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Netzwoche 08/2017

30 Web Titelgeschichte

30 Web Titelgeschichte Das merken auch die Webagenturen. «Für viele unserer neuen Mitarbeiter und Bewerber ist Barrierefreiheit ein Fremdwort», sagt Osiris Roost, Technikchef bei der Agentur Station aus Zürich. «Wir schulen uns intern selbst und besuchen Vorträge von externen Beratern», sagt Roost weiter. Zu diesen Beratern gehört die Stiftung «Zugang für alle». Damit Webagenturen wie Station sich künftig auch selbst helfen können, entwerfen Heinser und seine Tester momentan Richtlinien zur Website- Gestaltung. «Der Leitfaden ist für Entwickler in Agenturen gedacht», sagt Heinser. «Es ist ein dyna misches Online-Tool, das Entwicklern Hilfe zur Selbsthilfe bietet. Es zeigt ihnen, wie sie Barrierefreiheit erreichen können.» Eine Computer-Braillezeile hat acht Punkte damit sie Sonderzeichen anzeigen kann. Die Brailleschrift auf Papier hat nur sechs Punkte. Kein Zertifikat und trotzdem barrierefrei Es gibt Webagenturen, welche die Hilfe der Stiftung zwar in Anspruch nehmen und Websites barrierefrei gestalten. Die Kunden der Agenturen lassen sich am Ende aber kein Zertifikat für ihre Website ausstellen. «Bei uns sind eher wenige Websites mit Zertifikaten ausgestattet, trotzdem erfüllen sie gewisse Regeln und Kritikpunkte», sagt Hans Meli, Partner und Projektleiter bei der Webagentur Next aus St. Gallen. «Barrierefreies Webdesign ist bei uns seit etwa 2003 ein Thema», sagt Meli. Das Unternehmen veranstaltet ebenfalls interne und externe Schulungen. Ähnlich sieht es bei der Webagentur Liip aus. «Effektiv zertifizierte Websites haben wir wenige», sagt Jennifer Bächtold, verantwortlich für Marketing und Business Development bei Liip Zürich. «Kunden interessieren sich für die Richtlinien und entsprechend achten wir während der Projekte auch darauf. Die Zertifizierung selbst streben aber die wenigsten unserer Kunden an.» Oftmals seien die hohen Kosten der Knackpunkt, sagt Bächtold. Die Kosten könnten aber bald sinken. Liip entwickelte letztes Jahr die «A11y Machine». «Diese Lösung führt ein automatisiertes Accessibility-Testing durch», sagt Bächtold. Der menschliche Tester entfalle. « Die automatisierte Testbarkeit einer Website ist begrenzt. » Bernhard Heinser, Mitgründer der Stiftung «Zugang für alle» Menschliche Tester unersetzbar Heinser begrüsst diese Lösung, wenn sie den Aufwand reduziere. Die automatisierte Testbarkeit einer Website sei aber begrenzt. «Weil es eine Maschine ist und kein Mensch», sagt Heinser. Für sehbehinderte Menschen müsse bei Bildern ein Alternativtext hinterlegt werden. Dadurch kann der Blinde «sehen», was auf dem Bild ist. «Nicht jedes einzelne Bild braucht jedoch einen Alternativtext, sondern nur jene Bilder, die eine nützliche Information enthalten.» Ein Mensch könne nachvollziehen, ob eine Hintergrundinformation zu einer Überschrift sinnvoll sei, sagt Heinser. «Das Testtool erkennt dies nicht.» Die Stiftung setzt deshalb auf menschliche Tester. Menschen mit Beeinträchtigung und Menschen ohne Beeinträchtigung. Die Tester gehen strukturiert vor. Sie haben eine Checkliste, die sie abarbeiten. Ein Punkt betrifft die Navigation einer Website. Die Tester müssen ohne Maus oder Tastatur auf der Website navigieren können. Dazu ein Beispiel mit Word: Wenn ein Sehender bei einem Dokument einen Titel erstellt und diesen manuell fett macht und eine grössere Schriftgrösse hinzufügt, ist für ihn klar, dass das der Titel ist. Er sieht es ja. Aber für einen Blinden und seinen Screenreader ist das nicht erkennbar. Es ist genau so ein Text, wie alles andere. In Word gibt es Formatvorlagen. Ist der Titel mit der Formatvorlage «Titel» hinterlegt, kann ihn der Screenreader als solchen erkennen. Die Pflicht der Sehenden Der Screenreader ist eine Software, die sehbehinderte Menschen unterstützt. Da sie den Bildschirm nicht oder nur schlecht sehen, sagt ihnen der Screenreader, welche Informationen auf dem Bildschirm sind. Die Software erkennt Text und Bild nur, wenn diese auch mit Hintergrundelementen versehen sind, die sie lesen kann. Wie etwa die Formatvorlage in Word. Gemäss dem Bundesamt für Statistik leben in der Schweiz zurzeit 1,6 Millionen Menschen mit einer Behinderung. Das ist etwa ein Fünftel der Bevölkerung. Da vor dem Gesetz alle Menschen gleich sind, muss diese Gleichberechtigung auch im Internet gewährleistet sein. Es liegt in der Pflicht der Menschen ohne Beeinträchtigung, dieses Ungleichgewicht aufzulösen. Ausserdem profitieren alle Menschen von barrierefreien Websites. Sie sind angenehm zu bedienen und Suchmaschinen können sie besser lesen. BLIND SURFEN Screenreader Einer der bekanntesten Screenreader ist «JAWS». Er ist kostenpflichtig und gibt den Text einer Website per Braillezeile und/oder per Sprachausgabe wieder. Einige Screenreader verfügen auch über eine Vergrösserungsfunktion. Ein weiterer Screenreader ist NVDA. Er ist kostenlos als installierbare oder als portable Version erhältlich. «Zugang für alle» empfiehlt ihn, wenn Unternehmen ihre Website mit einem Screenreader testen wollen. Braillezeile Die Brailleschrift ist die Punktschrift, mit der blinde Menschen lesen. Ein Zeichen wird mit bis zu sechs Punkten dargestellt. Für den PC wurde speziell die Computerbraille entwickelt. Damit sie Sonderzeichen anzeigen kann, verfügt sie über acht Punkte. Die Braillezeile stellt Computerzeichen in Brailleschrift dar. Es sind jeweils acht Löcher in einem Rechteck angeordnet. Je nach Zeichen drückt die Zeile Punkte aus diesen Löchern, damit sie der Blinde fühlen kann. Artikel online auf www.netzwoche.ch Webcode DPF8_37892 08 / 2017 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Technology Aktuell 31 Komponenten und OEMs von IFA verbannt Christian Goeke an der IFA-Pressekonferenz in Lissabon Bild: Messe Berlin mla. «Die IFA wird zur Brands-only-Show». Das sagte Messe-Berlin-CEO Christian Göke vergangenes Wochenende an der globalen IFA-Pressekonferenz in Lissabon. «Nichts mehr soll die IFA-Besucher vom Markenerlebnis der ausstellenden Brands ablenken.» Mit Ablenkung meint Göke etwa die Komponentenhersteller, die vor allem aus dem ostasiatischen Raum stammen. Sie dürfen sich ab 2017 genauso wie OEMs und ODMs nur noch am Veranstaltungsort Station-Berlin der IFA Global Markets präsentieren. Mit der Auslagerung der Komponentenhersteller, der OEMs und ODMs in eine eigene Messe wollen die Veranstalter mehr Fläche für die Markenanbieter bereitstellen, und sie «haben ganz nebenbei gleich auch noch die grösste Sourcing-Messe Europas geschaffen», wie Göke stolz sagte. Ob die vertriebenen Aussteller darüber nur glücklich sind, ist zumindest fraglich. Messen leben ja auch von Frequenz und die ist auf dem Messegelände mit Sicherheit grösser als in der «Station», auch wenn dort die Ausstellungsfläche laut den Veranstaltern verdoppelt wurde. Dass sich die IFA auf die Markenanbieter von Unterhaltungselektronik und Elektrohaushaltsgeräten fokussieren will, zeichnete sich schon letztes Jahr ab, als die IFA Global Markets bereits in der Station-Berlin stattfand. Wie auch letztes Jahr startet die Sourcing-Messe IFA Global Markets erst am Sonntag, zwei Tage nach der IFA, am 3. September, und dauert bis zum 6. September, während die «richtige» IFA vom 1. bis 6. September geht. CE und Home-Appliances verschmelzen Messe-Berlin-CEO Göke findet, dass «die Grenzen zwischen Consumer Electronics und Home-Appliances, der digitalen und der physischen Welt verschwimmen.» Ob in der Küche, im Wohnzimmer oder im Büro, die Übertragung von Hightech in die Welt der Konsumenten nehme exponentiell zu. Dies gelte gleichfalls für die Unterhaltungselektronik im Wohnzimmer, in den Bereichen Gesundheitsvorsorge und Wellness, beim Auto, bei mobilen Geräten oder Computerspielen und bei der Computernutzung. «Consumer Electronics verbindet und prägt heute unser komplettes Leben. Wer die IFA besucht, kann einen Blick in die Zukunft werfen und sehen, wie wir künftig leben und arbeiten werden.» Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_37526 WWW.NETZWOCHE.CH Weko sieht Digitalisierung als Chance mur. Die Wettbewerbskommission (Weko) hat vor einer Überregulierung des digitalen Wandels gewarnt. Eine stärkere Regulierung könnte die Innovationskraft von Internetfirmen schwächen. Die Digitalisierung sei in erster Linie eine Chance. Sie schaffe einen einfacheren Zutritt zum Markt und ermögliche neue Geschäftsmodelle, Produkte und Dienstleistungen, schreibt die Weko in ihrem Jahresbericht. ▸ Webcode DPF8_36142 Balzano startet Testphase von Scan Diags jor. Balzano Informatik hat mit der ETH Zürich und der Universitätsklinik Balgrist eine cloudbasierte Lösung für die medizinische Bildanalyse lanciert. Das System «Scan Diags» spare Kosten bei der MRI-Diagnostik, verspricht der IT-Dienstleister. Die drei Partner testen die Software nun in Schweizer Kliniken, wie Microsoft mitteilt. Der Softwarekonzern ist für das Projekt mit seiner Azure-Cloud mit an Bord. ▸ Webcode DPF8_37261 Anzeige EXPERTEN FÜR GEMEINSAMEN ERFOLG Erfolg ist nichts, was man in Auftrag gibt. Erfolg ist etwas, was wir gemeinsam erreichen. Wie zum Beispiel unsere Kunden – gemeinsam mit den passenden Experten von uns. www.netzwoche.ch © netzmedien ag 08 / 2017

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