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Netzwoche 04/2017

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36 Technology Research

36 Technology Research Cloud Computing im KMU-Markt Auf der Basis unseres Frühjahrs-Updates rechnen wir für das laufende Jahr mit einer Zunahme der ICT-Ausgaben (B2B) im Schweizer Markt von 1,7 Prozent oder um knapp 300 Millionen Franken auf insgesamt 17,35 Milliarden Franken. DER AUTOR Philipp A. Ziegler Geschäftsführer, MSM Research AG 63,8 Prozent des Marktes entfallen auf die Ausgaben der kleineren und mittleren Unternehmen (KMUs), dies entspricht einem Total von 11 Milliarden Franken. Mit einem Anteil von knapp zwei Drittel an den gesamten ICT-Ausgaben üben sie einen wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung des Gesamtmarktes aus. Wir rechnen damit, dass die Budgets der «Kleinen und Mittleren» mit einem Plus von 2,1 Prozent stärker aufgestockt werden, als diejenigen der grossen Unternehmen (+1,1 Prozent). Einen bedeutenden Impact auf das Wachstum der ICT- Aufwendungen des KMU-Marktes (nach unseren Definitionen Unternehmen bis 499 Mitarbeiter) haben die markant steigenden Ausgaben im Bereich des Cloud Computing. Unsere Erhebungen der vergangenen Jahre belegen dies unter anderem mit einem deutlichen Anstieg der Ausgaben für externe Cloud und Managed Services im Bereich der ICT-Infrastruktur (Schwerpunkt Server, Backup und Datacenter-Dienste). Während dieser Anteil 2014 noch bei 31 Prozent lag, rechnen wir bis 2018 mit einer Zunahme auf knapp 60 Prozent. Das bedeutet, dass zu diesem Zeitpunkt drei von fünf Franken der Budgets für den ICT-Betrieb an externe Dienstleister fliessen. Verlagerung der Ausgaben von Assets zu Services Das Wachstum des Marktes wird so gesehen nicht mehr durch Ausgaben und Investitionen in eigene Infrastrukturen und Lösungsumgebungen generiert. Die Verlagerung der Spendings von Assets zu Services nimmt auch im KMU-Markt weiter Fahrt auf, das Wachstum der Gelder, die nach aussen fliessen, legt stärker zu als die Aufwendungen für den Eigenbetrieb. So erwarten wir im laufenden Jahr im Bereich der externen Sourcing- und Cloud- Services einen Wachstumssprung von 15 Prozent. Ohne diese Services gibt der übrige Teil der ICT-Ausgaben um 3,2 Prozent nach. Messbar geworden ist dieser Paradigmenwechsel von intern zu extern auch im Anwendungsbereich. Während diese Ausgaben der KMUs für standardisierte Businesslösungen 2017 insgesamt um 6,3 Prozent steigen werden (Forecast Frühjahrs-Update), schrumpfen die Spendings für traditionelle Lizenzen (on Premise oder Eigenbetrieb) um knapp 10 Prozent. Dagegen werden die Ausgaben für Software aus der Wolke (SaaS) um satte 39 Prozent aufgestockt. Der «Big Shift» ist angekommen Insgesamt wenden die KMUs 2017 über 1,5 Milliarden Franken für Cloud-Computing-Services (Public und Private Cloud) auf. Und ein ebenso hoher Betrag an ICT- Ausgaben wird für Managed Services, Colocation und Application Management ausgegeben (ingesamt 1,6 Milliarden Franken). Mit Blick auf das gesamte Budget eines KMU entfällt heute damit jeder dritte Franken auf externe Sourcing- Services, mit kräftiger Tendenz nach oben. Der «Big Shift» ist im KMU-Markt angekommen. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_28443 ERWARTETER NUTZEN DURCH DEN EINSATZ VON BUSINESSLÖSUNGEN Wo sehen Sie den grössten Nutzen / Wertbeitrag (Business Value) durch den Einsatz entsprechender Businesslösungen (standardisierte Anwendungen)? Mehrfachantworten möglich. N=103 Effizienzsteigerung & Kostenreduktion (Optimierung der Geschäftsprozesse, «rascher, besser, billiger») Verbesserte Zusammenarbeit und Kommunikation im Unternehmen Erhöhte Kundenzufriedenheit und Kundenbindung Steigerung der Agilität, Flexibilität als Unternehmen Rascheres Eingehen auf Veränderungen an der Kundenfront / Kundenverhalten Entwicklung und Schaffung neuer Geschäftsmodelle (Digitalisierung) Time to Market im Bereich neue Produkte und Services verkürzen Strategische Vorteile, bessere Differenzierung gegenüber dem Wettbewerb Personalisierung / Individiualisierung der Kundenangebote Bessere Renditen durch optimierte Preisbildung Quelle: MSM Research AG 66,0 % 42,7 % 31,1 % 27,2 % 26,2 % 26,2 % 17,5 % 17,5 % 13,6 % 7,8 % 04 / 2017 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Technology Fachbeitrag 37 Eintrittsgenehmigung mit Hirnschmalz – IAM-Lösungen brauchen Intelligenz Vor einiger Zeit tauchte KI noch als wiederbelebtes Buzzword auf. Mittlerweile ist sie durch diverse wissenschaftliche Durchbrüche für viele Branchen die De-facto-Zukunft geworden. Hersteller von Sicherheitslösungen sind nun in Zugzwang und sollten nochmals die Ausrichtung ihrer Produktentwicklung überdenken. Die Cyber Grand Challenge (CGC) der DARPA hat 2016 einen Meilenstein des Hackings hervorgebracht: Vollautomatisierte Systeme suchten Sicherheitslücken des Gegners, um diese zu attackieren. Zudem patchten sie in der gleichen Zeit die eigenen, um mögliche Angriffe abzuwehren. Das Challenge-Team «Shellphish» veröffentlichte im Nachgang den Quellcode seines sogenannten «Mechanical Phish», beschrieb dessen Aufbau und Strategie. Was dabei wie ein Streifen aus dem Science-Fiction- Genre klingt, ist heute zum Greifen nahe. Viele Unternehmen tüfteln bereits länger an der künstlichen Intelligenz (KI), investierten kräftig und meldeten mehrfache Erfolge beim Überwinden wissenschaftlicher Hürden. Dabei ist der Traum, Maschinen eine Art «Seele» zu verleihen, nicht einmal neu: Game-Hersteller für PCs und Konsolen setzen seit Jahrzehnten sogenannte KI-Engines für ihre Strategiespiele ein, nur galt diese Technik bisher als eingeschränkt. Die prominentesten Unternehmen, die sich heute intensiv mit KI beschäftigen, stammen längst nicht mehr aus der Gaming-Branche. Inzwischen berichten fast alle Medien über Projekte aus dem Hause Google, Amazon oder Microsoft. Auch die Autoindustrie investiert massiv in die zukünftige Mobilität mit KI. Der ursprüngliche Treiber dürfte jedoch weiterhin die Verteidigungsindustrie sein. Neben DARPA sind viele Rüstungsunternehmen weltweit mit im Boot, etwa für die Entwicklung der Robotik und intelligenter, unbemannter Waffensysteme. Nicht zuletzt ebnete Big Data die notwendige Datenbasis für das sogenannte Deep Learning. Meilenstein in der IT-Security Die vom Team «Shellphish» entwickelten intelligenten Angriffs-, Abwehr- und Heilmechanismen sind ein Meilenstein in der IT-Security. Die Opfer von Cyberattacken könnten die Technologie als neue Verteidigungsstrategie einsetzen. Und die nächste Hacker-Generation könnte die KI dafür verwenden, um Angriffe zu lancieren – ob sie nun staatlicher oder privater Natur sind. Breit gefächerte, intelligent automatisierte Angriffsszenarien zeigen, dass es in naher Zukunft nicht mehr ausreichen wird, statisch verdrahtete Abwehrmechanismen zu implementieren. Hersteller von IAM-Lösungen müssen daher ebenfalls im Rahmen von «Threat Intelligence» reagieren. So wird es etwa notwendig sein, bei einer regulären Legitimation eines Benutzers sein bisheriges Nutzungsverhalten im Vorfeld zu analysieren. Konkret könnte ein IAM dann intelligent entscheiden, ob es einen Benutzer mit gültigen «Credentials» über eine VPN-Leitung passieren lässt – obwohl dieser sich zuvor noch nie über eine VPN-Leitung angemeldet hat –, oder ihn in eine Quarantäne mit eingeschränkten Rechten stellt. Ein anderes Anwendungsbeispiel könnte sein, dass die intelligente IAM-Lösung eine mögliche «Priviledge Escalation» mithilfe von KI gestützten Verhaltens- und Zeitreihenanalysen in Kombination mit Organisations- und Freigabeprozessen erkennt und zuständige Instanzen automatisch warnt. Die Ergebnisse nutzt die Lösung wiederum als weitere Basis des Lernprozesses. Es zeichnet sich also immer mehr ab, dass sich auch Hersteller von Sicherheitslösungen mit dem Thema intensiver befassen und in Verbindung mit der rasant voranschreitenden KI bereits jetzt die mögliche Integration in Betracht ziehen müssen. Andernfalls ist die Gefahr gross, dass ihre Produkte später wie ein Oldtimer in der Autogalerie stehen werden: Top in Schuss, doch mit überholter Technik ein Staubfänger. DER AUTOR Orkan Yoksulabakan Managing Consultant IT-Security, ITSENSE www.netzwoche.ch © netzmedien ag 04 / 2017

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