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Netzwoche 11/2016

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14 Business Tagung «Wir

14 Business Tagung «Wir haben die erste Halbzeit verloren – aber die zweite werden wir gewinnen» Das 42. Asut-Seminar hat Mitte Juni einmal mehr das Who’s who der Schweizer ICT-Branche in den Berner Kursaal gelockt. Swisscom-CEO Urs Schaeppi sprach über die Innovationsfähigkeit der Schweizer Wirtschaft, SRG-Generaldirektor Roger de Weck über den Umbruch der Medien als Chance. Es gab aber auch weniger optimistische Stimmen. Autor: Marcel Urech « Die grossen, globalen Unternehmen sollen endlich Steuern zahlen, statt lustige Brillen zu produzieren. » Carlota Perez, Wirtschafts- und Innovationsforscherin aus Caracas, Venezuela Carlota Perez ist eine gefragte Frau. Die Wirtschafts- und Innovationsforscherin aus Venezuela war Beraterin der Weltbank, der OECD und diverser lateinamerikanischer Länder. Am 16. Juni war sie in Bern, am 42. Asut-Seminar. Perez referierte auf der grossen Bühne und vertrat folgende These: Wenn Märkte zu frei sind, produzieren sie Innovationen, die in eine völlig falsche Richtung laufen. Moderne Technologien hätten das Potenzial, die Menschheit in eine «neue goldene Ära» zu lenken – aber nur, wenn der Staat eingreife. Die Finanzmärkte seien von der Realwirtschaft entkoppelt, was falsche Anreize schaffe. Auch das sei ein Grund für mehr staatliche Eingriffe, da die Produktion sonst oft nicht profitabel sei. «Und die grossen, globalen Unternehmen sollen endlich Steuern zahlen, statt lustige Brillen zu produzieren», forderte Perez. Im Saal war das Who’s who der Schweizer IT-Branche. Die Tech-Elite spendete brav Beifall, obwohl sie seit Jahren das Gegenteil predigt: Freiere Märkte, weniger Regulierungen, möglichst tiefe Steuern. Der Applaus der Anwesenden war nicht glaubwürdig, und schon beim nächsten Redner waren Perez’ Gedanken wohl wieder vergessen. Das 42. Asut-Seminar zog über 900 Teilnehmer aus Wirtschaft, Forschung, Bildung, Verwaltung und Politik in den Berner Kursaal. Die Wirtschafts- und Innovationsforscherin Carlota Perez referierte mit viel Elan und Herzblut. Schaeppi vermisst den Pioniergeist Swisscom-CEO Urs Schaeppi betrat die Bühne und sprach über die digitale Transformation. Die wichtigsten Impulse der Branche kämen aus den USA und aus Asien, nicht aus Europa. «Wir haben die erste Halbzeit verloren – aber die zweite werden wir gewinnen.» Die Schweiz sei im Digitalisierungsrennen gut positioniert. Sie müsse nur die Angst vor dem Scheitern verlieren und mehr Mut zeigen. «Unsere Grossväter hätten die Porta Alpina gebaut. Uns fehlt heute der Pioniergeist», sagte Schaeppi. Schaeppi kündete «5G for Switzerland» an, ein Projekt, das Swisscom gemeinsam mit Ericsson und der EPF Lausanne lanciert. Die Partner wollen die Entwicklung von 5G vorantreiben und in Kooperation mit der Industrie verschiedene Anwendungsmöglichkeiten des noch nicht standardisierten Mobilfunkstandards erforschen. Etwa Smart Transportation, autonomes Fahren, automatisierte Verkehrsleitsysteme oder die virtuelle Realität. Nach Schaeppi referierte Roger de Weck. Der Umbruch der Medien sei eine Chance, sagte der SRG-Generalsektor, und die Schweiz könne mit dem Wandel umgehen. Das Schweizer Fernsehen etwa stelle neue Folgen der Hit-Serie «Der Bestatter» schon vor der Ausstrahlung komplett ins Netz. Das funktioniere bestens. Der digitale Kanal sei nämlich eine Ergänzung zur traditionellen TV-Welt, und nicht etwa eine Konkurrenz, sagte de Weck. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode 8663 11 / 2016 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Business Event 15 Bechtle ist die Schweiz wichtig Bechtle hat in Regensdorf seinen jährlichen Kundenevent abgehalten. Schwerpunkt war die Geschäftstransformation durch die Digitalisierung. Vorstandsvorsitzender Thomas Olemotz hatte einiges zur Rolle der Schweiz zu sagen. Autor: Christoph Grau « Wann heiraten Sie denn? » Gunter Dueck, Professor, Mathematiker und Schriftsteller Klares Bekenntnis zum Standort Schweiz «Die Schweiz ist für uns nach Deutschland der wichtigste Ländermarkt», betonte Olemotz. Bechtle will seine Stellung in der Schweiz noch weiter ausbauen. Erreichen will das Unternehmen dies durch eine Bündelung der Kompetenzen, durchgeführt durch das Prinzip der «dezentralen unternehmerischen Vernetzung». Nicht jeder Standort müsse sämtliche Kompetenzen vorhalten. Durch eine bessere Vernetzung sollen die vorhandenen Ressourcen und Kompetenzen für die ganze Schweiz verfügbar gemacht werden. In letzter Zeit habe Bechtle Schweiz durch die strukturellen Veränderungen schwierige Phasen durchlaufen. «Dass wir die Schweiz als Markt aufgeben, ist unvorstellbar.» Von kleineren Rückschlägen lasse sich die Firma nicht unterkriegen, betonte er. Mitte Juni hat Bechtle zu seinem jährlichen Kundenevent ins Hotel Mövenpick nach Regensdorf geladen. Die Veranstaltung trug erstmals den Titel «Bechtle IT-Forum Schweiz». Laut Veranstalter hatten sich rund 400 Kunden, Partner und Interessierte angemeldet. Der Event stand unter dem Motto: «Business Transformation». Bechtle sieht sich auf Kurs Thomas Olemotz, Vorstandsvorsitzender von Bechtle, und Gerhard Marz, Bereichsvorstand und verantwortlich für das Projekt Bechtle Schweiz 2020, begrüssten die Gäste. Laut Marz ist auch Bechtle nicht von der digitalen Transformation ausgenommen. So habe sich das Unternehmen in den letzten Jahren von einem Hard- und Softwareanbieter zu einem Lösungsanbieter gewandelt. Die digitale Transformation stelle Bechtle auch vor Herausforderungen. Gerade was die interne Kommunikation der über 100 Einzelgesellschaften angehe, habe das Unternehmen noch viel vor sich, betonte Olemotz. Es gebe kein Unternehmen, das nicht von den digitalen Veränderungen betroffen sei. «Es ist toll, dass wir als IT-Unternehmen mittendrin sind», sagte er. Mit den Worten «wir leben in goldenen Zeiten für die IT» brachte er seinen Optimismus für den Erfolg des Unternehmens zum Ausdruck. Artikel online auf www.netzwoche.ch Webcode 8667 Ein T-Shirt allein reicht nicht Gastreferent war Gunter Dueck, Professor, Mathematiker und Schriftsteller. Er tat mit viel Selbstironie und Witz seine Meinung über die IT-Welt kund. Sein Vortrag «Wann heiraten Sie denn?» thematisierte die Beziehung zwischen dem Management von Unternehmen, die er als BWLer bezeichnete, und der IT beziehungsweise den ITlern. Seiner Meinung nach stelle sich das Management gegen Veränderungen, da immer alles zu 99,999 Prozent laufen müsse. Unter diesem Paradigma gebe es keinen Raum für Innovationen. Wie die weissen Blutkörperchen im Immunsystem würden sich die Manager gegen Innovationen wehren. «Die töten alles, was nicht in Ordnung ist», sagte er. «Wenn ITler Innovationen hervorbringen, dann erkennen die Manager diese als eine Ausnahme von der Regel und schlagen die Innovationen tot. Wenn ITler sagen, sie hätten eine Idee, dann kommen die Manager und schlagen die Idee tot», brachte er es ironisch auf den Punkt. Auch Manager, die erkannt hätten, dass sich etwas ändern müsse, würden häufig an der falschen Stelle ansetzen. Sie führen ins Silicon Valley und seien total begeistert. Mehr als eine Hängematte im Ruheraum aufzuhängen und so ein T-Shirt anzulegen wie die «coolen Typen» von Google käme dann aber nicht dabei heraus, sagte Dueck. Für einen grundlegenden Kulturwandel seien sie nicht bereit und wunderten sich dann, dass sie von Google überholt würden. Es brauche nicht die Umsetzung von vielen kleinen Ideen, sondern eine grosse Idee. So könne Daimler noch so lange an Fahrassistenten arbeiten, ein selbstfahrendes Auto komme dennoch nicht dabei heraus. www.netzwoche.ch © netzmedien ag 11 / 2016

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