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Netzwoche 01/2018

34 Focus Digitale

34 Focus Digitale Transformation Erfolgreich durch den Multi-Cloud- Dschungel Die Cloud entwickelt sich zu einer Zusammenstellung von Services für verschiedene Anwendungen. Eine solche Multi-Cloud steigert die Flexibilität, doch erhöht sich auch die Komplexität, womit die Anforderungen an Integration und Management steigen. DER AUTOR Thomas Williams Portfolio Manager Cloud, T-Systems Das Angebot an Cloud-Diensten ist breit, und in vielen Unternehmen werden AWS, Azure oder die Open Telekom Cloud bereits parallel eingesetzt. Damit steigt die Flexibilität, für jede Anwendung die optimale Cloud-Plattform zu nutzen. Doch je vielfältiger die Clouds, desto höher ist der Aufwand für deren Integration. Für einen stabilen Betrieb müssen beim Set-up die Charakteristika jeder einzelnen Cloud berücksichtigt werden. Die Bewirtschaftung der komplexen Cloud-Umgebungen kann ein Unternehmen schnell überfordern. Im Kern gibt es drei Herausforderungen, die Unternehmen für erfolgreiches Multi-Cloud-Management bewältigen müssen: 1. Gemeinsame Datenbasis schaffen: Arbeiten mehrere parallele Lösungen aneinander vorbei, wird Potenzial verschenkt. Mit einer gemeinsamen Datenbasis wird ein Fundament geschaffen, auf das alle Systeme von Collaboration Tools über E-Mail-Server bis hin zu ERP oder CRM zugreifen können. 2. Gesamtheit an Services in die Evaluation einbeziehen: Bei der Auswahl der geeignetsten Plattform im wachsenden Cloud-Dschungel ist es wichtig, nicht nur die verfügbaren IT-Ressourcen, sondern auch periphere Services wie Monitoring, Back-up oder Recovery zu betrachten. 3. Kompatibilität sicherstellen: Viele Anbieter sind bestrebt, ihre Kunden an sich zu binden. Doch proprietäre Systemarchitekturen mit entsprechend unterschiedlichen APIs können zu Performance-Einbussen und Kompatibilitätsproblemen führen, die die Vorteile der Multi-Cloud quasi wieder «wegfressen». Illustration: akindo / iStock.com Up to date bleiben im dynamischen Technologiewandel Die Cloud-Technologie entwickelt sich rasant weiter, und die Anbieter aktualisieren ständig ihr Leistungsportfolio und ihre Preise, was auch die Interoperabilität beeinflusst. Unternehmen müssen dafür sorgen, dass die verschiedenen Cloud-Services ein grosses Ganzes bilden und Daten, Anwendungen und SLAs angemessen gemanagt werden. Auch Gartner betont, dass an Orchestrierung, Automatisierung und Management komplexer Cloud-Umgebungen kein Weg vorbeiführt. Ein anbieterübergreifendes voll gemanagtes Betriebssystem, das virtuelle Server auf verschiedensten Cloud-Infrastrukturen überwacht und verwaltet sowie automatisiert Updates und Patches einspielt, ist ein erster wichtiger Schritt. Erfolgreich zur Multi-Cloud-Reife Fünf Stufen der Multi-Cloud-Reife gilt es zu durchlaufen, um sicherzustellen, dass die beste Cloud für jede Anwendung zum Einsatz kommt: von ad hoc über opportunistisch hin zu reproduzierbar, dann verwaltet und letztlich optimiert. Dabei helfen folgende Tipps: ·· In der gesamten IT muss «Cloud first» zum praktizierten Standard werden. ·· Zum Einsatz kommen prioritär «Cloud native»-Applikationen. ·· Die Cloud-Workloads sind kontinuierlich dahingehend zu prüfen, welche Services für welche Workloads am besten geeignet sind. ·· Integration und Verwaltung von Multi- und Hybrid- Cloud-Umgebungen braucht geschultes Personal, insbesondere in Governance, Compliance und Sicherheit. ·· Kontrollinstrumente messen, welche Services überdimensioniert sind; Standards für die Koordination und Konfiguration vereinfachen die Verwaltung. ·· Es müssen genügend Kapazitäten für das Lieferantenund Vertragsmanagement im Unternehmen verfügbar sein. ·· Der Cloud-Partner sollte nicht nur seine eigenen Cloud-Dienste, sondern auch Cloud-Brokerage und Cloud-Management-Services bieten. 01 / 2018 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Focus Digitale Transformation 35 Digitale Transformation: Technologie neu erleben, Mobilität neu denken Autos fahren von allein, Maschinen kommunizieren und Häuser werden smart. In dieser Entwicklung ist Vernetzung mehr als nur Technik. Sie durchdringt das gesamte Leben und verändert die Art, wie wir leben und arbeiten oder wie wir uns fortbewegen. DIE AUTORIN Sonja Bloechlinger Communications and Brand Management - Region Switzerland (C/CCR-CH), Robert Bosch In Bezug auf die Mobilität sind neue Denkansätze notwendig. Immer mehr Menschen zieht es in die Stadt: Bis 2050 werden laut den Vereinten Nationen rund zwei Drittel der Weltbevölkerung in urbanen Zentren leben – 2014 war es noch etwa die Hälfte. Mit der fortschreitenden Urbanisierung steigen auch die Herausforderungen an das städtische Leben. Entsprechend hoch ist schon heute der Bedarf an neuen Lösungen. Intelligente Mobilität, bessere Luft, mehr Komfort und höhere Sicherheit sowie viele neue Dienstleistungen, kurz: Deutlich mehr Lebensqualität in Stadt und Nachbarschaft ist gefragt. Ein Schlüssel sind Technologien, die Städte smart und lebenswert machen. Ohne Intelligenz wird keine Stadt auf Dauer überleben können – ihr droht der Kollaps. Manche Metropolen sind bereits heute Synonym für eine Smart City – etwa Barcelona, Seoul oder London. Auf der ganzen Welt investieren grosse und kleine Gemeinden in Smart- City-Technologien. Nach einer von Bosch in Auftrag gegebenen Studie wächst der Markt jährlich um 19 Prozent und wird 2020 ein Volumen von 800 Milliarden US-Dollar (774 Milliarden Franken) erreichen. Für mehr Vernetzung: IoT und künstliche Intelligenz Eine wesentliche Voraussetzung für das vernetzte Leben wurde mit dem Internet der Dinge (IoT) geschaffen. Dieses hält Einzug in alle Bereiche: Laut Gartner-Studie sollen weltweit bis 2020 rund 230 Millionen Häuser intelligent vernetzt sein – das sind rund 15 Prozent aller Haushalte. Auch hier ist das Potenzial gross: Der Markt wird auf 250 Milliarden Dollar im Jahr 2020 geschätzt. Zum gleichen Zeitpunkt werden mehr als 20 Milliarden Geräte weltweit miteinander vernetzt sein – Rauchmelder, Alarmanlagen, Stromzähler, elektrische Helfer in Küche und Waschkeller und vieles mehr. Ein weiterer Treiber für die rasante Entwicklung von Smart Citys ist die künstliche Intelligenz (KI). Es kann davon ausgegangen werden, dass in zehn Jahren kaum mehr ein Produkt ohne KI denkbar ist. Vernetzte Mobilität Auch in Bezug auf die Mobilität sind neue Denkansätze notwendig. Während es in der Vergangenheit vor allem darum ging, Fahrzeuge technisch zu verbessern, werden diese künftig elektrifiziert, automatisiert und vernetzt unterwegs sein. Reduktion von Emissionen, autonomes Fahren und virtuelle Assistenz werden genauso zum Thema in der Mobilität wie vorausschauende Fahrzeugdiagnose, Parkplatzsuche oder hochgenaue digitale Karten. Dank der digitalen Transformation soll eine Infrastruktur geschaffen werden, die eine vernetzte Mobilität erst ermöglicht. So ist in Zukunft auch mit innovativen Lösungen zu rechnen, die beispielsweise über Apps das Angebot von Mobility-Sharing-Organisationen oder von privaten und öffentlichen Anbietern kombinieren. Digitalisierung und Vernetzung fordern von den Arbeitgebern Dynamik Die rasante technologische Entwicklung erfordert auch bei den Firmen Agilität und neue Denkweisen. Globale Unternehmen benötigen Flexibilität, wenn sie auf neue Entwicklungen schnell reagieren wollen. Nur wer sich aus festgefahrenen Strukturen löst, löst auch die Innovationsbremse. Wurden Lösungen und Produkte früher von Konstrukteuren und Ingenieuren entworfen, so werden heute mehr denn je für die Entwicklung neuer Produkte auch Softwarespezialisten hinzugezogen und neue Arbeitsmethoden wie Scrumming und Design Thinking angewendet. Abteilungsgrenzen werden aufgebrochen, Teams flexibel zusammengesetzt. Illustration: jossdim / iStock.com www.netzwoche.ch © netzmedien ag 01 / 2018

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