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Netzwoche 02/2021

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32 Technology Research

32 Technology Research ICT-Security darf kein Kostenfaktor sein Die Suche nach einem optimalen Gleichgewicht im magischen Dreieck «Rundum-Sicherheit – minimale Kosten – neue Technologien und Innovationen fürs Business» stellt die ICT-Verantwortlichen vor grosse und permanente Herausforderungen. Insbesondere sollen die Bewegungsfreiheit, Innovation und Kreativität der Fachabteilungen durch straffe Massnahmen nicht beschränkt werden. DER AUTOR Philipp A. Ziegler Geschäftsführer, MSM Research Den Beitrag finden Sie auch online www.netzwoche.ch ICT-SECURITY-SERVICES-MARKT SCHWEIZ Total der Security-Services-Ausgaben 2020 in der Schweiz 1419 Millionen Franken (B2B) Managed & Cloud Security Services Integration, Support (Hardware, Software & Kommunikation) Auditing & Test Services Consulting & Training Quelle: MSM Research AG 37% 14% 14% 35% Die Pandemie hat die Anforderungen an die ICT-Sicherheit weiter erhöht. Denn in kürzester Zeit wurden praktisch auf der Basis eines Notfallplans die Arbeitsplätze ins Homeoffice verschoben und die Geschäftsprozesse neu ausgerichtet. Auch wenn die ICT-Sicherheit keinen direkt oder zumindest schwer messbaren Einfluss auf die Wertschöpfung eines Unternehmens hat: Sie sichert diese! Diese Absicherung darf aber nicht zur reinen Kostenfrage verkommen, Sicherheit ist kein Kostenfaktor. Das Credo sollte heissen: agieren und vorsorgen, anstatt reagieren und aufräumen. Höhere Mittel erst nach entsprechenden Attacken, Sicherheitsvorfällen und Schäden zu sprechen, ist sicherlich ein falscher und risikoreicher Weg. Daraus entsteht ein Flickenteppich ohne Konzept, viele der Angriffsflächen bleiben so bestehen und unberücksichtigt. Die gute Nachricht: Schweizer Unternehmen geben viel Geld für die Sicherheit und Hochverfügbarkeit der ICT aus. So wurden 2020 2,5 Milliarden Franken für Appliances (Hardware), Lösungen (Software) und Services ausgegeben, 3,2 Prozent mehr als noch 2019 (vorläufige Zahlen). Und auch im laufenden Jahr erwarten die Unternehmen mehrheitlich eine Erhöhung der externen Ausgaben für die ICT-Sicherheit. Security-Budget vom ICT-Budget trennen Aber auch für die Sicherheit stehen nicht Gelder ohne Ende zur Verfügung, erschwerend in manchen Unternehmen kommt hinzu, dass die geplanten Budgets, Ausgaben und Projekte oft sogenannten «Moving Budgets» zum Opfer fallen oder zumindest verschoben werden. So können kurzfristig andere Vorhaben aus Fachabteilungen vorgezogen werden oder Ausgaben für die Modernisierung und den Ausbau der Infrastruktur eine höhere Priorität bei der Umsetzung erhalten. Ein Weg aus diesem Dilemma der Abhängigkeit könnte die Herauslösung des Security-Budgets aus dem ICT-Budget sein, um die Ausgaben für die Sicherheit isoliert und autonom festzulegen und zu managen. Die höchsten Zuwachsraten im Bereich der ICT-Security erfahren aktuell die Ausgaben für Services durch die steigende Inanspruchnahme der Leistungen externer Dienstleister. So rechnen wir für das laufende Jahr mit einer Aufstockung der entsprechenden Gelder für externe Services um knappe 10 Prozent. Die steigende Nutzung von Services externer Dienstleister hat einen entscheidenden Einfluss auf die Ausgaben der Unternehmen und das Wachstum des Security-Marktes. Dieses wird primär nicht mehr durch Ausgaben und Investitionen in Lösungen, Appliances und Infrastrukturen für den Eigenbetrieb (On Premise) generiert. Die Zunahme an Geldern, die zu Dienstleistern und Managed Security Service Provider (MSSP) fliessen, liegt deutlich höher als die Aufwendungen für den Eigenbetrieb. Die Liste der in Anspruch genommenen Leistungen wird heute angeführt von Services in den Bereichen VPN/Firewall, AV/AS, Audits, Risikoanalysen, Network Security, Penetration Testing, Monitoring, Security-Management und Schulung. Die weiterhin steigende Nachfrage nach Managed Security Services führt auch im laufenden Jahr zu einem markanten Wachstumssprung von rund 10 Prozent gegenüber 2020, während die Ausgaben für Lösungen und Appliances (HW) im Eigenbetrieb um rund 5 Prozent schrumpfen. Damit hat der Wind endgültig gedreht – der Big Shift hat auch im Sicherheitsbereich Fuss gefasst. 02 / 2021 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Technology Hintergrund 33 Wenn das Ohr aus dem Drucker kommt Körperteile aus dem 3-D-Drucker: Klingt nach Science-Fiction, ist aber schon heute Realität. Mithilfe von 3-D-Biodruckern entwickeln ETH-Forschende Knorpeltransplantate aus Körperzellen. Philipp Fisch gibt Einblick ins Labor und verrät, was ein menschliches Ohr auf dem Rücken einer Ratte zu suchen hat. Autorin: Pamela Beltrame Der Bioprinter namens Biofactory des Schweizer Herstellers Regenhu sieht auf den ersten Blick so aus wie ein grosser Brutkasten. Unter der orangen Plexiglashaube baut der Spritzkopf innerhalb von 15 Minuten Schicht um Schicht ein Miniatur- Ohr auf. Ob für die Herstellung von Zahnkronen, Implantaten oder chirurgischen Instrumenten – der 3-D-Druck hat sich in der Medizin schnell ausgebreitet. Eine Forschungsgruppe um Marcy Zenobi-Wong befasst sich mit einer speziellen Art von 3-D-Druck, nämlich dem ​Druck mit zellulären Materialien. Dieses Verfahren, Bioprinting genannt, eröffnet in der regenerativen Medizin neue Wege. Im Labor für Gewebetechnologie und Biofabrikation an der ETH Zürich zeigt Philipp Fisch, wie dieses Verfahren funktioniert. In einer mit Nährstofflösung gefüllten Petrischale liegt ein weissliches, trübes Miniatur-Ohr. Vorsichtig hebt der behandschuhte Doktorand das Ohr heraus. Die Konsistenz ist gelatineartig. Zwischen Daumen und Zeigefinger gehalten, hängt das Ohr schlaff hinunter. Gefertigt wurde es mit dem Bioprinter – einem 3-D-​Drucker für biologische Materialien. Der Drucker namens Biofactory des Schweizer Herstellers Regenhu sieht auf den ersten Blick so aus wie ein grosser Brutkasten. Die Anlage selbst wird von einer Haube geschützt. In der Haube sind Filter und Ventilatoren verbaut, die das Durch- und Eindringen von Bakterien und Viren verhindern sollen. Das ist besonders wichtig, wenn mit Zellen gedruckt wird. Unter der Haube des Bioprinters ist ein Rad mit acht Spritzköpfen, die alle mit verschiedenen Suspensionen, also mit Flüssigkeiten mit nicht gelösten Pulverteilchen, befüllt werden können. Aus den Spritzköpfen gelangt dann die Suspension auf eine darunterliegende Plattform, die sich in alle Richtungen bewegen kann. Für den Druck zieht der Doktorand den Laborkittel an. Unter der orangenen Plexiglashaube baut der Spritzkopf innerhalb von 15 Minuten Schicht um Schicht ein Miniatur-Ohr auf. Ein Computer ausserhalb des Bioprinters steuert die Kolben der Spritzköpfe und die darunterliegende Plattform anhand eines 3-D-Modells. Für das 3-D-Drucken fängt man mit STL-Dateien an – das sind Dateien, welche die Oberfläche des 3-D-Körpers beschreiben. Das Modell wird in eine sogenannte Slicer-Software eingespeist, die das Konstrukt in einzelne Schichten aufteilt und dann den Pfad definiert, entlang dem der 3-D-Drucker später das Material deponieren soll. Das Labor sei vom Programm des 3-D-Druckerherstellers zu einer Freeware umgestiegen, sagt Fisch. «Dadurch haben wir mehr Freiheiten und können alles an unsere Bedürfnisse anpassen.» Darüber hinaus entwickelte die Forschungsgruppe eine App, um www.netzwoche.ch © netzmedien ag 02 / 2021

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