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Netzwoche 06/2017

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10 Business Aktuell

10 Business Aktuell ICT-Tag beim Bundesrat Am 22. März hat sich der Bundesrat einen ganzen Tag lang mit ICT-Themen auseinandergesetzt. Ausser um strategische Fragen ging es auch um die konkreten Umsetzungen von Sachthemen. Die wichtigsten Beschlüsse im Überblick. Autor: Christoph Grau Der Schweizer Bundesrat in der aktuellen Zusammensetzung. Die Agenda der Bundesratssitzung vom 22. März war voll mit Traktanden zu ICT-Themen. Der Rat beschäftigte sich unter anderem mit der neuen Strategie der Bundes-IT, mit Open Source, der Datenpolitik, dem elektronischen Patientendossier und den neuen Arbeitsformen in der Bundesverwaltung, wie es in entsprechenden Mitteilungen hiess. Fünf Schlüsselprojekte benannt Der Rat nahm in der Sitzung den strategischen ICT-Controllingbericht zur Kenntnis. Der Bericht dokumentiert die Umsetzung der ICT-Strategie 2016-2019, die der Bundesrat am 4. Dezember 2015 verabschiedet hatte. Gemäss Mitteilung machte die Bundesinformatik im vergangenen Jahr messbare Fortschritte. Der Bundesrat legte gleichzeitig folgende fünf neuen ICT-Schlüsselprojekte fest: ·· Projekt des ISC-EJPD (EJPD) zur Migration und zum Umzug ins Rechenzentrum «CAMPUS» ·· Projekt Voice-System der Armee in der Gruppe V (VBS) ·· Programm ERP-Systeme V/ar unter Federführung der Gruppe Verteidigung (VBS) ·· Projekt des BIT (EFD) zur Migration und zum Umzug ins Rechenzentrum «CAMPUS» ·· Projekt ASALfutur (Auszahlung von Leistungen der Arbeitslosenversicherung) im Seco (WBF) Neue Datenpolitik einführen Der Bundesrat will die Schweiz als Standort für eine Wertschöpfung von Daten positionieren. Um dies zu erreichen, will die Schweizer Regierung Rechtsgrundlagen für den Umgang mit Daten schaffen. Zu diesem Zweck definierte der Bundesrat übergeordnete Ziele und beauftragte die Bundesverwaltung, erste Eckwerte einer Datenpolitik zu entwerfen. Laut Bundesrat sind Daten der Rohstoff einer digitalen Wirtschaft und Gesellschaft. Geeignete Datenbestände sollen deshalb für eine Wiederverwendung zur Verfügung stehen, heisst es in einer Mitteilung. Der Bundesrat definierte folgende drei Ziele: ·· Förderung der Standortattraktivität für die Wertschöpfung durch Daten in der Schweiz; ·· Schaffung von modernen Rechtsgrundlagen für den Umgang mit Daten; ·· Öffnung von Datenbeständen als Rohstoff für die digitale Gesellschaft und Wirtschaft. ·· Elektronisches Patientendossier startet Der Bundesrat verabschiedete in der Sitzung auch die Verordnungen zum Bundesgesetz über das elektronische Patientendossier (EPD). Das Gesetz tritt damit am 15. April dieses Jahres in Kraft, wie der Bundesrat mitteilte. Demnach haben Spitäler ab diesem Zeitpunkt noch genau drei Jahre Zeit, um das elektronische Patientendossier einzuführen. Pflegeheime und Geburtshäuser erhalten zwei Jahre mehr Zeit. Der Bundesrat geht davon aus, dass bereits in der zweiten Jahreshälfte 2018 die ersten Patienten ihr E-Patientendossier eröffnen können. Open-Source-Strategie prüfen Seit dem 15. März 2005 gibt es die Open-Source-Software- Strategie (OSS) der Bundesverwaltung. In der Sitzung setzte sich der Bundesrat mit zwei Postulaten von SP-Nationalrätin Edith Graf-Litscher («Open Source in der Bundesverwaltung. Standortbestimmung und Ausblick») und Grüne- Nationalrat Balthasar Glättli («Wie kann die Freigabe von Open-Source-Software durch die Bundesverwaltung explizit erlaubt werden?») aus dem Jahr 2014 zur OSS auseinander. Der Rat zeigte sich mit der bisherigen Umsetzung der OSS zufrieden. Jedoch beauftragte er das Finanzdepartement sowie das Justiz- und Polizeidepartement, die offenen Rechtsfragen gemeinsam abzuklären. Zuletzt beschloss der Bundesrat noch den Beitritt zur «Work Smart Initiative», vormals «Home Office Day». Damit verpflichtet sich die Bundesverwaltung, attraktive Rahmenbedingungen für mobile und flexible Arbeitsformen zu schaffen. Artikel online auf www.netzwoche.ch Webcodes DPF8_32758, DPF8_32687, DPF8_32568, DPF8_32573, DPF8_32505 06 / 2017 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Business Porträt 11 «Forscher sollten nicht in die Cloud» Philipp Stebler hat einen weiten Spagat gemacht, um dort zu landen, wo er heute ist. Am Anfang belächelte man ihn in der Branche. Heute ist er etabliert und sucht händeringend nach versierten Mitarbeitern. Autor: David Klier Als Philipp Steblers Berufsleben beginnt, ist er weit davon entfernt, jemals auch nur in die Nähe einer Firewall zu kommen. Er lernt Maschinenmechaniker. Sein Traumberuf. Das denkt er zumindest, bis er merkt, was ein Maschinenmechaniker genau macht. Er steht an der Drehbank und an der Fräsmaschine. Er arbeitet allein, muss jeden Tag ein Überkleid anziehen und kommt ständig mit dem Kühlmittel der Maschinen in Kontakt. «Das fand ich nicht so lässig», sagt Stebler. Mit 21 lässt Stebler Kühlmittel, Fräse und Drehbank hinter sich. Er kennt jemanden, der Kopiergeräte verkauft. Der sucht einen Handwerker, einen Techniker für den Aussendienst. Marktstart von Windows 3.1 öffnet Stebler die Augen Ein paar Jahre später wechselt Stebler von den Kopierern zu den Telefaxgeräten. Einige Kollegen Steblers gehen damals an die Technikerschule für Informatik, die KTSI in Pratteln. Microsoft bringt Windows 3.1 auf den Markt. Faxe kann man plötzlich auch von einem PC aus verschicken. «Ich hatte das Gefühl, jetzt wird die Welt erschlossen.» Stebler folgt seinen Kollegen an die KTSI. Von diesem Zeitpunkt an gibt es für Stebler kein Zurück. Er ist der geborene Verkäufer und kann sich nichts anderes mehr vorstellen. Wegen der Menschen, wie er sagt. Stebler entdeckt das Thema Sicherheit für sich. Der Gedanke, ein Verbrechen rein auf elektronischem Wege verhindern zu können, fasziniert ihn. Damals, vor 20 Jahren, habe aber praktisch noch niemand daran gedacht. «Ein PC ohne Antivirus war okay», sagt Stebler. Die Faszination für IT-Sicherheit treibt Stebler in die Arme von Integralis, heute NTT Com Security. Doch dort fühlt er sich nicht wohl. 2002 gründet er deshalb gemeinsam mit Kilian Zantop eine eigene Firma. Eine Schweizer Firma für Schweizer Kunden, wie Stebler sagt. Sie steigen damals in einen Markt ein, der heute noch überschaubar ist. Jeder kenne jeden, sagt Stebler. Es sei wie bei einem Tennisspiel, ein Wettkampf. Irgendeiner gewinne am Ende. Dann gebe man sich die Hand und gehe vom Platz. Meistens. «Es gibt einige wenige, die versuchen, in der Pause das Racket zu zerstören», sagt Stebler. Steblers Racket ist noch in Ordnung, er kann weiterspielen. Das verdanke er vor allem auch seinem Technikchef Marco Bosshard. Gemeinsam spielen sie die grossen Spiele. Ihre Kunden haben mindestens 500 Mitarbeiter. Er selbst beschäftigt 23. Das seien eigentlich zu wenige. Aber Stebler findet nicht die passenden Leute. Einer der Gründe liege in der IT-Sicherheit selbst. Die funktioniere heute anders als noch vor 15 Jahren. Früher habe man eine Burg errichtet, einen Burggraben darum herum gezogen und den Eingang mit einer Zugbrücke gesichert. Die Zugbrücke kontrollierte den Zugang. «Inzwischen ist jede Schiessscharte in der Mauer ein Angriffsvektor.» Die Cloud eignet sich für kleine und mittlere Unternehmen Kleine und mittlere Unternehmen sollten sich nach Steblers Ansicht darüber aber gar nicht so viele Gedanken machen. «Die sollen in der Cloud arbeiten», sagt er. Man müsse natürlich unterscheiden zwischen einem 30-Mitarbeiter-Unternehmen, das hochkomplexe Forschungsarbeit betreibe, und etwa einer Schreinerei. Die Forscher sollten nicht in die Cloud, die Schreiner schon. «Viele Leute haben noch nicht verstanden, dass es nicht nur darum geht, Daten vor Diebstahl, sondern auch vor Zerstörung zu schützen.» Stebler erinnert sich an einen Fall in der Innerschweiz. Dort sei in ein Architekturbüro eingebrochen worden. Die Hintergründe kennt Stebler nicht. Die Einbrecher hätten aber auf jeden Fall sämtliche Computer der Firma mitgehen lassen. Die Architekten hatten kein externes Back-up. Sie verloren sämtliche Kundendaten und mussten ihre Firma schliessen. «Hätten sie alle Daten in der Cloud gehabt, hätten sie vielleicht nach drei, vier Tagen neue PCs eingerichtet und weiterarbeiten können», sagt Stebler. «Das ist gerade bei kleinen Firmen noch nicht ganz angekommen.» Stebler selbst bietet mit seiner Firma keine Cloud-Dienste an. Er könne eigentlich sofort starten, die Maschinen stünden beim Partner Improware in Pratteln bereit. «Aber es wartet niemand darauf, dass Exexure eine Cloud mit irgendeinem Service aufschaltet», sagt er. Es nütze ihm nichts, mit einer Swisscom mit Cloud-Diensten zu konkurrieren. « Kleine und mittlere Firmen sollen in der Cloud arbeiten. » Philipp Stebler, Gründer und Geschäftsführer, Execure Artikel online auf www.netzwoche.ch Webcode DPF8_33138 www.netzwoche.ch © netzmedien ag 06 / 2017

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