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Netzwoche 1/2019

10 Business Event

10 Business Event Starkes Software-Segment, schwächelnder Hardware-Markt Der Swico hat zu seiner Jahresmedienkonferenz geladen und Zahlen zur ICT bekannt gegeben. Der Schweizer ICT-Markt wächst 2019 weiter, jedoch weniger schnell als 2018. Während die Schweizer Softwarebranche stark wachse, schaue die IT-Hardware in die Röhre. Autor: Kevin Fischer 2018 wuchs der Schweizer IT-Markt noch um 2,8 Prozent. 2019 werden es aufgrund des schwächelnden Hardware-Segments nur noch 1,8 Prozent sein. Artikel online auf www.netzwoche.ch Webcode DPF8_121815 IT-MARKT SCHWEIZ: SOFTWARE IST GEFRAGT Der Swico hat seine alljährliche Medienkonferenz abgehalten. Im «Metropol» in Zürich wurden die Teilnehmer über aktuelle Zahlen zur schweizerischen und europäischen ICT-Landschaft informiert. Auch kamen wichtige Themen der ICT-Wirtschaft des letzten und aktuellen Jahres zur Sprache. Es referierten Axel Pols, Geschäftsführer von Bitkom Research, Jean-Marc Hensch, Geschäftsführer von Swico, und Giancarlo Palmisani, Leiter der Verbandsdienstleistungen von Swico. Pols präsentierte die Zahlen zur ICT-Wirtschaft. Er schickte voraus, dass nicht nur die Werte von 2019, sondern auch die Zahlen von 2018 noch Schätzungen seien, die besonders dieses Jahr aufgrund von grossen Unsicherheitsfaktoren noch schwanken könnten. Namentlich sind diese Faktoren die Ungewissheit bezüglich des Brexit, finanziell schlechter gestellte Länder wie etwa Italien und die Handelskonflikte zwischen den USA und China. Die definitiven Zahlen zu 2018 dürften im Mai vorliegen. Zudem müsse beachtet werden, dass der IT-Markt für die Auswertungen vom Telekom-Markt (TK-Markt) getrennt worden sei, sagte Pols. Europa mit stabilem IT-Markt, Schweiz stark im Softwarebereich In Europa rechnen das «European IT Observatory» (EITO) und IDC 2019 mit einem stabilen Wachstum des IT-Marktes. Dieses dürfte, vergleichbar mit den Werten aus 2018, 1,8 Prozent betragen, sagte Pols. IT-Markt Schweiz (in Mrd. CHF) Trends (Umsatzwachstum in %) IT-Services Software IT-Hardware 25,0 20,5 15,0 10,0 5,0 0,0 20,0 20,8 21,4 2017 2018 2019 + 4,3 % + 4,0 % + 2,9 % 2017 2018 2019 Quelle: EITO in Zusammenarbeit mit IDC 10 % 8 % 6 % 4 % 2 % 0 % - 2 % - 4 % - 6 % - 8 % - 10 % 6,5 % 5,5 % 3,0 % 6,3 % 2,6 % 4,2 % 6,2 % - 3,5 % 2,6 % Der Schweizer IT-Markt sei nach bisherigen Schätzungen 2018 um moderate 4 Prozent gewachsen. Doch 2019 werde das Wachstum nur noch 2,9 Prozent betragen. Grund dafür seien vor allem schwächelnde Verkäufe von IT-Hardware, die 2019 um 3,5 Prozent zurückgehen sollen. Das liege daran, dass dieses Marktsegment grösseren Schwankungen unterliege und die Jahre 2017 und 2018 unerwartet stark gewesen seien, sagte Pols zur Begründung. Die Software- und die IT-Services-Märkte sollen konstant weiterwachsen, wobei besonders der Softwaremarkt mit 6,2 Prozent Wachstum stark bleiben werde. Wichtige Themen in diesen Bereichen, die auch noch 2019 relevant blieben, seien die Digitalisierung, Security-Software und Technologien wie Cloud Computing und künstliche Intelligenz. Telekommunikationsmarkt in der Schweiz stabil Für 2018 erwarten IDC und EITO ein Anstieg von 0,7 Prozent im Schweizer Telekommarkt, wie Pols aufzeigte. 11,6 Milliarden Franken soll der Umsatz betragen. 2019 werde das Wachstum um 0,1 Prozent zurückgehen, bleibe also relativ stabil. Wie im IT-Markt gebe das Hardware-Segment den Ausschlag, ob der Markt eher wachse oder schrumpfe. Für 2019 werde auch im Telekommarkt mit einem Rückgang des Wachstums in diesem Segment gerechnet. 2018 habe das Wachstum noch 4,1 Prozent betragen, 2019 werde es mit 0,2 Prozent weniger gross ausfallen. Die Zahlen für Sprachdienste sollen einigermassen stabil bleiben, während die Datendienste einen konsequenten Anstieg des Wachstums von 3,6 Prozent 2018 auf 3,8 Prozent 2019 verzeichnen dürften, erklärte Pols. Fazit: Schweizer ICT-Markt wächst weiter, aber langsamer Pols fasste zusammen, dass der Schweizer ICT-Markt 2018 insgesamt um 2,8 Prozent gewachsen sei. Für 2019 erwarten die Marktforscher aufgrund des schwächelnden Hardware-Segments nur noch ein Wachstum von 1,8 Prozent. In diesem Jahr würden besonders die digitale Transformation, Innovation und Effizienzsteigerung prägend sein. Abschliessend äusserte sich Jean-Marc Hensch zum «unsäglichen D-Wort»: Trotz der Forderungen nach Digitalisierung würden vom Staat Hürden in den Weg gelegt. An gewissen Punkten müssen die Behörden noch arbeiten. 01 / 2019 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Business Porträt 11 Monostream – wenn ein IT-Dienstleister gegen den Strom schwimmt Für viele Dienstleister bedeutet Digitalisierung nichts weiter, als Ressourcen in die Cloud auszulagern. Marcel Hintermann und Adrian Liechti sehen das anders. Mit ihrer Firma Monostream wollen sie so viel wie möglich selbst machen – von individueller Software bis hin zu Cloud Engineering. Autor: Joël Orizet Seit zwölf Jahren sind Adrian Liechti und Marcel Hintermann Geschäftspartner. Zwölf Jahre, in denen sich einiges verändert hat. Die IT-Branche, ihre Firma Monostream und sie selbst, wie sie sagen. «Was wir gemacht haben, war immer um die Ecke gedacht», sagt Liechti. Das sei gut angekommen. Ebenso, dass sie beide Welten kennen – Softwareentwicklung und System Engineering. «Das hilft uns bei den grossen Projekten», sagt Hintermann. Und von denen stemmten sie bereits einige. Zu den Referenzkunden zählen etwa Swisscom, Mammut, das Bundesamt für Informatik und Schweizer Banken. Aller Anfang ist ein Abenteuer Schon ihr erster Auftrag hatte es in sich. Das war 2006. Ein Altendorfer Installateur engagierte sie für ein Projekt, das heute unter dem Stichwort «Industrial IoT» gehandelt würde. Ziel war es, Software für die Fernüberwachung von Klimaanlagen in Kanada zu entwickeln. «Das war eine verrückte Sache – und eine harte Lebensschule», sagt Liechti. Denn als der Auftrag erfüllt war, standen sie vor dem Nichts. Kurz bevor es ans Eingemachte ging, begann das erste richtig grosse Projekt. «Es fing an mit einer Bierwette», sagt Liechti. Er und Hintermann trafen sich eines Freitagabends in einer Zürcher Bar mit ein paar Freunden. Einer von ihnen arbeitete bei Swisscom und forderte die beiden dazu auf, übers Wochenende eine Lösung zu bauen, die TV-Sender über den VLC-Player streamen sollte. «Das war ziemlich tricky, aber wir haben es geschafft», sagt Liechti. Wenn es läuft, geht’s aufwärts Wenig später klopfte Swisscom an. Zunächst ging es um ein Web-TV-Projekt. Von da aus hangelten sie sich von einem Auftrag zum anderen. So halfen sie entscheidend mit, Swisscom TV 2.0 zu gestalten und umzusetzen. Vor drei Jahren entwickelte Monostream auch noch «MyCloud», Swisscoms Cloud-Speicher für Privatanwender. 2017 klingelte das Telefon. Am anderen Ende meldete sich HPE. «Wir haben gehört, ihr macht Software in der Cloud», hat es geheissen. Der Hersteller habe einen Auftrag vom Bundesamt für Informatik (BIT) und brauche jemanden mit an Bord. So kam es, dass Monostream das BIT auf dem Weg zur Digitalisierung begleitete. Hintermann und Liechti halfen bei der Umsetzung agiler Methoden sowie beim Aufbau eines quelloffenen Cloud-Frameworks. Die Rückkehr zum Selbstgemachten Mittlerweile ist Monostream mit zwölf Mitarbeitern und zwei Standbeinen unterwegs. Individuelle Softwareentwicklung ist das eine. Software ab Stange sei zwar die naheliegende, weil billigere Option. Doch keiner könne sich so von Mitbewerbern differenzieren. «Deswegen bedeutet Digitalisierung, die Dinge wieder selbst in die Hand zu nehmen», sagt Liechti. Das andere Standbein heisst Cloud Engineering. Da geht es zwar auch um Design und den Aufbau von cloudbasierten Infrastrukturen, wie Hintermann sagt. Spannender sei es aber, neue Entwicklungsumgebungen zu bauen, mit denen sich etwa containerisierte Apps oder Microservices automatisiert ausrollen liessen. Auf die Frage, wie sie das alles angestellt haben, sagt Liechti: «Zunächst muss man gut zuhören, den Kunden verstehen, sich offen und ehrlich mit ihm austauschen.» Hilfreich sei es, Probleme und Ziele schematisch darzustellen, um mögliche Wege aufzuzeigen. «Dann bauen wir einen Prototyp», sagt er. Schon beim zweiten Meeting gelte es, etwas vorzuführen, das Hand und Fuss hat. Bloss keine Slides, sondern eine Demo. Und die muss so aussehen, «dass der Kunde sich selbst darin wiedererkennt». Die beiden Monostream- Gründer Adrian Liechti (l.) und Marcel Hintermann in ihrem Büro in Zürich. Artikel online auf www.it-markt.ch Webcode DPF8_121369 www.netzwoche.ch © netzmedien ag 01 / 2019

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