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Netzwoche 1/2019

46 Management & Career

46 Management & Career Aktuell WWW.NETZWOCHE.CH IT-Bildungsoffensive kommt an die Urne lha. Am 10. Februar stimmen die St. Galler über die IT-Bildungsoffensive ab. Insgesamt sollen 75 Millionen Franken in Projekte für die Bildung und Vernetzung von IT-Fachkräften gesteckt werden. Für Stakeholder werde ein Forum für den Austausch bereitgestellt sowie ein Ergebnis- und Finanzcontrolling sichergestellt. ▸ Webcode DPF8_120694 Verbände lancieren Informatiker-Zertifikat kfi. Das Joint Venture von Swiss-ICT und Schweizer Informatik Gesellschaft «3L Informatik» hat die Zertifizierung «SI-Professional» für Informatiker lanciert. Dieses Zertifikat soll Berufsleuten im Bereich Informatik die Möglichkeit bieten, auch nach dem Studium ihr Wissen und ihre Expertise nachzuweisen, wie es in einer Mitteilung heisst. ▸ Webcode DPF8_120326 Roland Brack betritt die Höhle der Löwen eca. Gemeinsam mit fünf anderen Unternehmern nimmt Roland Brack an der TV-Show «Die Höhle der Löwen» teil. TV24 wird dieses Jahr eine Schweizer Version der Reality-TV-Sendung ausstrahlen, in der Start-ups um Investitionen und Partnerschaften buhlen – oder die Unternehmer um geniale Geschäftsideen. ▸ Webcode DPF8_120271 Die ersten ICT-Security- Experten-Diplome mur. ICT-Berufsbildung Schweiz hat erstmals die Fachprüfungen für den Titel «ICT Security Expert mit eidg. Diplom» durchgeführt. 12 von 19 Teilnehmern waren erfolgreich. Das Diplom belegt Wissen in Daten- und Informationssicherheit und setzt Sozial- und Kommunikationskompetenzen sowie einen tadellosen Leumund voraus. ▸ Webcode DPF8_119782 Trends für CIOs 2019 eca. Analysten von Gartner haben an der «Gartner IT Infrastructure, Operations and Cloud Strategies Conference 2018» in Las Vegas die Branchentrends für 2019 verkündet. Ross Winser, Senior Research Director von Gartner, ermutigte Führungskräfte im Bereich Infrastructure und Operations (I&O) dazu, sich auf folgende Trends vorzubereiten: 1. Ermächtigung globaler Infrastrukturen Wenige Infrastrukturen sind globaler Natur, doch Organisationen sollten sich früher oder später mit dem Gedanken von «infrastructure everywhere» befassen. I&O-Entscheider müssten dazu innerhalb der Grenzen enger Budgets arbeiten. Ein Lösungsansatz dabei sei eine vorsichtige Wahl von Partnern. 2. Talentmanagement wird entscheidend Mit der Digitalisierung sollten sich IT-Belegschaften von traditionellen Organisationsstrukturen ablösen und umdenken. Die Erweiterung von I&O-Fähigkeiten, -Techniken und -Prozesse, die sich um Hybrid-Lösungen drehen, gewinne 2019 an Bedeutung. 3. Software-as-a-Service-Denial Software-as-a-Service (SaaS) liegt in den Händen der Provider. Provider liefern Software auf Basis von gemeinsamen Code- und Datensätzen, die von zahlreichen Kunden bezogen werden. Ab 2019 würde SaaS grossen Einfluss auf Infrastrukturstrategien haben. Die meisten I&O-Leader seien jedoch noch auf Infrastructure-as-a-Service (IaaS) und Platform-as-a-Service (PaaS) fixiert. 4. Neue Rollen im I&O Die Daseinsberechtigung einer Belegschaft im I&O-Bereich erfordere ein komplexes Zusammenspiel zwischen Kosten, Aktivitäten, und Qualitätsansprüchen der Kunden. IT- und Business-Leader müsste der Wert dieser Verbindungen nahegelegt werden. 5. Digital Diversity Management Es gehe nicht um Menschen, sondern um Entdeckung und Erhalt von allen Assets, die im modernen digitalen Unternehmen stecken. «Die I&O-Entscheider müssen über immer mehr ‹Dinge› informiert sein», so Winser. 6. Edge Computing IoT und immersive Technologien würden immer mehr Datenverarbeitung in die Edge befördern – die physische Schnittstelle, bei der sich Dinge und Personen mit der vernetzten digitalen Welt verbinden. Infrastruktur werde sich entsprechend weiter zur Edge erstrecken. 7. Der Tod des Rechenzentrums Wie Gartner voraussagt, werden 80 Prozent der Unternehmen bis 2025 von On-Premise-Rechenzentren weg zu Colocation-, Hosting- oder Cloud-Diensten abwandern. «Es gibt etliche Alternativen zu On-premise-Lösungen. Führungskräfte müssen abwägen, ob es echte strategische Gründe für On-Premise-Lösungen gibt», so Winser. 8. Network Agility (oder die Absenz dessen) Cloud-Dienste, Internet of Things (IoT) und Edge-Computing bleiben im IT-Bereich relevant. Anforderungen an das Netz würden mit dem Einzug von 5G weiter steigen, was zu grösserer Reife an Cloud-Diensten und explosivem Wachstum bei der Anzahl eingesetzter IoT-Geräten führe. I&O- Leaders müssten künftig ihren Teams mehr unter die Arme greifen, um wachsenden Anforderungen gerecht zu werden. 9. KI im Aufwind Künstliche Intelligenz (KI) werde immer wichtiger für I&O- Führungskräfte, die wachsende Infrastrukturen pflegen müssten, wenn sie die Belegschaft nicht analog dazu erweitern könnten. KI habe transformatives Potenzial und stehe im Kern des digitalen Business. 10. Serverfreies Computing Dieses aufkommende Muster an Softwarearchitektur soll den Bedarf nach Infrastrukturvorsorge und -management eliminieren. Anstatt auf physische Infrastrukturen zu setzen, müssten I&O-Manager einen applikationszentrischen Ansatz zu serverfreiem Rechnen verfolgen. Serverfreie Architekturen würden auch keine Container oder virtuelle Maschinen ersetzen. Daher sei Know-how darüber, wie Artikel online auf www.netzwoche.ch Webcode DPF8_119147 Grafik: turbodesign777 / iStock.com und wo verschiedene Technologien am besten angewandt werden müssten, von kritischer Bedeutung. 01 / 2019 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Management & Career Nachgefragt 47 Die IT geht in Pension – was nun? Die Generation der Babyboomer geht in Pension und mit ihnen auch ihre Berufserfahrung. Für Unternehmen besteht die Gefahr, wichtiges IT-Know-how zu verlieren. CIOs sollten Vorkehrungen treffen, damit das nicht passiert. Autor: Oliver Schneider 2026 könnten der Schweiz rund 40 000 IT-Fachkräfte fehlen, wie ICT-Berufsbildung Schweiz in einer Prognose warnt. Ein Grund für diesen Mangel sind Pensionierungen. In den kommenden acht Jahren sollen 21 700 Beschäftigte in den Ruhestand treten. Der altersbedingte Ausstieg von so vielen Fachkräften hängt mit der Demografie zusammen. In den Jahren nach Ende des Zweiten Weltkriegs wuchs die Schweizer Bevölkerung stark an. Die sogenannte «Babyboomer»-Generation kam auf die Welt und trat später in den Arbeitsmarkt ein. Heute sind viele der zwischen 1945 und 1965 geborenen Schweizer bereits in Pension oder stehen kurz davor. Da die Geburtenrate in der zweiten Hälfte der 60er-Jahre markant zurückging, fehlen Arbeitskräfte, die sie ersetzen könnten. Die Schweiz ist mit dieser Entwicklung nicht allein. Sie findet in vielen industrialisierten Ländern statt und stellt dort Unternehmen vor Herausforderungen, wie das «Wall Street Journal» berichtet. Mit den Fachkräften verlasse nämlich auch das Wissen über die vorhandenen Legacy- Systeme die IT-Abteilungen. Es bestehe die Gefahr eines «Talent-Exodus», durch den Firmen plötzlich mit Hardund Software dastünden, von denen niemand mehr wisse, wie man sie genau bediene oder warte, schreibt das «Wall Street Journal». Vielerorts habe man es verpasst, alte IT- Prozesse zu dokumentieren oder Wissen an neue Mitarbeiter weiterzugeben. Nicht zuletzt, weil sich Neueinsteiger ungern mit «Dinosaurier»-IT befassten. Wissen an die nächste IT-Generation weitergeben Dass sich der Kampf um Talente mit der Pensionierung der Babyboomer verschärfen werde, bestätigt Serge Frech, Geschäftsführer von ICT-Berufsbildung Schweiz. CIOs sollten deshalb schon heute Vorkehrungen treffen, damit kein Know-how verloren gehe. Dazu müsse Wissen rechtzeitig durch Dokumentation, Schulungen und Job-Rotationen weitergegeben werden. Damit das Know-how nicht zu anderen Unternehmen abwandert, empfiehlt Frech ausserdem, attraktive Arbeitsbedingungen zu schaffen. Dies zu bewerkstelligen, sei eine Aufgabe des Managements. Myriam Denk, Partnerin Human Capital Consulting bei Deloitte, sieht vor allem diejenigen Bereiche der IT herausgefordert, wo jahrelange Erfahrungen und systemisches Wissen entscheidend sind. «Solange Legacy-Systeme von Personen gewartet und betrieben werden, die wissen, wie die Systeme aufgebaut wurden und mit anderen Systemen interagieren, hat ein Unternehmen keine Probleme», sagt Bild: RgStudio / iStock.com « Mit den Babyboomern verschwindet das Wissen darüber, welche Änderungen an Systemen vorgenommen wurden, welche Systeme für das Unternehmen von Bedeutung sind und wo deren Fehler liegen. » Myriam Denk, Partnerin Human Capital Consulting, Deloitte Artikel online auf www.netzwoche.ch Webcode DPF8_108314 Denk. Mit den Babyboomern verschwinde aber das Wissen darüber, welche Änderungen an den Systemen vorgenommen wurden, welche Systeme für das Unternehmen von entscheidender Bedeutung seien und wo deren Fehler lägen. Um diese Herausforderungen zu meistern, empfiehlt Denk die Erstellung eines Plans, um den Wissenstransfer innerhalb des Unternehmens zu sichern. Dieser müsse Folgendes enthalten: ·· Bestandsausnahme aller IT-Positionen und deren Aufgaben ·· Kurse in (älteren) Programmiersprachen ·· Mentoring-Programm zur Weitergabe geschäftskritischer Erfahrungen ·· Beziehungen zu Mitarbeitern im Ruhestand ·· Automatisierung von Legacy-Systemen ·· Suche nach Mitarbeitern mit Wissen über Legacy- Systeme Firmen, die ihre IT in die Cloud ausgelagert haben, seien vom Babyboomer-Problem weniger stark betroffen, schreibt das «Wall Street Journal». Hier gebe es keine Legacy-Systeme, da Soft- und Hardware vom Dienstleister stets auf dem aktuellen Stand gehalten würden. Denk und Frech mahnen hier allerdings zur Vorsicht. Das Generationenproblem werde auch im Cloud-Zeitalter bestehen bleiben. Mit der Verlagerung der Firmen-IT in die Cloud fielen zwar Wartung und Updates vor Ort weg. Die Cloud-Betreiber müssten die Systeme aber nach wie vor ständig aktualisieren, sagt Denk. Dazu komme, dass viele Schweizer Firmen einem Wechsel in die Cloud noch skeptisch gegenüberstünden. www.netzwoche.ch © netzmedien ag 01 / 2019

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