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Netzwoche 04/2017

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20 People Live wiederum,

20 People Live wiederum, ihre Kundenbeziehungen auch im digitalen Zeitalter weiter zu pflegen. Weshalb kommen von den traditionellen Finanzinstituten so wenige Fintech-Innovationen? An Kapital mangelt es ja nicht. Das liegt vermutlich daran, dass diese Finanzinstitute zu sehr in traditionellen Mustern verhaftet sind und ihr bestehendes Geschäft nicht kannibalisieren wollen. Finanzinstitute und auch Versicherungen haben hochkomplexe Produkte entwickelt, die es ihnen erlauben, den Vertrieb durch spezialisierte Berater zu kontrollieren. Spürt das auch der Kunde? Er will etwa Geld anlegen oder eine Versicherung abschliessen, ist aber oft überfordert und will sich nicht alleine entscheiden. Traditionelle Player sind zunächst nicht daran interessiert, diese Struktur aufzubrechen, denn sie ist für sie von Vorteil. Es braucht darum innovative Köpfe von ausserhalb, die aus Kundensicht denken. Diese jungen Fintech-Unternehmen zeigen auf, wie die Zukunft in der Finanzbranche aussehen wird. Die Wertschöpfungskette verändert sich und der Einfluss von Technologie wird immer bedeutender. Banken und Versicherungen sollten heute mutig diesen Wandel angehen und die Technologisierung sowie Kannibalisierung antizipieren. Dann werden sie auch weiterhin eine gewichtige Rolle in der Finanz- Wertschöpfungskette der Zukunft spielen. Wer allerdings glaubt, dass Digitalisierung einfach nur das Aufsetzen eines digitalen Vertriebskanals bedeutet, wird zu den Verlierern des Finanzplatzes gehören. Schweizer Fintechs zielten am Anfang auf Endkunden ab. Heute fahren die meisten Business-to-Business-Modelle. Warum? Die Schweiz ist noch einer der bedeutendsten Finanzplätze der Welt. Hier sind die international erfolgreichsten Finanzinstitute angesiedelt, die alle Lösungen suchen, um ihr Business fit für die Zukunft zu machen. Ein Start-up, das hier ansetzt, kann aus dem Vollen schöpfen. Die Schweiz ist klein, praktisch ein Konzentrat der Finanzwelt, und man kann die wichtigsten Player der Welt sozusagen zu Fuss erreichen. Zudem entspricht es eher der Schweizer Mentalität, gemeinsam und im Konsens Lösungen zu finden, statt auf Konfrontation und «Disruption» zu gehen. Viele Arbeitnehmer sehen Fintech skeptisch und befürchten einen Jobabbau durch neue Technologien. Wird der Kundenberater bald komplett durch einen Algorithmus ersetzt? Ich kann die Angst gut verstehen, denn Veränderung bringt immer auch Unsicherheit mit sich. Als Unternehmerin kann ich diese Gefühle nachvollziehen. Allerdings ist die Digitalisierung keine Idee mehr, sondern Fakt und unumkehrbar. Das heisst, die Augen zu verschliessen, um kurzfristig hierzulande Arbeitsplätze zu konservieren, wird nur dazu führen, dass der gesamte Finanzplatz Schweiz langfristig abgehängt wird und die neuen Arbeitsplätze andernorts entstehen. Durch gezielte Investitionen in Innovation, in Start-ups, in Ausbildung, in Weiterbildung werden wir keine Arbeitsplätze verlieren, sondern diese sinnvoll und zukunftsfähig verändern. Ist die Schweiz dafür gut positioniert? Sie hat mit ihrem ausgezeichneten Bildungswesen jede Chance, den Wandel erfolgreich zu gestalten. Allerdings ist es wichtig, die Menschen in den Veränderungsprozess einzubeziehen und mit ihrem Gefühl von Unsicherheit abzuholen. Ich wünsche mit, dass die Schweiz mit gezielten Kampagnen Fintech- und Start-up-Unternehmertum auch in den Köpfen der Menschen positiv auflädt. Fintech schafft Jobs – wenn nicht in der Schweiz, dann anderswo und das sollten wir als einer der grössten Finanzplätze der Welt verhindern. Für die Schweiz und die Zukunft des Finanzplatzes wünsche ich mir mehr gemeinsames Engagement unserer grossen Banken und Versicherungen. Schweizer Mitarbeiter haben diese Unternehmen gross gemacht und verdienen eine zukunftsweisende Führung, die durch Innovationskraft ihre Arbeitsplätze sichert. Was wird das nächste grosse Ding im Fintech-Umfeld? Auch ich habe keine Glaskugel, die mir die Zukunft voraussagt. Aber die Blockchain-Technologie hat das Potenzial, das Finanzwesen grundlegend zu verändern. Wir sind derzeit noch in einer sehr frühen Entwicklungsphase, die digitalen Möglichkeiten dieser Technologie könnten unsere Welt (und nicht nur das Finanzwesen) völlig neu strukturieren. Ich vergleiche Blockchain gerne mit der Erfindung des Automobils. Zu Zeiten der Postkutsche waren die ersten motorisierten Fahrzeuge teuer, fehleranfällig, langsam, schwer zu bedienen und hatten keinerlei Einfluss auf das Leben des Normalbürgers. Aber einige Jahre oder auch Generationen weiter gedacht, hat sich die Welt durch das Automobil komplett verändert. Postkutschen haben heute, wenn überhaupt, nur noch Nostalgiewert. Blockchain hat ähnliches Potenzial. Wer also die Zukunft mitgestalten will, sollte aufhören, an der Postkutsche zu feilen, sondern anfangen, das Automobil zu bauen. i ÜBER SWISS FINANCE STARTUPS Swiss Finance Startups (SFS) verfolgt drei Kernanliegen: 1. SFS kritisiert, Schweizer Regelwerke seien nicht mehr zeitgemäss. Es brauche weniger Hürden für Start-ups, eine freundlichere Steuerpolitik und einen einfacheren Zugang zu internationalen Talenten. 2. Die Schweiz droht laut SFS bei Fintech im internationalen Wettbewerb von der Landkarte zu verschwinden. Sie müsse ihren Finanzplatz mit Kampagnen und Investitionen zum Fintech-Hub erweitern. 3. Für SFS sind Unternehmergeist und Innovation die wichtigsten Ressourcen der Schweiz. Die Digitalisierung habe eine neue industrielle Revolution ausgelöst. Dabei sei es wichtig, Menschen mitzunehmen und ihre Ängste abzubauen. Fehlschläge sollten als Teil eines anerkennenswerten Lebenslaufes etabliert werden. Hier stehen laut SFS auch die Politik und die Medien in der Verantwortung. « Start-ups sind eben nicht nur Uber und Facebook, es sind die vielen kleinen Unternehmer, die ohne grosse finanzielle Rückendeckung Neues wagen. » Christina Kehl, Geschäftsführerin des Verbands Swiss Finance Startups 04 / 2017 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Jetzt anmelden und abstimmen! netzwoche.ch/netzticker Der Weg zum «Master of Swiss Web» cgr. Die Popularität des ältesten noch existierenden Web-Awards diesseits des Atlantiks hat sich auch dieses Jahr gesteigert: Mit 389 Einreichungen hatte die Jury 34 Beurteilungsaufgaben mehr als im Vorjahr. Bewertet wurden Webprojekte, die in den letzten zwölf Monaten neu erstellt oder grundlegend überarbeitet wurden. In den Räumlich keiten von Digicomp in Zürich diskutierten Experten während dreier Tage über die Qualitäten der eingereichten Projekte. In diesem Prozess wurden Punkte verteilt und damit alle Sieger in den elf Kategorien bestimmt. Die Favoriten finden sich auf der sogenannten Shortlist wieder – der Liste der besten Entwickler beziehungsweise Unternehmen des Jahres. Zudem diskutiert die Jury, welche der Favoriten zusätzlich auch für den «Master of Swiss Web» nominiert werden. Zum Titel steuert die Expertenjury allerdings nur ein Drittel der Stimmen bei. Das zweite Drittel stammt von den Lesern des Netztickers und des «ICTjournal»-Newsletters. Vom 13. bis zum 20. März können diese für ihr jeweiliges Lieblingsprojekt stimmen. An der feierlichen Preisverleihung, der «Best of Swiss Web Award Night», wird das Publikum per Saal-Voting das letzte Drittel der Stimmen zum Resultat beitragen. An der Award Night steht also am Ende fest, welches die besten Webentwicklungen der Schweiz sind und welches Projekt zum «Master of Swiss Web 2017» gekürt wird. Die Award-Night findet am 6. April im Kongresszentrum Zürich statt. Best of Swiss Web ist eine Initiative der Swiss Internet Industry Association (Simsa) sowie des Netzmedien- Verlags, zu dem die «Netzwoche» gehört. Ziel von Best of Swiss Web ist die Förderung von Transparenz und Qualitätsstandards in der Schweizer Web- und ICT-Branche. www.netzwoche.ch © netzmedien ag 04 / 2017

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