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Netzwoche 03/2017 inkl. Digital Signage

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28 Technology

28 Technology Titelgeschichte Speichertrends aus Bild: Fotolia Arvind Nithrakashyap, Mitgründer und CTO von Rubrik Mohit Aron, Gründer und CEO von Cohesity Kiran Bhageshpur, Gründer und CEO von Igneous Hyperkonvergente Back-ups mit Cloud-Integration «Wieso mehrere Produkte kaufen, wenn es Back-up, Disaster Recovery, Archivierung und Analytics in einer Lösung gibt?», fragte Arvind Nithrakashyap, Mitgründer und CTO von Rubrik, als ihn die Redaktion im Silicon Valley besuchte. Rubrik ist auf Back-up und Archivierung spezialisiert. Das Start-up ist das Nutanix der Back-up-Welt: Rubrik packt Sekundärspeicher (HDD und Flash) und Netzwerk-Hardware in eine Appliance. Das Unternehmen kombiniert diese mit einer Software, die Back-ups von physischen und virtuellen Servern ermöglicht. Sie unterstützt VMware-, SQL- und Nutanix-Instanzen sowie die Public Clouds von AWS und Microsoft. Die Lösung sichert ausserdem NAS- Produkte von Herstellern wie Netapp, Isilon und Synology. Rubrik setzt auf Kunden, die von ihren Legacy-Architekturen Abschied nehmen wollen. Die Lösung konsolidiert eine Vielzahl an Archiv- und Back-up-Lösungen in Firmen, sowohl Hardware als auch Software. Im Gegensatz zu vielen anderen Start-ups im Valley vertreibt Rubrik seine Produkte auf fünf Kontinenten. Der Schweizer Vorzeigekunde ist das Logistikunternehmen Galliker Transport. Hyperkonvergenter Sekundärspeicher als Appliance Für Cohesity gibt es zwei Arten von Speicher: «primary» und «secondary» Storage. Den Unterschied erklärt das kalifornische Start-up mit dem Bild eines Eisbergs. Die Spitze, die aus dem Meer ragt, ist «primary storage». Cohesity meint damit geschäftskritischen Tier-1-Speicher, der immer und schnell verfügbar sein muss. Der grosse Rest des Eisbergs unter Wasser ist «secondary storage». Er umfasst etwa Archive, Back-ups, Testumgebungen und Analytics-Daten. Laut Cohesity sind rund 80 Prozent aller Daten in Unternehmen «secondary storage». Cohesity will nun die Funktionen rund um «secondary storage» in einer Box konsolidieren. Und Probleme wie Storage-Silos, Lizenz-Wirrwarr und uneinheitliche Admin-Tools lösen. Das Start-up bietet Appliances an, die viele Hardware- und Softwarefunktionen übernehmen können. Etwa Analytics, Archivierung, Back-ups, Snapshots und Disaster Recovery. Die Geräte laufen auf dem eigenen Betriebssystem Oasis, was für «open architecture for scalable, intelligent storage» steht. Mit SnapFS entwickelte Cohesity auch ein objektbasiertes Dateisystem, das für Cluster-Umgebungen optimiert ist. Eine Cloud hinter der eigenen Firewall «Unternehmen unterschätzen, was es bedeutet, eine Public Cloud zu nutzen», sagt Kiran Bhageshpur, Gründer und CEO von Igneous. «Viel Zeit und Energie geht mit dem Austausch von Daten verloren.» Es sei kostspielig, die Verbindung zur Cloud stabil und schnell zu halten. Die Infrastruktur und Netzwerkarchitektur müssten skalieren und ausfallsicher sein. Und die Cloud sei auch hinsichtlich Datenschutz, Lizenzierung und Kostenmanagement eine Herausforderung. Bhageshpur erkennt aber auch die Vorteile von Public Clouds. Sie skalieren gut, nutzen moderne Konzepte wie Object Storage und sind ortsunabhängig. Igneous will diese Flexibilität nun in die Unternehmen bringen. Das Start-up verkauft eine Technologie, die Festplatten in sogenannte Nano-Server verwandelt. Es installiert und wartet diese beim Kunden. Igneous kümmert sich um Monitoring und Troubleshooting. Und verlangt dafür eine Abogebühr. Firmen können mit mehreren Nano- Servern eine Speicherumgebung im eigenen Rechenzentrum aufbauen. Das kleinste Angebot von Igneous umfasst 212 TB nutzbaren Speicher. Ein TB kostet pro Jahr etwa 188 Dollar. 03 / 2017 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Technology Titelgeschichte 29 dem Silicon Valley Das Silicon Valley ist noch immer das pulsierende Herz der IT-Welt. Der 80 Kilometer lange Streifen Land zwischen San José und San Francisco ist die Heimat zahlreicher Storage-Start-ups. Die Redaktion war im Rahmen der IT Press Tour mehrmals vor Ort und hat über 20 Unternehmen besucht. Die wichtigsten Trends im Überblick. Autor: Marcel Urech Anand Babu Periasamy, Mitgründer und CEO von Minio Lance Smith, CEO und Chairman von Primary Data Per Simonsen, Mitgründer und CEO von Memoscale Die Demokratisierung von Object Storage Bisherige Speichermodelle waren auf strukturierte Daten optimiert. Sie lassen sich mit einem Dateisystem in einer Datenbank ablegen. Das funktionierte lange gut. Laut IDC lagen aber bereits 2015 rund 90 Prozent der Daten in unstrukturierter Form vor. Auch der Speicherbedarf von Unternehmen wuchs rasant. Klassische Speichermodelle stossen mit unstrukturierten Daten an ihre Grenzen. Die Branche musste reagieren und erfand Object Storage. Ordner und Verzeichnisse gibt es nicht mehr. Heute gibt es rund 15 offene Object-Storage-Lösungen. Etwa Ceph und Openstack Swift. Eine weitere Alternative ist Minio. «Ich will Cloud-Speicher demokratisieren und als Open-Source-Technologie frei verfügbar machen», sagte Gründer Anand Babu Periasamy den Journalisten. Minio ist kompatibel mit Amazon S3. Die Lösung ermöglicht es, eigene Cloud-Speicher-Umgebungen aufzubauen. Minio hat eine Client-Server-Architektur, für Entwickler gibt es ein Software Development Kit. Die Software kann in einer virtuellen Maschine oder in einem Docker-Container laufen. Minio funktioniert mit Standard-Hardware und unterstützt auch den Raspberry Pi. Datenvirtualisierung und Datenorchestrierung Apple-Mitgründer Steve Wozniak ist seit November 2014 Chief Scientist bei Primary Data. «Wir virtualisieren Daten und platzieren sie strategisch dort, wo Anwendungen sie gerade brauchen», erklärt Woz. Primary Data bietet Datasphere an. Der Metadaten-Dienst trennt die Logik einer Anwendung vom physischen Speicherort. Die Lösung verwandelt Daten in Objekte, die immer gleich zugänglich sind – egal ob sie auf einem Objekt-, Datei- oder Block-Speicher liegen. Datasphere zentralisiert die Kontrolle von Daten und macht sie vom Speicherort unabhängig. Firmen können so ihre oft proprietären Legacy-Installationen weiter nutzen. Und gleichzeitig offene Speicherkonzepten mit Standard-Hardware verwenden. Datasphere lagert selten genutzte Daten auf Wunsch auf günstige Speicher aus, etwa auf Tape. Und oft genutzte Daten kann die Software automatisch auf schnelle Flash-Speicher oder SSDs verfrachten. Die Lösung kann unternehmenskritische Daten replizieren und über mehrere Orte verteilen. Da die Logik vom Speicherort getrennt ist, sind komplexe Aufgaben wie Disaster Recovery und Back-ups plötzlich nicht mehr so komplex. Erasure Coding statt RAID Erasure Coding ist eigentlich nichts Neues. Die mathematische Grundlage existiert seit über 50 Jahren. In den letzten zwei Jahren boomt die Technologie aber. Die Redaktion besuchte im Silicon Valley über 20 Speicheranbieter. Fast alle setzen in irgendeiner Form auf Erasure Coding. Das Konzept soll Daten schützen und verfolgt ähnliche Ziele wie RAID. Es braucht aber nur rund die Hälfte an Speicherplatz. Erasure Coding teilt Daten in Einzelteile auf, reichert sie mit «recovery fragments» an und legt sie an physikalisch getrennten Orten ab. Etwa auf Festplattenspeichern, SSDs oder anderen Flash- Speichern. Gehen Daten verloren, lassen sie sich auch über Gerätegrenzen hinweg wiederherstellen. Es gibt mehrere Spielarten, die bekannteste ist der Reed-Solomon-Ansatz. Intel nutzt diesen in seiner ISA-L-Bibliothek, eine Alternative ist Jerasure. Erasure Coding hat aber auch ihre Tücken: Es fordert einen hohen Netzwerktraffic und viel I/O- und Rechenleistung. Das norwegische Start-up Memoscale hat es laut Gründer Per Simonsen geschafft, diese Einschränkungen auszumerzen. Nun suche es Investoren und Partner im Silicon Valley. www.netzwoche.ch © netzmedien ag 03 / 2017

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