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Netzwoche 05/2017

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18 People Live «Die Spielerkontrolle schrie nach einer Aktualisierung» Der Schweizerische Fussballverband SFV hat die Spielerkontrolle und die ICT zusammengelegt und einem neuen Leiter unterstellt. Im Interview berichtet Martin von Schroeder, was der SFV mit Big Data plant. Interview: Fabian Pöschl « Ich sehe noch viel Optimierungspotenzial, damit sich die Vereine nicht mit aufwändiger Administration aufhalten müssen. » Martin von Schroeder, Leiter ICT und Spielerkontrolle, SFV Sie sind seit September neuer Leiter des Bereichs Clubservices beim SFV. Wurde Ihre Stelle neu geschaffen? Martin von Schroeder: Ja, der Verband legte die Bereiche Spielerkontrolle und ICT zusammen und unterstellte die neue Abteilung mir. Warum wurden die Bereiche zusammengelegt? Weil man das Digitalisierungspotenzial erkannte. Die Spielerkontrolle etwa verzeichnet jährlich rund 80 000 Aktivitäten mit Spielertransfers, Qualifikationen und Anmeldungen – Tendenz steigend. Das schrie förmlich nach einer Automatisierung. Können Sie ein Beispiel nennen? Nehmen wir den Spielerpass, der jetzt nur noch digital verfügbar ist. Das vereinfacht die Verwaltung der Teams ungemein. Aktuell sind wir unter anderem daran, die Spieleradministration zu digitalisieren. Dann braucht es kein physisches Formular mehr mit Stempel, Foto und Unterschrift. Ich sehe noch viel Optimierungspotenzial, damit sich die Vereine nicht mit aufwändiger Administration aufhalten müssen, sondern den Fussball noch mehr ins Zentrum rücken können. Wie unterhalten Sie die Plattform? Mit einer grossen Infrastruktur. Ausser Clubcorner werden etwa auch unsere Homepage football.ch sowie weitere Services mit insgesamt 40 physischen und 140 virtuellen Servern betrieben. Sie befinden sich an zwei Standorten in der Schweiz, weil die Verfügbarkeit ein sehr wichtiges Thema für uns ist. Wie setzt sich das ICT-Team beim SFV zusammen? Wir haben vier Spezialisten unter der Leitung von Serge Aeschbacher, die in Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern für alles zuständig sind: ICT-Betrieb, Server-Infrastruktur, Applikationsentwicklung, Konzeptionen, Testing und User Support. Was müssen Partner mitbringen, wenn sie mit dem SFV zusammenarbeiten wollen? Wir wollen spezialisierte, renommierte Partner mit einem hohen Qualitätsanspruch. Sie müssen auch äusserst flexibel sein, weil zusätzlich zum täglichen Betrieb abends und am Wochenende Fussball gespielt wird. An einem normalen Frühlingsweekend zum Beispiel finden rund 10 000 Fussballspiele in der Schweiz statt. Da können wir keine Änderungen am System durchführen, wie man das sonst kennt. Aber etwas vom Wichtigsten ist auch, dass sie Freude am Fussball haben. i ZUR PERSON Seit September 2016 ist Martin von Schroeder in der Geschäftsleitung des SFV und vertritt dort die Abteilungen ICT und Spielerkontrolle. Vor diesem Engagement war er mehr als sieben Jahre als Leiter IT-Services bei einer grossen Schweizer Immobiliendienstleisterin beschäftigt. In diesem Jahr beendet er seine Masterarbeit zum Thema «Digitalisierung im Schweizerischen Fussballverband» und beendet seine Aus bildung zum «Executive MBA in Business Engineering». Von Schroeder, geboren 1979, ist verheiratet und Vater von drei Kindern. Wie ist die ICT beim SFV aufgebaut? Wir betreuen etwa 220 Clients in der ganzen Schweiz, für den SFV und seine 13 Regionalverbände. Alle beziehen Hardware, Software und Dienstleistungen von uns. Wie unterstützen Sie die Vereine? Für die Vereine baute der SFV 2013 die Plattform Clubcorner auf. Rund 65 000 registrierte Funktionäre nutzen sie täglich für den Spielbetrieb, die Vereinsadministration, die Spielabwicklung am Wochenende, Match-Telegramme und vieles mehr. Clubcorner entwickelten wir selbst. Die Plattform basiert nicht auf einer Standardlösung, damit wir alle Prozesse auf den Fussball abstimmen und anbieten können. So sind wir vom manuellen Administrationsprozess schon ein grosses Stück weggekommen. Wie lange ist Big Data schon ein Thema für den SFV? Sicher seit 2012, in der aktuellen Konsequenz aber erst seit der Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien. Schon damals erhielten die Spieler, noch unter Trainer Ottmar Hitzfeld, zu den Qualifikationsspielen jeweils E- Mails mit Filmsequenzen der Gegner sowie der möglichen direkten Gegenspieler. Damit informieren wir sie etwa über die Stärken und Schwächen der Gegner, zeigen Laufwege und Raumaufteilungen zur Spielvorbereitung auf. Teilweise schon vor den Trainingslagern des A-Teams, in denen bei Übungen auf dem Platz dieses Wissen teilweise schon vorausgesetzt wird. So kann Nationaltrainer Vladimir die entsprechende Schweizer Taktik einüben. Gibt es andere Gründe für diesen Versand und Einsatz von Videosequenzen? Die Spieler haben einen hohen Rhythmus in ihren Klubs, alle drei bis vier Tage gibt es ein Spiel. Da können wir mit den Videos das Bewusstsein fürs Nationalteam ein wenig 05 / 2017 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

People Live 19 « Wir wollen spezialisierte, renommierte Partner mit einem hohen Qualitätsanspruch, die Spass am Fussball haben. » Martin von Schroeder, Leiter ICT und Spielerkontrolle, SFV schärfen. Es gab schon Spieler, die zur «Nati» kamen, aber den Qualifikationsmodus nicht kannten, weil sie eben in den Vereinsteams so hoch getaktet waren. Zudem: Videos sind ihnen sehr willkommen. Die heutige Spielergeneration ist eher für Bewegtbilder als für lange Vorträge oder reine Pfeilgrafiken empfänglich. Wie nutzen Sie Daten für die Spielerverbesserung? Etwa mit der Auswertung von Leistungsdaten wie den Schnellkraftwerten. Wir testen die Spieler regelmässig bei Zusammenzügen in Magglingen. So erkannten wir, dass sich im März vor der Europameisterschaft 2016 die Werte eines Spielers verschlechtert hatten, obwohl er regelmässig spielte. Bis zur EM im Juni hatten wir dann noch genug Zeit für ein massgeschneidertes Programm. Am Ende hatte er bessere Schnellkraftwerte als zuvor und spielte jedes Match. Mit diesem System können wir punktuell Defizite ausmerzen. Wie können Sie mit Big Data den Fussball verbessern? Wir sammeln schon seit über zehn Jahren eine Unmenge an Daten, jetzt müssen wir sehen, wie wir das möglichst vorteilhaft nutzen können. Haben Sie schon Pläne dafür? Ja, der SFV will vor allem in der Jugendarbeit mit Big Data die Leistungsdatenerfassung und daraufhin die Trainings verbessern. Wir wollen mehr auf die Spieler eingehen und sie anhand ihrer Leistungsdaten individueller und damit noch gezielter fördern als bisher. Verläuft die Entwicklung der digitalen Transformation beim SFV parallel zu den Vereinen? Die haben uns etwas voraus. Für uns ist es oft schwierig, Vorreiter zu spielen oder allzu spezifisch zu sein. Wir wollen nicht komplett andere Schwerpunkte setzen, als es die Spieler von den Klubs gewohnt sind. Dann wäre das Chaos bald perfekt. Wir haben aber gemerkt, dass es ein starkes Bedürfnis für die Videoauswertung gibt und deshalb einen zusätzlichen Mitarbeiter engagiert, der mit Nati- Trainer Vladimir Petkovi die Spiele am Bildschirm auswertet. Wer treibt die digitale Entwicklung voran? Das ist ein Zusammenspiel. Wir haben auch Mitarbeiter in der ICT, die freiwillige Funktionäre bei einem Club sind. Die kennen die Bedürfnisse beider Seiten. Wir vom SFV geben in Zusammenarbeit mit den Klubs die Strategie vor. Immer im Sinne des Fussballs, damit man mehr Zeit für den Sport hat. Müssen Sie das Team noch stärker ausbauen angesichts der Datenmenge? Wir haben das fixe Pensum unseres Leistungsphysiologen erhöht, der für die Erfassung und Auswertung der Daten www.netzwoche.ch © netzmedien ag 05 / 2017

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