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Netzwoche 01/2020

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36 Technology Event

36 Technology Event Smarte Windeln und Raclette-Roboter Die CES ist längst nicht mehr nur der Pilgerort der Consumer-Electronics-Branche. Es geht an der Messe vor allem darum, wie Technologie die verschiedenen Lebensbereiche durchdringt. Und darum, wie Unternehmen ihre Geschäftsmodelle mit digitalen Produkten anreichern können. Autor: Marc Landis Den vollständigen Artikel finden Sie online www.netzwoche.ch Die weltweit wohl wichtigste Technologiemesse CES hat vom 7. bis 11. Januar in Las Vegas gezeigt, wie ICT, 5G, KI, Blockchain etc. heute und morgen Menschen und Wirtschaft beeinflussen. Gemäss Angaben der Consumer Technology Association (CTA), der Veranstalterin der CES, stellten rund 4400 Aussteller ihre Produkte und Innovationen an der Messe aus. 170 000 Besucher fanden ihren Weg nach Las Vegas. Das globale Technologie-Ökosystem war hier mit allen wichtigen und aufstrebenden Industriezweigen vertreten. Google Assistant überall Die wichtigsten Tech-Trends aus dem traditionellen Ausstellerfeld der Messe waren 5G und mobile Konnektivität, künstliche Intelligenz, Big Data Analytics, Blockchain und smarte Sprachassistenten, die über alle Kategorien der Messe hinweg sichtbar waren. Insbesondere Googles Assistant war an der CES omnipräsent. Stolz zeigte der Suchmaschinist neue Features seines Assistenten und animierte die Messebesucher zum gemeinschaftlichen Rutschen auf Googles legendären, nun ja, Rutschen (siehe Kasten rechts). Dafür standen Interessierte gut und gerne eine Stunde oder länger an. Auch stellten wie schon in den vergangenen Jahren Unternehmen an der CES aus, die nicht aus dem Technologiesektor stammen, die CES aber als Schaufenster für ihre Innovationen nutzten. Hier zeigten Unternehmen etwa, wie sie ihr Geschäft mit Technologie transformieren und ihre Produkte mit digitalen Services anreichern wollen. So auch der Konsumgüterkonzern Procter & Gamble (P&G), der neben Shampoo, Wasch- und Reinigungsmitteln, Rasierern etc. auch Babywindeln der Marke Pampers im Sortiment hat. P&G ist etwa der Meinung, dass datenbasierte Entscheidungen auch im Kinderzimmer Einzug halten sollen. So zeigte das Unternehmen an der CES mit «Lumi» die digitalisierte Pampers inklusive Windelsensor, Webcam und App. Eltern können damit das Verhalten und die Bewegungen des Babys jederzeit monitoren und analysieren und natürlich misst der Sensor auch die Umgebungstemperatur sowie die Feuchtigkeit in der Windel. So sollen die Eltern «datenbasiert die richtigen Entscheidungen treffen» und sich bei der Betreuung des Babys «nicht 01 / 2020 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Technology Event 37 mehr nur auf ihre Intuition» verlassen, wie ein P&G-Manager an der Pressekonferenz sagte. Ob Baby damit weniger lang im Nassen liegt, als wenn Papa die Feuchtigkeit in der Windel überprüft, indem er einen Finger zwischen Bündchen und Beinchen steckt, konnte an der Messe nicht in Erfahrung gebracht werden. Dieses Anwendungsbeispiel zeigt aber, wie sich digitale Services – sinnvoll oder nicht – in Dinge des alltäglichen Gebrauchs integrieren lassen, um aus dem Verbrauch des Allerweltsproduktes «Windel» ein datenbasiertes Geschäft abzuleiten. Audi, BMW, Mercedes und weitere Autos an der CES Einmal mehr fiel auch die Präsenz der Automobilindustrie an der CES auf. 2020 stellten mit Audi, BMW, Mercedes, Fiat-Chrysler, Ford, Honda, Hyundai, GM, Nissan, Toyota die grossen Namen der Branche an der CES aus. Sie suchen die Nähe zur ICT-Branche, um den Anschluss an die Teslas dieser Welt nicht zu verlieren und ihre neuesten Entwicklungen etwa um das autonome Fahren und eigene Technologieplattformen zu zeigen. Die grösste Überraschung im Zusammenhang mit Autos gelang an der diesjährigen CES aber keinem Autohersteller, sondern Sony. Der japanische Unterhaltungselektronik- und Medienkonzern präsentierte seine Vision des vernetzen Autos als Concept Car und bewies, was durch industrieübergreifende Kooperation und Out-of-the-Box-Denken möglich ist. Schon länger denkt auch Mercedes «out of the box» und präsentierte bereits 2018 mit MBUX einen eigenen smarten Sprachassistenten. Die CES-Veranstalterin CTA nannte denn auch Mercedes in einem Atemzug mit Google Assistant und Amazons Alexa als Vorreiter im Bereich der smarten Sprachassistenten, die in den verschiedensten Produkten an der CES eine Rolle spielten. 1100 Referenten an der CES Auf der CES-Bühne gaben sich rund 1100 Redner aus den wichtigsten globalen Branchen das Mikro in die Hand. Keynotes hielten unter anderem Samsungs Präsident und CEO der Consumer Electronics Division Hyun-Suk Kim; Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender von Daimler; Ed Bastian, CEO von Delta Air Lines; Linda Yaccarino, Vorstandsvorsitzende von NBC Universal; Ex-HPE-CEO Meg Whitman, nun CEO von Quibi, und Jeffrey Katzenberg, Gründer des Streamingdienstes Quibi; Elaine L. Chao, US- Verkehrsministerin; Marc Benioff, Vorstandsvorsitzender und Co-CEO von Salesforce; Alan Jope, CEO von Unilever; und Präsidententochter und -beraterin Ivanka Trump. KI, Quantencomputer und virtuelle Realität Die CES wartete 2020 zudem mit diversen Neuerungen auf. Ein neuer Marktplatz für Reisen und Tourismus zeigte etwa, wie smarte Technologien die Reise- und Tourismusbranche verändern. Die US-Fluggesellschaft Delta Air Lines war einer der Schlüsselaussteller in diesem Bereich und zum zweiten Mal an der Messe vertreten. Delta-CEO Ed Bastian beschrieb in seiner Keynote, wie die zukünftige Welt des Reisens durch Technologie angereichert und verbessert werden kann und wie KI, AR, biometrische DAS IST NEU AM GOOGLE ASSISTANT Google war an der CES 2020 mit seinem Google Assistant omnipräsent. Das Unternehmen dringt in immer mehr Devices vor. Die Neuerungen rund um den smarten sprachgesteuerten Assistenten sind allerdings eher inkrementell statt bahnbrechend. Google hat die CES 2020 genutzt, um weitere Neuerungen seines sprachgesteuerten Google Assistant zu präsentieren. Der Auftritt des Suchmaschinisten an der Messe sei zwar kleiner ausgefallen als 2019, wie einige Branchenbeobachter festgestellt haben wollen, aber die Messepräsenz des Unternehmens ist dennoch beeindruckend. «Hey Google», prangt es nicht nur vom Messestand, sondern auch von riesigen LED-Wänden, die hoch über dem Las Vegas Strip von weit her zu sehen sind. Die neuen beziehungsweise weiterentwickelten Features des Google Assistant beinhalten: ▪▪ das Vorlesen von Websites durch eine lebensecht wirkende Stimme. Das allein wäre wohl noch nicht weiter erwähnenswert, denn Screen Reader gibt es bereits. Smart beziehungsweise «intelligent» daran ist, dass das System nur den relevanten Text liest und Sharing- oder Navigationsbuttons übergeht. ▪▪ terminierte Aktionen; damit soll es möglich werden, dem Google Assistant einmalige Anweisungen für Handlungen zuzurufen, die zu einem bestimmten Zeitpunkt später am Tag ausgeführt werden sollen, etwa die Heizung oder das Licht zuhause einzuschalten. ▪▪ digitale Haftnotizen; sie sollen an Google-Assistant-kompatiblen smarten Displays funktionieren und die Post-it-Zettelchen am Kühlschrank oder am Bildschirmrand verschwinden lassen. ▪▪ eine Schnellwahl-Funktion; damit will Google die physische Telefonliste mit wichtigen Telefonnummern ersetzen, die etwa für die Putzfrau deponiert ist. Sie können zum Sperrbildschirm eines Smart Displays hinzugefügt werden und per Fingertippen gewählt werden. ▪▪ den verbesserten Übersetzungsmodus, womit sich zwei Personen unterhalten können, die unterschiedliche Sprachen sprechen und der Google Assistant übersetzt fast simultan. ▪▪ eine «Vergiss-das-wieder-Google»-Funktion. Damit können Nutzer den Google Assistant anweisen, Audiodaten wieder zu löschen, die Google versehentlich aufgezeichnet hat, etwa wenn dieser durch Gespräche am Fernseher aktiviert wurde. Die neuen Features sollen im Laufe des Jahres live gehen. www.netzwoche.ch © netzmedien ag 01 / 2020

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