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Netzwoche 07/2018

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36 Focus Infrastruktur

36 Focus Infrastruktur G.fast nimmt langsam Fahrt auf Der neue Übertragungsstandard ermöglicht die schnellere Versorgung mit Breitband-Internet auf den letzten Metern bis zum Anwender auch über Kupfer statt Glasfaser. Allerdings dauert die Aufrüstung der Netze noch an, und auch auf Kundenseite fehlen für Businessnutzer geeignete Produkte. DER AUTOR Matthias Cramer Chief Technology Officer, iWay Nur wenige Unternehmen kommen ohne digitale Unterstützung zurecht. Immer häufiger digitalisieren Unternehmen nämlich nicht nur Dienste wie E-Mail oder Kalender, sondern ebenso ihre Kernprozesse und verlagern diese in die Cloud. Für Breitbandinternet besteht also nicht mehr nur ein Bedarf auf Privatkundenseite für Internet-TV, Netflix und Co. Swisscom und diverse Stadtwerke bauen deshalb Glasfasernetze. Allerdings relativiert sich die Angelegenheit bei näherem Hinsehen. Von Glasfaser bis ins Gebäude (Fibre to the Building) oder ins Büro und die Wohnung (Fibre to the Home) mit Geschwindigkeiten von bis zu 1 Gbit/s Down-/Upstream profitieren derzeit vor allem Kunden von Swisscom in Neubaugebieten oder Kunden von grösseren Stadtwerken. Ausserhalb der grossen Städte bauen hingegen nur wenige, vor allem vermögende Gemeinden, ihre Netze mit Glasfaser aus. Hier ist es meistens Swisscom, die deren Netz aufrüstet, allerdings oft nicht ganz bis zum Anwender. Alle anderen Anwender sind noch auf DSL-Netze angewiesen, die mit der VDSL2-Technologie (ITU-T G.993.2, max. 100/20Mbps) ausgestattet sind. Markt spielt (noch) nicht Höhere Geschwindigkeiten auf der letzten Strecke von der Strasse (FTTS, Fibre to the Street) auf dem Kupferkabel bis zum Kunden verspricht sich deshalb Swisscom vom neuen Übertragungsstandard G.fast (ITU-T G.9700 und G.9701, bis 1Gbps möglich). Das Unternehmen baut nach einer Pilotphase seit September 2016 beim FTTS-Ausbau entsprechende G.fast-taugliche Hardware ein oder rüstet bestehende mit Firmware-Updates auf. Allerdings dürfte es noch etwas dauern, bis die Mehrheit der Kunden davon profitieren wird: Dem Anbieter zufolge werden nämlich (erst) 2020 85 Prozent aller Schweizer Haushalte und Geschäfte auf die eine oder andere Weise mit Breitband-Festnetz ausgerüstet sein. Dass es noch etwas Zeit braucht, bis G.fast Fahrt aufnimmt, zeigt auch unsere Erfahrung. Lediglich etwa 1 Prozent unserer Kunden verfügen aktuell über einen G.fast-tauglichen Anschluss. Entsprechend klein ist deshalb auch die Nachfrage nach dem Dienst. Wer nun aber dennoch G.fast nutzen kann und möchte, muss eine Einschränkung hinnehmen: Es gibt nämlich ausser den Upgrade-Kits von Swisscom und der AVM Fritzbox 7582 derzeit noch wenige andere Produkte am Markt, die diese Technologie bereits unterstützen. Dies mag für Privatkunden ausreichen, ist aber für Geschäftskunden ärgerlich, benötigen diese doch aufgrund ihrer eigenen Firewalls eigentlich Bridges. iWay erstellte deshalb ein Profil für die Fritzbox, das den Einsatz als Bridge ermöglicht. Mit dieser Notlösung wird hier aber eigentlich mit Kanonen auf Spatzen geschossen. Es geht vorwärts Selbst wenn aber zurzeit die Möglichkeiten für Unternehmen noch begrenzt sind und der Markt noch nicht wirklich spielt, dürfte sich dies schon bald ändern. In den letzten Monaten machte nämlich Swisscom mit der G.fast-Umrüstung merklich vorwärts. Man darf deshalb davon ausgehen, dass der Standard bereits Ende dieses Jahres für einen deutlichen zweistelligen Prozentsatz der Kunden zur Verfügung steht. Damit dürfte in absehbarer Zeit auch das Ingenieur-Unternehmen oder Architekturbüro auf dem Land, der Grafiker oder der fortschrittliche Schreiner im Dorf über die nötigen Bandbreiten verfügen, um problemlos Baupläne und andere grossen Datenmengen zu versenden, zu empfangen oder in der Cloud zu teilen. Sinkende Preise und die entsprechende Bewerbung der Produkte werden der Technologie weiter Auftrieb verleihen. Bild: Tim Friedrich / Fotolia.com 07 / 2018 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Focus Infrastruktur 37 Warum Unternehmen die Cloud für App-Entwicklungen nutzen müssen Heutzutage ist das Entwickeln von Apps nicht mehr nur IT-Profis vorbehalten. Auch nicht-technische Unternehmensabteilungen verbessern zusehends ihre eigenen digitalen Fähigkeiten. Dank der Cloud können IT-Abteilungen dennoch die Kontrolle über diese Apps bewahren und dies ohne Agilitätseinbussen. Mit der Entwicklung von auf Template basierender Programmierung und von «Drag & Drop»-Elementen hat eine regelrechte «Programmier-Demokratisierung» stattgefunden. Anwender können auch ohne echte Programmierkenntnisse eigene Apps entwickeln und ihre Initiativen unabhängig von der IT-Abteilung zum Leben erwecken. In vielen Unternehmen können so Marketing-, Personalund Finanzteams nicht-geschäftskritische Apps, etwa zu Payroll-Systemen oder zur Auftragsverfolgung, erstellen. Damit einhergehend nimmt die Nachfrage nach IT-Leistungen in Organisationen und Unternehmen kontinuierlich zu, viele IT-Abteilungen haben jedoch Mühe, diese zu befriedigen. Das Problem ist hierbei allerdings, dass diese Lösungen oftmals nicht in einem Gesamtkontext konzipiert oder nicht mit den Entwicklungen in anderen Geschäftsbereichen kompatibel sind. Weiterhin können solche Anwendungen oft persönliche Informationen enthalten, die den komplexen Regeln des hiesigen Datenschutzes unter Umständen nicht entsprechen. Dies birgt nicht nur erhebliche Finanz- und Reputationsrisiken für Unternehmen, sondern kann gar zu einer Mehrbelastung in der IT-Abteilung führen, um entsprechende Schäden anschliessend wieder zu beheben. Wie kann ein Unternehmen solchen Risiken aus dem Weg gehen, ohne den Entwicklungsprozess von Anwendungen zu verlangsamen? Schnellere App-Entwicklung Unser «State of IT Report» befragte mehr als 2200 CIOs weltweit zu ihren Herausforderungen und Erfolgen. Die Ergebnisse zeigen, dass nur 45 Prozent der IT-Führungskräfte einen Prototyp einer App für eine einzelne Businessanforderung in weniger als einem Monat entwerfen und 47 Prozent eine App in weniger als einem Monat bereitstellen können. Bei den Diskrepanzen bezüglich der Geschwindigkeit von App-Entwicklungen fiel insbesondere auf, dass die leistungsstärksten Unternehmen dank Cloud-Computing viel schneller sind. Fast 80 Prozent der «High Performer»- Unternehmen sehen Cloud-Computing als höchste technologische Priorität – da sie dadurch agiler und flexibler sind und den Wartungs- und Sicherheitsaufwand ihrer IT-Teams reduzieren können. Nur knapp 50 Prozent der «Underperformer»-Unternehmen priorisieren die Cloud in gleichem Masse. Der richtige Mix an Kontrolle und Flexibilität IT-Abteilungen müssen in Unternehmen als «Gatekeeper» agieren: Sie müssen weiterhin alle Anwendungen überprüfen und sicherstellen, dass sie den Sicherheits- und Datenrichtlinien entsprechen sowie skalierbar und kompatibel sind. Die Nutzung einer agilen und bewährten Cloud-Plattform erleichtert diese Arbeit erheblich, da die IT-Abteilungen dadurch einen Überblick über alle Bereiche des Unternehmens haben, welche die Cloud-Plattform nutzen. Diese Aufsicht ist vor allem im Hinblick auf die neue Datenschutzverordnung (GDPR) von grösster Bedeutung, da ein Versagen beim Schutz von Kundendaten nun geschäftskritische Geldbussen zur Folge haben kann. Damit Unternehmen den künftigen Anforderungen schnell und effektiv Rechnung tragen können, muss die Entwicklung von Apps eine Balance aus Kontrolle und Sicherstellung der Innovationskraft in den Fachbereichen sein. Mithilfe von Cloud-Technologien wird dies möglich sein, denn technologische Innovation findet nicht nur in der IT-Abteilung statt. DER AUTOR Michael Nösges Regional Vice President, Salesforce Switzerland & Austria Damit Unternehmen den künftigen Anforderungen Rechnung tragen können, muss die Entwicklung von Apps eine Balance aus Kon trolle und Sicherstellung der Innovationskraft in den Fachbereichen sein. www.netzwoche.ch © netzmedien ag 07 / 2018

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