen einer klaren strategischen Vision; ·· unpassende Kultur für eine schnelle Veränderung; ·· Widerwille, die eigenen Produkte zu kannibalisieren; ·· Beschränkungen durch infrastrukturelle Altlasten. Nur wer diese Schwächen überwindet, sich im Kern neu erfindet und für Kooperationen offen ist, wird auf die Herausforderer adäquat reagieren können. Dass diese Schwierigkeiten überwunden werden können, zeigt die mobile Bezahllösung Paymit. Der preisgekrönte mobile P2P-Bezahldienst vereinfacht die Bezahlung zwischen Personen – es muss nur eine Telefonnummer vorhanden sein. Das Angebot ist für den Konsumenten kostenlos und unabhängig von dessen Bank. Umsätze sollen künftig durch den Einsatz in Geschäften (P2M) generiert werden. Diese Innovation wurde durch die initiale Kooperation von mehreren Partnern wie UBS, ZKB oder Six möglich. Der kooperative Ansatz sowie das neuartige Ertragsmodell zeigen, dass es sich um eine grundlegende Überarbeitung des Geschäftsmodells handelt. Die neuen Formen der Zusammenarbeit, die zu Apps wie Paymit oder der Bezahl-App Twint führen, basieren auf dem Modell der Zusammenarbeit. Mit der Plattform zum Erfolg Experten sagen der Collaborative Economy eine grosse Zukunft voraus. Wie diese aussehen kann, zeigt Number 26, ein rein digitaler Anbieter von Bankprodukten. Das Start-up definiert nicht nur einen neuen Kanal, es nimmt einschneidende Veränderungen an verschiedenen Bereichen seines Geschäftsmodells vor. Aus Kundensicht ermöglicht das Start-up die Eröffnung eines Kontos innerhalb von acht Minuten ohne Kanalunterbrechungen ab dem Smartphone. Das kostenlose Konto ist sofort betriebsbereit und die Girokarte zwei Tage später im Briefkasten. Im Hintergrund fokussiert das Unternehmen auf Kernfunktionen und überlässt andere Aufgaben, wie das Backend, Spezialisten. Beim Ertragsmodell und Partnermanagement geht Number 26 ebenfalls neue Wege und baut eine Plattform auf, die Unternehmen wie Lending Club (Peer-to-peer-Kredite) nutzen können. Die Umsätze sollen über Vermittlungsprämien generiert werden. Neue Player transformieren die Finanzbranche. Bild: Fotolia www.netzwoche.ch © netzmedien ag 01 / 2016

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