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Netzwoche 09/2016

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30 Technology Research

30 Technology Research Der Hybridbetrieb gewinnt an Bedeutung Der ICT-Verantwortliche hat heute mit Blick auf den Betrieb der ICT eine ganze Palette an unterschiedlichsten Sourcing- Optionen zur Auswahl. Angefangen beim Betrieb im eigenen Rechenzentrum bis hin zur Komplettauslagerung an einen externen Dienstleister bietet sich eine breite Auswahl an Möglichkeiten, das eigene Unternehmen mit ICT-Services und Lösungen zu versorgen. DER AUTOR Philipp A. Ziegler Geschäfts führer, MSM Research AG Die Zielsetzungen zeigen immer in die gleiche Richtung: hin zu einer finanzierbaren, sicheren, skalierbaren und schnellen ICT-Betriebsum gebung. Über die letzten Jahre hat sich die Vielfalt an Möglichkeiten, die ICT in Teilen (selektiv) oder als Ganzes an externe Partner auszulagern, stark vergrössert. Allerdings hat das mittlerweile breit gewachsene Angebot an Sourcing-Varianten die Aufgabe für den ICT-Verantwortlichen nicht zwangsläufig vereinfacht. Der Druck auf den Business Value der ICT und die diesbezüglichen Vorgaben und Forderungen aus den Reihen der Businessabteilungen hat zugenommen. Die Ziele sind hinlänglich bekannt: Senkung der Betriebskosten, Schaffung von Freiräumen für neue Innovationen (Digitalisierung), Steigerung der Agilität und Flexibilität und Wandel von der Kostenstelle zum echten wertschöpfungsschaffenden Dienstleister. Reaktionszeit und Verfügbarkeit sind aus Sicht der Fachabteilung zen trale Messkriterien. Und BETRIEBSMODELLE IOT & BIG DATA Entwicklung bis 2020 (Prognose) Der Paradigmenwechsel (intern => extern) macht nicht vor neuen Themen Halt, hybride Umgebungen dominieren die Zukunft. Public Cloud Managed Service (Private Cloud) Outsourced Private Cloud Eigenbetrieb aus dem Blickwinkel der ICT-Verantwortlichen ebnen drei Massnahmen den Weg zur Zielerreichung: der Abbau der Komplexität, eine vermehrte Standardisierung und die Automatisierung. Alles zeigt Richtung Cloud. Zentrale Fragen für innovative Betriebskonzepte Bei der Formulierung innovativer, alternativer Betriebskonzepte stellen sich vereinfacht auf der Basis einer zweidimensionalen Matrix zwei Fragen: Was verbleibt als In frastruktur im Haus (intern/extern) und was wird weiterhin selbst betrieben oder an einen Partner (Selfservice/Managed Service) übergeben? Ein diesbezüglicher Entscheid muss zwei Kriterien berücksichtigen und einem optimalen Kompromiss zwischen Sicherheit und Kontrolle versus Agilität und Flexibilität genügen. Eine Klassifizierung businesskritischer Daten und Prozesse bildet hier ein zentrales Entscheidungskriterium zur Beantwortung wichtiger Kernfragen: Wo betreiben wir welche Workloads, mit welchen Tools managen wir die hybriden Umgebungen, wo lagern welche Daten, welche neuen Anwendungen beziehen wir aus welcher Cloud? Die Zielsetzungen zeigen immer in die gleiche Richtung: hin zu einer finanzierbaren, sicheren, skalierbaren und schnellen ICT-Betriebsumgebung. 8 % 20 % 70 % Quelle: MSM Research Heute Anteile in Prozent 15 % 25 % 30 % 30 % In Zukunft Anteile in Prozent Der Hybridbetrieb als Zukunftsmodell Unsere Analysen im Rahmen der letzten ICT-Betriebsstudie haben gezeigt, dass externe Services (Private und Public Cloud) derzeit vorab für Back-up- und Recovery-Lösungen, den Lastspitzenausgleich sowie kostengünstige Businessanwendungen in Anspruch genommen werden. Heute prüfen etwa bereits mehr als 30 Prozent der Unternehmen bei allen neuen Anwendungen die Möglichkeit einer SaaS-Lösung. Auch mit Blick auf die aktuellen Themen wie Digitalisierung oder Big Data sind externe Lösungen auf dem Vormarsch. Die in den Unternehmen andiskutierten künftigen Betriebsmodelle weisen hin auf eine gemischte Umgebung mit einem Mix aus eigenem Rechenzentrum und einem steigenden Anteil der Nutzung externer Services. Der Hybridbetrieb entwickelt sich zur dominierenden Form der künftigen ICT-Infrastruktur. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode 8081 09 / 2016 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Technology Aktuell 31 Wenn selbstfahrende Autos über Leben und Tod entscheiden Die datenschutzrechtlichen Herausforderungen im Zusammenhang mit selbstfahrenden Fahrzeugen sind vielfältig. Doch eine Debatte darüber gibt es kaum, trotz dass es schon heute grosse Sicherheitsrisiken gibt. Die Sensibilität der Fahrzeughersteller bezüglich der Datensicherheit ist verbesserungswürdig. DIE AUTORIN Ursula Uttinger Präsidentin des Datenschutz- Forums Schweiz. Bereits heute gibt es grosse Sicherheitsrisiken – Angriffe auf Fahrzeuge sind möglich. Hacker können via Bluetooth Bremsen oder Lenkrad manipulieren. Die Technik, die in Autos steckt, wandelt sich rasant. Neue Autos ohne Einparkhilfen kommen kaum noch auf den Markt. Der nächste Schritt sind autonome, selbstfahrende Fahrzeuge. Das verändert die Mobilität – und die Art der Fahrzeuge. Das «Google-Auto» hat in den USA bereits über 2 Millionen Kilometer zurückgelegt. Dabei gab es nicht mehr Unfälle als mit Fahrzeugen, die Menschen lenken. In Kalifornien unterzeichnete der Gouverneur schon 2012 ein Gesetz, das «autonome Gefährte» erlaubt. Selbstfahrende Autos auf Schweizer Strassen Auch in der Schweiz gab es 2015 einen Versuch mit selbstfahrenden Fahrzeugen. Swisscom testete ein solches Auto gemeinsam mit dem Eidgenössischen Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation und den Autonomos Labs, einem Spin-off der Freien Universität Berlin. Aktuell läuft auch im Wallis ein Versuch mit einem selbstfahrenden Postauto – im Auftrag der Postauto AG, der ETH Lausanne, der Stadt Sitten und des Kantons Wallis. Fahrzeugdaten sind überall verstreut Es dürfte unbestritten sein, dass solche selbstfahrenden Fahrzeuge eine Vielzahl von Daten benötigen und gleichzeitig auch generieren. Wem aber gehören diese Daten? Oder, provokativer formuliert: Wem gehört das Auto? Bereits heute generiert ein Fahrzeug permanent Daten. Angefangen beim Kilometerstand über Sevicedaten bis hin zum letzten Ölwechsel oder Assistenz- und Infotainmentdaten, etwa bei der Nutzung von Smartphones. Daten über Fahrzeuge und indirekt über den Fahrzeughalter finden sich bereits heute beim Strassenverkehrsamt, dem Fahrzeugimporteur, dem Garagisten, allenfalls dem Leasinggeber etc. Nach einem Unfall werden die Fahrzeugdaten, abhängig von der Schwere des Unfalls, unter anderem von der Polizei, der beteiligten Versicherungsgesellschaften, der Staatsanwaltschaft und von Gutachtern ausgewertet. Sicherheit und «Schadenminderung» bei Unfällen Bereits heute gibt es grosse Sicherheitsrisiken – Angriffe auf Fahrzeuge sind möglich. Hacker können via Bluetooth Bremsen oder Lenkrad manipulieren. In der Tendenz lässt sich feststellen: Je jünger ein Fahrzeug, desto höher die Angreifbarkeit durch Hacker. Bezüglich der Datensicherheit ist die Sensibilität der Fahrzeughersteller verbesserungswürdig. Es wird zu wenig darauf geachtet, dass die Systemarchitektur nicht von aussen beeinflusst werden kann. Wichtig ist das Thema Datenschutz. Vor allem, wenn Fahrzeuge bei einer Verwicklung in einen Unfall «richtig» entscheiden sollen. Wenn zwei Personen gleichzeitig die Strasse betreten und trotz Vollbremsung mindestens eine Person getötet wird, wie soll dann das Auto ausweichen? Und soll es überhaupt ausweichen? Es besteht ein Konsens, dass ein selbstfahrendes Fahrzeug bei einem Unfall möglichst eine «Schadenminderung» vornehmen soll. Ist ein Zusammenprall nicht vermeidbar, sollten statt zwei Personen nur eine Person getötet oder verletzt werden? Welche? Wer entscheidet bei einem selbstfahrenden Fahrzeug? Und welche Daten und Informationen dürfen für eine «Entscheidungsfindung» des Fahrzeuges genutzt werden? Datenschutzrechtliche Herausforderungen Ein Auto der Zukunft kann das Alter der Personen «abschätzen». Aufgrund der Vernetzung werden allenfalls auch Daten über die Vermögensverhältnisse und mögliche Folgeschäden für die Versicherer eruierbar sein. Je nach Alter, Einkommen und Versicherungslösung kann die allfällig geschuldete Schadenssumme für Rentenleistungen unterschiedlich gross sein. Schnell handelt es sich um Zahlen im Millionenbereich. Nach welchen Kriterien ist ein Auto zu programmieren? Auch wenn auf den ersten Blick Versicherer Unternehmen darstellen, darf nicht vergessen werden, dass die Schadenszahlungen letztlich auf Kosten der Versichertengemeinschaft gehen. Die Versicherung geht aus dem Bedürfnis hervor, Schadenereignisse, die für eine Einzelperson ruinös wären, auf ein möglichst grosses Kollektiv zu verteilen. Ursprünglich wurden Risiken durch Schadentragungsgemeinschaften getragen (Selbsthilfe), heute handelt es sich mehrheitlich um gewinnorientierte Aktiengesellschaften. Folglich ist es im allgemeinen Interesse, dass ein Schaden möglichst gering gehalten wird. Die datenschutzrechtlichen Herausforderungen im Zusammenhang mit selbstfahrenden Fahrzeugen sind vielfältig, Lösungen müssen dringendst erarbeitet werden. www.netzwoche.ch © netzmedien ag 09 / 2016

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