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Netzwoche 03/2017 inkl. Digital Signage

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16 People Live

16 People Live «Arbeiten, die wir automati sieren können, werden wir automatisieren. Stellen werden wegfallen.» Wer in der Schweiz über Digitalisierung spricht, kommt um die Schweizerische Post nicht herum. Wie der Staatsbetrieb in der digitalen Transformation unterwegs ist und welche Pläne Post-Chefin Susanne Ruoff mit dem Konzern verfolgt, erklärt sie im Gespräch. Interview: Marc Landis i ZUR PERSON Susanne Ruoff (58) ist seit dem 1. September 2012 Konzernleiterin der Schweizerischen Post. Sie absolvierte diverse Stu dien in Wirtschaft, Telekommunikation und Management im In- und Ausland. Über 20 Jahre lang war sie bei IBM Schweiz in führenden Funktionen tätig, zuletzt in der Geschäftsleitung. Von 2009 bis 2012 führte sie die British Telecom Schweiz. Sie besetzte verschiedene Verwaltungsrats- und Stiftungsratsmandate bei Geberit, Bedag, im Stiftungsrat der IBM Pensionskasse sowie im Industry Advisory Board der ETH Zürich / Computer Science. Susanne Ruoff ist verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder und lebt in Crans-Montana. Quelle: Schweizerische Post Artikel online auf www.netzwoche.ch Webcode DPF8_26540 Die Schweizerische Post muss sich schon seit der Erfindung der E-Mail mit der Digitalisierung ihrer Geschäfts modelle auseinandersetzen. Wie hat die digitale Transformation die Schweizerische Post in den letzten Jahren verändert? Susanne Ruoff: Die Schweizerische Post muss sich laufend neuen Marktgegebenheiten, veränderten Kundenbedürfnissen sowie dem Wandel der Technik anpassen. Das ist seit ihrer Gründung 1849 so – damals fuhr man noch mit Postkutschen über den Gotthard. Die Digitalisierung verändert die Post insofern, als dass wir uns durch digitale Prozesse beziehungsweise die Digitalisierung unserer Geschäftsmodelle dem sich schnell verändernden Verhalten der Kunden noch viel stärker anpassen können. Sie erledigen ihren Zahlungsverkehr, den Rechnungsversand, Einkäufe und vieles mehr zunehmend online. Dafür haben wir die passenden Services. Wie muss man sich die Digitalisierung bei der Post vorstellen? Wir segmentieren in drei Bereiche. Post intern geht es um die Digitalisierung von Prozessen und Abläufen. Wir simulieren etwa am Computer verschiedene Touren, damit unsere Pöstler den idealen und effizientesten Weg zurücklegen. Auch unsere Brief- und Paketzentren sind heute digital gesteuerte Hightech-Anlagen. Ein anderes Beispiel ist unsere interne Dokumentenablage, mit der wir sicherstellen, dass wir keine grossen Papierarchive mehr anlegen müssen. Der zweite grosse Teil ist das Kerngeschäft mit Logistik und Paketversand. Man bestellt ja immer mehr online und erwartet das Paket zu einem bestimmten Zeitpunkt. Da gibt es das Digitalisierungselement der SMS- oder E-Mail-Nachricht: Sie wird ausgelöst, wenn das Paket eine bestimmte Schlaufe durchläuft und informiert den Kunden, wo sich sein Päckli befindet, wie gross es ist und wann es zugestellt wird. Die Digitalisierung beeinflusst uns auch von aussen. Als Paket logistiker sind wir längst nicht mehr die einzigen Anbieter auf dem Markt. Wir müssen effizienter, schneller und günstiger werden. Und die besten Services anbieten. Und zu guter Letzt bedeutet Digitalisierung auch, dass wir die physische Welt mit der digitalen verbinden wollen. Immer zum Nutzen der Kunden. Welche konkreten Beispiele gibt es dafür? Nehmen wir das Beispiel Volksabstimmungen. Die Post bietet den Kantonen und Gemeinden eine Lösung für die Einführung von elektronischen Stimmabgaben für Inund Auslandsschweizer. Als vertrauenswürdige Übermittlerin von jährlich rund 18 Millionen Sendungen mit Stimmunterlagen und brieflichen Stimmabgaben ist die Post dafür prädestiniert, auch beim E-Voting für den sicheren und vertrau lichen Transport von Wahl- und Stimm unterlagen zu sorgen. Auch im Gesundheitsbereich haben wir neue digitale Lösungen entwickelt. Sei es bei der Behandlung von Patienten, der Verschreibung von Medikamenten, der Überweisung ins Spital oder der Koordination von Pflegemassnahmen: Mit E-Health-Dienstleistungen profitieren Akteure im Gesundheitswesen von sicherer, effizienter und übersicht licher Datenhandhabung. Ein weiteres Beispiel ist unsere Dienstleistung E-Post Office, mit der die Empfänger bestimmen können, ob eine Sendung als digitalisierter oder als physischer Brief zugestellt wird. Oder die eID. Wir wollen als Dienstleisterin den sicheren digitalen Austausch zwischen Menschen, Unternehmen und Behörden sicherstellen. Die Post hat ja den Auftrag der Grundversorgung. Inwieweit hilft oder stört die Digitalisierung die Post bei der Erfüllung desselben? Sie stört nicht. Die Bedürfnisse der Kunden haben sich in den letzten Jahren durch die Verbreitung von Smartphones verändert. Dank dieser Technologie können wir gewisse Bedürfnisse der Grundversorgung neu oder anders lösen. Vergessen wir nicht: Der Auftrag der Grundversorgung hat eine soziale Komponente. Indem alle Menschen in der Schweiz zu gleichen Preisen unsere Infrastruktur mit Zahlungsverkehr, Brief- und Logistikdienstleistungen sowie den öffentlichen Personentransport nutzen können. 03 / 2017 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

People Live 17 « Das Unternehmen Post beschäftigt heute über 62 000 Menschen. Sie alle sind von der digitalen Transformation betroffen. » Susanne Ruoff, Konzernleiterin, Schweizerische Post Ist der Grundauftrag, so wie er heute formuliert ist, noch zeitgemäss? Es gibt zwei differenzierte postalische Grundaufträge: Der eine lautet, dass 90 Prozent der Bevölkerung innerhalb von 30 Minuten zu Fuss oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln bei der Post eine Ein- oder Auszahlung vornehmen können müssen. Der andere verlangt, dass 90 Prozent der Bevölkerung innerhalb von 20 Minuten einen Brief oder ein Paket bei einer Poststelle oder einer Postagentur aufgeben und in Empfang nehmen können müssen. Diese Grundaufträge erfüllen wir bei Weitem, und die Formulierung im Postgesetz lässt auch den benötigten unternehmerischen Spielraum zu. Wichtig ist für uns, dass der Grundauftrag technologieneutral formuliert ist. Denn auf die Geschwindigkeit, in der sich Technologien verändern, kann die Gesetzgebung normalerweise nur im Nachgang reagieren. Apropos technologische Veränderung: Wann werden wir selbstfahrende Postautos flächendeckend in der Schweiz im Einsatz sehen? Wir zeigen mit unserem Versuchsbetrieb der selbstfahrenden Postautos in Sion auf, was heute technisch möglich ist. Ich glaube nicht, dass der öffentliche Verkehr nun plötzlich komplett auf autonome Fahrzeuge umgestellt werden kann. Das ist auch nicht unsere Absicht bei den Post autos. Autonome Fahrzeuge sollen eine Ergänzung zur bestehenden Flotte sein. Ich kann mir aber vorstellen, dass solche etwa an Flughäfen oder auf einem Universitätscampus schon bald vermehrt eingesetzt werden. Die Post will in den kommenden vier Jahren 600 Filialen schliessen. In wieweit ist die Schliessung der Poststellen bereits eine Auswirkung der Digitalisierung? Es gibt traditionelle Strukturen, die über viele Jahre gewachsen sind. Wenn nun immer weniger Kunden Poststellen persönlich besuchen, weil sie die Dienstleistungen digital nachfragen, lohnt es sich wirtschaftlich immer weniger, diese Poststellen zu betreiben. Das Defizit im Filialnetz der Post beträgt trotz aller Bemühungen in den vergangenen Jahren deutlich über 100 Millionen Franken. Wir müssen deshalb die Strukturen unseres Postnetzes verändern. Das heisst, wir wandeln eigenbetriebene Filialen in partnerbetriebene Filialen um, die auch längere Öffnungszeiten haben. Schliesslich haben wir den klaren Auftrag vonseiten des Bundesrats, eigenwirtschaftlich zu arbeiten. Digitalisierung beziehungsweise Automatisierung wird Stellen kosten. Wie nimmt die Schweizerische Post ihre soziale Verantwortung in diesem Zusammenhang gegenüber den Arbeitnehmern war? Was tun Sie, um die negativen Folgen der Digitalisierung für Ihre Mitarbeitenden abzumildern? Das Unternehmen Post beschäftigt heute über 62 000 Menschen. Sie alle sind von der digitalen Transformation betroffen. Ich toure momentan im Rahmen der internen Veranstaltungsreihe «Postorama» durch die Schweiz und erkläre den Leuten, welche digitalen Dienstleistungen www.netzwoche.ch © netzmedien ag 03 / 2017

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