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Netzwoche 08/2017

20 People Live: Swiss

20 People Live: Swiss Digital Transformation Award – Swisstopo «Swisstopo hat sich vom Handwerksbetrieb zum IT-Unternehmen gewandelt» Behörden sind träge, ineffizient und kaum digitalisiert. Wirklich? Swisstopo ist genau das Gegenteil. Das Bundesamt für Landestopografie gewann den Swiss Digital Trans formation Award in der Kategorie «Kleine und mittlere Organisationen». Direktor Fridolin Wicki erklärt, wie Swisstopo das schaffte. Interview: Marcel Urech Herzliche Gratulation zum Sieg beim Swiss Digital Transformation Award! Was bedeutet das für Swisstopo? Fridolin Wicki: Erstens ist es eine Bestätigung, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Die Massnahmen, die durch meine Vorgänger schon vor Jahren eingeleitet wurden, waren zukunftsweisend und richtig. Mit unserer neuen Strategie bereiten wir den Weg für die Zukunft. Zweitens senden wir mit dem Sieg ein Signal nach innen. Gegenüber der Bundesverwaltung und der politischen Führung wird durch eine externe Überprüfung gezeigt, dass Swisstopo seine Aufgaben auf der Höhe der Zeit wahrnehmen kann. Drittens ist es eine Anerkennung für alle Mitarbeitenden des Amtes. Ihre tägliche Leistung wird gewürdigt. Darauf können sie stolz sein. Auf welche sind Sie besonders stolz? Es sind drei Schritte, auf die ich besonders stolz bin. Einer davon ist der Aufbau des topografischen Landschaftsmodells. Mit diesem Datenbestand wird ein vollständig dreidimensionales digitales Modell unseres Landes geschaffen. Dieser Datensatz bildet die Grundlage für die Produktion der Landeskarten, aber auch die Basis für verschiedenste Anwendungen, etwa im Bereich des Gletschermonitorings, für die Simulation von Naturgefahren oder für die Anwendung solardach.ch. « Unser Datenbestand umfasst rund 1,8 Petabyte. Die jährliche Zunahme beträgt aktuell rund 180 Terabyte. » i ZUR PERSON Fridolin Wicki, geboren 1964, studierte Vermessungsingenieur an der ETH Zürich und erwarb das Patent als Ingenieur-Geometer. 1998 promovierte er zum Doktor der technischen Wissenschaften, 2013 schloss er ein Zusatzstudium als Executive Master in Public Administration ab. Von 1992 bis 2000 war Wicki stellvertretender Kantonsgeometer des Kantons Aargau. 2000 wechselte er zu Swisstopo, wo er ab 2006 die Eidgenössische Vermessungsdirektion leitete. Seit 2014 ist Wicki Direktor von Swisstopo. Rechneten Sie sich Chancen auf den Sieg aus oder war es eine Überraschung? Ich rechnete mir persönlich infolge der sehr grossen Konkurrenz wenig Chancen aus. Somit war es eine riesige, aber umso schönere Überraschung und eine grosse Freude, als wir als Sieger ausgerufen wurden. Laut der Universität St. Gallen sind Behörden bei der Digitalisierung nicht weit. Bei Swisstopo ist das Gegenteil der Fall. Warum? Unser Amt ist in einem sehr technischen Umfeld tätig, das geprägt ist durch einen hohen Innovationsgrad. Laufende Entwicklungen bei der Messtechnologie und bei den IKT spornen uns an, am Puls der Zeit zu sein. Zudem werden wir immer wieder verglichen mit Entwicklungen in der Privatwirtschaft oder bei ausländischen Diensten, was uns fordert, ebenso gute Leistungen zu erbringen. Was für Digitalisierungsinitiativen hat Swisstopo umgesetzt? Swisstopo hat in den letzten zehn Jahren alle Produktionsprozesse digitalisiert. Wir haben heute vom Bildflug über die Datenbearbeitung, die Datenverwaltung bis zur Datenabgabe vollständig digitale Prozesse. Der einzige noch analoge Arbeitsschritt ist der Druck der Karten. Im Weiteren sind wir laufend daran, unsere historischen analogen Karten und Luftbilder zu digitalisieren und über das Internet zur Verfügung zu stellen. Ein grosser Teil ist bereits verfügbar. Fridolin Wicki, Direktor des Bundesamts für Landestopografie Swisstopo Zweitens? Der zweite Punkt ist die digitale Produktion der Landeskarten. Sie ist ein bedeutender Schritt. Durch die automatische Generalisierung konnte die Produktionszeit massgeblich gesenkt werden. Wir sind heute – insbesondere mit der neuen Landeskarte 1:10 000 – in der Lage, sehr rasch aktuelle Kartendaten bereitzustellen. Die Flexibilität der Kartenproduktion wurde deutlich gesteigert, und wir können heute «auf Knopfdruck» massgeschneiderte Produkte bereitstellen. Und drittens? Unser Geoportal geo.admin.ch ist ein Meilenstein. Auf diesem Portal, das täglich über 50 000 Besucher hat, werden über 500 Datensätze von 17 Bundesämtern und teilweise von Kantonen zur Verfügung gestellt. Mit der Zeitreise ist es möglich, anhand historischer Karten die Entwicklung der Schweiz mitzuerleben. Seit Kurzem wird map.geo.admin.ch ergänzt durch einen 3-D-Viewer, der eine virtuelle Reise durch die Schweiz erlaubt. Die vielen nationalen und internationalen Preise in den Bereichen Service Public, E-Government, Cloud Computing und Open-Source-Software zeigen, dass uns hier eine besondere Entwicklung gelungen ist. 08 / 2017 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

People Live: Swiss Digital Transformation Award – Swisstopo 21 « Wir sind uns bewusst, dass die heutigen Jugendlichen Informationen nicht mehr so nutzen und konsumieren, wie wir dies aus der Vergangenheit gewohnt sind. » Fridolin Wicki, Direktor des Bundesamts für Landestopografie Swisstopo Bei der Digitalisierung geht es nicht nur um Technik, sondern auch um Menschen. Welche Herausforderungen gab es mit den Mitarbeitenden oder der Arbeit im Team? Der Beruf des Kartografen war in der Vergangenheit ein typisches Kunsthandwerk. Mit der Digitalisierung verändert sich dieses Berufsbild radikal und der Kartograf von heute ist vermehrt ein IT-Spezialist. Dieser Wandel ist für einige unserer Mitarbeitenden nicht einfach. Ich freue mich jedoch immer wieder, wenn ich sehe, mit wie viel Herzblut und Begeisterung unsere Kartografinnen und Kartografen diese Neuerungen aufnehmen und sich laufend weiterbilden. Wie hat die Digitalisierung die Unternehmenskultur von Swisstopo verändert? Swisstopo hat sich von einem Handwerksbetrieb zu einem modernen IT-Unternehmen gewandelt. Die Amtskultur ist heute geprägt durch relativ flexible Arbeitsmodelle mit Homeoffice und durch einen überdurchschnittlich hohen Anteil an Teilzeitbeschäftigten. Zusätzlich hat sich die Ausrichtung des Amtes grundlegend verändert. Swisstopo erbringt heute sehr viel mehr Leistungen für die Bundesverwaltung. Welche Leistungen sind das? Wir sind Leistungsbringer für die GIS-IT innerhalb des Bundes, wir koordinieren die Tätigkeiten im geografischen Bereich, wir sind zuständig für die geologische Landesaufnahme mit Themen wie Geothermie, Georessourcen oder der Lagerung radioaktiver Abfälle und wir beaufsichtigen die Kantone im Bereich der amtlichen Vermessung. Diese Tätigkeiten haben, neben der Digitalisierung der Produktion, einen ebenso grossen Einfluss auf die Amtskultur. Diese Veränderungen haben zu einer gewissen «Akademisierung» des Amtes geführt. Heute haben über 50 Prozent der Mitarbeitenden einen Hochschulabschluss. Swisstopos Landeskarten im Massstab 1:10 000 werden vollautomatisch erstellt. Wie läuft das genau ab? In einem ersten Schritt werden die Daten aus dem topo­ www.netzwoche.ch © netzmedien ag 08 / 2017

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