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Netzwoche 11/2016

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34 Focus Start-ups Mit

34 Focus Start-ups Mit Start-ups die digitale Welt neu erfinden Start-up-Kooperationen sind en vogue. Doch weshalb suchen Grossunternehmen die Zusammenarbeit mit Jungunternehmen? Welche Ansätze sind zielführend und unter welchen Vorzeichen versprechen sie Erfolg? Der Artikel zeigt auf, wie das Start-up-Engagement die Innovationskraft einer Firma zu stärken vermag. es, ein entsprechendes Netzwerk aufzubauen und sich als Experte zu positionieren. Immer mehr Firmen setzen zudem auf Start-up-Challenges. Sie sind ein hervorragendes Instrument, um sich einen Überblick über das Ökosystem zu verschaffen, indem aus einer grossen Zahl Bewerbungen in einem kompetitiven Verfahren die passendsten selektiert werden. Ein noch systematischeres Matching von Start-ups mit internen Problemstellungen bietet die Durchführung von Tech Calls. Hier werden konkrete Fragestellungen in den relevanten Fachcommunitys ausgeschrieben. Interessierte Start-ups werden danach über ein Pitch-Verfahren für eine Zusammenarbeit gewonnen. Abgesehen von der projektbasierten Zusammenarbeit nimmt auch das Corporate Venturing deutlich zu. Hier ist die Firma sowohl Innovationsförderer als auch Investor. Über die umfassende Partnerschaft erhält sie weitreichende Einblicke in die Entwicklung disruptiver Technologien. Swisscom Co-Working Space für Projekt-Arbeit mit Start-ups. die autorin Penny Schiffer Leiterin Start-up Engagement Swisscom Wann haben Sie zuletzt eine Filmrolle in Ihre analoge Kamera eingesetzt oder sind «bewaffnet» mit einem Stadtplan durch eine Metropole gelaufen? Digitale Technologien prägen unser Leben. Und: Viele digitale Innovationen stammen von Start-ups. Wussten Sie etwa, dass die Mobilfunktechnologie anfangs nicht von den Telekommunikationsanbietern selbst vorangetrieben wurde? So hat Swisscom deren Entwicklung ausgelagert. Sie wäre intern zu sehr bekämpft worden. Start-ups sind wesentliche Treiber disruptiver Innovationen und schneller in der Entwicklung sowie im Testen neuer Produkte. Auch helfen sie, unternehmerisches Denken in eine Firma hineinzutragen. Doch was braucht es, damit die Zusammenarbeit mit Start-ups auf die Innovationskraft eines Grossunternehmens einzahlt? Erfolg versprechende Ansätze im Start-up-Engagement Essenzieller Teil des Start-up-Engagements ist das sogenannte Scouting – das Aufspüren von Start-ups mit Potenzial. Erfolgreiches Scouting erfordert Outposting, den Aufbau einer spürbaren Präsenz im Start-up-Ökosystem. Gerade im Silicon Valley betreiben viele Firmen gezieltes Trend- und Start-up-Scouting. Auch an Hochschulen gilt Was gilt es intern zu beachten? Für ein gezieltes Zusammenführen von externer Innovation mit internen Problemstellungen ist zunächst eine vertiefte Kenntnis der fürs Business relevanten Problemstellungen zentral. Ebenfalls muss ein umfassendes Netzwerk in die Geschäftseinheiten hinein gepflegt werden. Nur so bestehen Anknüpfungspunkte für die Implementierung konkreter Innovationen. Förderlich ist zudem das Angebot interner Innovations-Hubs, die Raum für die Projektarbeit mit Start-ups bieten. Hier treffen externe auf interne Innovatoren. Damit kann gleichzeitig die interne Innovationskultur gestärkt werden. Faktoren für eine gewinnbringende Zusammenarbeit Damit ein Start-up-Engagement relevante Innovationen generiert, müssen interne und externe Aktivitäten zielgerichtet miteinander verknüpft werden, das Stichwort lautet: Fokus. Die Zusammenarbeit mit Start-ups verspricht zudem nur dann Erfolg, wenn die Stärken von Jungunternehmen (z. B. disruptiv, schnell) mit jenen von etablierten Firmen (z. B. Vertriebskanäle, Kunden) optimal kombiniert werden. Auch müssen die Projekte konkrete, messbare Erfolge bieten – und zwar für beide Seiten, für das Start-up und für das Grossunternehmen. Wir sind gespannt, welche disruptiven Innovationen in den nächsten Jahren den Durchbruch schaffen! 11 / 2016 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Focus Start-ups 35 Warum ist unsere Geschäftswelt asymmetrisch? Start-ups haben derzeit Rückenwind, denn Agilität und Flexibilität stellen heute die zwei wichtigsten Komponenten des Erfolgs dar. Hier liegt der Vorteil der kleinen gegenüber den grossen Firmen, da sie noch keine komplexen Strukturen aufgebaut haben. der autor Carsten Dreyer Business Solution Strategist, VMware Die mobile Ära der IT bedeutet, dass Unternehmen grös sere Umsatzchancen mit weniger Aufwand wahrnehmen können – ein klarer Vorteil für Start-ups. Underdog-Geschichten sind bei uns sehr beliebt: Der Kleine und Schwächere, der sich gegen jemand Stärkeren behaupten muss und letztlich, entgegen allen Erwartungen, gewinnt. Zunächst waren es die grossen, etablierten Unternehmen, die ganz traditionell von der Asymmetrie in der Wirtschaft profitierten. Fortschreitende Veränderungen der Kundenbedürfnisse, die Nachfrage nach neuen Technologien und der Zeitdruck auf dem Markt balancierten dies in letzter Zeit jedoch zugunsten der Start-ups aus. Agilität und Flexibilität stellen heute die zwei wichtigsten Komponenten des Erfolgs dar – und hier liegt der Vorteil für die kleinen Rivalen, die noch keine komplexen Strukturen aufgebaut haben. Die veralteten Prozesse und Technologien verlangsamen die Reaktionen der grossen Player. Demzufolge würden wir heute geradezu von David erwarten, dass er Goliath besiegt. Aus anfänglichen Zweifeln wird eine bestehende Erwartung. Was sind die entscheidenden Vorteile der Startups gegenüber etablierten Unternehmen? Und wann entwickelten sich die Märkte zugunsten der Start-ups? 1. Zunehmend dynamischere Arbeitsplätze Arbeit steht nicht mehr nur für den physischen Arbeitsplatz. Unsere Beziehung zum Büro hat sich durch die Modernisierung grundlegend verändert. Abteilungen werden globaler und die Mitarbeiter produktiver, obwohl sie immer weniger Zeit am physischen Schreibtisch verbringen. Heute können sie ihre Arbeit von nahezu jedem Gerät an jedem Ort erledigen. Unternehmen, die dieses Potenzial erkennen und den Mitarbeitern in ihrer Arbeitsweise mehr Freiraum geben, profitieren von Produktivitätszuwachs und Zufriedenheit der Mitarbeiter. Hier tun sich etablierte Unternehmen nach wie vor schwer und machen Start-ups zu attraktiven Arbeitgebern für Young Professionals. 2. Mehr Arbeitskräfte unterschiedlicher Altersstufen Heute arbeiten Mitarbeiter unterschiedlicher Generationen zusammen. Unternehmen müssen den Bedürfnissen der Generation X und Y, den Millennials und den Baby Boomers gerecht werden und künftig dabei behilflich sein, ihre digitalen Fähigkeiten zu fördern und verbessern. Die Millennials wurden in der Vergangenheit als modernisierende Kraft hinter der Umgestaltung des Arbeitsplatzes gefeiert. Wichtig ist jedoch, diese nicht nach ihrem Geburtsjahr, sondern vor allem nach ihrer Einstellung gegenüber der modernen IT einzuordnen. Die Bereitschaft zum Erlernen liegt im Vordergrund. Die digitalen Fähigkeiten jedes Mitarbeiters sollten gefördert werden. Eine neue VMware-Studie ergab nämlich: Viele Mitarbeiter wollen bessere digitale Fähigkeiten erwerben! So wären 64 Prozent aller Befragten bereit, ihre digitalen Kompetenzen in ihrer privaten Zeit auszubauen. 3. Unerwartete Ertragsflüsse Aufstrebende und profitable Unternehmen wie Uber, AirBnB und Netflix beweisen, dass Umsätze jederzeit explodieren, aber auch versiegen können. Planung und Investitionen sind komplizierter, als man denkt: Es erfordert einen flexiblen Unternehmensansatz, wenn man durch die schnelle Einführung neuer Produkte und Services konkurrenzfähig bleiben will. Zudem muss die Strategie ständig an die Herausforderungen der Unternehmensumwelt angepasst werden. 4. Verblasste Beziehung zwischen Investitionsbedarf und Marktpräsenz Einen neuen Markt zu betreten, erfordert weit mehr als nur eine neue Niederlassung im gewünschten Land zu eröffnen. Cloud Computing konnte Herausforderungen bezüglich des Zugriffs auf die jeweiligen IT-Infrastrukturen erleichtern. Es müssen also weniger Investitionen getätigt werden, um weiter wachsen und neue Märkte erobern zu können. Einfach gesagt, bedeutet die mobile Ära der IT, dass Unternehmen nun grössere Umsatzchancen mit weniger Aufwand wahrnehmen können – ein klarer Vorteil für Start-ups. 5. Neue Kundenbedürfnisse Nicht nur die Unternehmen, auch die Kunden wenden sich verstärkt der mobilen IT zu. Die Kunden wollen heute die Vorgänge selbst steuern und beobachten können und erwarten, dass Unternehmen dieses Bedürfnis erfüllen. Betriebe, die da nicht mithalten können, verlieren Umsatz und auch Boden an die Konkurrenz. Start-ups haben derzeit Rückenwind und machen sich diese Asymmetrie zunutze. Ein Grund für die etablierten Unternehmen, ihre Geschäftsmodelle auf den Prüfstand zu stellen und zu modernisieren. Denn nur wer auf die digitale Transformation vorbereitet ist, wird profitieren können. www.netzwoche.ch © netzmedien ag 11 / 2016

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