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Netzwoche 02/2017

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12 Business Nachgefragt

12 Business Nachgefragt Wie die Gornergrat-Bahn mit der Cloud fährt Siemens Schweiz und die Gornergrat-Bahn haben das weltweit erste Bahnleitsystem geschaffen, das in einer Cloud betrieben wird. Jan Bärwalde, Leiter Unternehmenskommunikation der BVZ-Gruppe, zu der auch die Gornergrat-Bahn gehört, erklärt im Interview, welche Chancen und Risiken die neue Lösung bringt. Interview: Joël Orizet Können Sie erklären, was ein Bahnleitsystem leistet? Jan Bärwalde: Das Leit- und Informationssystem wickelt den Betrieb einer Bahnlinie weitgehend automatisch ab. Dazu gehören unter anderem die Fernsteuerung der Stellwerke, die Überwachung des Betriebs und die Steuerung der Fahrgastinformationssysteme in den Stationen. « Das Thema Sicherheit hat bei uns höchste Priorität. » Jan Bärwalde, Leiter Unternehmenskommunikation bei der Matterhorn Gotthard Bahn und BVZ Welche Vorteile bringt die cloudbasierte Lösung? Zum einen handelt es sich um ein Lizenzgeschäft: Wir zahlen Siemens einen festen Betrag für Nutzung und Wartung des Systems, wodurch hohe Investitionen für den Aufbau einer eigenen IT-Landschaft entfallen. Zum anderen muss für Service- und Wartungsarbeiten kein Techniker aus Wallisellen anreisen. Stattdessen kann er dies direkt vor Ort im Rechenzentrum von Siemens erledigen. Muss sich das neue System noch amortisieren, oder konnten Sie mit der Umstellung bereits Kosten sparen? Die Lizenzkosten und die bei einer eigenen Lösung anfallenden Investitions- und Betriebskosten halten sich aktuell in etwa die Waage. Finanziell noch interessanter wird das Modell, wenn sich andere Bahnbetreiber ebenfalls entschliessen, die Cloud-Lösung zu nutzen. Je mehr Anwender beteiligt sind, desto weniger muss der Einzelne für Betrieb und Unterhalt bezahlen. Sie haben die Infrastruktur für die Leittechnik an Siemens ausgelagert. Welche Risiken entstehen dadurch? Das Thema Sicherheit hat bei uns höchste Priorität. Wenn wir bei der Cloud-Lösung nur den geringsten Zweifel an der Sicherheit hätten, wäre diese nicht zum Einsatz gekommen. Auch für das Bundesamt für Verkehr (BAV) war das der Knackpunkt. Die Nachweisführung der sicheren Verbindung über das öffentliche Datennetzwerk sowie die zum Einsatz kommende Verbindung mittels eines sogenannten sicheren «Daten-Tunnels» waren mit die grössten Herausforderungen bei der Umsetzung. Welche zusätzlichen Hürden mussten Sie überwinden? Zentral für die Realisierung war der Schutz der Leitungen gegen mögliche Fremdeinwirkungen. Dieser wird durch den Einsatz neuer Sicherheitstechnologien gewährleistet. Jan Bärwalde, Leiter Unternehmenskommunikation bei der Matterhorn Gotthard Bahn und BVZ Als zusätzliche Rückfallebene wird während der sogenannten Leistungserprobungsphase in den kommenden drei Jahren noch ein Ersatzcomputer in Zermatt vorgehalten, den der Fahrdienstleiter bei Bedarf aktivieren und die Stellwerke der GGB wieder manuell vor Ort bedienen kann. Durch diese Massnahmen kann ein Höchstmass an Sicherheit gewährleistet werden, weshalb das BAV schliesslich die Bewilligung für den Einsatz erteilte. Spielt die BVZ mit dem Gedanken, eines Tages autonome Züge einzusetzen? Der Betrieb des Leitsystems in einer Cloud hat nichts mit dem führerlosen Fahren von Zügen zu tun. Gleichwohl ist der autonome Betrieb ein allgegenwärtiges Thema in der Branche, das wir sehr genau beobachten. Bereits seit einigen Jahren setzt die Matterhorn-Gotthard-Bahn etwa im Stellwerkbereich auf Digitalisierung. Mit dem Ersatz der analogen Relais-Stellwerke durch elektronische Stellwerke schaffen wir bereits jetzt die Grundlage, um künftige Innovationen realisieren zu können. Aber bis das autonome Fahren von Zügen tatsächlich umgesetzt wird, werden voraussichtlich noch einige Jahre vergehen. Artikel online auf www.netzwoche.ch Webcode DPF8_22773 02 / 2017 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Business Porträt 13 Vom Assemblierer zum Serviceprovider Es gibt sie, die IT-Firmen, die mehr als die Hälfte ihres Umsatzes mit der Cloud machen. Dino Fioris Firma zählt zu dieser Gruppe. Fiori hatte sehr früh den richtigen Riecher und klare Vorstellungen über die Zukunft. Autor: David Klier Dino Fiori bekam seinen ersten PC, als er 12 Jahre alt war. «Ich glaube es gab noch nicht mal Windows.» Mit 16 Jahren assemblierte und verkaufte er Rechner. «Damals konnte man damit noch richtig Geld verdienen.» Ein paar Jahre später schrieb sich Fiori an der Universität Zürich für Wirtschaftsinformatik ein. Überzeugt, das richtige Studium gewählt zu haben. Die Uni zeigte Fiori eine andere Welt, als er in der Frühphase des Internets erwartet hatte. «In den Vorlesungen habe ich mich gelangweilt», sagt er. Er sollte programmieren lernen, in Turbo Pascal. «Das war nichts für mich.» Er brach das Studium ab und gründete seine Firma. Dinotronic. Der erste grosse Kunde liess nicht lange auf sich warten: die Zürcher Kantonalbank. Acht, neun Jahre später beschäftigte Fiori schon über zehn Mitarbeiter. Gemeinsam boten sie Netzwerk- und Systemtechnik für KMUs an. Wenn er heute davon erzählt, klingt es, als wäre alles sehr einfach für ihn gewesen. Doch das war es nicht. «Am Anfang musste ich auf vieles verzichten», sagt Fiori. Er kämpfte sich durch einige harte Jahre. Der Markt veränderte sich, Fiori erkannte das Trotzdem verstand Fiori ziemlich schnell, welchen Weg er einschlagen musste: Sichere Kommunikation, Push-E- Mail, E-Mail-Synchronisation. Dienste, die damals ausser Blackberry noch niemand so richtig anbot, erinnert sich Fiori. Also entwickelten Fiori und sein Team eine eigene Dino Fiori, Gründer und Geschäftsführer von Dinotronic. Lösung. Ihren ersten gehosteten Service. «Damit hatten wir ziemlich grossen Erfolg», sagt Fiori. Von diesem Erfolg beflügelt investierten er in eine eigene Infrastruktur und stellte sie in die Rechenzentren von Interxion. Einige Jahre später, etwa 2008, erkannte Fiori, dass im Markt etwas passierte. Das Geschäft, wie er es kannte, veränderte sich. Der IT-Dienstleister, der vom Projektgeschäft lebte, entwickelte sich zum Managed-Service-Provider. «Ich habe das sehr früh realisiert und umgesetzt», sagt Fiori. Es kam zu vielen Veränderungen in seiner Firma. Neue Mitarbeiter, neue Strukturen. «Diese Phase prägt uns noch heute», sagt Fiori. «Wir machen jetzt über 60 Prozent unseres Umsatzes mit eigenen Managed Services und haben deshalb einen hohen Anteil an wiederkehrenden Einnahmen.» Er sei heute nicht mehr so sehr auf Projektspitzen angewiesen. «Den Wandel, den viele noch vor sich haben oder gerade mittendrin stecken, haben wir hinter uns», sagt Fiori. «Wir haben heute eine sehr gute Ausgangslage.» IT-Sicherheit beschäftigt Fiori mehr denn je Die gute Ausgangslage fusst auf einer weiteren Entscheidung. Die traf Fiori 2010. Damals erkannte er, dass sich auch die IT-Sicherheit veränderte. Traditionell hatte sich die Branche bis dahin auf die Geräte fokussiert. Man habe Geräte geschützt, einzelne Funktionen deaktiviert, USB-Ports gesperrt, Antivirus und Firewalls installiert. «Aus unserer Sicht verpuffte da sehr viel Energie», sagt Fiori. Denn am Ende gehe es ja nur darum, die Daten zu schützen, die Informationen auf den Geräten. Die Grossen hätten Security Operation Center. Sie würden aus allen Quellen Logs sammeln und gegeneinander abgleichen. So erkenne man leichter einen Zwischenfall. Etwa wenn fünf Mitarbeiter die gleiche E-Mail erhalten und eine halbe Stunde später drei der PCs der fünf mit einem verdächtigen Endpunkt im Internet kommunizieren. « Wir haben den Wandel hinter uns. » Dino Fiori, Dinotronic Cloud-Plattformen werden für Fiori zum Türöffner Ein KMU kann sich so ein Security Operation Center nicht leisten. Fiori will das ändern. «Wir bauen jetzt so ein SOC für Security Intelligence und Analytics auf», sagt er. Ein SOC-as-a-Service für KMUs. «In Kombination mit Cloud- Services ist das super spannend.» Die grösste Herausforderung dabei: «Die meisten Entscheidungsträger in KMUs haben noch nicht verstanden, was die Cloud überhaupt ist», sagt Fiori. Artikel online auf www.netzwoche.ch Webcode DPF8_24302 www.netzwoche.ch © netzmedien ag 02 / 2017

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