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Netzwoche 04/2020

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Wild Card 45 Think exponentially. Now ! Unsere Vorstellung von der Zukunft ist linear. Aber die Realität des digitalen Fortschritts ist exponentiell. Das macht die ganze Sache mit der Digitalisierung kompliziert. Ein Unternehmen braucht keine Digitalstrategie, sondern eine Gesamtstrategie in einer digitalen Ära und neue Ertragsmodelle. Rino Borini ist Gründer von Financialmedia und der Digital-Finance-Plattform «Finance 2.0». Zudem ist er Dozent & Studiengangsleiter der CAS-Lehrgänge «Digital Finance» und «Digital Insurance» an der Hochschule für Wirtschaft Zürich (HWZ). Die Kolumne finden Sie online www.netzwoche.ch Wenn wir 30 Schritte gehen, dann können wir uns die zurückgelegte Distanz ungefähr vorstellen. Mit jedem Schritt legen wir zirka einen Meter zurück, somit erreichen wir mit 30 Schritten rund 30 Meter. Was wäre, wenn sich jeder Schritt potenziert, also 1, 2, 4, 16, 32, . . . ? Dann wird’s kompliziert, weil unser Hirn auf lineares und nicht exponentielles Denken ausgerichtet ist. 30 exponentielle Schritte reichen aus, um 26 Mal die ganze Welt zu umrunden. Und nun kommen wir zu des Pudels Kern: Obwohl unsere Wahrnehmung linear ist, müssen wir uns auf exponentielles Wachstum ausrichten. Denn Technologien verzeichnen ein exponentielles Wachstum. Das alles ist nicht neu: Vor rund 20 Jahren bereits schrieb Ray Kurzweil, Futurist, Buchautor und späterer Chefentwickler von Google, im Artikel «The Law of Accelerating Returns», dass der technologische Fortschritt im gesamten 21. Jahrhundert äquivalent zum technologischen Fortschritt der vorangegangenen 20 000 Jahre sei. Neue Gesetzmässigkeiten Wir befinden uns in einer digitalen Revolution und es gelten neue Gesetzmässigkeiten. Und diese beeinflusst bestehende Geschäftsmodelle und damit die langfristige Ertragskraft eines Unternehmens. Denken wir zurück, wie sich die Musikwelt drastisch verändert hat. Für knapp 13 Franken im Monat kriegen wir heute bei Spotify Zugriff auf Millionen von Songs. Vor 20 Jahren gab es für diesen Betrag nicht einmal eine CD, die gerade mal Platz für 20 Songs hatte. Ähnliche Entwicklungen sehen wir nun auch im Finanzbereich. Robinhood hat in den USA 2016 den kostenlosen Börsenhandel eingeführt. Lange Zeit wurden das in Palo Alto domizilierte Start-up belächelt, doch die jungen Wilden belehrte ihre Kritiker eines Besseren. Inzwischen gilt in den USA: Börsenhandel ist gratis. Robinhood ist mit knapp acht Milliarden Dollar bewertet und hat in rund vier Jahren zehn Millionen Kunden gewonnen. Die Etablierten haben die neuen Gesetzmässigkeiten nicht verstanden. 2016 ging das heutige Unicorn Revolut an den Start. Dessen Ziel: Kreditkartengebühren für Auslandstransaktionen auf Null zu senken. Die meisten Konsumenten hierzulande zahlen im Ausland rund 3,5 bis 4 Prozent Gebühr pro Transaktion. Viele Bankmanager argumentieren heute noch, dass solche Modelle keine Chance hätten. Sie sagen auch, ein solches Preismodell würde ihre bestehende Ertragslage schädigen. Heute ist Revolut mit knapp sechs Milliarden Dollar bewertet und kann auf über zehn Millionen Kunden zurückgreifen. Digital Mindset Digitalisierung ist nicht digitale Transformation. Es geht nicht um fancy Apps oder um mobile Webseiten. Das Internet ist längst mobil. Ein Unternehmen braucht keine Digitalstrategie, sondern eine Gesamtstrategie in einer digitalen Ära und neue Ertragsmodelle. Die Veränderungen umfassen ganze Organisationen. Die heutigen Entscheidungsträger sind gefordert, eine Innovationskultur zu entwickeln, die alle Mitarbeiter abholt. Dabei geht es nicht um Innovationsfabriken, ausgestattet mit farbigen Möbeln und knalligen Vorhängen. Es geht um ein Digital Mindset und eine neue Leadership-Rolle. Die digitale Transformation ist anspruchsvoll, das schleckt keine Geiss weg. Für Entscheidungsträger heisst das: Jetzt die digitale Welle surfen oder sonst den langsamen Rückzug planen. www.netzwoche.ch © netzmedien ag 04 / 2020

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