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Netzwoche 06/2018

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16 Business Event « Digitalisierung ist keine Transformation, sondern eine Evolution » Am 14. März hat der fünfte Cloud Use Cases Day der FHNW in Zusammenarbeit mit Swiss-ICT stattgefunden. Warum der Begriff «digitale Transformation» eigentlich falsch ist, warum viele nicht wissen, was Digitalisierung wirklich bedeutet, und wie die IT-Organisationen der Zukunft aussehen werden, erklärten die Referenten in Olten. Autor: Coen Kaat «Der Begriff digitale Transformation ist falsch. Eigentlich handelt es sich um eine digitale Evolution.» René Büst, Director of Technology Research bei Arago, blickte auf ein leicht verdutztes Publikum, hinter ihm an die Wand projiziert ein dichter Zeitstrahl. «Wir sind schon seit 50 Jahren digital: Ohne das Arpanet würde das Internet nicht existieren. Ohne das Internet würden Amazon, Google und Co. nicht existieren. Und ohne diese Unternehmen würde heute die Cloud nicht funktionieren», erklärt er. Damit war die Brücke zum Thema der Veranstaltung geschlagen: die Cloud. In Olten fand am 14. März zum fünften Mal der Cloud Use Cases Day statt. Der alljährliche Anlass der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) will Cloud-Experten aus der Praxis und Wissenschaftler miteinander vernetzen. Die FHNW veranstaltet den Event in Zusammenarbeit mit dem Fachverband Swiss-ICT. René Büst, Director of Technology Research bei Arago. Ein Mixer, eine Cloud, eine Plattform Rene Büst, einer der Referenten, zeigte anhand der Küchenmaschine Thermomix des deutschen Herstellers Vorwerk exemplarisch auf, wie sich die Cloud auf das Business auswirken kann. Die Modellreihe sei seit den frühen 1970er-Jahren auf dem Markt. Mit jeder Iteration sei sie digitaler geworden, so Büst. Mit der aktuellen Generation habe der Thermomix- Nutzer Zugriff auf einen Online-Rezeptkatalog. Der Nutzer müsse nur noch eines heraussuchen und mit dem Mixer synchronisieren. Über eine Partnerschaft mit Rewe könnten die Zutaten auch gleich bestellt werden. «So kann jeder Idiot – ich schliesse mich selbst mit ein – ein leckeres Gericht kochen», sagte Büst. «Stellen Sie sich einen intelligenten Thermomixer vor, der mit dem Kühlschrank verbunden ist und dem Nutzer Vorschläge macht, was er mit seinem Vorrat zubereiten könnte. Oder ein nicht so netter Thermomixer, der die Ernährung des Nutzers analysiert und ihm rät, dass er bei dem Essverhalten vielleicht auf das Tiramisu verzichten sollte.» Viele wissen nicht, was Digitalisierung ist Die Digitalisierung hat jedoch einen Haken, wie der Keynote von Jens-Uwe Meyer, CEO von Innolytics, zu entnehmen war. «Viele wissen gar nicht, was Digitalisierung eigentlich ist», sagte er. Statt wahrhaftig zu digitalisieren würden viele Unternehmen schlicht ihre analogen Produkte und Prozesse digital eins zu eins übersetzen. «Ein E-Book zum Beispiel ist kein digitales Produkt.» Lediglich eine digitale Kopie eines gebunden Buches. «Wir müssen beginnen, die Digitalisierung digital zu denken», sagte Meyer. Unternehmen müssten auf Reset drücken und ihre Geschäftsmodelle radikal neu denken. «Was ist der wirkliche Nutzen meiner Produkte und Dienstleistungen? Was ist nur das Nebenprodukt, das meine Kunden widerwillig mitkaufen?» Daher sei eine Skype-Konsultation beim Arzt auch keine effiziente Digitalisierung. «Jedes Auto ist heute deutlich besser diagnostiziert als die Fahrer selbst», sagte Meyer. Denn während Autos voller Sensoren steckten, habe der Mensch keine – zumindest noch nicht. «Überlegen Sie mal, wie viele Körperdaten Ärzte zukünftig aus Ihnen herauslesen und was sie daraus ablesen könnten», regte Meyer die Fantasie der Zuhörer an. «Wenn Sie dann an die heutigen Ärzte zurückdenken, wird Ihnen der Besuch beim Arzt altmodisch vorkommen.» Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_84781 « Wir müssen beginnen, die Digitalisierung digital zu denken. » Jens-Uwe Meyer, CEO, Innolytics 06 / 2018 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Business Nachgefragt 17 Wie die Cebit zu alter Stärke zurückfinden will In den letzten Jahren hat die Cebit eine Konzentration auf das B2B-Geschäft vollzogen. In diesem Jahr wird noch einmal sehr vieles anders. Erstmals findet die Messe im Frühsommer statt. Was es sonst noch Neues gibt, darüber berichtet Marius Felzmann, Senior Vice President der Cebit. Autor: Christoph Grau Als Marius Felzmann, Senior Vice President Cebit, im Jahr 2006 zur Deutschen Messe gekommen ist, verzeichnete die Cebit jedes Jahr bis zu einer halbe Million Besucher. Seit 2009 ist die Zahl stark rückläufig. In den letzten Jahren kamen jeweils rund 200 000 Besucher nach Hannover. Seit 2014 positioniert sich die Messe als reine B2B-Veranstaltung. In diesem Jahr will sich die Messe nun neu erfinden. Nicht nur der traditionelle Termin im Frühling wurde verschoben. Erstmals findet die Messe im Frühsommer, vom 11. bis zum 15. Juni, statt. Welche weiteren Neuerungen es geben wird, darüber sprach Felzmann bei einem Redaktionsbesuch. Die Cebit werde viel mehr sein als eine reine IT- oder Computer-Messe, betonte Felzmann gleich zu Beginn. Die Digitalisierung erfordere mehr Interaktion und Diskussion, worauf der Veranstalter nun mit einem neuen Konzept reagiere. aufwarten werde, in dem in jeder Gondel konkrete Anwendungsbeispiele von digitaler Transformation präsentiert würden. Für das neue Konzept war laut Felzmann die Verschiebung der Cebit in den Frühsommer nötig, um die Nutzung des Freigeländes zu ermöglichen. Zwar sei die Ausstellungfläche für die Cebit nicht das entscheidende Kriterium, betonte Felzmann. Doch in diesem Jahr komme die Aussenfläche hinzu, somit werde die Cebit 2018 zumindest flächenmässig deutlich grösser als 2017. Auf die einzelnen Tage verteilen sich Schwerpunktthemen, wie Felzmann erklärte. Der Montag werde zum «Takeoff Monday» mit einem Konferenzprogramm, und der Freitag zum «Digital Friday». Damit will die Cebit auch speziellere Zielgruppen ansprechen, etwa mit Veranstaltungen für E-Sports und Drohnen. Bis auf den Namen und den Ort habe sich praktisch alles geändert, betonte Felzmann. Eine Prognose für die Besucherzahl will er daher nicht abgeben. Fast alles anders Künftig hat die Cebit vier Schwerpunkte. Altbekannt ist die «d!conomy», was für digitale Ökonomie steht. Schon in den Vorjahren beschrieb «d!conomy» das Topthema der Cebit. Hinzu kommen noch die «d!tec», der «d!talk» und das Business-Festival «d!campus». Die «d!tec» konzentriert sich auf neue und disruptive Technologien, wie Felzmann sagt. Neue Technologien, neue Geschäftsmodelle und Forschungsergebnisse internationaler Institute würden dort präsentiert. Mit «d!talk» werde das bisherige Konferenzprogramm deutlich ausgebaut. Die Konferenzen seien nun schon im Ticketpreis inbegriffen. Auch werde es in diesem Jahr nicht nur eine grosse, sondern zehn verschiedene Bühnen geben. Hinzu kämen noch Workshops, die für mehr Interaktion und Verweildauer sorgen sollen, erklärte Felzmann. Das Herz des neuen Konzepts sei der «d!campus». Ausser in den traditionellen Messehallen werde die neu Cebit auch im Aussenbereich zwischen den Hallen stattfinden. Am Tag fungiere dieser Ort als Treffpunkt. Am Abend werde es dort Veranstaltungen und Konzerte mit Livemusik geben. Während die Hallen um 19 Uhr schlössen, bleibe der «d!campus» bis 23 Uhr geöffnet. Zudem kündigte Felzmann an, dass SAP mit einem 60 Meter hohen Riesenrad Stände-Konzept gehört der Vergangenheit an Der Stand der Deutschen Telekom war immer einer der grössten an der Cebit. In diesem Jahr wird der Telko nicht mehr mit einem eigenen Stand vertreten sein, wie er ankündigte. Felzmann bedauert den Abgang. Die Telekom werde in einer anderen Form weiter an der Cebit vertreten sein, betonte er. Die Cebit habe das bisherige Stände-Konzept aufgelockert. Stände spielten nicht mehr eine so zentrale Rolle. Durch die Abkehr von starren Beteiligungsmodellen sollen Konzepte und Themen stärker in den Fokus rücken. Dieser Schritt sei von den Ausstellern begrüsst worden, sagte Felzmann. Die Cebit wolle vor allem den Dialog erweitern und die Menschen mehr in den Fokus rücken. Das Business soll Spass machen und neue Formen des Dialogs sollen ausprobiert werden, sagte Felzmann. Hierfür sollen auch Start-ups die Cebit stärker prägen als bisher. Auf die schiere Grösse wie in den frühen 2000er-Jahren komme es daher nicht mehr an, ergänzte Felzmann. Artikel online auf www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_86755 Marius Felzmann, Senior Vice President Cebit. www.netzwoche.ch © netzmedien ag

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