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Netzwoche 01/2018

20 People Live «

20 People Live « Iteration ist der Schlüssel. Planung ist tot. » Jim Whitehurst ist seit 2008 CEO von Red Hat. In dieser Zeit wurde das Unternehmen zu einem der global bedeutendsten Open-Source-Anbieter. Open Source ist für Whitehurst aber mehr als nur Kostenersparnis für die Kunden. Es geht ihm um Innovation und darum, wie sie skalierbar gemacht werden kann. Interview: Marc Landis « Microsoft ist heute viel offener und besonnener als früher. » Jim Whitehurst, CEO, Red Hat Wie hat sich das Geschäft von Red Hat in den vergangenen Jahren verändert? Jim Whitehurst: Lassen Sie mich etwas ausholen: Das Open- Source-Geschäft hat für uns zwei Komponenten. Für unsere Kunden ging es bisher klassischerweise vor allem darum, proprietäre Software abzulösen, damit sie Lizenzgebühren sparen können. Wir halfen damit also vor allem, Kosten aus der IT herauszunehmen, indem wir etwa Windows durch Linux ersetzen, Websphere durch JBoss oder VMware durch Red Hat Virtualisation. Unsere Leistung, die wir für unsere Kunden erbringen, besteht schliesslich darin, dass wir mit ihnen eine produktionsfähige Lösung für ihre IT-Infrastruktur auf Open-Source- Basis entwickeln, den Lifecycle managen und es ermöglichen, ein SLA darum zu schnüren. Dieses Geschäft funktioniert gut; wir machen das auch schon seit vielen Jahren. Aber unseren Kunden geht es heutzutage nicht mehr nur darum, IT zu kommodisieren. Das Open-Source-Modell ist in den vergangenen Jahren immer mehr der Ort geworden, an dem Innovation geschieht. Wie meinen Sie das? Nun, es ist fast unmöglich auf Basis proprietärer Systeme in einer mit auf Community basierenden Open-Source- Modellen vergleichbaren Geschwindigkeit Innovationen zu entwickeln. Bewiesen haben das die grossen Web-2.0- Unternehmen, wie etwa Google, die sich von Anfang an entschieden haben, ihre Infrastrukturen auf Open-Source-Plattformen zu betreiben. So trugen sie massiv zum Erfolg von Open Source als Innovationsmodell bei. Und zwar auch deshalb, weil Open Source für sie zur Basisinfrastruktur ähnlich wie Strom, Wasser oder Strassen geworden ist und sie ihr Wissen mit der Community teilen, statt es als Wettbewerbsvorteil für sich selbst zu vereinnahmen. Nur auf so einer offenen Infrastruktur können innovative Produkte entwickelt werden. Modells profitieren. So interessieren sich etwa auch grosse traditionelle Unternehmen wie etwa Grossbanken für unsere Plattformen. Open Source ist dabei viel mehr als einfach eine Möglichkeit, etwa mithilfe einer Containerplattform die Entwicklung zu beschleunigen, obwohl natürlich Devops ohne Containertechnologie kaum mehr vorstellbar wären. Es geht den Unternehmen vor allem auch darum, einen kulturellen Wandel bei der IT-Entwicklung und beim -Betrieb herbeizuführen; also um nichts Geringeres als darum, die Kultur auf Open-Source- Art zu verändern. Unternehmen wollen ihre IT auf neue Beine stellen und hin zu einer agileren Architektur entwickeln, weg von den monolithischen Systemen, die sie vor 20 oder 30 Jahren gebaut haben. Und wir helfen ihnen dabei, diesen Schritt zu tun. Was verbinden Sie ausser dem Technologie-Aspekt mit Open Source? Für uns bedeutet Open Source viel mehr als einfach nur Open-Source-Software. Der Open-Source-Way ist auch eine Art und Weise, ein Unternehmen zu führen, eine Haltung den Mitarbeitenden gegenüber, eine Haltung den Kunden gegenüber. Es geht um Offenheit und Transparenz. Open Source ist ein Entwicklungsmodell, das die Partizipation aller ermöglicht und erfordert. Wir sind leidenschaftliche Verfechter des Open-Source-Gedankens und glauben, die Welt damit zum Besseren verändern zu können. Open Source wird helfen, Krankheiten zu heilen, den Hunger auf der Welt zu besiegen. Solche Veränderungen sind in der nötigen Geschwindigkeit nur mit Open Source zu erreichen. Mit dem Open-Source-Way haben wir es geschafft, Skaleneffekte bei der Innovation zu generieren. Tausende Mitglieder einer sich selbst regulierenden Open- Source-Community arbeiten etwa an Linux mit und schaffen Innovationen in viel kürzerer Zeit, als es in der traditionellen, gemanagten Entwicklung möglich wäre. Artikel online auf www.netzwoche.ch Webcode DPF8_75884 Heutzutage interessieren sich auch immer mehr traditionelle Unternehmen für Open Source. Wie erklären Sie sich dieses Interesse am Open-Source-Modell? Unternehmen müssen digital transformieren und wollen von der Innovationsgeschwindigkeit des Open-Source- Aber Sie müssen ja trotzdem das Unternehmen managen und die Produkte im Auge behalten. Wie schaffen Sie den Rahmen für Innovation bei Red Hat? Es geht darum, den Kontext und die Umgebung herzustellen, in denen es den Menschen möglich ist, innovativ und 01 / 2018 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

People Live 21 « Wir sprechen mit Kunden, die mit Technologie Businessprobleme und keine Technologieprobleme lösen wollen. » Jim Whitehurst, CEO, Red Hat kreativ zu sein. Statt von oben herab eine «Innovations- Agenda» zu befehlen und damit vorzugeben, wie Innovation zu erfolgen hat, versuchen wir, einen guten Mix zu finden zwischen dem, was wir vorgeben, und dem, was die Mitarbeitenden selbst entwickeln sollen. Vieles soll Bottom-up geschehen, nicht in festgefahrenen Strukturen, dafür agil. In vielen Unternehmen funktioniert Management aber heute noch so, dass die Unternehmensleitung Top-Down eine Strategie entwickelt. Um diese Strategie dann möglichst effizient umzusetzen, schafft das Management die benötigten Strukturen, und für die Ausführung halten sich die Mitarbeitenden an einen vorgegebenen Plan. Wir bei Red Hat geben nur grob vor, was wir erreichen wollen und wir stellen ein Rahmenwerk zur Verfügung, innerhalb dessen gearbeitet wird. Zudem stellen wir die kulturellen Normen und die Art und Weise zur Verfügung, in denen festgelegt ist, wie wir uns gegenüber Mitarbeitenden, Kunden und Partnern verhalten und dann heisst es: Macht mal! Also weg von der Planung, hin zur Iteration? Ja, Iteration ist der Schlüssel. Um es provokativ zu sagen: Planung ist tot. In einem Umfeld, das sich so schnell bewegt, können wir nicht lange planen und hoffen, dass die Zukunft dann so eintrifft, wie wir sie geplant haben. Denn wahrscheinlich irren wir uns. Stattdessen wollen wir einen Kontext schaffen, in dem es darum geht auszuprobieren, zu lernen und modifizieren. Hat Red Hat schon so funktioniert, als sie 2008 als CEO gekommen sind? Ja, so haben wir schon damals gearbeitet und es ist keine Erfindung von mir. Diese Art zu arbeiten entwickelte sich aus der Open-Source-Bewegung. Schauen wir dazu konkret Linux als Beispiel an: Unsere Enterprise Linux Distribution ist ja kein einzelnes Produkt, sondern besteht aus 1500 Paketen, die zusammenspielen müssen, um eine funktionstüchtige Linux-Distribution bereitzustellen. Diese Modularität ist ein wichtiger Kern des Open-Source- Gedankens. Die verschiedenen Module können sich so in ihrer jeweils eigenen Geschwindigkeit entwickeln. Und es wird auch nie zwischendurch ein einzelner Bug gefixt, sondern erst beim nächsten Release. Das bedingt, dass es i ZUR PERSON James «Jim» Whitehurst (Jahrgang 1967) ist Präsident und Chief Executive Officer des Open-Source-Anbieters Red Hat. Whitehurst ist ein begeisterter Verfechter von Open Source als Innovationskatalysator in Unternehmen. Mit seinem Hintergrund in der Geschäftsentwicklung, im Finanzwesen und im globalen Betrieb besitzt Whitehurst ausgewiesene Kompetenz in der Förderung von Unternehmenswachstum. Seit er sich Red Hat im Januar 2008 anschloss, hat er den Umsatz des Unternehmens mehr als verdoppelt und den Börsenwert verdreifacht. Gemeinsam mit seiner Frau Lauren und den Zwillingen Emma und Jack lebt Whitehurst in Durham im US-Bundesstaat North Carolina. Quelle: Red Hat www.netzwoche.ch © netzmedien ag 01 / 2018

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