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Netzwoche 08/2016

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40 Service

40 Service Verbandsnachrichten Simsa Agency Round Table – gemeinsam das Web-Handwerk stärken 35 Vertreter von Schweizer Webagenturen haben sich im Vorfeld der Best of Swiss Web Awards 2016 am Simsa Agency Round Table im Zürcher Kongresshaus getroffen. Die Simsa lädt zwei Mal jährlich zum Agency Round Table ein, um gemeinsame Lösungen zu erarbeiten und aktuelle Themen zu diskutieren. Das grosse Thema der Runde waren die Leitlinien für Pitches und RFPs. SIMSA «Die Internetindustrie ist ein wichtiger Wirtschaftszweig unseres Marktplatzes. Schweizer Internetunternehmen setzten jährlich 500 Millionen Franken um. Die Simsa – Swiss Internet Industry Association – setzt sich für die Bedürfnisse dieses boomenden Sektors ein. Die Simsa vernetzt Dienstleister, stellt Vorlagen für Verträge sowie Checklisten zur Verfügung und informiert die Öffentlichkeit über Entwicklungen und Innovationen der Branche.» www.simsa.ch der autor Nathanael Neuhaus arbeitet in der Kommunikationsstelle der Simsa und begleitet die Simsa-Events in der Vor- und Nachbearbeitung. Mit der wachsenden Komplexität der Webprojekte steigen auch die Anforderungen an die Auftraggeber und -nehmer bei der Gestaltung und Umsetzung ihrer Projekte. Der Ausgangspunkt für die Zusammenarbeit in Webprojekten sind Pitches oder RFPs (Request for Proposal). In beiden Fällen sind die Anforderungen, Rechte und Pflichten zwischen den beiden Parteien ungenügend geregelt. Insbesondere ist die Verwendung von technischen und gestalterischen Konzeptvorschlägen nicht festgelegt, was regelmässig zu Rechtsstreitigkeiten führt. Zudem ist bei den immer umfangreicheren Pitches ein Ausfallhonorar noch nicht die Regel. Am Round Table vom 7. April 2016 wurde festgehalten, dass sowohl Auftraggeber wie -nehmer Leitlinien benötigen, um die Unsicherheiten bezüglich Urheberrecht von Idee, Design und Technologie, aber auch bezüglich Ausfallhonoraren bei Pitches regeln zu können. Aufgrund der Diskussionen, Anregungen und Anforderungen, die von den Teilnehmern genannt wurden, wird die Simsa in einem nächsten Schritt ein «Offert Framework» erarbeiten. Mit diesem Framework will sie nicht einfach ein weiteres Regelwerk schaffen, sondern zusammen mit den Auftraggebern und -nehmern ein gemeinsames Verständnis für die Anforderungen und Erwartungen bei Pitches und RFPs schaffen. Das Framework soll nicht statisch sein und sich parallel zu den Veränderungen im Markt wandeln und weiterentwickeln. Auftraggeber und -nehmer müssen sich abstimmen Die Simsa-Arbeitsgruppe für Agenturen stellte den Vertretern der Webagenturen am Round Table einen ersten Entwurf für ein solches «Offert Framework» als Diskussionsgrundlage vor. Wie die angeregten Gespräche dazu zeigten, beschäftigt das Thema alle Agenturen. In vier kleinen Gruppen wurde der Entwurf geprüft und um weitere Dos and Dont’s bei Pitches und RFPs ergänzt. Dabei stellte sich heraus, dass die Anforderungen, Rechte und Pflichten bei Pitches und RFPs zwischen Auftraggebern und -nehmern jeweils mit der Gegenseite erörtert, diskutiert und abgestimmt werden müssen. Während die Agenturen monieren, dass die Anforderungen, mit denen Auftraggeber an die Agenturen herantreten würden, oft viel zu vage formuliert seien, erwarten die Auftraggeber vor allem schnelle und fassbare Umsetzungsvorschläge. So werde vom Auftraggeber ein gewisses Abstraktionsvermögen erwartet, während die Kunden schnell konkrete Ergebnisse forderten. So würden häufig schon erste, kostenlose Vorschläge für das Screen-Design beim RFP (Offerten-Anfrage) verlangt. Damit beginne der Pitch für die Agenturen meistens schon an diesem Punkt. Diese verzwickte Situation lässt sich nur durch eine Systematik im RFP- und Pitch-Prozess entwirren, auf die sich Auftraggeber und -nehmer einigen können. Darum will die Simsa in einem nächsten Schritt auch Kundenvertreter an den Round Table holen, um mehr über Anforderungen, Erwartungen und Unsicherheiten beider Seiten zu hören. Es ist durchaus verständlich, dass Auftraggeber bei einer Offerte möglichst gut über das Vorgehen bei der Projektbewältigung informiert werden wollen, und dass sie auch möglichst viele Designbeispiele zur Auswahl haben möchten. Gleichzeitig brauchen die Kunden aber auch ein besseres Verständnis für die Leistung der Agenturen bei Pitches und RFPs. Oft verbringen Agenturen Tage und Wochen an der Vorbereitung eines Pitches, der dann aber unbezahlt bleibt. Die Rechtesituation für eingereichte Vorschläge ist bei Pitches zudem eine weitere Unsicherheit, die bei Agenturen wie Auftraggebern besteht. Das «Offert Framework», das die «Gruppe Webagenturen» der Simsa zur Gestaltung einer verbesserten Systematik zusammen mit Exponenten der Agentur- und Auf- 08 / 2016 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Service Verbandsnachrichten 41 traggeberseite erarbeitet, soll in Zukunft gewährleisten, dass RFPs und Pitches umfassender und zielgerichteter ausgeschrieben werden. Dabei muss etwa auch geklärt werden, dass eine klare Kommunikation der Preisvorstellungen einer der wichtigsten Eckpunkte der Umsetzung eines Projekts ist. Einer der am Round Table anwesenden Unternehmer formulierte das Problem wie folgt: «Wenn Kunden fragen, wie viel ein Webprojekt kosten werde, antworte ich ihnen meistens: Etwa so viel wie eine Küche. Jetzt müssen wir nur noch klären, ob es eine Ikea- oder eine Gaggenau-Küche werden soll ...» Kundensensibilisierungen für die Anforderungen und Bedürfnisse des Web-Handwerks ist laut den Round-Table- Teilnehmern somit der wichtigste Baustein zur Überwindung der gängigen Praxis in RFPs und Pitches. Dazu muss aber auf der Agenturseite gleichzeitig auch ein besseres Verständnis für die Erwartungen der Auftraggeber geschaffen werden. Beide Seiten werden zur Umsetzung eines solchen «Offert Frameworks» Zugeständnisse machen und lernen müssen, dem jeweiligen Projektpartner mehr zu vertrauen. Veranstaltung zum Thema Rechtssicherheit in der Zusammenarbeit mit Freelancern Weitere Anliegen der Agenturen, die am Round Table geäussert wurden, betrafen vor allem die Rechtssicherheit. Oftmals verlangen Kunden und Auftraggeber, dass ihnen die Rechte am Code eines fertiggestellten Projekts exklusiv überlassen werden. Da viele Agenturen aber mit Open- Source-Software arbeiten und diese Exklusivität gegen die Nutzungsbedingungen der Software verstossen würde, entsteht ein Dilemma, zu dem bisher kein klares Vorgehen definiert ist. Vorerst wird die Simsa aber auf Wunsch der Teilnehmer am Round Table im Sommer eine Veranstaltung zum Thema «Rechtssicherheit bei der Beschäftigung von Freelancern» anbieten. Genauere Angaben zu diesem nächsten Event werden an dieser Stelle folgen. Der zwanglose und überaus konstruktive Round Table unter Leitung von Valérie Vuillerat, Imre Sinka und Maximilian Plank von der Simsa verlief sehr zufriedenstellend. Dem Projekt «Offert-Framework» konnten durch das Treffen viele neue Impulse gegeben werden, welche die Simsa nun umso gezielter angehen kann! Wir freuen uns auch in Zukunft wieder auf derart zahlreiche und enthusiastische Gäste an den Simsa-Events. Sie möchten beim nächsten Mal mit dabei sein? Auf der Website der Simsa und über den monatlichen Newsletter erfahren Sie frühzeitig, wie Sie sich dazu anmelden können. Die Simsa trifft sich wieder am 25. Mai zur Generalversammlung und zum «Late Afternoon Talk» (LAT). Letzterer steht auch Nicht-Mitgliedern offen. Am traditionellen «Simsa Best of Swiss Web Winner LAT» stellen die Abräumer der begehrtesten Web-Awards der Schweiz ihre Projekte vor und weihen uns in ein paar ihrer Erfolgsgeheimnisse ein. Werden Sie Mitglied der Simsa und profitieren Sie von unserem starken Netzwerk, das für eine gute Positionierung der Interessen der Internetbranche einsteht! i NächSTer SIMSA-Event ▪▪ GV 2016 mit anschliessendem Simsa Late Afternoon Talk (LAT): «Weshalb wir gewonnen haben!» Die Erfolgsrezepte der Gewinner von «Best of Swiss Web» und «Swiss Digital Transformation Award». Wann: Mittwoch, 25. Mai 2016 / GV ab 16:00 Uhr, LAT ab 17:00 Uhr Wo: Zunfthaus zur Saffran, Zürich Der Event ist für Nicht-Mitglieder wie Mitglieder kostenlos. Erfahren Sie mehr unter www.simsa.ch Über die Anliegen der Branche wurden in kleinen Gruppen angeregt diskutiert und anschliessend im Plenum beraten. www.netzwoche.ch © netzmedien ag 08 / 2016

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