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Netzwoche 05/2017

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28 Web Titelgeschichte

28 Web Titelgeschichte «Das Potenzial der agilen Entwicklung wird noch lange nicht ausgeschöpft» Es gibt in der Schweiz nur wenige Menschen, die den Puls der Webbranche so stark fühlen wie Andrej Vckovski. Der CEO der Softwarefirma Netcetera und Präsident des Verbands Simsa kennt die Bedürfnisse von Agenturen und Kunden. Im Gespräch mit der Redaktion verrät er, was Webentwickler dieses Jahr auf Trab halten wird. Interview: Marcel Urech « Der Javascript-Bereich ist ein aktives Umfeld – man könnte fast sagen hyperaktiv. » Andrej Vckovski, Netcetera-CEO und Sima-Präsident Was sind 2017 die grössten Herausforderungen für Entwickler? Andrej Vckovski: Neue Technologien sind im Moment eine der grössten Herausforderungen. Die Softwareszene ist sehr aktiv, und Entwickler sehen sich mit vielen neuen Trends konfrontiert. Der Javascript-Bereich etwa ist ein aktives Umfeld – man könnte fast sagen hyperaktiv. Neue Frameworks, Bibliotheken und Werkzeuge schiessen wie Pilze aus dem Boden. Ideen aus dem Bereich der Funktionalen Programmierung oder Reactive Systems halten Einzug, und die ganze technische Landschaft verändert sich sehr schnell. Dazu kommen Trends wie Machine Learning oder Internet of Things, Architekturmodelle wie Micro- Services, Container und Serverless-Plattformen. Für Entwickler ist es eine grosse Herausforderung, in diesem Dschungel von neuen Trends die wichtigen Themen herauszufiltern, auf dem neuesten Stand zu bleiben und technologisch nicht ins Hintertreffen zu geraten. Andrej Vckovski, Netcetera-CEO und Simsa- Präsident. Artikel online auf www.netzwoche.ch Webcode DPF8_31462 Gibt es in der Schweiz genug gute Webentwickler? Diese Frage kann man fast nur mit «Nein» beantworten. Es gibt viele und auch sehr gute Webent wickler. Vor allem von der letzten Kategorie kann man aber eigentlich nie genug haben. Webtechnologien werden immer weitläufiger eingesetzt. Themen, die früher auf dem Server gelöst wurden, sind heute ins Web-Frontend gerutscht. Browser werden immer mächtigere Applikationsplattformen, Webtechnologien werden für hybride Mobile-Apps oder Fat Clients genutzt. Somit ist auch der Bedarf an guten Webent wicklern grösser denn je. Auf welche Qualifikationen legt die Branche besonders Wert? Wir brauchen Entwickler mit einer soliden konzeptionellen Ausbildung. Spezifische Programmiersprachen und Technologien sind dabei weniger wichtig als Konzepte, Paradigmen und die Fähigkeit, sich in neue technische und fachliche Themen einzuarbeiten. Gute Entwickler brauchen ausserdem auch gute Fähigkeiten in nicht-technischen Bereichen. Softwareentwicklung ist keine Disziplin, die allein dasteht. Eine gute Zusammenarbeit mit Business- und Domänenspezialisten, User-Experience- Experten und Designern ist eine wichtige Voraussetzung für erfolgreiche und nachhaltige Software. Wie sollen sich Entwickler heute weiterbilden? Entwickler mit einem T-Profil sind heute wichtiger denn je. Entwickler brauchen ein breites Wissen, das sowohl technische wie nicht-technische Aspekte umfasst. Zusätzlich sind auch Spezialisierungen mit einem vertieften Know-how in speziellen Themen gefragt. Weiter ist es wichtig, dass Entwickler sich auch mit neuen Technologien und Trends befassen. Machine Learning ist beispielsweise ein Thema, dass die meisten Entwickler vielleicht noch vom Studium her kennen. In der Zukunft wird das Thema aber stark an Bedeutung gewinnen, und Entwickler müssen sich dafür fit machen. Was kommt nach Agile und Scrum? Ich glaube nicht, dass wir mit Agile und Scrum bereits durch sind. Agile Softwareentwicklung ist zwar bei vielen Softwarefirmen und Kunden etabliert. Das Potenzial der agilen Entwicklung wird aber in vielen Projekten und Firmen bei Weitem nicht ausgeschöpft. Damit sich agile Entwicklung wirklich ideal entfalten kann, muss es in ein entsprechendes Umfeld eingebettet sein, wo auch der Rest des Unternehmens «Agile» und «Lean» ist. Nur so können wir wirklich von den Vorteilen agiler Entwicklung profitieren. 05 / 2017 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Technology Aktuell 29 Jetzt testen auch die SBB selbstfahrende Shuttles cgr. Nach der Schweizerischen Post haben auch die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) einen Pilotversuch mit selbstfahrenden Shuttles lanciert. Wie die SBB mitteilen, soll der Versuch im Sommer dieses Jahres starten. Ausser den SBB sind noch Mobility Carsharing, Zugerland Verkehrsbetriebe (ZVB), die Stadt Zug und der Technologiecluster Zug am Projekt beteiligt. An einem Event enthüllten die Partner den Prototyp des Fahrzeugs. Ergänzung zu bestehendem ÖV-System Der Pilotversuch soll das bestehende ÖV-Angebot von Zug ergänzen, heisst es weiter. Gemäss Mitteilung werden «erstmals selbstfahrende Shuttles in ein bestehendes Verkehrs- und Mobilitätssystem integriert». Eingesetzt werden die Fahrzeuge des Herstellers Local Motors. Die Fahrzeuge würden aktuell in Berlin gebaut und getestet. In der ersten Projektphase fahren die Shuttles auf einer vorgegeben Stecke zwischen Bahnhof Zug und dem Technologiecluster Zug. Es gibt mehrere Zwischenhalte. In der zweiten Projektphase, die voraussichtlich 2018 startet, sollen Kunden «innerhalb eines begrenzten Gebiets beliebig zu- und aussteigen können», heisst es weiter. Pilotversuch endet 2018 Ende 2018 soll der Pilotversuch abgeschlossen werden. Im Anschluss wollen die Projektpartner entscheiden, ob und wie die selbstfahrenden Shuttles in das Zuger ÖV-System integriert werden könnten. Passanten testen den Prototyp des selbstfahrenden Shuttles. «Zug will sich zu einer Pionierstadt für neue Verkehrsformen auf Basis selbstfahrender, intelligenter Fahrzeuge entwickeln, um damit langfristig auch eine Verkehrsentlastung der Innenstadt zu bewirken», begründet die Stadt ihr Engagement bei diesem Projekt. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_29735 WWW.NETZWOCHE.CH Biowatch gewinnt Start-up-Wettbewerb jor. Das Start-up Biowatch aus Martigny hat am Mobile World Congress einen Live- Wettbewerb gewonnen. Das Unternehmen entwickelte einen Sensor, der unter eine Armbanduhr passt. Mit dem Gerät können Nutzer über NFC bezahlen, wie die Firma mitteilt. Zudem ermöglicht der Sensor eine Authentifizierung, die gemäss Biowatch das Muster von Venen erkennt und Menschen eindeutig identifiziert. ▸ Webcode DPF8_29003 Swatch Group präsentiert Mini-Chip gsa. Die Swatch-Gruppe hat ein neues Chipmodell vorgestellt. Gemeinsam mit dem Swiss Center for Electronics and Microtechnology entwickelte Swatch den nach eigenen Angaben kleinsten kommerziell verfügbaren Bluetooth-Chip. Ausserdem würde der Chip im Vergleich zu anderen am Markt erhältlichen Produkten am wenigsten Energie verbrauchen, teilt die Swatch-Gruppe mit. ▸ Webcode DPF8_29482 MÜLLERS KLEINES ABC D wie dümmster anzunehmender Nutzer Christopher Müller Inhaber und CEO von Die Ergonomen Usability AG. Theorie: Der dümmste anzunehmende Nutzer (DAN, Denglisch auch DAU für «dümmster anzunehmender User») steht in der IT für Menschen ohne jeden Sachverstand, die im Umgang mit Computern und deren Zubehör grobe Denk- und Anwendungsfehler machen. Realität: Als Schöpfung der datentechnischen Antike diente der Begriff von Anfang an der Verunglimpfung von unbelehrbaren Nutzern. Gleichzeitig markierte er aber auch einen Massstab für die Bedienbarkeit eines Systems – DAN-sicher sollten sie sein. Das nahmen die EDV-Verantwortlichen damals durchaus ernst. Schliesslich liess sich durch Drücken einer falschen Taste am Terminal in der Buchhaltung die ganze Datenverarbeitung einer Firma ins Nirwana schiessen – und das Tagwerk Dutzender Mitarbeiter gleich mit. Heute braucht es schon ziemlich viel Fachwissen und kriminelle Energie, dass einem so etwas noch gelingt. Die Teilsysteme sind gegeneinander abgeschottet, die Software läuft lokal oder in eigenen virtuellen Maschinen. Auch die Gerätschaften sind gemäss den Herstellern ja mit jeder Generation «noch intuitiver» in der Bedienung geworden. Hat der DAN als Referenzgrösse für die Bedienbarkeit also ausgedient? Ich meine: Nein! Die Informatiker haben ihn zwar etwas aus dem Blick verloren – er gefährdet ja ihre Kernsysteme kaum noch. Dafür tritt er jetzt an den Rändern der IT millionenfach auf, beim Gebrauch von Apps, Webshops und sozialen Medien etwa. Haben Sie schon einmal versucht, die Einstellungen zu Datensicherheit und Privatsphäre in Facebook anzupassen? Haben Sie je die AGB von Amazon gelesen und verstanden? Oder wollten Sie schon mal die Sicherheitseinstellungen ihres WLAN-Routers zuhause justieren? Dann wissen Sie, was ich meine: Die Welt ist voller DANs und Sie gehören auch dazu. Fazit: Denken Sie an die Heerscharen von dummen Nutzern da draussen, wenn Sie eine Software, ein Webangebot entwickeln. Geben Sie ihnen eine Stimme in Ihrem Projektteam! Die Welt wird es Ihnen danken und Ihr Business auch. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_31365 www.netzwoche.ch © netzmedien ag 05 / 2017

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