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Netzwoche 01/2018

28 Technology

28 Technology Fachbeitrag Bereit für die Zukunft – Jobs in digitalen Unternehmen Mal verschwindet die Hälfte aller Jobs, mal entstehen mehr Arbeitsplätze als je zuvor. Die Spannweite an Meinungen zur Digitalisierung zeigt vor allem, dass niemand genau darüber Bescheid weiss, wo wir bereits drinstecken. Für Mitarbeiter und Unternehmen stellt sich die Frage: Wie sehen unsere Jobs in Zukunft aus? DIE AUTORIN Bak-Heang Ung CEO, Digicomp Um eine Antwort auf die Frage nach den Jobs der Zukunft zu finden, müssen wir die Komplexität der Digitalisierung in Stücke schneiden, damit wir sie besser verdauen können. Die einzelnen Bereiche der Digitalisierung sind für sich komplex und dynamisch genug. Kommt hinzu, dass sie sich in einem dynamischen System gegenseitig beeinflussen. Neue Jobrollen – Weiterbildungen dazu sind bereits bei Digicomp verfügbar oder in Arbeit. Sieben Handlungsfelder und Nahtstellen In komplexen Situationen helfen Modelle – zugegeben eine Vereinfachung der Realität. Aber genau das brauchen wir in unübersichtlichen, unerforschten Feldern. Digicomps Modell ist eine Zusammenfassung verschiedener Modelle der HSG, der FHNW und der HWZ. Unternehmen müssen unserer Meinung nach sieben Handlungsfelder vorantreiben (siehe Grafik), eventuell nur eines oder zwei gleichzeitig. Kleine, aber stetige Schritte, in kurzen Intervallen, testen, auswerten, optimieren, die Nahtstellen einbeziehen. Die Herausforderung ist interdisziplinär: Neue Technologien zum Beispiel sollten dazu dienen, begeisternde Produkte für Kunden herzustellen. Neue Jobrollen – t-shaped und vernetzt Zukünftige Jobs befinden sich also oft zwischen den Bereichen und Fachabteilungen und stellen sozusagen das Jobrolle ICT Security Expert Azure Professional Web/App Developer Blockchain Business Manager Robotics Engineer Agile Change Agent Digital Product Designer User Engagement Expert Digital Collaboration Manager Digital Learning Coach Hololens AR Engineer Digital Marketing Strategist Social Sales Account Manager Data Scientist Nahtstellen IT – effiziente Prozesse – offene Kultur IT – effiziente Prozesse – begeisternde Produkte Begeisternde Produkte – IT – agile Organisation IT – begeisternde Produkte IT – begeisternde Produkte Agile Organisation – offene Kultur Kundenorientierung – begeisternde Produkte Offene Kultur – agile Organisation IT – effiziente Prozesse – offene Kultur Offene Kultur – agile Organisation IT – begeisternde Produkte – digitale Strategien Kundenorientierung – digitale Strategien Kundenorientierung – digitale Strategien Customer Centric – digitale Strategien – IT Die sieben Handlungsfelder. Schmiermittel der Digitalisierung dar. Wir sprechen von «T-Shaped»-Jobprofilen. Das Dach des «T» stellt die Breite der Kenntnisse dar, der Stamm die Tiefe in einem besonderen Bereich wie zum Beispiel IT. Um in der neuen Arbeitswelt zu funktionieren, müssen wir lernen, Fäden in andere Bereiche hinein zu spinnen. Stellen wir uns ein Beispiel vor: Sie sind verantwortlich für die Einführung von Office 365. Was technisch klingt, wird im Kontext des Modern Workplace vielfältiger: Es geht um Einstellung, Kultur und Prozesse. Nennen wir diese neue Jobrolle «Digital Collaboration Officer». Sie arbeiten mit IT, HR, Management, Prozess- und Organisationsentwicklung an einem Tisch. Seien Sie mutig! Überlegen Sie sich, mit welchen angrenzenden Feldern Ihrer Hauptkompetenz Sie sich vernetzen wollen, und entwickeln Sie sich konsequent weiter. Tiefes Fachwissen und breites Anschlusswissen sind die Kennzeichen der Piloten des digitalen Wandels. Oft lese ich von Fehlerkultur, von kontinuierlichem Testen und Verbessern. Testen beinhaltet per Definition, dass auch ein Scheitern möglich ist. Fehler begeht, wer etwas wagt. Darum sage ich: Seien Sie mutig, seien Sie optimistisch, begrüssen Sie die neue Welt und nehmen Sie die Chancen wahr! Wagen Sie Zukunft – sie wird anstrengend und aufregend. 01 / 2018 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Technology Research 29 Wachstumspfeiler 2018 und die «Big Nine» Die globalen Wirtschaftsaussichten für das neue Jahr präsentieren sich weitgehend positiv. Mehr noch, wie mehrere führende Konjunkturauguren übereinstimmend melden, wird für 2018 ein im Vergleich zu den letzten Jahren kräftiger Wachstumsschub prognostiziert. DER AUTOR Philipp A. Ziegler Geschäftsführer, MSM Research AG Die Konjunkturforschungsstelle KOF geht davon aus, dass die Wirtschaft im Euroraum weiter Fahrt aufnimmt und hat die Prognosen für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in der Schweiz im Dezember von plus 2,2 Prozent auf 2,3 Prozent angehoben. Für die Entwicklung des ICT-Marktes noch relevanter ist die Entwicklung der Ausrüstungsinvestitionen. Hier erhöhte die KOF die Wachstumsprognose von 2,4 auf 3,4 Prozent. Auch wenn zum Begriff der «Ausrüstung» im genannten Kontext weit mehr gehört als die ICT, stellt die entsprechende Entwicklung einen wesentlichen Basisfaktor zur Berechnung der ICT-Markttrends dar. So hellen sich auch die Wachstumsaussichten auf dem Schweizer ICT-Markt nach einem Plus von 1,9 Prozent (vorläufig) im vergangenen Jahr weiter auf. Waren dies im abgelaufenen Jahr 2017 noch rund 330 Millionen Franken mehr als im Vorjahr, rechnen wir für 2018 mit einem markanten Anstieg der gesamten ICT-Ausgaben um rund eine halbe Milliarde Franken. Markante Unterschiede zwischen den Branchen Sicherlich, getragen wird das derzeitige und demnächst erwartete Wachstum des Marktes durch ein positives, wirtschaftliches Umfeld. Verlässt man die Makroperspektive auf das ökonomische Grundrauschen und taucht tiefer ein in die Entwicklung des ICT-Marktes, so stellt man fest, dass das Wachstum nicht auf einer Entwicklung basiert, die in allen Branchen, Segmenten und Themen gleich verläuft. Allein der Blick auf die Topsegmente des ICT-Marktes macht deutlich, dass hier markante Unterschiede bestehen. So wird etwa der Hardwaremarkt im neuen Jahr um annähernd 5 Prozent weiterschrumpfen, während die Ausgaben für Services um 8 Prozent zulegen. Und weiter sind es unsere Big Five genannten Themen beziehungsweise Teilmärkte, die das Wachstum nachhaltig bestimmen: Die Ausgaben für den ICT-Betrieb in der Cloud werden um 27 Prozent, für grosse Analytics-Projekte (Big Data) sogar um 38 Prozent zulegen. Auch die Investitionen und Ausgaben in Digitalisierungsprojekte, die Mobilität und Sicherheit generieren 2018 deutlich höhere Budgets und tragen in grossem Masse zur Gesamtentwicklung bei. Von «Big Five» zu «Big Nine» Am Horizont tauchen bereits neue Themen auf, die künftige Projekte prägen und bedeutenden Einfluss auf die Marktentwicklung haben werden. Zu diesen kommenden Märkten und dem erweiterten Kreis der «Big Five» oder neu «Big Nine» zählen wir die Blockchain, künstliche Intelligenz (KI), Machine Learning, digitale Assistenten und Robotics. Die kommende Entwicklung des Marktes geht über einzelne Verwerfungen des Marktgefüges hinaus, es steht ein fundamentaler Wandel an. ICT-AUSGABEN IN DER SCHWEIZ ICT-Spendings in der Schweiz 2016/2017 – Wachstumsraten Total der ICT-Ausgaben 2017 in der Schweiz (B2B) 17 371 Millionen Franken Total Hardware Total Software (on Premise) Total Kommunikation Total Services (inkl. Cloud & Managed Services) Total ICT-Ausgaben -2,6 % Quelle: MSM Research AG -6,6 % -0,4 % 6,0 % 1,9 % Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_75926 www.netzwoche.ch © netzmedien ag 01 / 2018

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