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Netzwoche 9/2020

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Bild: fullvector / Freepik S/4-Hana-Migration: Spaziergang oder Spiessrutenlauf? FOCUS MIGRATION AUF S/4 HANA osc. R/1, R/2 und R/3 sind Geschichte. Mittlerweile ist SAP mit S/4 Hana bei der vierten Generation seiner Business- Software angelangt und viele Kunden des deutschen Unternehmens stehen vor der Aufgabe, ihren Systemen ein entsprechendes Update zu verpassen. Keine leichte Aufgabe, denn SAP steht für Software im Kern des Unternehmens, für sorgfältig austarierte Prozesse und eine Vielzahl an Modulen und Konfigurationen. Dieser Focus soll bei der Mission Migration helfen. ERP auf neuem Fundament Doch zuallererst: Was ist S/4 Hana überhaupt? Unter diesem Namen führt SAP zunächst einmal die aktuelle Version seines Kernprodukts «Business Suite», einem Softwarepaket zum Enterprise Resource Planning (ERP) im Unternehmen. SAP brachte die erste Fassung der «S/4 Business Suite for Hana» bereits Anfang 2015 auf den Markt. Die neuste Version 1909 stammt vom September 2019. S/4 Hana unterscheidet sich in mehrerlei Hinsicht von seinem Vorgänger «R/3 Enterprise Edition» beziehungsweise «ERP 6». Da ist als Erstes die neue Datenbankplattform, die dem ERP seinen Namen gegeben hat: Hana. Die «High Performance Analytic Appliance» bildet die Basis vieler SAP-Geschäftsanwendungen. Hana setzt auf In- Memory-Technik, nutzt zur Datenspeicherung also nicht Festplatten, sondern den Arbeitsspeicher, was für mehr Performance sorgt. Damit soll sich Hana vor allem für Big- Data-Analysen eignen und Prozesse ermöglichen, die mit bisherigen Datenbanktechnologien nicht möglich waren. Bezugsmodelle und Termine Zweitens: S/4 Hana läuft nur noch auf dem SAP-eigenen Datenbanksystem und Linux-Distributionen von Red Hat und Suse. Datenbanken anderer Hersteller wie etwa DB2 von IBM oder Oracles eigene In-Memory-Datenbank Exalytics sind damit nicht kompatibel. Und drittens: Das ERP kann mittels Hardware-Appliances als On-Premise-Version, aus der Cloud oder in einem hybriden Modell bezogen werden. Für die Cloud-Version hat SAP zwei eigene Dienste im Programm: die «Enterprise Cloud» (Infrastructure-asa-Service) und die «Cloud Platform» (Platform-as-a-Service). Der Hersteller arbeitet allerdings auch mit Cloud- Providern wie Amazon Web Services, Microsoft oder Google zusammen, die S/4 Hana as-a-Service anbieten. Warum sollte ein Unternehmen überhaupt auf S/4 Hana wechseln? Für eine Migration spricht zum einen das Produkt selbst. Die Performance der Datenbank ist prinzipbedingt höher. Dazu kommen neue Funktionen, die SAP nur noch in S/4 einbaut. Zum anderen kündigte SAP im Februar das Mainstream-Wartungsende für die Business Suite 7 auf Ende 2027 an. Eine optionale Extended- Wartung ist bis Ende 2030 möglich, danach gibt es nur noch für die neue Version Support. Für S/4 Hana gibt es eine Wartungszusage bis Ende 2040. 09 / 2020 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Business Focus 11 Die S/4-Hana-Migration steht an – was es zu beachten gibt Die Migration auf SAPs neue ERP-Generation S/4 Hana klingt zunächst nach einer Pflichtübung. Doch bei genauerer Betrachtung zeigt sich: S/4 Hana kann eine Chance sein. Der Wechsel bietet die Gelegenheit, zu automatisieren, neue Technologien einzuführen und die Geschäftsprozesse fit für die Herausforderungen von morgen zu machen. Mit der Abkündigung des Supports für SAP R/3 werden alle SAP-Kunden gezwungen, ihre Systeme auf SAP S/4 Hana zu migrieren. Dieser Wechsel ist für viele Unternehmen eine Herkulesaufgabe und muss frühzeitig und sauber geplant werden. Die Migration bewegt sich auf unterschiedlichen Ebenen und überall gibt es massgebende Veränderungen. Diese werden im besten Fall dazu verwendet, einige andere Aspekte der SAP-Landschaft zu überdenken. Sowohl bei Installationen als auch bei Migrationen von SAP-Systemen unter Linux mit Hana sind neue Kompetenzen erforderlich. Die Infrastruktur SAP unterstützt ausschliesslich Linux als Betriebssystem für ihre Hana-Datenbank. Deshalb ist nicht nur der Wechsel auf eine neue Datenbank, sondern auch der Wechsel auf Linux für viele Kunden eine grössere Herausforderung. Sowohl bei Installationen als auch bei Migrationen von SAP-Systemen unter Linux mit Hana sind neue Kompetenzen erforderlich. Aufgrund dieser Herausforderungen ist es ratsam, die Gelegenheit zu nutzen, um einen erhöhten Grad an Automatisierung einzuführen. Unerwünschte Unterschiede der Konfigurationen zwischen den Entwicklungs-, Integrations- und Produktionssystemen gehören dann der Vergangenheit an. Die Anwendung der SAP-Best-Practices und Guidelines können impliziter Bestandteil einer solchen Automatisierung sein. Natürlich sind auch Cloud-Services vermehrt ein Thema. Viele SAP-Kunden möchten die Transition nach S/4 Hana mit einer Transformation in die Cloud kombinieren, um dabei mehr Flexibilität zu gewinnen und gleichzeitig Kosten zu optimieren. Auch für diesen Zweck ist die Automatisierung von Infrastruktur, Deployment und Konfiguration ein essenzieller Aspekt für die erfolgreiche Umstellung und den weiterführenden Betrieb. Die Prozesse SAP S/4 Hana ist mehr als der Nachfolger der SAP-Business Suite. Als digitaler Kern der IT-Architektur hat S/4 Hana Auswirkungen auf die bestehenden Unternehmensprozesse, da die neue Generation von SAP viele neue Funktionen mit sich bringt. Der Einsatz von S/4 Hana kann Geschäftsprozesse verschlanken oder sogar überflüssig machen – die Einführung bietet somit eine Chance für Innovation und Optimierung, die von SAP-Anwendern genutzt werden sollte, um bestehende Prozesse im Unternehmen zu hinterfragen. Mit einer sauberen Dokumentation und Abbildung der Geschäftsprozesse können die Auswirkungen von S/4 auf das Unternehmen verstanden und Entscheidungen über die passende Einführungsstrategie der neuen Software getroffen werden. Soll S/4 Hana neu implementiert werden und sollen die Prozesse erneut gestaltet werden (Greenfield-Ansatz) oder können sie auf das neue SAP-System übertragen und angepasst werden (Brownfield-Migration)? Beide Varianten haben Vor- und Nachteile, die gründlich verglichen und individuell bewertet werden sollten. Die Applikationen und Integrationen Die Integration der SAP-Daten in Umsysteme ist für viele SAP-Kunden ein zentrales Bedürfnis. Der Wechsel auf S/4 Hana zwingt die Kunden, diese Lösungen, die oft mit proprietären SAP-Mitteln umgesetzt wurden, neu zu erstellen. Eine gute Gelegenheit sich umzuschauen und alternative Ansätze, wie zum Beispiel Open Source oder Cloud- Lösungen zu berücksichtigen. Die neue ERP-Lösung bringt neue Technologien und Funktionen mit sich, somit ist die S/4-Hana-Einführung weitaus komplexer als ein reines Software-Upgrade. Die SAP- Anwender sollten dieses Innovationspotenzial nutzen, um Geschäftsprozesse zu vereinfachen, neue Technologien einzuführen und sich auf aktuelle und künftige digitale Marktanforderungen vorzubereiten. Dafür benötigen die Organisationen, die mit der SAP-Transformation konfrontiert sind, einen vertrauenswürdigen Partner, der über Fachwissen in allen erforderlichen Bereichen verfügt und alle Optionen unabhängig und gründlich bewerten kann, sodass Entscheidungen für die Planung getroffen werden können. DIE AUTOREN Nicolas Christener CEO & CTO, Adfinis Sygroup Vincenzo Boesch Founder & CEO, ITPC Den Beitrag finden Sie auch online www.netzwoche.ch www.netzwoche.ch © netzmedien ag 09 / 2020

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