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Netzwoche 06/2018

12 Business Event

12 Business Event Goldgräberstimmung in der Kryptowelt Investoren, Blockchain-Entwickler und Start-up-Gründer haben sich zum Crypto Summit getroffen. Sie versprechen, mit der Technologie die Welt zu verändern. Die Schweiz sucht derweil nach Wegen, mit der neuen Branche umzugehen. Autor: Oliver Schneider Blockchain, Kryptowährungen und Initial Coin Offerings (ICOs) haben im vergangenen Jahr die IT-Welt bewegt. Start-ups, etablierte Firmen und Propheten versprachen, mit der dezentralen Buchführung ganze Branchen umzuwälzen. Doch spätestens mit den Kursschwankungen des Bitcoins, den mit ICOs verdienten Millionen und den staatlichen Reaktionen darauf tauchten viele Fragen auf. Antworten versuchte der Crypto Summit 2018 zu geben. Zum Auftakt stand die Frage nach dem Nutzen der Blockchain für die Gesellschaft im Zentrum. Die Technologie ermögliche eine nie dagewesene Demokratisierung des Kapitals, sagte Olga Feldmeier, CEO des Veranstalters Smart Valor, beim Begrüssungs-Panel. Durch Blockchain-Plattformen könne künftig jeder Mensch auf der Welt überall investieren – ohne Banken, Wartezeiten oder Grenzen. Skeptischer war in diesem Punkt Alex Tapscott, Mitbegründer des Blockchain Research Institute. Die Blockchain sei eine Evolution des Internets, da sie nicht nur Informationen, sondern auch Güter weltweit zugänglich mache. Wie jede Technologie sei aber auch Blockchain nur ein Werkzeug, das sich «für gute oder böse Zwecke» verwenden lasse. Verschiedene Firmen stellten am Crypto Summit Geschäftsideen vor und warben um Investoren. Viel Aufmerksamkeit erhielt Evgeni Borisov, CEO von Vimana. Das Unternehmen will dereinst Drohnen auf den Markt bringen, die Güter und Menschen durch die Städte dieser Welt fliegen sollen. Die Blockchain gewährleistet hierbei laut Borisov sowohl die Transaktionen wie auch die Sicherheit und die Koordination der Flugzeuge. An Bord seien Partner wie die NASA sowie Städte wie Dubai und Singapur, sagte der Russe, der sich vom Moderator zum «Elon Musk der Luftfahrt» ausrufen liess. Lob und Tadel für die Schweiz Der Crypto Summit bot auch Gelegenheit, um über die Schweiz als «Crypto Nation» zu diskutieren. Warum sich die Branche gerade im Raum Zug ansiedle, dazu gab es an einem Panel verschiedene Ansichten. Das dezentrale Konzept hinter der Blockchain und der Fokus auf das Vertrauen zwischen den Menschen passe gut zur Schweiz, sagte etwa FDP-Ständerat Ruedi Noser. Günther Dobrauz von PWC wies auf die hohe Technologie-Kompetenz, die Startup-freundliche Regulierung und die Offenheit gegenüber Innovationen hin. Klar sei aber auch, dass sich die Schweiz nicht auf dem Status quo ausruhen dürfe. Um zum «nächsten Silicon Valley» zu werden, wie Nicolas Burer von Digitalswitzerland sagte, müssen Blockchain-Talente in die Schweiz gelockt werden. Noser merkte an, man müsse sich nach Jahren der Abschottungspolitik nicht wundern, wenn jetzt die IT-Fachleute fehlten. «Die Schweiz hat hier einige sehr dumme Dinge gemacht», sagte er an die Adresse der SVP-Wähler. Umso wichtiger sei es nun, mit klaren Richtlinien Rechtssicherheit zu schaffen und für die Bedürfnisse der Blockchain-Branche zu werben, sagte Jörg Gasser, Staatssekretär für internationale Finanzfragen im Eidgenössischen Finanzdepartement. Niklas Nikolajsen, Chef von Bitcoin Suisse, schilderte seine Reise ins Crypto Valley. In Dänemark geboren, sei er in die Schweiz gekommen, da er hier ein attraktives Umfeld für die Kryptobranche erwartete. Seine Zeit als Software entwickler bei Credit Suisse habe ihn allerdings eines Besseren belehrt. Er habe der Bank mehrmals den Aufbau einer Bitcoin-Sparte vorgeschlagen, sei mit dem Anliegen aber nicht durchgedrungen. Er habe sich deshalb dazu entschlossen, mit Gleichgesinnten aus der CS eine eigene Firma zu gründen, sagte Nikolajsen. Der Anfang in einem kleinen Büro in Zug sei schwer gewesen. Dazu seien viel Skepsis und der Crash des Bitcoins nach dem Zusammenbruch der Kryptobörse Mt. Gox im Jahr 2014 gekommen. «Aber wir haben überlebt», sagte Nikolajsen, ohne seinen Stolz zu verhehlen. Mit dem Kursanstieg des Bitcoin in der vergangenen Jahren habe Bitcoin Suisse den Durchbruch geschafft. Aus der kleinen Kryptofamilie sei eine Firma mit 53 Angestellten, einem Finma- Zertifikat und Anerkennung in der Finanzwelt geworden. «Die Blockchain ist vielleicht die Wiedergeburt des Finanzplatzes Schweiz», sagte Nikolajsen. Artikel online auf www.netzwoche.ch Webcode DPF8_86503 Olga Feldmeier (Smart Valor) im Gespräch mit Günther Dobrauz (PWC), Nicolas Burer (Digitalswitzerland), Ruedi Noser (Ständerat) und Jörg Gasser (EFD) (v.l.). 06 / 2018 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Business EU-Datenschutz-Grundverordnung 13 « Wir stehen allen mit Rat und Tat zur Seite » Die Datenschutz-Grundverordnung der Europäischen Union ist nicht nur für Unternehmen relevant. Auch die Datenschutzbehörden müssen sich auf die neuen Regeln einstellen. Adrian Lobsiger, oberster Datenschützer der Schweiz, spricht über die Auswirkungen der EU-DSGVO auf seine Arbeit und zeigt, wo die grössten Herausforderungen liegen. Interview: Simon Mathis Welche konkreten Auswirkungen wird die EU-DSGVO ab dem 25. Mai auf Ihre Arbeit als EDÖB haben? Adrian Lobsiger: Ab diesem Datum können die Einwohner der Schweiz gegenüber Bearbeitungsverantwortlichen in den EU-Staaten die verstärkten Schutzrechte der DSGVO geltend machen. Ausserdem gilt die DSGVO für Schweizer Unternehmen, die im Zusammenhang mit ihren Dienstleistungen Daten von Personen in der EU bearbeiten. Ihnen allen stehen wir mit Rat und Tat zur Seite und stellen eine umfassende Wegleitung mit weiterführenden Links auf unserer Website zur Verfügung. « Meine Behörde wird Verfehlungen konsequent zur Anzeige bringen. » Adrian Lobsiger, Eidgenössischer Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragter Inwiefern wirken sich die neuen Datenschutzregeln schon jetzt auf Ihre Arbeit aus? Die DSGVO stellt dem betrieblichen und behördlichen Datenschutz eine Reihe von nützlichen Arbeitsinstrumenten zur Verfügung. So etwa die Risiko-Folgenabschätzung oder die Meldung und Dokumentation von Verletzungen von Schutzrechten. Diese Instrumente haben sich in der Praxis der Digitalisierung herausgebildet und sind deshalb schon heute Bestandteil unserer Beratungs- und Aufsichtstätigkeit. Welche Herausforderungen warten auf die Behörden? Die auch in der Schweiz anwendbare DSGVO tritt im Mai in Kraft, während das Parlament mit der Revision des Bundesgesetzes über den Datenschutz, kurz DSG, aus dem Jahr 1993 noch am Anfang steht. Gleichzeitig sind die mit zusätzlichen Mitteln und Kompetenzen ausgestatteten Datenschutzbehörden in der EU daran, ihre Zusammenarbeit zu bündeln. Das stellt die Datenschutzbehörden des Bundes und der Kantone vor die Herausforderung, in dieser schwierigen Übergangszeit mit vergleichsweise bescheidenen Befugnissen und Ressourcen eine Aufsichtspräsenz zu entfalten, die im In- und Ausland als glaubwürdig und proaktiv wahrnehmbar ist. Wie wirkt sich die EU-DSVGO auf die Ausarbeitung des schweizerischen Datenschutzgesetzes aus? Mit Abschluss der Revision des DSG wird der Weg für die Schweiz und die EU frei, ihre Datenschutzgesetzgebungen gegenseitig als gleichwertig anzuerkennen. Für die Schweiz ist dies als Rechtsstaat und Wirtschaftsstandort zentral. Unternehmen müssen künftig Datenschutzverletzungen melden. Wie können Datenschützer diese Meldepflicht überwachen? Entsprechende Vorfälle müssen nach der DSGVO in der Regel innert 72 Stunden ab Entdeckung gemeldet und dokumentiert werden. Spekuliert ein Unternehmen darauf, dass nicht gemeldete Verletzungen unentdeckt bleiben, riskiert es massive Reputationsschäden und Sanktionen. Vorsätzliche Verletzungen der Meldepflicht werden auch nach dem revidierten DSG verschärfte Sanktionen nach sich ziehen. Meine Behörde wird solche Verfehlungen konsequent zur Anzeige bringen. Welche Branchen sind besonders betroffen? Betroffen sind Unternehmen aller Branchen, die grosse Mengen von Personendaten durch automatisierte Verfahren profilbildend analysieren. Die DSGVO ist sowohl auf Grosskonzerne als auch auf mittlere oder kleine Betriebe anwendbar. Das viel zitierte Beispiel von Hotels, die zur Bearbeitung ihrer Kundendaten teure Beratungsdienstleistungen einkaufen müssen, scheint mir übertrieben. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_86149 i INFO Die neue Datenschutzverordnung der EU Ab dem 25. Mai 2018 gelten in der Europäischen Union neue Datenschutzbestimmungen (EU-DSGVO/GDPR). Diese Regeln betreffen auch Unternehmen ausserhalb der EU, wenn sie Daten von in der EU ansässigen Personen bearbeiten. Die «Netzwoche» widmet dem Thema eine Artikelserie. Weitere Informationen finden Sie in einem Dossier auf unserer Website. Dossier online auf www.netzwoche.ch/eu-dsgvo Grafik: ibrandify / Freepik.com; makyzz / Freepik.com www.netzwoche.ch © netzmedien ag 06 / 2018

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