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Netzwoche 05/2020

30 Web Focus

30 Web Focus Weiterbildung in der Webentwicklung ist ein Muss Die Webentwicklung hat in den letzten Jahren rasante Fortschritte gemacht. In welche Aus- und Weiterbildungen Unternehmen und Mitarbeiter jetzt investieren müssen, um den Anschluss nicht zu verpassen und nachhaltig zu profitieren, soll im Folgenden aufgezeigt werden. DER AUTOR Mirko Eberlein Senior Developer bei der Webgate Consulting und Trainer für Webentwicklung und Java bei der Digicomp Academy Bild: kreatikar / Pixabay Den Artikel finden Sie online www.netzwoche.ch Fortbildung wird in vielen Unternehmen vernachlässigt. Allerdings wäre diese zwingend notwendig. Denn auch Mitarbeiter, die mit hervorragenden Kenntnissen in einer Firma gestartet sind, verpassen ohne regelmässige Weiterbildungen wichtige Entwicklungen. Sie lernen die neuen Funktionen und sprachlichen Mittel nicht kennen, die Unternehmen viel Zeit und Geld sparen könnten. Die Ursache liegt in der ständigen Weiterentwicklung der Webgrundlagen HTML, CSS und Javascript. Diese lösen oft aufwändig programmierte Brücken ab. Javascript zum Beispiel wurde seit 2015 jährlich aktualisiert. Nun können Unternehmen ihre Mitarbeiter selbstverständlich nicht in allen Themen permanent schulen. Allein die Liste von Javascript-Frameworks ist lang: Angular, Vue oder React, um nur einige zu nennen. Die meisten Unternehmen setzen in der Webentwicklung allerdings nur auf eines oder wenige Frameworks. Ein Webentwickler sollte deshalb vor allem die Grundlagen beherrschen und zusätzlich ein Experte für die in seinem Unternehmen verwendeten Frameworks sein. Das Verständnis für deren Einsatz und der Einstieg ist mit vorhandenem Grundlagenwissen zudem wesentlich einfacher und verständlicher. Mit einer Investition in die Grundlagenausbildung und Spezialisierung in die firmenspezifisch verwendeten Frameworks können beide, Mitarbeiter und Unternehmen, langfristig profitieren. Jede Weiterbildung startet bei den Grundlagen Ein weiterer Trend, den es im Auge zu behalten gilt, ist die Cloud. Denn die Webentwicklung kann durch die angebotenen Dienste von den verschiedenen Cloud-Anbietern enorm vereinfacht werden. Unternehmen, die in der Webentwicklung auf die Cloud setzen, sollten ihre Mitarbeiter deshalb ebenfalls in den Diensten des jeweiligen Cloud- Anbieters ausbilden. Mitarbeiter sollten mindestens über die Grundlagen der sogenannten Build-Prozesse Bescheid wissen. Immer wichtiger werden zudem Kenntnisse der Management-Tools, der Infrastruktur und der Prozesse (DevOps). Das heisst, Webentwicklungstrends hin oder her, auch in den kommenden Jahren wird jede Weiterbildung bei den Grundlagen starten und Kurs für Kurs zum Expertenwissen führen. Aber wie sehen Schulungen in der Zukunft aus? Für viele Firmen ist es schwierig, im täglichen Business auf Mitarbeiter für ein oder mehrere Tage zu verzichten. Zudem ist es oft nicht sinnvoll, das vollständige Wissen zu einem Framework, einem Cloud-Anbieter oder den Grundlagen in so kurzer Zeit zu vermitteln. Auch bietet die Technik mit immer mehr Bandbreite ganz neue Möglichkeiten. Kurse und Prüfungen können schon heute vollständig online abgehalten werden. Es ist also zu erwarten, dass sich zum bekannten Präsenz- und Frontalunterricht digitale Lernformen hinzugesellen werden. Ersetzen können sie den Frontalunterricht allerdings nicht. Der Vorteil eines Unterrichts bei einem Experten liegt weiterhin auf der Hand. Die Teilnehmenden können jederzeit Fragen stellen und profitieren von der Erfahrung des Experten. Universitäten und verschiedene Weiterbildungsanbieter setzen daher bereits vereinzelt auf Virtual Class Rooms. Dabei nehmen die Teilnehmer an einem Kurs oder einer Vorlesung über Video teil und können jederzeit Fragen stellen. Aber egal, welche Form gewählt wird, eins sollte bei all den Trends nicht vergessen werden: Weiterbildung in der Webentwicklung ist ein Muss! 05 / 2020 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Web Focus 31 « Gute User Experience ist ein Dauerbrenner » Neue Möglichkeiten bei der Webentwicklung, die Bedeutung von User Expericence und die verschwimmenden Grenzen zwischen Websites und Apps. Über die Veränderungen in der Branche und die Relevanz von UX Architects spricht Sibylle Peuker, Partner & User Experience Architect bei Zeix, im Interview. Interview: Sven Martens Wie haben sich Anforderungen an Webprojekte in den letzten Jahren verändert? Sibylle Peuker: Webprojekte sind deutlich komplexer geworden. Man kann immer mehr direkt online erledigen, die Interfaces bieten immer neue Möglichkeiten. Auftraggeber und Nutzer halten inzwischen vieles für selbstverständlich, zum Beispiel, dass Websites responsiv sind, also optimiert auf die Grösse des Bildschirms angezeigt werden. Auch eine gute User Experience gilt als Selbstverständlichkeit, obwohl sie in einer komplexen Gerätelandschaft immer schwieriger herzustellen ist. Mit der Sprachein- und -ausgabe kommt gleich noch eine anspruchsvolle Interaktionsform dazu. Dafür wird der Unter schied zwischen Websites und Apps immer geringer. Vieles, was früher nur in einer nativen App möglich war, läuft jetzt bereits im Browser. Was bedeutet das konkret? Ein Beispiel dafür ist der Zugriff auf Ortsdaten oder auf den Bewegungssensor. Auch wandern viele Funktionalitäten vom Server zum Client. Was früher im Back-End programmiert werden musste, findet heute oft im Front-End statt. Positiv ist, dass Auftraggeber viel mehr bei Konzept und Design mitarbeiten, weil die User Experience als strategisch wichtig erkannt wird. Es gibt zum Beispiel viel mehr Workshops. So kann das Wissen, das in der Firma bereits vorhanden ist, viel besser in das Projekt einfliessen. Andererseits haben wir die Erfahrung gemacht, dass kleine, gut durchmischte und entscheidungsbefugte Projektteams die beste User Experience hervorbringen. Woran arbeiten Sie derzeit? Gute User Experience ist ein Dauerbrenner. Nur die Interfaces beziehungsweise die Geräte ändern sich. In jedem Projekt lassen wir uns dazu auf die Menschen ein, die das Produkt nutzen, auf die Aufgabe, die es erfüllen soll und den Kontext, in dem es benutzt wird. Das ist immer wieder spannend, und es gibt auch nach 20 Jahren noch keinen Algorithmus, der das macht. So hat der Computer als Verbindungsglied zwischen Mensch und Informatik (fast) ausgedient. Heute haben wir eine allgegenwärtige Digitalisierung: entsprechend befassen wir uns mit mehr diversen Geräten – etwa Smart Speaker, Chatservices, Terminals, AR-Devices – beziehungsweise der Umwelt der Nutzer und mit den Algorithmen, die aus Big Data Gold machen sollen, sprich: «künstliche Intelligenz». Der wesentliche Anspruch an die UX ist heute, dass wir die Digitalisierung so betreiben, dass am Ende etwas herauskommt, was tatsächlich unser Leben als Technologieanwender besser macht und wir die negativen Konsequenzen in den Griff bekommen. Denn einfach automatisieren ist nicht immer besser, oft nicht mal billiger. Diese Denkweise hat sich in den letzten Jahren zum Meta trend «Digital Ethics» entwickelt mit vielen Subtrends, wie Inclusive Design, Truth Design, Future Design. Was sind 2020 die Herausforderungen in Webprojekten? Der Fokus auf das «Welt-Design». Wir müssen lernen, stärker zu hinterfragen, wie wir die digitalisierte Welt gerne hätten, anstatt uns nur auf neue Tools und Technologien zu konzentrieren. Konkret gehört dazu etwa, die beschriebene steigende Komplexität zu managen, insbesondere, weil sie nicht immer mit einer Erhöhung des Budgets einhergeht. Ausserdem geht es darum, die Privacy zu wahren. In vielen Projekten werden immer mehr Kundendaten gesammelt. Da haben wir als UX Architects einerseits die Aufgabe, zu hinterfragen, wozu diese Daten überhaupt gesammelt werden, und müssen dies dann dem Nutzer verständlich machen. Andererseits müssen die Entwickler sicherstellen, dass die Daten dann auch sicher gespeichert werden. « Wir befassen uns mit der Umwelt der User und mit Algorithmen, die aus Big Data Gold machen sollen, sprich: ‹künstliche Intelligenz›. » Sibylle Peuker, Partner & User Experience Architect, Zeix Das vollständige Interview finden Sie online www.netzwoche.ch www.netzwoche.ch © netzmedien ag 05 / 2020

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