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Netzwoche 1/2019

34 « Mit VR kann ein

34 « Mit VR kann ein Produkt oder eine Welt interaktiv erlebt werden, als wäre man real vor Ort. » Joel Allenspach, Jamaze Daniel Gremli, Mitgründer von Bandara. Joel Allenspach, Geschäftsführer von Jamaze. Handgriffe in einem realitätsnahen Umfeld auf sehr effiziente und kostengünstige Art trainieren. Bei gefährlichen Arbeiten kann so trainiert werden, ohne sich einer Gefahr auszusetzen», sagt Gremli. Auf das Potenzial von VR für solche Anwendungsszenarien macht auch Oliver Wöhler, Sales Manager bei HTC, aufmerksam. HTC ist Hersteller der VR-Brille Vive, für die sowohl Bandara als auch Jamaze Software entwickeln. Die HTC Vive werde zum Beispiel für die Piloten- und Schweisserausbildung verwendet, aber auch in der Medizin ergäben sich Anwendungsfälle. So könnten Ärzte, die an verschiedenen Standorten arbeiteten, im Vorfeld einer gemeinsam durchzuführenden Operation zusammen in einem virtuellen Raum die gesamte Prozedur simulieren und sich so auf den Eingriff vorbereiten. Danach gefragt, was Bandara und Jamaze an VR fasziniert, antworten beide Start-ups mit der einzigartigen Immersion, die diese Technologie biete. «Mit VR kann ein Produkt oder eine Welt interaktiv erlebt werden, als wäre man real vor Ort. Das löst Emotionen aus, die in Erinnerung bleiben», kommentiert Allenspach von Jamaze. Gremli von Bandara ergänzt: «Mit VR-Brillen kann man die reale Welt ausblenden und den Nutzer an andere Orte versetzen. Dieses komplette Eintauchen führt dazu, dass man wirklich das Gefühl hat, vor Ort zu sein. Das ermöglicht ein viel intensiveres Erlebnis, als man mit herkömmlichen Medien erzeugen kann.» Augmented und Virtual Reality: Konkurrenz oder Ergänzung? VR eignet sich gemäss Wöhler von HTC immer dann, wenn visualisiert oder simuliert werden soll. Überschneidet sich das nicht mit AR? VR und AR seien Technologien, die sich ergänzten, sagt Wöhler. AR einzusetzen sei sinnvoll, wenn man Virtuelles in die reale Umgebung integrieren müsse. Dies sei zum Beispiel der Fall, wenn ein Techniker im Sichtfeld seiner AR-Brille Beschreibungen zu einer Maschine erhalte, vor der er stehe. Aber nur VR habe die Kraft, dem menschlichen Gehirn glaubhaft zu machen, dass man sich in einer komplett anderen Situation befinde. Bubli von Afca betont die Unterschiede zwischen AR und VR stärker. VR sei ideal für Simulationen, während er AR als wichtiges, neues Kommunikationswerkzeug sieht. Arbeiteten mehrere Menschen mit AR-Brillen an einem Modell zusammen, sei der gegenseitige Austausch nicht behindert. «Man sieht die andere Person, man sieht ihre Gestik, ihre Mimik. Es ist mit AR viel einfacher, sich auszutauschen.» Bubli hebt zudem Einschränkungen hervor, die bei VR die Usability verschlechterten. So sei das VR- Headset an einen Computer gebunden, der für die Grafik sorge. Dies führe zu vielen Kabeln am Boden, über die Menschen stolpern könnten, weil sie sie mit aufgesetzten Helmen nicht sähen. Zumindest hier soll sich die VR-Technik in den nächsten Jahren verbessern und sich der kabellosen Erfahrung einer Hololens annähern. Wie Wöhler von HTC sagt, ist das Ziel die Entwicklung eines VR-Headsets, das ohne zusätzlichen Computer funktioniert. Ein solches mobiles Gerät werde zwar kabelgebundene VR-Helme allein aufgrund der reduzierten Grafikleistung nicht ersetzen. Es werde jedoch für eine deutlich höhere Flexibilität sorgen. Kosteneinsparungen dank neuer Technologien Was die beiden Technologien verbindet, ist auch das Versprechen, Geld zu sparen. Wöhler betont, dass die Visualisierung und Simulation von Situationen in VR Kosten erheblich senkten. Virtuelle Flugstunden für angehende Piloten seien günstiger als reale. Dies deckt sich mit dem Befund von Felder von Holo-One, der bezüglich AR-Anwendungen anhand des Fernwartungsbeispiels davon spricht, Ausfallschäden zu vermeiden. Die Attraktivität von AR und VR bei Firmen dürfte nicht zuletzt auch in langfristigen Kosteneinsparungen liegen. Glaubt man den Prognosen von IDC, stehen der ARund VR-Branche gute Zeiten bevor. Während Menschen weiterhin mit ihrem Smartphone Monster jagen oder mit der Playstation VR in fremde Gaming-Welten eintauchen, arbeitet die Entwicklerszene an Applikationen und Softwarelösungen, die Businessprozesse aufmischt. Egal, ob in der Flugindustrie, dem Architekturwesen, dem Medizinbereich oder für Marketingzwecke: den AR- und VR-Agenturen in der Schweiz dürften die Aufträge so schnell nicht ausgehen. Mit Augmented und Virtual Reality lassen sich Kosten einsparen. 01 / 2019 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Technology Research 35 Cloud Computing im Schweizer KMU-Markt 2019 2019 dürften die ICT-Ausgaben der kleinen und mittleren Unternehmen (KMUs) in der Schweiz nicht mehr auf dem Niveau des Vorjahres zulegen. Wir gehen aktuell davon aus, dass die Zuwachsraten der ICT-Budgets zwar immer noch leicht über denjenigen der Grossunternehmen (ab 500 Mitarbeiter) liegen, aber sich ebenso wie diese im Vergleich zu 2018 leicht abschwächen werden. DER AUTOR Philipp A. Ziegler Geschäftsführer, MSM Research AG Knapp die Hälfte der Befragten unserer neuen Cloud-Studie bevorzugt einen lokalen Anbieter. In diesem Jahr rechnen wir mit einem Anstieg der ICT- Ausgaben im KMU-Markt um 4,6 Prozent auf insgesamt 12,15 Milliarden Franken. Dies entspricht einem geringfügigen Rückgang der Wachstumsrate um 0,2 Prozent gegenüber 2018. Damit werden 2019 die Budgets der KMUs total immer noch um mehr als 500 Millionen Franken aufgestockt. Einer der zentralen Pfeiler des derzeitigen Wachstums ist der Big Shift, also der Paradigmenwechsel im Bereich des ICT-Betriebs. Damit ist die zunehmende Verlagerung des Betriebs zu externen Dienstleistern gemeint. Wir gehen davon aus, dass 2019 die Ausgaben für den traditionellen ICT- Eigenbetrieb der KMUs um annähernd 10 Prozent sinken, während sie für externe Managed und Cloud-Services um rund 17 Prozent zulegen werden. Während die Ausgaben für die intern betriebene Informatik der KMUs geschrumpft sind, flossen 2018 mehr als 3,7 Milliarden Franken in die Taschen externer Sourcing-Dienstleister. Wir rechnen damit, dass die entsprechenden KMU-Budgets für Sourcing- Services 2019 um rund 17 Prozent aufgestockt werden. Die Form des reinen ICT-Eigenbetriebs ist angezählt, das einstige Zentrum der Informatik verliert an Bedeutung. Die Kompassnadel zeigt in Richtung externe Dienstleistungen, Richtung Cloud Computing und Managed Services. Erster Faktor: Sicherheit Hybride Umgebungen dominieren bereits heute den ICT- Betrieb in vielen KMUs. Entsprechend hoch sind hier die Anforderungen an den Datenschutz, die Compliance und die ICT-Sicherheit. Das Management dieser gemischten, komplexen Umgebungen stellt höchste Ansprüche an die Verantwortlichen, denn eine einwandfreie Interoperabilität zwischen externer Cloud und On Premises bildet die Grundlage für einen reibungslosen Betrieb. Gerade für Schweizer KMUs ist der Sicherheitsaspekt heute einer der wichtigen, wenn nicht entscheidenden Antriebsfaktoren, in die Cloud zu wechseln. Waren es ursprünglich genau diese Sicherheitsbedenken, welche die kleineren und mittleren Unternehmen davon abhielten, sich für einen Wechsel in die Cloud zu entscheiden, sehen sich viele dieser Unternehmen heute kaum mehr in der Lage, die steigenden Sicherheits-, Compliance- oder Betriebsanforderungen zu erfüllen. Externe Cloud-Provider mit ihren Datacenter-Sicherheitskonzepten und Massnahmen bieten einen Standard, der die eigenen Mittel und Möglichkeiten übersteigt. Zweiter Faktor: Standort Für die überwiegende Mehrheit der Verantwortlichen spielt die lokale Nähe zum Cloud-Service-Anbieter eine bedeutende Rolle, die Sicherheits- und Standortfrage wird so oftmals zum «Killer-Kriterium» im Entscheidungsprozess. Dabei sind es nicht nur regulatorische oder gesetzliche Gründe, die den Standort Schweiz vorschreiben. Knapp die Hälfte der Befragten unserer neuen Cloud-Studie bevorzugt einen lokalen Anbieter, mit Blick auf möglichst kurze Anfahrts- beziehungsweise Eskalationswege im Falle von Störungen oder Problemen. Auch hier sind es vorab KMUs, die diese Komfortzone schätzen – das heisst eine akzeptable Distanz zum Provider – und diesem Entscheidungskriterium grosses und allenfalls ausschlaggebendes Gewicht beimessen. Lokale Angebote und auf die einzelnen Zielgruppen ausgerichtete Services verschaffen heute einem Cloud- Anbieter in der Schweiz damit entscheidende Vorteile in einem immer mehr standardisierten und vergleichbaren Wettbewerb. AUSGABEN FÜR CLOUD UND MANAGED SERVICES Anteil der Cloud und Managed Services an den gesamten ICT-Ausgaben der Schweizer KMUs 2019 Cloud & Managed Services Übrige ICT Quelle: MSM Research AG 36 % 64 % Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_121700 www.netzwoche.ch © netzmedien ag 01 / 2019

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