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Netzwoche 01/2018

10 Business Nachgefragt

10 Business Nachgefragt « Wir haben in der Schweiz starke Mitbewerber – da habe ich Respekt » Vincent Barro ist Vice President IT Business Switzerland & End-Users DACH bei Schneider Electric. Er leitet seit Mai die IT-Division für die Schweiz. Die Redaktion hat mit ihm über den hiesigen Markt gesprochen. Barro erklärt ausserdem, warum Schneider Electric bei der Digitalisierung weiter sein soll als Konkurrent ABB. Interview: Marcel Urech « Wir raten IT-Entscheidern, eine Strategie zu entwickeln, welche die Cloud an die erste Stelle setzt. » Vincent Barro, Vice President IT Business Switzerland & End-Users DACH, Schneider Electric Vincent Barro, Vice President IT Business Switzerland & End-Users DACH bei Schneider Electric Wie gefällt es Ihnen bei Schneider Electric? Vincent Barro: Mir gefällt’s prima hier, und ich lerne ständig dazu. Schneider Electric kannte ich ja bereits. Doch die Unterschiede zur Arbeit in Irland und Grossbritannien sind gross: Dort besteht der Kundenstamm hauptsächlich aus grossen Colocators und den Internetgiganten dieser Welt. In der Schweiz haben wir es vermehrt mit Konzernen zu tun, die sich in puncto Datacenter lokal orientieren. Abgesehen davon lerne ich als Südfranzose jetzt endlich den echten Winter kennen. In Toulouse existiert er nicht, und in Irland ist es stets um die 12 Grad. Wie gross ist Schneider Electric in der Schweiz? Schneider Electric zählt mit Tochtergesellschaften rund 1000 Mitarbeitende in der Schweiz, weltweit sind es über 140 000. Wir haben es in der Schweiz mit starken Mitbewerbern zu tun – da habe ich Respekt. Die gute Nachricht ist: In den einzelnen Segmenten – wie etwa Datacenter- Infrastruktur – gewinnen wir Marktanteile hinzu. Schneider Electric bietet im Datacenter-Bereich (fast) alles aus einer Hand an. Ist das heute ein wichtiges Verkaufsargument? Es gibt schon noch Kunden, die Silo pro Silo vorgehen und überall den besten Preis herausholen wollen. Doch die ganzheitliche Denkweise setzt sich immer mehr durch. Gerade in der Schweiz stelle ich eine grosse Offenheit gegenüber neue Lösungen und Innovationen fest. Der ganzheitliche Approach geht übrigens immer weiter: So vernetzen wir immer öfter das Datacenter-Management-System mit dem allgemeinen Gebäude-Management-System, da es ja um dieselben Funktionen geht, beispielsweise die Regulierung der Temperatur. Das Management von Rechenzentren ist schwieriger geworden. Was raten Sie Schweizer IT-Entscheidern im Umgang damit? Eine grosse Herausforderung für IT-Entscheider ist die steigende Komplexität. Heute gilt es, kritische Rechenzentrumsumgebungen vorausschauend zu bewirtschaften. Und zwar oftmals mit reduzierter Mittel- und Personalausstattung. Eine durchgängige Sichtbarkeit über hybride, interne und externe IT-Ökosysteme herzustellen, kann sehr aufwändig sein, wenn die Daten und die Software in Silos gefangen sind. Wir raten IT-Entscheidern deshalb, eine Strategie zu entwickeln, welche die Cloud an die erste Stelle setzt. Ecostruxure IT ist eine solche offene, cloudbasierte Managementplattform. Sie ist auf dem Smartphone und jedem anderen Endgerät zugänglich und erlaubt es, die komplette IT-Landschaft rund um die Uhr zu überwachen, Trendanalysen zu erstellen und Anlagen intelligent zu warten. Dieser Ansatz ist effizient und senkt die Risiken beträchtlich. Laut der Deutschen Bank ist Schneider Electric dem Konkurrenten ABB bei der Digitalisierung um fünf Jahre voraus. Warum? Ganz einfach: Weil wir früher damit begonnen haben. Unser Management hat die Digitalisierung seit Längerem als Megatrend erkannt und investiert seit Jahren in die Entwicklung führender Softwarelösungen. Ausser Software vernetzen wir auch alle Hardwarekomponenten systematisch. Es gibt nur noch Connected Products und immer mehr Connected Customers. Die vernetzten Kunden haben in den letzten Jahren jeweils um 40 Prozent zugenommen. Das Internet der Dinge macht schon beinahe die Hälfte unseres Gesamtumsatzes aus. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_73433 01 / 2018 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Business Nachgefragt 11 « Wichtig ist die Frage, was man bewirken kann » Mit Watson setzt IBM momentan ganz auf das Thema künstliche Intelligenz (KI). Chief Digital Officer DACH Dirk Heitmann sagt, welche Aufgaben der CDO bei IBM hat und wo ihm KI bei der Arbeit hilft. Interview: Oliver Schneider Wie lange braucht es den CDO eigentlich noch? Dirk Heitmann: Das ist eine spannende Frage, die ich mir aber gar nicht stelle, weil sie stark an einer Rolle hängt. Bei dem grossen Mass an Bewegung und Transformation in unserer Industrie ist die Frage der Rolle nicht so relevant. Wichtiger ist die Frage, was man bewirken kann – zusammen mit den Kollegen aus der Technik und aus der CIO- Ecke auf der einen Seite und aus dem Business auf der anderen Seite. Diese Kombination, aus guten Geschäftsideen und den technischen Möglichkeiten wirklich neue, disruptive Ansätze zu entwickeln, das zählt jetzt. Ob das in einem Jahr oder in zwei Jahren noch relevant ist, spielt für mich persönlich keine grosse Rolle. « Wir haben kaum einen Geschäftsbereich, in dem das Thema KI keine Relevanz hat. » Dirk Heitmann, Chief Digital Officer und Leader Digital Business Group DACH, IBM Was macht man als CDO bei IBM? Wir haben einen spannenden Ansatz. Wir kombinieren Transformationsrollen immer mit einer geschäftlichen Verantwortung. Auf der einen Seite habe ich Verantwortung für einen Geschäftsbereich von IBM, insbesondere für das mittelständische Segment in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Gleichzeitig habe ich den Auftrag, das Thema Digitalisierung nach innen und aussen zu vertreten. Gerade wenn es darum geht, dass wir mit Kunden an Lösungen arbeiten, die durch uns oder Vertriebspartner entwickelt werden. Wie kann KI dem CDO oder CIO konkret helfen? Wir treiben auch selbst Innovationen und arbeiten mit einem hohen Mass an Selbstverständlichkeit mit KI. In meinem Bereich gibt es ein sehr gutes Beispiel, bei dem in einer Kombination aus Fachkraft und Technikern – man braucht immer beides – ein KI-Modul trainiert wurde, um in einem Arbeitsprozess repetitive, aber vergleichsweise aufwändige Tätigkeiten aus unserer eigenen Cloud abzubilden. Das kleine Team hat so mittlerweile von fünf Tagen einen Tag eingespart. So suchen wir auch danach, wie wir mit KI- Komponenten effizienter mit unseren Kunden arbeiten oder interne Prozesse optimieren können. Watson ist in der Medizin, Bilderkennung und Wettervorhersage im Einsatz. Welches Anwendungsfeld wollen Sie als Nächstes erschliessen? Ich bin dankbar für die Selbstverständlichkeit, mit der unsere Kunden das Thema aufgenommen haben. Wir selbst haben kaum einen Geschäftsbereich, in dem es keine Relevanz hat. Das Thema Watson ist als Synonym für KI längst Teil unseres eigenen Produktportfolios und natürlich auch unserer Dienstleistung. Was ich durchaus sehe ist, dass wir mit vielen Kunden im Moment über die Veränderung der eigenen Geschäftsmodelle sprechen. Kunden kommen also zu IBM mit einer Idee, wie Watson ihnen helfen könnte? Ja, das ist eine interessante Art des Arbeitens. Wir stellen fest, dass das Vernetzen von Interessen auf der Kundenseite und unserer eigenen Teams dazu führt, dass man besser versteht, wo man Interessen zusammenführen kann. Da geht es häufig um mittelständische Unternehmen, die keine grosse KI-Abteilung haben, sondern experimentell agieren. Unterstützt durch unsere Expertise können diese Unternehmen neue Einsatzzwecke definieren. Wir werden deshalb auch mit externen Entwicklern arbeiten. Wann hat jedes Unternehmen Watson im Büro? Ich halte das für schwierig, einzuschätzen, aber ich kann eines sicher sagen: Egal, welche Art von Unternehmen den Schritt in diese Richtung machen will – wir und unser Wertschöpfungsnetzwerk werden diese Kunden gerne auf diesem Weg begleiten. Artikel online auf www.netzwoche.ch Webcode DPF8_75563 www.netzwoche.ch © netzmedien ag 01 / 2018

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