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Netzwoche 02/2016

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38 Management & Career

38 Management & Career Studie WWW.NETZWOCHE.CH Die Schweiz zieht Talente aus aller Welt an cgr. Der Personaldienstleiter Adecco hat die Anziehungskraft von Ländern auf Talente und Fachkräfte untersucht. Im «Global Talent Competitiveness Index» liegt die Schweiz auf dem ersten Platz. Sie erreicht einen Wert von 72,6 Punkten auf einer Skala von 0 bis 100. Mit aufs Podium schafften es Singapur (71,5 Punkte) und Luxemburg (69 Punkte). Die USA kommen mit rund 68 Punkten nur auf den vierten Platz. Österreich und Deutschland platzierten sich auf die Ränge 13 und 14. Frankreich kommt auf den 22. und Italien nur auf den 41. Platz. Unter den führenden Staaten sind nur Hochlohnländer. ▸ Webcode 6216 Niedriger Frauenanteil bei ICT-Fachkräften Frauenanteil bei ICT-Fachkräften im Ländervergleich 35% 30% 25% 20% 15% 10% 5% 0% Quelle: Eurostat Bulgarien Estland Rumänien Slowenien Malta Slowakei Ungarn Lettland Finnland Litauen Island Irland Polen Schweden Tschechien EU Spanien Deutschland Kroatien Vereinigtes Königreich Griechenland Norwegen Frankreich Dänemark Belgien Österreich Schweiz Italien Portugal Türkei Niederlande Zypern Luxemburg cgr. Das europäische Statistikamt (Eurostat) hat sich die Situation der ICT-Fachkräfte in der EU und im EFTA- Raum angesehen. Die Zahlen wurden für das Jahr 2014 erhoben und Anfang dieses Jahres veröffentlicht. Der Behörde zufolge sind in der Europäischen Union 3,7 Prozent aller Beschäftigten ICT-Fachkräfte. Im Vergleich zum Jahr 2011 ist dies ein Anstieg um 0,5 Prozentpunkte. Die Schweiz liegt deutlich darüber. Die Statistiker errechneten hierzulande einen Anteil von rund 4,8 Prozent, ebenfalls 0,5 Prozentpunkte mehr als im Jahr 2011. Im Ranking landete die Schweiz auf dem 10. Platz. Mit Abstand führend ist Finnland mit einem Anteil von 6,7 Prozent, gefolgt von Schweden (6 Prozent), Luxemburg (5,1 Prozent) und den Niederlanden (5 Prozent). Am Ende des Rankings landeten Bulgarien (1,9 Prozent), Griechenland (1,3 Prozent) und die Türkei (0,9 Prozent). Anzeige Schweiz hinkt bei Frauenanteil hinterher Deutlich schlechter sieht es hingegen beim Anteil der Frauen unter den Schweizer ICT-Beschäftigten aus. Mit nur 13,7 Prozent landete die Schweiz im hinteren Viertel. Der europäische Durchschnitt liegt bei 18,1 Prozent. Spitzenreiter beim Frauenanteil sind durchgehend Länder aus Osteuropa. Bulgarien erreicht mit einem Anteil von 31,8 Prozent den ersten Platz. Dahinter folgen fast gleichauf Estland (29,6 Prozent) und Rumänien (29 Prozent). Schlusslichter sind die Niederlande (12,6 Prozent), Zypern (11,9 Prozent) und Luxemburg (10,8 Prozent). Fast 40 Prozent der Schweizer Fachkräfte unter 35 Jahre alt Die ICT-Branche ist vergleichsweise jung, ergibt sich aus den Zahlen von Eurosat. Mehr als jeder dritte Beschäftige (37 Prozent) ist unter 35 Jahre alt. Die Schweiz liegt hier mit 38 Prozent leicht über dem Durchschnitt. Vergleichsweise wenig junge Mitarbeiter gibt es in Schweden (30,8 Prozent), Dänemark (27,7 Prozent) und Italien (27 Prozent). Ganz anders sieht es in der Türkei aus. Hier ist die überwiegende Mehrheit unter 35 Jahre alt. Mit einem Anteil von 70 Prozent liegt das Land unangefochten an der Spitze. Auch in Malta (59,8 Prozent), Lettland (56,3 Prozent) und Litauen (52 Prozent) ist die Mehrheit der Beschäftigten noch sehr jung. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode 6369 02 / 2016 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Management & Career Nachgefragt 39 «Die Auswirkungen für den ICT- Werkplatz Schweiz wären dramatisch» Als Reaktion auf die Masseneinwanderungsinitiative hat der Bundesrat die Kontingente für Drittstaatler gekürzt, was die Anwerbung ausländischer Fachkräfte erschwerte. Mit der Ausweitung der Kontingente auf den EU/EFTA-Raum könnte sich dies noch verschärfen. Jedoch sind nicht alle ICT-Unternehmen gleichermassen betroffen, wie eine Umfrage zeigt. Autor: Christoph Grau Am 9. Februar 2014 hat das Schweizer Stimmvolk die eidgenössische Volksinitiative «Gegen Masseneinwanderung», kurz MEI, angenommen. Seitdem steht das Freizügigkeitsabkommen mit der EU zur Diskussion. Als eine erste Reaktion senkte der Bundesrat die Kontingente für Drittstaatler, also Personen ausserhalb der EU und des EFTA-Raums deutlich. Die Kontingente gelten für alle Kantone und Wirtschaftszweige. Welche Auswirkungen hat diese Entscheidung auf die ICT-Branche der Schweiz, die schon jetzt mit dem Fachkräftemangel kämpft? Welche Probleme drohen, wenn die Kontingente auch auf EU- und EFTA-Bürger ausgeweitet werden? Schweizer ICT-Grössen und -KMUs sprachen mit der Redaktion über ihre Erfahrungen und Erwartungen. Auswirkungen schon spürbar Laut Patrik Stampfli, Head of Operations Elca Zürich, gab es bei Elca schon mehrere Fälle, in denen Stellen trotz passender Bewerber aus Drittstaaten nicht besetzt werden konnten. «Teilweise wurden diese potenziellen Mitarbeitenden sogar an der ETH oder einer anderen Schweizer Universität ausgebildet, beherrschen unsere Sprache und sind integriert», ergänzte er. Dadurch gingen gut ausgebildete und integrierte lokale Fachkräfte verloren. IBM Schweiz hat ähnliche Erfahrungen gemacht. Laut dem Unternehmen kam es durch die Reduktion der Kontingente bereits zu Problemen. Besonders die konzerninterne Entsendung sei «massiv erschwert» worden. Probleme bereiteten vor allem Ad-hoc-Einsätze. In einigen Projekten sei es zu Engpässen gekommen, da wichtige Positionen durch Entsendung von «IBM-Mitarbeitern aus Drittstaaten» nicht besetzt werden konnten. International tätige Unternehmen sind jedoch nicht in jedem Fall stark von der Kontingentverschärfung betroffen. Beispielsweise berichteten weder T-Systems Schweiz noch SAP Schweiz von gravierenden Problemen. Als grosses Schweizer Unternehmen setzt Swisscom vor allem auf den heimischen Arbeitsmarkt. Durch interne Förderprogramme baue das Unternehmen «Talent Pipelines» auf, die den künftigen Bedarf abdecken. Daher spiele die MEI in der Rekrutierungsstrategie für das Unternehmen momentan kaum eine Rolle. Befürchtungen sind gross Anders sieht es bei KMUs aus, die sich keine grosse «Talent Pipeline» aufbauen können. Elca erwartet etwa, dass die Rekrutierung noch schwieriger werde. Stampfli rechnet damit, dass 10 bis 20 Prozent weniger Fachkräfte eingestellt werden könnten. Damit könnte das Unternehmen seinen jetzigen Wachstumskurs nicht fortsetzen. IBM befürchtet, dass der Standort Schweiz durch die wortgenaue Umsetzung der MEI an Attraktivität verlieren könnte. Besonders Forschung und Entwicklung würden leiden. Laut IBM riskiert die Schweizer Wirtschaft, dadurch an Innovationskraft zu verlieren. Von ICT-Switzerland-Geschäftsführer Andreas Kaelin kamen daher warnende Worte: «Die Auswirkungen für den ICT-Werkplatz Schweiz wären dramatisch. Die Wertschöpfung würde dann im Ausland stattfinden – zum Schaden der Schweiz». Er hofft daher, dass der Bundesrat mit der EU eine Lösung findet, welche die Situation des ICT-Werkplatzes Schweiz berücksichtige. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode 6418 «Teilweise wurden potenzielle Mitarbeitende aus Dritt staaten (die nicht angestellt werden durften) sogar an der ETH oder einer anderen Schweizer Universität ausgebildet.» Patrik Stampfli, Head of Operations, Elca Zürich ICT-Switzerland warnt vor den Folgen der MEI. Bild: Fotolia www.netzwoche.ch © netzmedien ag 02 / 2016

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