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Netzwoche 1/2019

22 People Live und

22 People Live und Weiterbildung gehören zum Berufsleben. Wenn nötig, müssen wir die Leute mental darauf vorbereiten. Einige Berufe könnten durch die Automatisierung komplett verschwinden, etwa in der Logistik oder im Büro. Wie soll die Schweiz darauf reagieren? Das KV war während Jahrzehnten der goldene Berufsweg. Der klassische Bürojob, der wird in Zukunft aber nicht mehr reichen. Auch im Detailhandel wird es weniger Leute brauchen. Die Berufsbilder müssen sich also rasch anpassen, wenn dort Stellen wegfallen. In Zukunft wird man vielleicht Pakete für den Onlinehandel verpacken, statt Gestelle auffüllen. Die Vergangenheit zeigt, dass sich die durch den technologischen Wandel bedingten Probleme auf dem Arbeitsmarkt in Grenzen gehalten haben. Was aber klar ist: Der Bund kann nicht für jeden einen Job schaffen. Ueli Maurer, Bundespräsident Ein Jahr nach dem Hype um Bitcoin ist es in der Krypto-Branche ruhiger geworden. Wie beurteilen Sie die Situation heute? Wir müssen bei dem Thema unterscheiden. Kryptowährungen waren ein Riesen-Hype mit viel Spekulation, obwohl dahinter kein realer Wert steht. Es war vorhersehbar, dass es da eine Korrektur gibt. Hingegen ist die Blockchain als Technologie zukunftsgerichtet. Ich bin überzeugt, dass sie Intermediäre ausschalten und mehr Sicherheit schaffen wird. Wir stehen hier am Anfang einer Entwicklung, bei der die Schweiz mithalten muss. Braucht es ein neues Gesetz, um die Branche zu regulieren? Der Bundesrat will im Gegensatz zu anderen Ländern kein spezielles Blockchain-Gesetz. Stattdessen schlagen wir vor, entsprechende Bestimmungen in das Obligationenrecht, das Gesellschaftsrecht oder das Gesetz über Schuldbetreibung und Konkurs einzubauen. Wir möchten dazu insgesamt sechs Gesetze ändern. Dieser Weg wird etwas länger dauern, als wenn wir wie Liechtenstein ein Spezialgesetz erarbeiten, ist aber sehr verlässlich und schafft Rechtssicherheit. Wir sind weltweit die Ersten, die so vorgehen. Wann kommt der Schweizer Krypto-Franken? Ich glaube nicht, dass Kryptowährungen in absehbarer Zeit zu einem allgemeinen Zahlungsmittel werden. Jeder versucht sein Glück mit einer eigenen Währung, das kann nicht funktionieren. Interessant wird es erst, wenn solche Währungen als Token mit einem realen Gegenwert verbunden sind. Im Moment ergibt es aber keinen Sinn, den Schweizer Franken mit einer Kryptowährung zu ergänzen. Wir können heute auch so schon elektronisch mit Schweizer Franken bezahlen. Schweizer Finanzdienstleister kommen durch die Digitalisierung unter Druck. Wie kann die Schweiz sicherstellen, dass sie auch in zehn Jahren noch zu den Finanzplätzen mit Weltrang gehört? Das wüsste ich auch gerne, denn die Finanzwelt wird sich verändern. Das ertragreiche Geschäft in der Schweiz ist die Vermögensverwaltung, und diese wird auch in Zukunft ein Vertrauensverhältnis voraussetzen. Dieser Bereich ist deshalb am wenigsten von neuen Technologien gefährdet. Da sind unsere Banken mit ihrem weltweiten Beziehungsnetz gut aufgestellt. Der Bankschalter in jedem Dorf wird hingegen verschwinden, denn Zahlungen werden in Zukunft wohl per Handy gemacht. Die Schweizer Banken müssen also versuchen, beim mobilen Bezahlen mitzuhalten, auch wenn es grosse Konkurrenten gibt. Und sie müssen sich auf ihre Stärken fokussieren und diese pflegen. Es gibt viel Geld auf dieser Welt – und das will sicher angelegt und verwaltet werden. Was ist im Bereich der IT-Security geplant? Wir haben realisiert, dass wir IT-Sicherheit nur im Verbund mit Dritten hinbekommen. Allein schafft der Bund das nicht. Stattdessen müssen wir das Wissen aus den ETHs abholen und ausserdem die Privatwirtschaft einbinden. Wir müssen vor allem das Know-how der Start-ups irgendwie in die Sicherheit der Bundesverwaltung einbringen. Es wird 2019 im Bundesrat einige Veränderungen geben. Angenommen, Sie hätten freie Wahl. Was wäre Ihr Lieblingsdepartement? Ich glaube schon das Finanzdepartement. Es würden mich auch andere reizen, aber im EFD kann ich am meisten bewegen. Zum einen, weil hier mit dem Bundesamt für Informatik und Technologie der Motor der Digitalisierung angesiedelt ist und im Informatiksteuerungsorgan des Bundes die Strategie vorgegeben wird. Zum anderen, weil ich über die Finanzen auch in anderen Departementen ein Wort mitzureden habe. Artikel online auf www.netzwoche.ch Webcode DPF8_121372 01 / 2019 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Web Aktuell 23 Best of Swiss Web 2019 ist gestartet osc. Der Wettbewerb ist eröffnet. Bis zum 4. Februar können Projekte für Best of Swiss Web eingereicht werden. Es gibt folgende Kategorien: Creation. Die Jury der Kategorie Creation beurteilt Projekte, die einen visuell ansprechenden Umgang mit den Möglichkeiten des Webs pflegen und die Attraktivität des Mediums fördern. Relevant sind gestalterische, inhaltliche und umsetzungstechnische Aspekte. Innovation. Die Jury der Kategorie Innovation beurteilt Projekte, die beispielhaft mit den neuesten Technologien umgehen und durch deren innovativen Einsatz die Funktionalität einer Web- oder Mobile-Applikation massgeblich zu steigern vermögen. Business. Die Kategorie ist branchenübergreifend. Die Projekte müssen sich rentieren, indem sie Aussicht auf höhere Erträge schaffen oder durch Effizienzsteigerungen die Marktposition stärken. Marketing. Die Jury der Kategorie Marketing beurteilt Projekte, die einen Benchmark für digitales Marketing sind. Sie sollen die Marketingstrategie, den Basisdialog und den Informationsaustausch unterstützen. Es werden also weniger digitale Kommunikationskampagnen ausgezeichnet, sondern wirkliche Marketingprojekte. Digital Commerce. Die Jury der Kategorie «Digital Commerce» bewertet Projekte, die einen Benchmark dafür sind, wie heute Produkte und Dienstleistungen digital vertrieben werden. Usability. Die Jury der Kategorie Usability beurteilt, welche Projekte besonders gut komplexe Inhalte und Applikationen darstellen, sodass sie vom Zielpublikum intuitiv genutzt werden können. Public Affairs. Die Jury der Kategorie Public Affairs beurteilt Projekte, die Public Value schaffen. Indem sie staatliche und kommunale Stellen und Organisationen dabei unterstützen, ihre Anliegen im Web besser zu kommunizieren und damit für die Bevölkerung und interessierte Kreise eine Dienstleistung erbringen. Technology. Die Jury der Kategorie Technology beurteilt die technische Qualität von Webprojekten. Dabei stehen anspruchsvolle Funktionalitäten und ein anforderungsreicher Umfang im Zentrum. Es können auch Teilbereiche aus Projekten eingereicht werden. Video. In der Kategorie Video können Webvideo– und Bewegtbild-Plattformen eingereicht werden, also sowohl kreative Online- und Mobile-Spots als auch professionelle Web- und Mobile-TV-Formate und -Channels. Data & Technology Driven Campaigns Cyber Selection – powered by IAB und LSA. In dieser Kategorie werden performanceorientierte digitale Kampagnen beurteilt. Das sind Kampagnen, die mit einem Set kreativer Werbemittel die jeweilige Botschaft innovativ, stringent sowie zielgruppenaffin kommunizieren und die gesetzten Ziele erreichen oder sogar übertreffen. Digital Media Campaigns Cyber Selection – powered by IAB und LSA. Die Jury bewertet digitale Branding- Kampagnen. Das sind Kampagnen, die mit einem Set kreativer und mehrheitlich digitaler Werbemittel die jeweilige Botschaft oder Marke überraschend, eigenständig und unterhaltend kommunizieren und vitalisieren. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_120564 WWW.NETZWOCHE.CH Hacker im EU-Kommunikationssystem lha. Hacker hatten mehrere Jahre lang Zugriff auf das diplomatische Kommunikationssystem der EU. Laut «Reuters» luden Angreifer Konversationen über die Trump-Regierung, Probleme mit China und Russland und das iranische Atomprogramm herunter. Nachdem der Angriff bemerkt worden war, habe das US-amerikanische Cybersecurity-Unternehmen Area 1 der «New York Times» über 1100 Kommunikationsverläufe zugespielt. Darunter mit führenden Personen aus Saudi Arabien und Israel. ▸ Webcode DPF8_120262 Schweizer sind scheue Mobile-Onlineshopper eca. Die «Mobile Consumer Survey» von Deloitte gibt Einblick in das mobile Einkaufsund Bezahlverhalten von fast 54 150 Befragten in 35 Ländern. Im internationalen Vergleich seien Schweizer beim Mobileshopping noch zurückhaltend. Am liebsten werde hierzulande über den Laptop eingekauft (37 Prozent), dann folgen der PC (24 Prozent) und das Mobiltelefon (19 Prozent). ▸ Webcode DPF8_120419 MÜLLERS KLEINES ABC H wie Human Factors und Konsorten Christopher Müller Inhaber und CEO von Die Ergonomen Usability AG Theorie: Fragt man bei der International Ergonomics Association (IEA) nach, was Human Factors bedeutet, bekommt man eine monströse Definition um die Ohren gehauen: «Human Factors (bzw. Ergonomie) ist die wissenschaftliche Disziplin, die sich mit dem Verständnis der Wechselwirkungen zwischen Menschen und anderen Elementen eines Systems beschäftigt, sowie die berufliche Tätigkeit, welche die Theorie, Prinzipien, Daten und Methoden der Gestaltung anwendet, um das menschliche Wohlbefinden und die gesamte Systemleistung zu verbessern.» Realität: Die schlechte Nachricht also lautet: Bei der IEA hat offenbar noch niemand über die Bedeutung der Sprache für die Wechselwirkung zwischen Menschen und Organisationen nachgedacht. Die gute Nachricht: Ergonomie und Human Factors sind dasselbe. Konkret versucht die Ergonomie, ein Mensch-Maschine-System so zu gestalten, dass es effizient, komfortabel und sicher funktioniert. Zu einem solchen System gehören, grob gesagt, der Mensch seine Arbeitsumgebung und das Arbeitsinstrument. Nehmen wir ein Beispiel aus der IT: Bei einem PC-Arbeitsplatz bilden Raum, Bürostuhl und Arbeitstisch die Arbeitsumgebung. Im Prinzip kann man heute getrost auch den PC und seine Peripherie zur Umgebung zählen – das eigentliche Instrument ist ja meist die Software. Das wiederum führt uns zu einer Spezialdisziplin namens Software- Ergonomie. Sie beschäftigt sich exklusiv mit der Bedienerfreundlichkeit respektive (nach DIN) der Gebrauchstauglichkeit von Mensch-Computer-Schnittstellen. Womit wir wieder um drei synonyme Begriffe zu Human Factors reicher wären. Und wie meist, gibt es auch hierfür einen netten Anglizismus, nämlich die Usability. Alles klar? Fazit: Egal, ob wir es Ergonomie, Human Factors, Bedienerfreundlichkeit, Gebrauchstauglichkeit oder Usability nennen – immer geht es darum, die Maschinen den Menschen anzupassen und nicht umgekehrt. Das lässt sich in letzter Konsequenz wohl nicht so bald erreichen. Aber es dient einer guten Sache, die sich UX nennt. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_121549 www.netzwoche.ch © netzmedien ag 01 / 2019

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