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Netzwoche 10/2018

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38 XXXXXXXXXXX XXXXXXXXXXXX Illustration: irinastrel123 / Fotolia.com FOCUS SOCIAL MEDIA Social Media: Mehr als nur Katzenvideos osc. Vielleicht mag man sie nicht, vielleicht liebt man sie, vielleicht braucht man sie, vielleicht versucht man, sie zu ignorieren – aber man nutzt sie doch. Social Media sind längst Teil des Alltags und damit auch wichtige Kanäle für Unternehmen geworden. Auf den folgenden Seiten stellen drei Gastautoren Facebook, Twitter, Linkedin & Co. aus ihrer Perspektive dar. Urs Bucher, Senior Consultant und Head of Lab bei Farner, will die Leser zunächst zum Durchatmen und Nachdenken anregen. Er zeigt in seinem Fachbeitrag, was wir auf Social Media machen, und dass es nicht nur Facebook gibt. Bucher fordert einen informierten und kritischen Umgang mit dem Thema. Jonathan Voigt, Senior Consultant und Social-Media-Experte bei Namics, gibt in seinem Text Tipps für eine erfolgreiche Präsenz auf Youtube. Wer auf der Videoplattform seine Zielgruppe ansprechen will, muss verschiedene Aspekte im Auge behalten. Im Zentrum steht dabei die Story, wie Voigt schreibt. Im Fachbeitrag des Chefs von Xing Schweiz, Yves Schneuwly, geht es um die Rekrutierung von Mitarbeitern in der digitalisierten Medienwelt. Schneuwly zeigt vier Trends, die Unternehmen heute beachten sollten. Von der Automatisierung des Rekrutierungsprozesses bis zum gegenseitigen Kennenlernen auf Social Media – «New Work» hat viele Facetten. 10 / 2018 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Focus Social Media 39 Social Media: einmal kurz durchatmen bitte! Seit einigen Monaten ist Facebook in der Öffentlichkeit das dominierende soziale Netzwerk. Dabei gehen andere wichtige Social-Media-Plattformen vergessen; zudem ist Facebook nicht einmal die Nummer eins bei den Nutzerzahlen in der Schweiz. Ein paar Beobachtungen und Gedanken zum Stand der «Social-Media-Nation» Schweiz. Auch wenn seit der Cambridge-Analytica-Affäre primär über die Social-Media-Plattform Facebook diskutiert wird – in der Schweiz haben Whatsapp (deutlich über 6 Millionen Nutzer) und Youtube (5 Millionen Nutzer) klar mehr aktive Nutzer als Facebook (knapp unter 4 Millionen). Diese Zahlen finden sich in allen Studien zur Nutzung dieser Plattformen in der Schweiz. Somit kann die Social-Media-Nutzung in der Schweiz nicht nur auf Facebook reduziert werden, sondern beinhaltet auch Whatsapp, Youtube, Linkedin, Instagram, Google+, Xing, Twitter, Snapchat und Pinterest. An dieser Stelle gleich einmal ein kleiner Test: Welche dieser Firmen gehören zu Facebook? Antwort: Instagram (seit 2012) und Whatsapp (seit 2014). Gemäss einer Studie von EY («Social Media Usage Schweiz», Digital Nation Switzerland, 2017) sind mehr als die Hälfte aller Schweizer Whatsapp-Nutzer und mehr als ein Drittel aller Facebook-Nutzer auf den Plattformen jeweils häufiger als dreimal täglich aktiv. Ein Viertel der Zeit, die Schweizer online verbringen, entfallen heute auf Social Media (Studie «Medien der Zukunft» 2022, Admeira Mai 2018). Schätzungsweise entfällt der Löwenanteil dieser Zeit auf die Mobile-Nutzung. Bild: miakievy / iStock.com Damit steht fest: Es sind viele Leute auf Social Media. Was tun wir denn da alle so? Wir tauschen uns aus, wie wir es auch offline viel und gerne tun. Wen treffen wir an? Freunde – ausgesucht von uns selbst und von Algorithmen aufgrund unserer Aktivitäten und der Interessen, die wir preisgegeben haben. Diese Köder, sprich die grosse Masse an Leuten, sind äusserst attraktiv für Geschäfte aller Schattierungen. So werden wir bespielt mit Werbung. Das ist die Währung, mit der wir als Nutzer bezahlen. Denn auch hier gilt: «there is no free lunch»; irgendjemand bezahlt immer irgendwie. Die Währungen hier sind Werbung und unsere Daten. Werbung als «Bezahlung» ist nichts Neues, aber unsere Daten als Gegenleistung zur Verfügung zu stellen natürlich schon. Wir müssen wissen, was da mit uns gemacht wird Sollten wir uns deswegen ängstigen oder Social Media vielleicht gar nicht mehr nutzen? Nein, aber wir müssen wissen, was da mit uns gemacht wird oder gemacht werden könnte; die Interessen aller Spieler verstehen und sie einordnen können. Neudeutsch heisst das «Digital Lite racy». Gepaart mit gesundem Menschenverstand ist das die beste Ausgangslage, um sich in Social Media elegant zu bewegen; um an der Oberfläche nicht sichtbare Zusammenhänge zu verstehen und auch in Social Media nicht den Schwindlern und Scharlatanen auf den Leim zu gehen. Vergessen wir eines nicht: Social Media ist immer noch eine junge Disziplin. Facebook wurde 2004 gegründet, somit befinden wir uns mitten in der Teenager-Sturm- und Drangzeit, auch wenn das Kind ungestüm wächst. Trotz aller Leichtigkeit dieses Textes mein ich’s ernst: Wir brauchen sinnvolle Informationen und Ausbildungen für alle Alters- und Wissensstufen, leicht zu verdauen und verständlich. So stellen wir sicher, dass möglichst viele Menschen in der Schweiz den Anschluss nicht verpassen und dass wir sie auf der Reise in dieses Neuland weiter mitnehmen können. Deswegen braucht es Anlässe wie den Informatiktag und Initiativen wie Digitalswitzerland. Zu guter Letzt, und damit schliesse ich den Kreis zum Titel, hilft sicher auch etwas Gelassenheit. DER AUTOR Urs Bucher Senior Consultant und Head of Lab, Farner Digital Literacy, gepaart mit gesundem Menschenverstand, ist die beste Ausgangslage, um sich in Social Media elegant zu bewegen. www.netzwoche.ch © netzmedien ag 10 / 2018

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