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Netzwoche 06/2018

46 DOSSIER KOMPAKT Mixed

46 DOSSIER KOMPAKT Mixed Reality In Kooperation mit Ergon Informatik Mixed Reality: Firmen sind auf Partnersuche Das Potenzial von Augmented und Mixed Reality ist erkannt. Eine der grössten Herausforderungen für Firmen ist es nun, schnell genug Fachkompetenzen aufzubauen, um in diesem sich exponentiell schnell entwickelnden Bereich liefern und skalieren zu können. DER AUTOR Robert Adelmann Head of Mixed Reality und User Experience bei Ergon Informatik und Dozent Mixed Reality an der HSR und HSLU Die Visualisierung von Produkten im Kontext. Vor einem Jahr hat die «Netzwoche» über das Potenzial von Augmented Reality (AR) berichtet und wie diese und verwandte Technologien gerade nun an Relevanz in der Praxis gewinnen (Netzwoche-Ausgabe 15: «Virtual Reality in der Schweiz – eine Momentaufnahme»). Es ist nicht beim Potenzial geblieben, sondern die Nachfrage aus der Industrie hat bei IT-Dienstleistern in den letzten Monaten rasant zugenommen. Firmen gehen auf Partnersuche – nicht nur für die Umsetzung von Prototypen, sondern für echte Anwendungen. Von Prototypen zu praxisrelevanten Use Cases Vor allem relevant ist aktuell das Thema Mobile Augmented Reality mit Smartphones und Tablets. Im Vergleich zu Head-Mounted- Displays wie beispielsweise der Hololens sind diese Geräte bereits heute sehr weit verbreitet. Dabei sind insbesondere die folgenden beiden Einsatzbereiche reif für die Praxis und nachgefragt: ·· Die Visualisierung von Produkten im Kontext. Ein Beispiel hierfür ist das Innovationsprojekt des Händlers OPO Oeschger (siehe Bild). Die Anwendung ermöglicht es, Artikel wie zum Beispiel Türdrücker direkt in der echten Welt zu betrachten – und bei Gefallen auch direkt zu bestellen. Dies reduziert sowohl das Risiko auf Endkunden-Seite als auch die Kosten auf Händlerseite, da weniger Teile zurückgesendet werden. Dabei ist insbesondere die Einfachheit der Anwendung ein grosser Vorteil an sich. ·· Ebenso relevant ist der Einsatz von Augmented Reality im industriellen Kontext: zur Mitarbeiterschulung, für die Visualisierung von Handlungsanweisungen und Installationsschritten direkt an Geräten und bei der Wartung. Augmented Reality und Machine Learning Bei sehr vielen Anwendungen in der Praxis geht es aktuell nicht nur um das blosse Sichtbarmachen von Informationen, sondern auch um das Erfassen des Kontexts und die Erkennung von Dingen und Geräten. Hier kommen neueste Machine-Learning-Fortschritte zum Einsatz: beispielsweise in Form der Google Vision API oder des Google-AutoML-Projekts für eine sehr robuste Text-, Bild- und Objekterkennung. Auch weitere Technologien werden eingesetzt und kombiniert, beispielsweise Scandit für das Erfassen multipler Barcodes in Bildern oder Vuforia für die Erkennung und Unterscheidung von 3-D- Objekten, etwa bei verschiedenen Gerätemodellen. Schnell liefern und gleichzeitig skalieren Die rasant gestiegene Nachfrage stellt insbesondere IT-Dienstleister vor die Herausforderung, schnelle Reaktionszeiten für Prototypen mit dem notwendigen internen Know-how-Aufbau und einer langfristigen Skalierbarkeit bis hin zu grösseren Projekten zu kombinieren. Eine Möglichkeit, diese Herausforderung proaktiv anzugehen, ist ein mehrschichtiger Ansatz. Dazu wird etwa, wie bei Ergon Informatik, über Abteilungsund Teamgrenzen hinweg ein Fokus-Team gegründet, das Mixed- Reality-Know-how bündelt und sehr schnell Prototypen und Showcases in einer Kombination aus neuesten Technologien, Businessberatung und User-Experience-Aspekten umsetzt. Dieses Fokus- Team steht in engem Austausch mit grösseren, firmenweiten Expertengruppen (Communities of Practice) für die Themen Mixed Reality und Machine Learning sowie den klassischen Entwicklungsteams, die vertieftes Kunden- und Domänen-Know-how besitzen. So kann im Rahmen des Fokus-Teams sehr schnell reagiert werden, während gleichzeitig das notwendige Know-how in der Breite aufgebaut wird und bei grös seren Projekten aus den etablierten Teams herausskaliert werden kann. 06 / 2018 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

In Kooperation mit Ergon Informatik Mixed Reality DOSSIER KOMPAKT47 «Die Wirtschaft ist am Thema Augmented Reality zunehmend interessiert» Augmented Reality hat in den letzten Jahren für Unternehmen an Relevanz gewonnen. Die Hochschule für Technik in Rapperswil (HSR) hat das Thema bereits in den Lehrplan aufgenommen. Über die Schwierigkeiten, die sich dabei ergeben, berichtet Markus Stolze, Professor für Informatik an der HSR. Interview: Christoph Grau Was waren die grössten Herausforderungen bei der Integration des Themas Augmented Reality in Ihr Lehrangebot? Markus Stolze: Die grösste Herausforderung für die HSR in diesem Zusammenhang ist, unserem Anspruch nach einer fundierten, praxisorientierten Ausbildung auf dem aktuellen Stand der Technik gerecht zu werden. Der schnelle Wechsel von Technologien ist zwar in der Informatik allgemein gegeben, aber im Bereich AR ist dies nochmals akzentuierter. Geräte wie die Microsoft Hololens mit assoziierten Software Development Kits (SDKs) und Cloud- Services sowie die AR-orientierten Frameworks und SDKs von Apple (ARKit), Google (ARCore) und Drittanbietern wie Vuforia und Plattformen wie Unity3D entwickeln sich zusammen mit dem gesamten Ökosystem mit grosser Geschwindigkeit. Das Ziel der HSR ist es deshalb, externe Dozierende mit fundiertem technischem Know-how, Freude an der Vermittlung von Wissen und aktueller Praxiserfahrung in unsere Ausbildung einzubinden. So unterstützt uns zum Beispiel Robert Adelmann, Head of Mixed Reality & User Experience bei der Ergon Informatik, im Unterricht des VR-/AR-Kurses im MAS HCID. « 2018 und 2019 werden sicher noch Jahre sein, in denen viel experimentiert wird. » Markus Stolze, Professor für Informatik an der HSR Wo sehen Sie die grössten Schwierigkeiten bei AR-Technologien aktuell? Die grosse Herausforderung bei AR-Technologien ist, ausser der schnellen Entwicklung, dass es für Personen ohne grosses technisches Wissen schwierig zu bewerten ist, ob ein AR-Feature einer Anwendung leicht, schwierig oder unmöglich umsetzbar ist. Gleichzeitig gibt es wenige Personen, die ausser dem notwendigen technischen Verständnis auch ein Interesse daran haben, sich in der notwendigen Tiefe in die wirtschaftlichen, Usability- und User- Experience-Aspekte einer Anwendung hineinzudenken. Wie hat sich die Nachfrage aus der Wirtschaft nach AR­ Technologien entwickelt? Wir sehen ein zunehmendes Interesse der Wirtschaft. Das liegt vor allem daran, dass sich die Machbarkeit und die User-Experience von AR-/VR-Anwendungen meist erst mit der Erstellung konkreter Prototypen testen lassen. Solche Prototypen lassen sich zum Teil im Rahmen von studentischen Arbeiten in Zusammenarbeit mit den HSR-Instituten durchführen. Häufig müssen zuerst intensive Vorabklärungen stattfinden, damit die technische Machbarkeit in den vielversprechendsten Bereichen geprüft werden kann. So wurde etwa 2017 in Zusammenarbeit mit dem Microsoft Innovation Center der HSR eine studentische Arbeit mit einen Schweizer Grossverteiler durchgeführt. Ziel war es, abzuklären, wie und ob Filialleiter bei der Gestaltung und Verwaltung ihrer Einkaufsfiliale mittels Mixed Reality unterstützt werden können. Welchen Reifegrat haben die AR-Technologien Ihrer Einschätzung nach erreicht? 2018 und 2019 werden sicher noch Jahre sein, in denen viel experimentiert wird und sich die Technologiebasis und Gerätelandschaft noch stark verändern wird. Trotzdem sehen wir schon heute Anwendungen, wie etwa die App von Ikea, die mehr als nur Spielcharakter haben. Der echte Durchbruch von AR im Consumer-Bereich wird dann erreicht sein, wenn die Basis von AR-fähigen Geräten breit genug ist und AR von Konsumenten als ein Feature von Apps erwartet wird, wie heute beispielsweise Kameras und Bildbearbeitungsfunktionen in Smartphones. Bis dahin werden noch ein paar Jahre vergehen. Im Bereich der dedizierten Anwendungen, beispielsweise für Servicetechniker oder für Wartungsaufgaben, wird diese Entwicklung viel schneller greifen. www.netzwoche.ch © netzmedien ag 06 / 2018

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