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Netzwoche 06/2018

54 Management & Career

54 Management & Career Aktuell WWW.NETZWOCHE.CH FHNW und ZHAW lancieren neue Weiterbildung mur. CAS Agile Organisation – so heisst eine neue Weiterbildung der Fachhochschule Nordwestschweiz und der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Die beiden Hochschulen kooperieren dafür mit Agilist Cooperative und dem Swiss Agile Research Network. Die Studenten sollen lernen, wie sich Firmen über Agilität Wettbewerbsvorteile sichern können, schreibt die FHNW in einer Mitteilung. Der «CAS FHNW/ ZHAW» gibt 15 ECTS-Punkte und startet am 14. September. ▸ Webcode DPF8_85727 Auticon sucht IT-Consultants mit Autismus osc. Der IT-Dienstleister Auticon hat den Geschäftsstart in der Schweiz bekannt gegeben. Wie das deutsche Unternehmen mitteilt, sucht es für den neuen Standort Zürich IT- Consultants mit Autismus. Damit die Talente der IT-Consultants zum Tragen kommen, stelle Auticon ihnen qualifizierte Job-Coaches und Projektmanager zur Seite, heisst es weiter. Vorerst wolle sich das Unternehmen auf den Grossraum Zürich konzentrieren, der Rest der Deutschschweiz sowie die Romandie sollen ab 2019 dazukommen. ▸ Webcode DPF8_85837 KI wird auch das Bildungswesen verändern cgr. An der März-Tagung der Schweizerischen Stiftung für audiovisuelle Bildungsangebote (SSAB) hat sich alles um den Einsatz von künstlicher Intelligenz und Robotik im Bildungswesen gedreht. So lautete auch der Titel der Veranstaltung. Der Untertitel ergänzte: «Welche Chancen eröffnen sich und welche Risiken sind zu beachten?» Die Tagung fand am Institut für Weiterbildung und Medienbildung der Pädagogischen Hochschule Bern statt. Roboter sollen beim Lernen helfen Einen Einblick in die praktischen Möglichkeiten von KI und Robotik gab der deutsche Forscher Stefan Kopp, Leiter kognitive Systeme und soziale Interaktion an der Universität Bielefeld. Er zeigte ein Forschungsprojekt, das den Einsatz von Robotern bei der Bildung von Kleinkindern erprobt. Die Forschung soll zeigen, ob in Zukunft Roboter hier Nachhilfe geben könnten, etwa für Kinder aus benachteiligten Familien. Das Projekt trägt den Namen L2ToR. Der Vortrag rief im Publikum viel Resonanz hervor und es gab angeregte Diskussionen. Ein Gast wollte etwa wissen, wie die Forscher mit der ablehnenden Haltung gegenüber Robotern in der Bevölkerung umgehen wollen. Gemäss Kopp gibt es keine besonders grosse Ablehnung. Die Ängste seien gering und es hätten sich sogar viele Einrichtungen beworben, um an der Studie teilzunehmen, sagte er. Stefan Kopp, Leiter kognitive Systeme und soziale Interaktion an der Universität Bielefeld. Quelle: SSAB Künstliche Intelligenz sollte nicht überschätzt werden Zum Abschluss der Veranstaltung gab es von Joachim Buhmann, Professor am Institut für Maschinelles Lernen an der ETH Zürich, noch etwas zum Nachdenken für die Gäste auf den Weg. Der ETH-Professor räumte mit einigen Vorurteilen zur KI auf. Seine erste Erkenntnis lautete: «Die Zukunft ist grösstenteils unvorhersehbar und damit auch unvorhersagbar.» Es brauche daher nicht einfach nur mehr Daten und bessere Algorithmen, um in die Zukunft blicken zu können. Gewisse Dinge seien einfach nicht vorhersagbar, auch nicht mit KI, sagte er. Als weiteren Punkt betonte er, dass maschinelles Lernen eine reine Nachmachertätigkeit sei. Nach wie vor müsse der Mensch der Maschine das Gerüst für das Lernen ganz detailliert vorgeben. Der Mensch selbst könne hingegen ohne solche «menschlichen Blindenhunde» auskommen, um Neues zu entdecken. «Ich glaube jedoch schon, dass die KI eines Tages auch wissenschaftliche Methoden beherrschen wird» sagte Buhmann. Dies werde jedoch erst in 40 bis 50 Jahren der Fall sein, bis dahin sei der Mensch hier überlegen. KI werde zweifelsohne das Leben und die Zusammenarbeit grundlegend verändern, ist Buhmann überzeugt. Gleichzeitig plädierte er jedoch für mehr Realismus. «Wir sollten alle viel bescheidener sein, was die Technologie betrifft», sagte er. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_84905 Anzeige CLOUD IRGENDWO KÖNNEN ALLE. WIR KÖNNEN‘S HIER UND PERFEKT. AVECTRIS SWISS CLOUD Schnell. Skalierbar. Sicher. 06 / 2018 IT. Simply Personal. www.netzwoche.ch © netzmedien ag www.avectris.ch/cloud

Management & Career Fachbeitrag 55 Von wegen agile Führung! Mittlerweile wird beinahe alles «agilisiert», so auch die Führung. Die Führungskräfte sollen jetzt auch mal schön agil werden – also stets flexibel und proaktiv agieren. Ich beleuchte diesen Hype und zeige fünf Schritte hin zu exzellenter Führung. Letztens habe ich Thomas getroffen, einen gestandenen, erfolgreichen Unternehmer. Seine Augen funkelten schon bei der Begrüssung. Beim gemeinsamen Mittagessen erzählte er mir voller Stolz: «Ich habe jetzt im Unternehmen agile Führung eingeführt. Wir führen jetzt agil – werden fortan auch nur noch agile Leute beschäftigen.» Agilität ist in aller Munde. Nun ist, so heisst es überall, auch agile Führung angesagt. Verändert man sein Denken und Handeln nicht radikal, bleibt Agilität aber nichts mehr als eine Worthülse. Flexibilität und Dynamik anstatt Stillstand Fast alle von uns sind von der Sehnsucht nach Entwicklung und Fortschritt getrieben. Wir wünschen uns in Schnellbooten statt in trägen Tankern zu arbeiten – Flexibilität und Dynamik anstatt Stillstand. Gute Führung bedeutet, Entscheidungen zu fällen, auch tatsächlich durchzusetzen und dadurch auch kalkulierte Risiken einzugehen. Damit werden Fehler zugelassen und vor allem aus Fehlern gelernt, anstatt Schuldige gesucht. Dafür braucht es eine Kultur des Vertrauens. Stellen Sie sich zuerst selbst die Frage: Vertraue ich eigentlich meinen Mitarbeitenden – durch und durch? Ablenkungsmanöver mit Modewörtern Wir sehen bei unseren Mandaten und Projekten Unternehmen verschiedenster Art. Von bereits richtig dynamischen bis hin zu anfangs noch behäbigen Organisationen ist alles dabei. Was mir aber auffällt: Je häufiger etwa von agiler Führung oder agiler Organisation gesprochen wird, desto eher sind sie es eben nicht – weit weg von echter Agilität. Mit solchen Modewörtern wird, ob bewusst oder unbewusst, davon abgelenkt, dass man sich weiterent wickeln müsste. Alter Wein in neuen Schläuchen Führung mit Flexibilität und bewusst gewährten Freiräumen – das klingt gar nicht nach einem neuen Führungsverständnis. Agilität ist heute zum Modewort verkommen. Gute Führung ist nämlich schon viel länger agil als uns der heute inflationär verwendete Begriff weismachen will! Sehr gute Führung ist zudem der grösste Hebel für eine hohe Mitarbeiterzufriedenheit. Unternehmen mit einer 10 bis 15 Prozent über dem Durchschnitt liegenden Mitarbeiterzufriedenheit haben eine durchschnittlich 42 Prozent höhere Profitabilität und Wachstum.** In 5 Schritten zu exzellenter Führung 1. Gemeinsame Vision erarbeiten: Erarbeiten Sie gemeinsam, wohin Sie in den nächsten Jahren mit Ihrem Unternehmen wollen. Diskutieren Sie, was man bis dahin erreicht haben will. Damit inspirieren und motivieren Sie Ihre Mitarbeitenden für das gemeinsame Ziel. 2. Gemeinsame Führungsgrundsätze leben: Entwickeln Sie gemeinsam Grundsätze, wonach geführt werden soll. Dies konsequent gelebt, wird die Führungskultur und so auch die Mitarbeiterzufriedenheit messbar verbessern. 3. Organisation weiterentwickeln: Bauen Sie Ihre Organisationsstrukturen gezielt um. Mit flexiblen, flachen Hierarchien wird Ihre Organisation beweglich. Ihre Organisation wird damit deutlich schlagkräftiger, effektiver und effizienter. 4. Gestaltungsspielräume und Vertrauen schenken: Geben Sie Ihren Mitarbeitenden ausreichend Gestaltungsspielräume. Schenken Sie ihnen uneingeschränktes Vertrauen. Kopfarbeiter leben so richtiggehend auf. Ihre Mitarbeitenden werden es Ihnen mit Leistung, Innovationsgeist und Eigenverantwortung zurückzahlen. 5. Vom Commitment zur Begeisterung gelangen: Ihre Mitarbeitenden müssen sich mit ihren Aufgaben und dem Unternehmen vollständig identifizieren. Darauf aufbauend müssen Sie Erfolge sichtbar machen und sie auch feiern. Emotionen sind ein wichtiger Antrieb für Ihre Organisationsentwicklung. Unternehmer und Führungskräfte sollten weniger mit Modewörter um sich werfen. Denn das lenkt letztlich nur vom Tun ab. Verbessern Sie die Führung Ihres Unternehmens und Ihrer Mitarbeitenden systematisch. Wer exzellent führt, wird Erfolg ernten! DER AUTOR Raphael Ledergerber Unternehmensentwickler und Strategieexperte, Ledergerber & Partner Exzellente Führung lohnt sich nachweislich Exzellente Führung zahlt sich aus – nachweislich auch finanziell. So sind Unternehmen mit flexiblen, flachen Hierarchien fast doppelt so innovativ. Zudem weisen sie einen grösseren Geschäftserfolg aus.* * Quelle: Kienbaum und Stepstone, 2017, 14 000 befragte Fach- und Führungskräfte ** Quelle: David H. Maister, 2001, 29 befragte Unternehmen aus 15 Ländern www.netzwoche.ch © netzmedien ag 06 / 2018

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