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Netzwoche 01/2020

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12 Business Porträt Auf

12 Business Porträt Auf der Suche nach dem Datenschatz der Banken Banker zu sein, war nichts für ihn. Aber die Kombination aus Banking, Ökonomie und Technologie – die hat Peter Häusermann auf die entscheidende Idee gebracht. Mit seiner Firma Knowledge Lab will er nun zeigen, wie man aus Daten neue Geschäftsmodelle entwickelt. Autor: Joël Orizet « Manchmal erschrecke ich, wenn ich daran denke, wie viel wir allein in die Infrastruktur investiert haben. » Peter Häusermann, Gründer und CEO, Knowledge Lab Den vollständigen Artikel finden Sie online www.netzwoche.ch Banken wollen mit der Digitalisierung vor allem Kosten sparen. Doch es liegt mehr drin. Davon ist Peter Häusermann überzeugt. Der Gründer und CEO von Knowledge Lab verfolgt ein ambitioniertes Ziel. Mit einem Team aus ehemaligen Wissenschaftlern und Softwareentwicklern will er die Informatikabteilungen von Banken verändern – vom Kostenblock zum Wertschöpfungsfaktor. Es ist Mittwochnachmittag, Mitte Oktober, kurz nach dem Startschuss für das zukünftige Kerngeschäft von Knowledge Lab: Data Science Services für Banken. Die Winkekatze wacht über dem Labor Drei Jahre hatte Häusermann auf diesen Moment hingearbeitet. Er sitzt an einem weissen Tisch, die Hände locker über einem Moleskine-Notizbuch gefaltet. Hinter ihm hängt ein Whiteboard voller Formeln und Skizzen. Gleich daneben winkt eine goldene Glückskatze. Sie hockt auf einem unscheinbaren, hüfthohen Schrank. «Das ist das eigentliche Labor», sagt Häusermann. Im Schrank verstecken sich drei Server. Häusermann schwärmt davon, was alles drinsteckt: eine komplette Entwicklungsumgebung, ein Kernbankensystem, Web-Banking, Firewall … «Manchmal erschrecke ich, wenn ich daran denke, wie viel wir allein in die Infrastruktur investiert haben. Aber ich habe grosse Freude daran.» Das hätte er wohl nicht gedacht, als er seine Karriere begann. Peter Häusermann, Gründer und CEO von Knowledge Lab, neben dem Schrank, in dem das «eigentliche Labor» drinsteckt. Vom Bänkler zum Fintech-Gründer «Angefangen habe ich als klassischer Bänker», sagt er. Erst die Lehre bei der Kreditanstalt, heute Credit Suisse, die Matura nachgeholt, ab an die Uni Zürich und nach dem Ökonomie-Studium zurück in die Bank. Doch als er 2007 wieder bei der CS im Financial Reporting tätig war, habe er gemerkt: «Das ist nicht meine Welt.» Häusermann vermisste die Herausforderung und das interdisziplinäre Arbeiten, wie er es von der Uni kannte. Das habe er jedoch wiedergefunden, als er zu Avaloq wechselte. Bei der Zürcher Fintech-Firma arbeitete er acht Jahre. In dieser Zeit lernte er Programmieren, Projekte zu stemmen und zu pitchen. Und sein Kindheitswunsch, sich eines Tages selbstständig zu machen, reifte von der Idee zum Entschluss heran. Aus Daten mach Geld Es war im Juli 2016, als Häusermann die Büros an der Zürcher Binzstrasse bezog. Er war allein, brachte nichts weiter mit als einen Laptop und ein paar Tische aus dem Second- Hand-Laden. Mit Beratungsmandaten fing er an. Als er nach einem halben Jahr die ersten Mitarbeiter eingestellt hatte, baute er das Business aus und entwickelte Software für Banken, beispielsweise Upgrades von Web-Banking- Lösungen, Robo Advisory und Code-Audits. Heute ist Häusermann bereit, seine Gründungsidee umzusetzen. 17 Mitarbeitende hat er mittlerweile engagiert, darunter Data Scientists, UX-Designer, Software Engineers und Berater – «ein vielfältiges Team mit einer gemeinsamen Mentalität», sagt Häusermann. «Im Herzen sind wir alle Entwickler.» Ihre Aufgabe ist es, gemeinsam mit den Banken datenwissenschaftliche Projekte durchzuführen. Das übergeordnete Ziel lautet, aus brachliegenden Daten neue Geschäftsfelder zu erschliessen. Mit einigen Banken sei er schon in der Ideation-Phase, sagt Häusermann. Anschliessend ginge es in die Entwicklung und ins Deployment. So weit kam es zwar noch nicht. Aber ein paar Use Cases seien bereit. Worum es geht, verrät er nicht – streng vertraulich. «Erst müssen wir Beweise antreten.» Er möchte zeigen, dass er nicht nur überzeugt ist, sondern auch liefern kann. «Ich will das Versprechen gegenüber den Kunden einhalten – das ist für mich Ehrensache», sagt er. 01 / 2020 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Business Event 13 So finden sich Käufer und Verkäufer in der IT-Branche Xerox/HP, Sunrise/UPC, Google/Fitbit – Mergers & Acquisitions sind in der IT-Branche an der Tagesordnung. Doch wie kommen die Deals eigentlich zustande – oder auch nicht? Antworten gab es am Focus on Future – von einem Berater, einem Käufer und einem Integrator. Autor: Oliver Schneider «IDL übernimmt Pit Informationssysteme», «Bechtle kauft Schweizer IT-Dienstleister» oder «Broadcom verkauft seine Security-Service-Sparte an Accenture». Fast täglich berichten die IT-Fachmedien über Besitzerwechsel in der Branche. Wie die Deals zustande kommen, bleibt dabei meist unbekannt. Ändern konnte das die Veranstaltung «Focus on Future», die am 13. Januar in der Badener Villa Boveri stattfand. Gastgeber Urs Prantl hatte drei Referenten eingeladen, die aus persönlicher und professioneller Erfahrung über Mergers & Acquisitions (M&A) in der Schweizer IT berichteten. « Bei den Übernahmen hat es Tops und Flops gegeben. » Simon Boss, CEO, Boss Info Der Berater Einen Überblick zum Thema gab zunächst Oliver Wegner. Der M&A-Berater führte das Publikum durch die verschiedenen Schritte des Prozesses; von der Idee eines Verkaufs bis zur Integration in ein neues Unternehmen. Verschiedene Schlüsselfragen stünden dabei im Zentrum, auf die Käufer und Verkäufer eine klare Antwort finden müssten, etwa: ·· Was ist das Unternehmen wert? ·· Warum wird das Unternehmen verkauft? ·· Was passiert mit dem Unternehmen nach dem Verkauf? ·· Welche Rolle spielt der Verkäufer nach dem Verkauf? ·· Wer kauft? Wer verkauft? Welche Erwartungen haben beide Seiten? Die Frage des angemessenen Verkaufspreises sei natürlich zentral, sagte Wegner. Hierbei spielten verschiedene Faktoren wie die Unternehmenszahlen, die Kundenbasis, die Firmenstruktur oder die Mitarbeiter eine Rolle. Doch gehe es bei Übernahmen keineswegs nur um das Preisschild. Die emotionale Bindung des Verkäufers zu seinem Unternehmen sei ebenso wichtig wie das Vertrauen und der «Fit» zwischen den potenziellen Partnern. Der Verkäufer wolle in der Regel einen Käufer finden, der zu seinem Unternehmen passe, der diesem eine Zukunftsperspektive bieten könne. Der Käufer Mit Simon Boss trat am Focus on Future einer auf, der weiss, wie man kauft. Der IT-Unternehmer und CEO von Boss Info tätigte in den vergangenen 14 Jahren nicht weniger als 14 Übernahmen. Nicht alle davon erfüllten die Erwartungen. Es habe Tops und Flops gegeben, sagte er. Mit der Zeit sei die Erfahrung gewachsen, Misserfolge hätten ihm geholfen, die Wachstumsstrategie zu schärfen und sich auf die richtigen Märkte zu fokussieren. Auch Boss gab Tipps zum Gelingen einer Übernahme und erzählte dazu von seinen Erlebnissen als Käufer. Er zeigte verschiedene Typen von Übernahmekandidaten, beleuchtete Gründe für Kauf und Verkauf, stellte die Sicht beider Seiten vor und benannte schliesslich die Faktoren für einen erfolgreichen Deal. Wichtig seien: viel Geduld, denn der Kaufprozess könne sich jahrelang hinziehen; die Betreuung von Mitarbeitern und Kunden auf beiden Seiten; ein «gutes Gefühl» für alle Beteiligten; die Bereitschaft, eine Chance zu nutzen; Diskretion und Verschwiegenheit und Respekt vor dem Verkäufer und seinem Unternehmen. Der Integrator Der dritte Referent war Urs Röthlisberger, Geschäftsleiter bei Axians IT&T. Er berichtete über die Herausforderungen bei der sogenannten «Post Merger Integration» (PMI) von Ruf Informatik nach dem Kauf durch das französische Unternehmen Vinci. Die PMI beginne bereits bei der Verkaufsidee, so Röthlisberger. Sie brauche eine klare, aber flexible Strategie, regelmässige Erfolgskontrollen, eine gute Story, persönliches Engagement und wie der ganze M&A-Prozess genügend Zeit. Transparenz sei dabei zentral. Oft höre man, durch den Verkauf werde sich nichts ändern. Doch das stimme nicht. «Wenn man keine Veränderung will, muss man auch nicht kaufen oder verkaufen», sagte Röthlisberger. Den vollständigen Artikel finden Sie online www.netzwoche.ch www.netzwoche.ch © netzmedien ag 01 / 2020

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