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Netzwoche 10/2017

24 Technology Research

24 Technology Research Die Energiebranche digitalisiert Die Digitalisierung schreitet voran und die Disruptionswelle rollt und erfasst alle Branchen. Nicht alle gleichzeitig und in gleichem Umfang. Aber keiner der vertikalen Märkte wird sich entziehen können. DER AUTOR Philipp A. Ziegler Geschäftsführer, MSM Research AG Der Weg in die digitale Welt beschäftigt die Schweizer Unternehmen intensiv, das Thema steht in vielen Chefetagen, ICT- und Fachabteilungen an oberster Stelle der Strategie- Agenda. In vielen Bereichen stehen wir hierzulande allerdings noch am Anfang. Die derzeitigen IoT-Projektumsätze bewegen sich im Vergleich zum ICT-Gesamtmarkt noch in marginaler Höhe. Für 2017 prognostizieren wir Ausgaben in der Höhe von 670 Millionen Franken, was «lediglich» einem Anteil von knapp 4 Prozent an den gesamten ICT-Spendings entspricht. Der Markt wird sich aber in den kommenden Jahren exponentiell entwickeln, konkret rechnen wir für 2017 mit einem Wachstum des Marktes ENERGIEVERSORGUNGSUNTERNEHMEN IN DER SCHWEIZ Der Einfluss der aktuellen Wirtschaftslage auf die Informatik-Ausgaben Welche der folgenden Aussagen kommen aus Ihrer persönlichen Sicht der aktuellen Wirtschaftslage am nächsten? N=50 Die aktuelle politische und wirtschaftliche Lage in unserem Land wird im laufenden Jahr … … bezüglich geplanter Investitionen und Ausgaben kaum Auswirkungen zeigen … Informatik-Ausgaben ansteigen lassen, neue Projekte generieren, Digitalisierung vorantreiben … Informatik-Ausgaben insgesamt bremsen (Projektstopp, Verschiebung, Kürzung) keine Antwort Quelle: MSM Research AG 2 % 42 % 8 % 48 % Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_43115 um 48 Prozent. Dazu zählen wir Ausgaben für ICT-Infrastruktur, Betrieb, Applikationen und Plattformen, Prozessmanagement, Connectivity, Analytics, Sensorik, Security, Beratung und Professional Services. Drei Kernfragen Aus vielen Gesprächen und Umfragen haben sich drei Kernfragen ergeben, welche die Mehrheit der Unternehmen beschäftigt, wenn es um erste Schritte in die digitale Transformation geht: Wie starte ich, wie verdiene ich Geld damit und wer hilft mir? Oder zusammengefasst: Wie können aus den kreativen Ideen und ersten Lösungsansätzen praktische, wettbewerbsfähige und kommerziell sinnvolle Business Cases realisiert werden. Die Energiebranche ist bereits auf den digitalen Weg eingeschwenkt. Sicherlich verschafft der Volksentscheid zur Energiestrategie vom 21. Mai der Entwicklung zusätzlichen Schub mit Blick auf den Einsatz neuer Technologien und digitalisierter Prozesse. Am Beispiel des Smart Meters (intelligenter, digitaler Stromzähler) wird ersichtlich, was digitale Transformation im Energiebusiness bedeutet. Nicht «ein wenig» Prozessoptimierung oder «ein bisschen» Innovation. Smart Metering und entsprechende Kundenportale ermöglichen eine massive Verkürzung der Prozessdurchlaufzeiten (vom Ablesen bis zur Rechnungsstellung). Aus Tagen werden Minuten. Die Kunden profitieren von einer erhöhten Prozesssicherheit aufgrund einer durchgängigen Prozesskette ohne Unterbrechungen. Energiebranche mit deutlich höheren ICT-Budgets Wie unsere kürzlich durchgeführte Studie zur ICT und Digitalisierung in der Energiebranche aufzeigt, stocken die Energieversorgungsunternehmen (EVU) ihre ICT- Budgets deutlich höher auf als andere Branchen. Die 3,4 Prozent Plus im laufenden Jahr liegen doppelt so hoch wie das Wachstum der gesamten ICT-Ausgaben in der Schweiz (B2B). Mag sein, dass der Kosten- und Leidensdruck in anderen vertikalen Segmenten (noch) grösser ist. Gespart wird bei den EVUs auch, vornehmlich im ICT- Betrieb. Dafür werden Gelder freigesetzt, die für innovative Projekte und Digitalisierungsthemen zur Verfügung stehen. Und hier steht Smart Metering ganz oben auf der Agenda der EVU, wenn es um aktuelle Challenges geht. Die Energiebranche ist auf dem Weg in die digitale Welt, die ersten Schritte sind getan. 10 / 2017 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Technology Fachbeitrag 25 Vorlage schützt vor Denken nicht Heute unterliegen auch Nutzeroberflächen flüchtigen Modetrends. Was als chic gilt, wird kopiert und verbreitet sich via Vorlagen oder Bibliotheken rasch im Markt. Wer aber unbedacht nach Schönheit strebt, verliert das Wesentliche aus den Augen, zum Beispiel Bedienbarkeit, Identität und Konsistenz. Es muss wohl an der sogenannten Consumerization der IT liegen, dass sich die Softwarehersteller in einem permanenten Schönheitswettbewerb befinden. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum ich als Usability-Spezialist immer wieder gefragt werde, ob ich denn coole Vorlagen oder Beispiele kenne, die zum Entwickeln einer netten Nutzerschnittstelle herangezogen werden könnten. In der Tat ist das Web voll von UI-Kits und Templates. Teilweise sehen die auch gar nicht schlecht aus. Zudem gibt es inzwischen schon eine Unzahl wichtiger und weniger wichtiger Web- und Software-Awards, bei denen gute Oberflächen prämiert werden. Auch dort liesse sich prima abgucken. Doch macht seine Nutzer wirklich zufriedener, wer sich andernorts bewährter GUI-Konzepte bedient? Gelangt man damit schneller an den Markt, spart man Geld, verdient man mehr? Vielleicht gewinnt man leichter einen Wettbewerb. Aber im Ernst: Sich und seiner Firma tut man damit oft keinen Gefallen, denn allzu leicht bleiben dabei Dinge wie Bedienbarkeit, Identität und Konsistenz auf der Strecke. Klar, vielleicht fehlt im Team die Erfahrung in Fragen der Mensch-Maschine-Interaktion. Nicht ganz zu Unrecht liesse sich auch argumentieren, es müsse ja nicht immer alles neu erfunden werden. Die Nutzer hätten schliesslich bestimmte Erwartungen, was die Bedienung angehe. Schon wahr, aber wie der Alltag zeigt, kann wirklich vieles schiefgehen, wenn einem originellen Webdienst, einer guten Software ein vorkonfektioniertes Kostüm übergestülpt wird. Das ewige Streben nach Schönheit Weil fremde Layouts so gut wie nie durchgehend zum eigenen Produkt passen, entstehen an allen Ecken konzeptionelle Verwerfungen, die sich oft nicht sauber kitten lassen. Das merkt der Nutzer. Im ewigen Streben nach Schönheit geht zudem leicht der Blick fürs Wesentliche verloren. Dann steht plötzlich nicht mehr die Qualität des Gesamtpakets im Vordergrund, sondern die Effekthascherei. Das gipfelt schlimmstenfalls in Buchhaltungsprogrammen, die so tun, als seien sie Social-Media-Apps oder in Käse-Stores, die wirken, als seien sie Werke ausflippender Performancekünstlerinnen. Was aber fast immer auf der Strecke bleibt, ist die Chance, etwas Originales zu schaffen. Eine Nutzerschnittstelle muss nicht möglichst modisch sein und meist auch nicht unbedingt cool. Sie muss stimmig sein, logisch und auch eine Visitenkarte für den Hersteller. Letzteres hilft besonders dann, wenn dieser mehrere Produkte anbietet. Der Nutzer an sich ist ja ein Gewohnheitstier, bleibt ergo eher bei Bekanntem. Wer hier jeder Modeströmung nachrennt, verliert. Form sollte Funktion folgen Wie lässt sich das vermeiden? Hier hilft sicher ein gesundes Selbstbewusstsein. Im Zentrum muss das Produkt stehen mit seinen Funktionen. Die gilt es auf authentische Weise so darzureichen, dass die Nutzer rasch, sicher und gerne damit arbeiten. Dabei kommt es meist besser, wenn die Form der Funktion folgt und nicht umgekehrt. Die Funktionen aber kennt nur der Hersteller selbst, die Bedürfnisse und Erwartungen seiner Kundschaft (hoffentlich) ebenso. Das ist sein ureigener Vorteil, den es nicht aufs Spiel zu setzen gilt durch kurzsichtiges Streben nach Aufmerksamkeit. Seien Sie also mutig! Nutzen Sie bewährte Bibliotheken mit GUI-Elementen, aber schaffen Sie damit etwas Eigenes. Halten Sie sich an die App-Guidelines – die Logik aber und das Layout sollten als Ihr Werk zu erkennen sein! Nutzen Sie die Spielräume, die Sie haben, übernehmen Sie Verantwortung und zaubern Sie etwas Eigenständiges auf den Bildschirm! DER AUTOR Christopher H. Müller Inhaber und CEO von Die Ergonomen Usability AG. Sich bewährter Vorlagen zu bedienen, sollte nicht heissen, alles eins zu eins zu übernehmen. Bild: Shutterstock www.netzwoche.ch © netzmedien ag 10 / 2017

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